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In Krisenzeiten Ruhe bewahren und sichtbar bleiben

2020-06-22T08:03:31+02:0010. Juni 2020|

Es blüht far­ben­froh, der Früh­som­mer lockt mit steigen­den Tem­per­a­turen nach draußen und die ersten Lockerun­gen der Maß­nah­men zum Schutz vor der Ver­bre­itung des SARS-CoV-2-Virus find­en statt. So langsam find­en wir in unser „altes“ Leben vor Coro­na zurück.

Von Susan J. Mold­en­hauer

Doch einiges bleibt anders.

Das „neue Nor­mal“ zeigt sich nicht nur sicht­bar in Form von Mund-Nasen-Schutz, Abstand­skle­be­bän­dern und Plex­i­glas, son­dern es wirkt auch sub­til.
Die wochen­lan­gen Ein­schränkun­gen des öffentlichen Lebens haben Fol­gen für unser (Arbeits-)Leben.

Trotz riesiger „Hil­f­s­pakete“ in Mil­liar­den­höhe vom deutschen Staat steigt die Anzahl der Mitar­bei­t­erin­nen in Kurzarbeit auf eine Reko­rd­höhe von derzeit über sieben Mil­lio­nen. Mit den von den Unternehmen vorgenomme­nen Anzeigen zur Kurzarbeit liegen wir sog­ar bei 11,72 Mil­lio­nen.

Erin­nern wir uns an die Finanzkrise 2008 zurück, so lag der daraus resul­tierende, bish­erige Reko­rd bei 1,44 Mil­lio­nen Men­schen in Kurzarbeit (Mai 2009).

Die Gruppe der rund vier Mil­lio­nen Selb­st­ständi­gen, darunter etwa 50 Prozent Freiberu­fler und Solo-Selb­st­ständi­ge, sind hier noch gar nicht berück­sichtigt. Hier gibt es keine „schützende Hänge­mat­te“ aus Kurzarbeit­ergeld.

Sie haben teil­weise mit bis zu 100 Prozent Ver­di­en­staus­fall zu kämpfen und kön­nen die Soforthil­fe­maß­nah­men vom Staat nur eingeschränkt abrufen. Vie­len ist nicht bewusst, dass diese Mit­tel nur die betrieblichen Kosten auf­fan­gen sollen, nicht jedoch die ent­gan­genen Umsätze oder Leben­shal­tungskosten.

Zudem arbeit­en viele Freiberu­flerin­nen und Solo-Selb­st­ständi­ge von zu Hause aus und haben keine nen­nenswerten Betrieb­saus­gaben, wie Büro‑, Prax­is­räume oder Maschi­nen. Ihnen bleibt als einzige Unter­stützung ein „leichter­er Zugang“ zur Beantra­gung von Arbeit­slosen­geld II, vul­go Hartz IV, wenn die eige­nen Rück­la­gen nicht mehr zur Deck­ung des Lebens­stan­dards reichen.

Das hinterlässt Spuren: Existenzängste rauben unsere letzten Energiereserven

Doch es hil­ft gar nicht, den Kopf in den Sand zu steck­en oder vor den Prob­le­men wegren­nen zu wollen. Es gilt, die alte Tugend Geduld wiederzuent­deck­en. In großen Aus­nahme­si­t­u­a­tio­nen müssen wir erst wieder ler­nen, geduldiger zu wer­den. Mit den Umstän­den. Und mit uns selb­st.

Krisen lassen sich überwinden − durch Annehmen

Viele von uns haben so eine Krisen­si­t­u­a­tion, wie wir sie jet­zt durch die SARS-CoV-2-Pan­demie erfahren, noch nie erlebt. Viele Emo­tio­nen und Reak­tio­nen auf diese Sit­u­a­tion sind neu für uns und damit müssen wir erst ein­mal klarkom­men.

Hier hil­ft es, die Sit­u­a­tion anzunehmen. Wir soll­ten die Aus­lös­er unser­er Emo­tion benen­nen und diesen Din­gen Raum geben. Indem wir diese nicht länger von uns wegschieben, ver­lieren sie ihren Schreck­en. Mit einem etwas küh­leren Kopf kön­nen wir dann Klarheit für uns und unsere Sit­u­a­tion schaf­fen.

Das Annehmen und Akzeptieren erfolgt in mehreren Schritten.

Schritt 1: Die Analyse der IST-Situation schafft konkrete Handlungsempfehlungen

Ob selb­st­ständig oder angestellt, im ersten Schritt soll­ten wir uns eine Über­sicht über unsere Ein­nah­men und Aus­gaben machen und im näch­sten Schritt einen Liq­uid­ität­s­plan erstellen:

Für Selbstständige oder Freiberufler:

Welche laufend­en Betrieb­skosten habe ich (z.B. Betrieb­sräume wie Büro, Prax­is oder Laden­fläche, Pkw, Maschi­nen, Warenbe­stand etc.)?
Welche Ein­nah­men habe ich (noch)?
Wie lange kann ich ohne Aufträge leben?
Wie hoch sind meine Rück­la­gen?
Welche Kosten kann ich reduzieren (z.B. mit dem Ver­mi­eter eine Lösung find­en; das Finan­zamt kon­tak­tieren: Steuer­stun­dun­gen, Steuer­vo­rauszahlun­gen anpassen usw.)?
Welche weit­eren Spar­maß­nah­men sind möglich?

