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Selbstbewusst in den Job zurück


Selbstbewusst in den Job zurück

2020-08-19T12:45:53+02:0019. August 2020|

Die Elternzeit gilt als eine der kri­tis­chsten Phasen im Erwerb­sleben von Frauen, weil viele Frauen ihre einst ambi­tion­ierten Kar­ri­ere­pläne aufgeben, sobald sie eine Fam­i­lie gegrün­det haben.

Ricar­da Engelmeier will das ändern. Die Münch­ner­in hat mit MyCol­lec­tive ein Entwick­lung­spro­gramm für weib­liche Führungskräfte in der Elternzeit ins Leben gerufen. Im Inter­view spricht sie darüber, warum Eltern-Kom­pe­ten­zen auch für Unternehmen wertvoll sind, welchen Wan­del sie in der Wirtschaft her­beiführen möchte und warum Net­zw­erken auch während der Elternzeit so wichtig ist.

Von Astrid Zehbe

Du hast 2018 MyCollective gegründet. Dein Ziel ist es, dass Frauen in ihrer Elternzeit nicht den Anschluss an ihr Unternehmen und ihre Karriere aus dem Blick verlieren. Wie bist Du auf die Idee dazu gekommen?

Ricar­da Engelmeier: Während mein­er eige­nen Elternzeit mit unserem drit­ten Kind. Die ersten bei­den Kinder habe ich bekom­men, während ich in Indi­en eine Insti­tu­tion für Nach­haltigkeit für die GIZ aufge­baut habe. So richtig Elternzeit war da nicht dabei. Unser drittes Kind bekam ich dann, als wir wieder in Deutsch­land waren und ich bei Siemens in der Strate­gieabteilung arbeit­ete.

Es schien üblich zu sein, ein Jahr Elternzeit zu nehmen – das machte ich meinen Kol­legin­nen ein­fach nach. Ich habe es auch genossen, habe Franzö­sis­chunter­richt genom­men, Pitch-Nights von Start-ups besucht und eine Medi­a­toren-Aus­bil­dung gemacht.

Als ich eines Mor­gens mit meinem Kinder­wa­gen durch München spazierte, traf ich so viele andere Frauen mit Kinder­wa­gen. Ich staunte und fragte mich, wie viel Humankap­i­tal da wohl jeden Mor­gen durch diese Stadt spaziert! Und wie viele Frauen danach vielle­icht gar nicht mehr in den Job zurück­kehren, obwohl sie vielle­icht eine Top-Aus­bil­dung und Ver­ant­wor­tung im Job haben.

Dort willst Du mit MyCollective ansetzen. Wie genau funktioniert das Programm?

Es gibt drei Säulen: Con­nect, Empow­er und Inspire. Con­nect heißt, dass sich hier Peers miteinan­der ver­net­zen und sich gegen­seit­ig ein Vor­bild sind. Denn es hil­ft enorm, andere Frauen, die ähn­liche Kar­ri­eream­bi­tio­nen und Chan­cen haben, in der gle­ichen Sit­u­a­tion zum Aus­tauschen zu haben.

Empow­er bedeutet bei uns, dass die Teil­nehmerin­nen ler­nen, die Fähigkeit­en, die sie als Mut­ter erwor­ben haben, in Führungskom­pe­ten­zen zu über­set­zen. Eltern ler­nen ja rel­a­tiv schnell, viele unter­schiedliche Dinge gle­ichzeit­ig zu man­a­gen. Damit das klappt, müssen sie sich fokussieren und Pri­or­itäten set­zen.

Das sind Dinge, die auch im Job wichtig sind. Ziel ist es, die indi­vidu­ellen Elternkom­pe­ten­zen zu iden­ti­fizieren, sie zu ver­bal­isieren und sie dann als Führungskom­pe­ten­zen zu inter­nal­isieren und gestärkt zurück­zukom­men.

Dafür habe ich Experten als Train­er für das Pro­gramm gewin­nen kön­nen, die neben ihrer Coaching­ex­per­tise auch eigene Indus­trieer­fahrung haben und selb­st Eltern sind. Um sich wirk­lich in die Teil­nehmer hinein­ver­set­zen zu kön­nen, sind alle drei Ele­mente wichtig.

Inspire ist der Teil des Pro­gramms, in dem die Teil­nehmerin­nen ihre von den Babys in der Zeit nicht abge­fragten Kom­pe­ten­zen und ihr Indus­trienet­zw­erk ein­set­zen und als Pro-Bono-Men­torin für Social-Start-ups agieren. Sie kön­nen so von dem inno­v­a­tiv­en und unternehmerischen Geist der Grün­der­szene prof­i­tieren und diesen auch mit in ihren Job zurück­nehmen.

