Startseite/Kathi gründet: Crowdfunding mit Schnitzeljagd

Kathi gründet: Crowdfunding mit Schnitzeljagd

2020-11-05T09:35:58+01:0027. Oktober 2020|

Mit Crowd­fund­ing lassen sich Pro­jek­te, inno­v­a­tive Ideen oder Start-ups finanzieren. Der Gedanke dahin­ter: Eine Vielzahl von Men­schen unter­stützt ein Pro­jekt mit Geld. Crowd­fund­ing wird darum auch als Schwarm­fi­nanzierung beze­ich­net.

Katha­ri­na Fre­un­dor­fer, die das erste Zero-Waste-Café in München eröff­nen möchte, hat Crowd­fund­ing genutzt, um ihrem Traum vom eige­nen Café ein Stückchen näher zu kom­men. In Courage berichtet sie darüber, wie sie ihr Fund­ing mit ein­er Schnitzel­jagd durch München bekan­nter machen wollte, warum sie den Kam­pag­nen­start in den Herb­st ver­schoben hat und warum es eigentlich gar nicht erster Lin­ie ums Geld geht.

Von Astrid Zehbe

Liebe Kathi, Du hast im September ein Crowdfunding gestartet, um Deine Idee eines Zero-Waste-Cafés in München teilweise zu finanzieren. Wieso hast Du diesen Weg gewählt – Du hättest ja auch einfach zur Bank gehen können?

Katha­ri­na Fre­un­dor­fer: Ich finde die Idee klasse, zusam­men etwas umzuset­zen, Unter­stützer zu find­en, die sich auch für Mül­lver­mei­dung in der Gas­tronomie begeis­tern und sich gerne so ein Café in München wün­schen. Es ist so toll zu sehen, dass die Men­schen bere­it sind einen Gutschein zu kaufen, um die Idee zu real­isieren.

Wenn ich nur zu Bank gegan­gen wäre, wäre der Gedanke in meinem Kopf „Dafür inter­essiert sich doch kein­er und diese Idee hat keine große Ziel­gruppe” viel größer gewe­sen. So bin ich gezwun­gen, mit mein­er Idee rauszuge­hen und es macht so Spaß, die pos­i­tiv­en Reak­tio­nen und Antworten zu bekom­men.

Du hattest ein sogenanntes Funding-Ziel von 10.000 Euro – das hast du mittlerweile erreicht. Warst Du nervös, ob es Dir gelingen wird?

Total! Ich habe gepostet, dass noch ein klein­er Teil fehlt und dann hat eine Fre­undin mir geschrieben: „Du hast dein erstes Ziel jet­zt erre­icht.“ Da habe ich mich so unglaublich gefreut und gle­ich einen kleinen Freuden­tanz aufge­führt.

Wie hast Du Dich vorbereitet auf das Crowdfunding und wie lange hat die Planung gedauert?

Die Vor­bere­itun­gen haben etwa einein­halb Monate gedauert. Durch Coro­na haben wir etwas später ges­tartet und kon­nten noch mehr Fein­schliff bei den Blog­a­r­tikeln und beim Videoschnitt vornehmen.

Für den Auftritt bei der Crowd­fund­ing-Plat­tform musste ich ja einen kleinen Film drehen. Coro­na hat die Dreh­pla­nung ziem­lich durcheinan­dergewirbelt, ich wollte aber den Drehter­min nicht ver­schieben. So haben wir ein­fach mit kleiner­er Beset­zung gedreht.

Was hast Du alles unternommen, um Dein Crowdfunding bekannt zu machen?

Ich habe eine PR- und eine Mul­ti­p­lika­toren­liste, die ich angeschrieben habe. So kamen Inter­views in Radios, Pod­casts und auch Insta­gram-Post­ings zus­tande. Viele Blog­ger haben das „Oh Circle“-Crowdfunding in ihrer Sto­ry geteilt.

Daneben habe ich eine Schnitzel­jagd auf dem Rad durch München ver­anstal­tet, Men­schen ange­sprochen und wenige (Altpapier-)Flyer verteilt und von mein­er Idee erzählt. Außer­dem habe ich noch all meinen Ver­wandten und Bekan­nten geschrieben und davon erzählt.

Was hat Dich am meisten gestresst?

Am ver­rück­testen ist, dass man jeden Tag Social Media Con­tent liefern kön­nte und sollte. Das ist so eine Müh­le und viel mehr Arbeit als man denkt. Außer­dem fällt es mir immer noch schw­er, meine eigene Stimme anzuhören oder mich in Videos anzuschauen. Das klingt echt etwas komisch, aber davor drücke ich mich immer ein paar Stun­den, bevor ich es mir anse­hen oder anhören kann.