Für Angestellte:

Welche laufend­en Fixkosten habe ich (Miete, Nebenkosten, Pkw, Ver­sicherun­gen, Tilgung von Dar­lehen etc.)?
Welche Kosten kann ich reduzieren (z.B. unnütze Aus­gaben, zu teure Ver­sicherun­gen etc.)?
Was kann ich aus­mis­ten und gegebe­nen­falls verkaufen (Büch­er, gut erhal­tene Gebrauchs­ge­gen­stände, sel­tene Keller- oder Boden­fund­stücke für Samm­ler etc.)?
Welchen Betrag kann ich monatlich zurück­le­gen?

Wichtiger Tipp:

Grund­sät­zlich sollte ein Betrag als „Not­groschen“ in Höhe von drei bis sechs Net­tomonats­ge­häl­tern bzw. Monat­seinkün­ften vorhan­den sein oder aufge­baut wer­den.
Dieser Betrag sollte täglich ver­füg­bar sein (auf dem Tages­geld­kon­to oder einem Extra-Girokon­to, das als „Notre­serve“ dient).
Bevor ich ans langfristige Investieren denke, sollte zunächst dieser „Not­groschen“ aufge­baut wer­den.

Schritt 2: Unterstützung holen

Sofern ich selb­st­ständig unter­wegs bin, kön­nen die IHK (bei Mit­glied­schaft), mein Steuer­ber­ater oder auf Förder­pro­gramme spezial­isierte Beratung­sun­ternehmen über­prüfen, inwiefern es Unter­stützung für die eigene Sit­u­a­tion gibt. Neben den „Coro­na-Sofort­maß­nah­men“ gibt es zahlre­iche KfW-Förder­pro­gramme, Kred­ite oder Bürgschaften.

Die neue normale Arbeitswelt

Die Arbeitswelt ist während der Coro­na Krise eine andere gewor­den. Wo früher kein Home­of­fice geduldet wurde, ist das Arbeit­en von zu Hause ganz nor­mal gewor­den. Besprechun­gen, wichtige Meet­ings und Ter­mine wer­den über Zoom, MS Teams, Skype und Co abgewick­elt.

Auf ein­mal ist da diese Erken­nt­nis, dass man nicht mehr für jede Besprechung um den Globus jet­ten muss. Es geht auch anders. Und der Neben­ef­fekt ist nicht nur Zeit­erspar­nis, son­dern weniger Stress. Viele Unternehmen ler­nen jet­zt das Arbeit­en mit verteil­ten Teams, was wiederum ganz neue Per­spek­tiv­en für jeden Einzel­nen von uns schafft.

Schritt 3: Umdenken und Neudenken

Ob angestellt oder selb­st­ständig − die neue Arbeitswelt bietet mir die Gele­gen­heit, mein Wirken zu hin­ter­fra­gen und mich selb­st neu oder anders zu posi­tion­ieren:

Wo und wie kann ich diese neue Arbeitswelt für mich nutzen?
Wie kann ich meine Dien­stleis­tung, mein Ange­bot verän­dern, um trotz der noch gel­tenden Beschränkun­gen Umsätze zu gener­ieren?
Wie kann die „Nach-Coro­na-Zeit“ konkret für mein Busi­ness ausse­hen?
Was kann ich an mein­er Dien­stleis­tung oder an meinem Pro­duk­t­port­fo­lio verän­dern?
Bin ich in mein­er Branche/in meinem Bere­ich immer noch richtig?

Schritt 4: Sichtbar bleiben oder werden

Wie gelingt es mir trotz Home­of­fice, meine Leis­tun­gen sicht­bar zu machen?
Welche Leis­tun­gen kann ich über das Web anbi­eten?
Wie kann ich mich als Exper­tin in meinem Bere­ich posi­tion­ieren?

Wenn wir diese Fra­gen und Gedanken zulassen und uns damit beschäfti­gen, wer­den wir fest­stellen, dass es für viele Dinge Lösun­gen gibt. Wenn wir diese Zeit als Möglichkeit begreifen, unsere Sit­u­a­tion zu hin­ter­fra­gen, haben wir die Chance, uns zu verän­dern und daraus vielle­icht viel stärk­er her­vorzuge­hen.
Ich wün­sche Ihnen und Euch allen viel Kraft, Geduld und Zuver­sicht!

Susan J. Mold­en­hauer ver­fügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche mit dem Fokus auf ganzheitliche, unab­hängige Beratung. Durch das Aus­bilden, Schulen und Führen von Mitar­beit­ern ent­deck­te sie ihre starke Affinität zum Coach­ing.
Als zer­ti­fizierte Kar­ri­ere­ber­a­terin und Coach unter­stützt sie im Team der STRATEGY PIRATES® Men­schen im Beruf­sleben. Bei den geldfreundinnen.de ist sie mit der Rubrik „Kar­riere- und Gehaltscoach­ing“ vertreten. Sie bietet Work­shops, Vorträge und Einzel­coach­ings an. Als Frau, die sich in ein­er män­ner­do­minierten Branche ihre Sporen ver­di­enen musste, ist ihr Herzen­s­the­ma, Frauen zu motivieren, mit mehr Mut, Selb­st­be­wusst­sein und dem Erken­nen ihres „Selb­st-Wertes“ ihren Weg erfol­gre­ich zu gehen.

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