Zudem laden wir span­nende Gesprächspart­ner und Role Mod­els in unsere soge­nan­nten Impulse Ses­sions, wöchentliche Gespräch­srun­den im kleinen Kreis, ein. Diese Frauen und Män­ner sind Experten auf ihrem Gebi­et – zum Beispiel im Bere­ich Arbeitsmod­elle oder Kom­mu­nika­tion – und gle­ichzeit­ig durch ihren Werde­gang authen­tis­che Vor­bilder.

Wie wird das Programm ganz praktisch durchgeführt?

Als wir Anfang des Jahres mit etwa zehn Frauen ges­tartet sind, waren tat­säch­lich physis­che Tre­f­fen und Coach­ings geplant. Wegen Coro­na ging das natür­lich nicht, was sich let­z­tendlich als Glücks­fall für MyCol­lec­tive ent­pup­pte.

Wir haben alles auf eine Online­plat­tform ver­lagert. Mit ein­er eige­nen APP kön­nen die Frauen jet­zt, auch wenn sie ger­ade mit Kinder­wa­gen durch den Park spazieren, Zugriff auf alle Inhalte und zu allen Tre­f­fen haben.

Jeden Mittwoch ist MyCol­lec­tive-Tag und wir wech­seln ab zwis­chen Train­ings und Impuls Ses­sions. Für die Teil­nehmerin­nen ist das viel ein­fach­er zu man­a­gen, da man keine Betreu­ung für die Babys braucht. Sie schlafen oder sind eben auf dem Arm mit dabei. Wenn man alle Train­ingsmod­ule durch hat, gibt es dann noch zwei Einzel­coach­ings für einen indi­vidu­ellen Ele­va­tor Pitch.

Was ist das?

Das ist das erste Gespräch vor der Rück­kehr in den Job mit der oder dem Vorge­set­zten. Es wer­den Ziele besprochen und wie es weit­erge­ht. Selb­stver­trauen auszus­trahlen ist da wichtig. Wer – wie unsere Teil­nehmerin­nen – während der Elternzeit viel Neues gel­ernt hat, sich ver­net­zt und frische Impulse bekom­men hat, wird automa­tisch selb­st­be­wusster.

Warum ist es so wichtig, das Selbstbewusstsein der Frauen zu stärken. Viele haben doch schon beruflich so viel erreicht?

Es gibt lei­der nach wie vor wenige Vor­bilder und oft ist das Umfeld der frischge­back­e­nen Müt­ter eher kon­ser­v­a­tiv, was die Rol­len­verteilung in der Fam­i­lie ange­ht.

Die Frauen spüren einen enor­men Druck, auch ob sie genug sind: Sie haben sich oft ein Jahr lang „nur“ um ein Kind geküm­mert, hat­ten Windeln und Breirezepte im Kopf und unzäh­lige schlaflose Nächte.

Der Aus­tausch mit den anderen Teil­nehmerin­nen ist darum enorm wichtig und zeigt jed­er einzel­nen: Hey, ich bin nicht allein. Ich wuppe auch Fam­i­lie und Job und kann auch Forderun­gen stellen – nicht nur, was die Arbeit­szeit­en ange­ht, son­dern auch zum Beispiel bezüglich des näch­sten Kar­ri­ereschritts.

Welche Frauen willst Du mit Deinem Programm genau erreichen?

Frauen, die bere­its erste Führungser­fahrung haben oder sich in der Pipeline für eine solche Posi­tion befind­en. Ich bespreche mit dem Unternehmen, in welch­er Hier­ar­chieebene MyCol­lec­tive eingegliedert wer­den soll. Das Unternehmen wählt dann die jew­eilige Kan­di­datin selb­st aus.

Warum wendet sich MyCollective vor allem an Führungskräfte?

Wenn es mehr Frauen in Führungsebe­nen gibt, wer­den sie auch Frauen unter­stützen, die ihnen fol­gen, und im besten Fall natür­lich auch diejeni­gen, die Kinder haben. So kann ein Wan­del her­beige­führt wer­den.

Ein Wandel wohin?

Dass das Mut­ter­sein nicht mehr zum Kar­ri­ere­hin­der­nis wird, son­dern im Gegen­teil: Dass die vie­len Kom­pe­ten­zen, die man in sein­er Rolle als Mut­ter erwor­ben hat, im Job anerkan­nt und auch gezielt einge­set­zt wer­den. Auf diese Weise wird es auch leichter, mehr Frauen in Führungspo­si­tio­nen zu brin­gen.

Das Ange­bot gilt im Übri­gen genau­so für Män­ner, die Elternzeit nehmen. Sie kämpfen oft mit noch größeren Hür­den, wenn sie Elternzeit nehmen wollen, und sind unsere lieb­sten Teil­nehmer.

Wird das nicht ohnehin durch Frauenquoten forciert?

Quoten helfen in gewis­sem Maße, aber das Prob­lem ist vielschichtiger und mit Quoten allein nicht zu lösen. Viele Unternehmen ste­hen heutzu­tage unter dem Druck, divers aufgestellte Teams aufzubauen und im Zuge dessen mehr Frauen in Führungspo­si­tio­nen zu brin­gen.

Dieser Druck kommt nicht immer vom Geset­zge­ber, son­dern beispiel­sweise auch von anderen Stake­hold­ern wie Inve­storen oder Kun­den – und das ist auch gut so. Unternehmen, die das ernst nehmen, müssen also in die Förderung von jun­gen weib­lichen Führungskräften investieren, um damit später die Posten in den ver­schiede­nen Man­age­mentebe­nen zu beset­zen.

Wenn die Frauen nicht aus ihrer Elternzeit zurück­kehren oder nicht mehr bere­it sind – aus welchen Grün­den auch immer – Führungsver­ant­wor­tung zu übernehmen, fehlen diese Nach­wuch­skräfte in den Unternehmen. Man braucht also einen großen Tal­ent-Pool. Deshalb set­zen wir genau da an, wo die Unternehmen ihre Frauen ver­lieren, am Anfang der Fam­i­lien­grün­dungsphase, der Elternzeit.

Aber warum geben Frauen, die sich jahrelang durch ihre Ausbildung begeben haben und schon Top-Positionen erreicht haben, all das Erreichte so einfach auf?

Die Elternzeit ist eine sehr kri­tis­che Phase auf dem Kar­ri­ereweg von Frauen. Das beru­fliche Net­zw­erk fällt in der Regel plöt­zlich weg. Viele Fir­men lassen ihre Frauen los – auch aus falsch ver­standen­er Für­sorge. Die Frauen sind dann kom­plett dem pri­vat­en Umfeld über­lassen, in dem sie – aus ver­schiede­nen Grün­den – eher geneigt sind, ihre beru­flichen Ambi­tio­nen zurück­zustellen.

Viele entschei­den sich hier, ob sie „Kinder und Job“ oder „Kinder und Kar­riere“ wollen. Ersteres wird oft als tem­poräre Entschei­dung gese­hen, es ist dann aber sehr schw­er, noch mal auf den Kar­ri­erep­fad aufzusteigen.

Welche Unternehmen sind bislang dabei?

Danone, Air­bus und TÜV Süd machen bere­its mit und im Herb­st kom­men neue Unternehmen dazu, was uns sehr freut.

Kann ich auch mitmachen, wenn ich woanders arbeite?

Ja! Zu wem das Pro­gramm nach eigen­er Ansicht passt, kann sich gerne an mich wen­den. Wir loten dann gemein­sam die Möglichkeit­en aus und ich biete an, den Arbeit­ge­ber mit ins Gespräch zu holen.

Mit dem Unternehmen schaue ich dann, in welch­er Man­age­mentebene es Sinn macht, MyCol­lec­tive zu inte­gri­eren. Es kann gezielt wie eine Art Award inner­halb der Fir­ma etabliert wer­den – das steigert den Anreiz, um während und natür­lich auch nach der Elternzeit weit­er beru­flich inner­halb des Unternehmens Ver­ant­wor­tung zu übernehmen.

Dr. Ricar­da Engelmeier hat MyCol­lec­tive während ihrer eige­nen Elternzeit 2018 gegrün­det. Sie hat Poli­tik und Wirtschaft studiert und in BWL pro­moviert. Ricar­da begann ihre Kar­riere in ein­er Strate­gieber­atung in Deutsch­land und wech­selte dann zur GIZ nach Indi­en, wo sie sieben Jahre lang im Bere­ich Nach­haltigkeit tätig war. Anschließend arbeit­ete sie bei der Siemens AG in die Unternehmensstrate­gie in München mit dem Schw­er­punkt Nach­haltigkeit.

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