Du wolltest ursprünglich im Sommer mit dem Crowdfunding starten, warum hast du es nach hinten verschoben?

Wegen Coro­na und dem soge­nan­nten Som­mer­loch. Viele sind auch trotz Coro­na in den Urlaub gefahren oder ver­brin­gen jeden Tag am See, deshalb wird erfahrungs­gemäß weniger Zeit online ver­bracht. Der Herb­st ist daher ein besser­er Startzeit­punkt für ein Crowd­fund­ing.

Kostet es Gebühren, ein Crowdfunding durchzuführen?

Ja, ich muss bei erfol­gre­ich­er Kam­pagne sieben Prozent an die Plat­tform abgeben und auch Steuern bezahlen.

Inwiefern hilft die Plattform beim Erreichen des Funding-Ziels? Machen die auch Werbung und unterstützen Dich?

Um ein Crowd­fund­ing erfol­gre­ich zu machen, muss man vor allem auf die eigene Com­mu­ni­ty set­zen und selb­st das Mar­ket­ing für die Kam­pagne machen. Wenn man schnell ein Drit­tel seines Ziels erre­icht, dann hat man die Chance, dass man auf die „Empfehlungs-Seite“ der Plat­tform kommt, doch darauf sollte man sich nicht ver­lassen.

Pro­jek­te, die die Plat­tform­be­treiber gut find­en, wer­den auch manch­mal mit einem Post her­vorge­hoben. Ich hat­te das Glück, dass das bei „Oh Cir­cle“ auch der Fall war.

Für jede Spende erhält man sogenannte Dankeschöns – zum Beispiel einen selbstbedruckten Jutebeutel für 15 Euro oder ein Brunch aus geretteten Lebensmitteln für 30 Euro. Für 100 Euro kann man ein Getränk taufen. Wie bist Du auf die Ideen gekommen und wie wichtig ist es, gute Dankeschöns zu haben?

Ich habe mich auch bei anderen Crowd­fund­ings inspiri­eren lassen und geschaut, welche Dankeschöns beliebt sind. Es ist richtig gut, Dankeschöns in ver­schiede­nen Preisklassen zu haben. Die Men­schen wollen gute Ideen unter­stützen und bei dem „Taufe ein Getränk“ merkt man auch, dass sie sich gerne „mitverewigen“ wollen, ein Teil der Idee wer­den wollen.

Was willst Du mit dem eingesammelten Geld alles finanzieren?

Wir brauchen die Unter­stützung für die Ausstat­tung mit einem soge­nan­nten Food Proces­sor zur Her­stel­lung von haus­gemachter Hafer­milch sowie die Café-Ein­rich­tung mit gebraucht­en Möbeln, Sec­ond-Hand-Geschirr, die Etablierung eines plas­tik­freien Waren­lagers mit Spender für trock­ene Lebens­mit­tel sowie des Münch­n­er-Zero-Waste-Stammtischs.

Deine zweite Funding-Schwelle liegt bei 20.000 Euro. Was willst Du mit dem zusätzlichen Geld finanzieren?

Wenn wir das zweite Fund­ing-Ziel erre­ichen, kön­nen wir sog­ar die finanzielle Unter­stützung für die Ablöse ein­er Immo­bilie nutzen, eine Kaf­feemas­chine und ‑müh­le für unsere unver­pack­ten Kaf­fee­bohnen kaufen, eine Shopecke mit Zero-Waste-Pro­duk­ten ein­richt­en und mit Mar­ket­ing- und Öffentlichkeits­maß­nah­men Zero-Waste-Ver­anstal­tun­gen groß machen.

Wozu dient diese zweite Funding-Schwelle?

Das zweite Fund­ing-Ziel ist nicht so wichtig, wie das erste Ziel. Beim ersten gilt: alles oder nichts. Das bedeutet, wenn man das erste Ziel nicht erre­icht, bekommt man nichts. Das zweite Ziel gilt als flex­i­ble Kam­pagne. Man erhält das gesamte Geld egal, ob das zweite Ziel erre­icht wurde oder nicht.

Viele Kam­pag­nen haben daher auch ein­fach nur ein Fund­ing-Ziel. Für mich ist das zweite Fund­ing-Ziel trotz­dem wichtig, um noch einen Teil der Ablöse für eine Immo­bilie zu finanzieren.

Musst du das Geld aus dem Crowdfunding versteuern?

Ja, es fällt Umsatzs­teuer an – genau wie es auch bei gekauften Pro­duk­ten / Gutscheinen der Fall ist, da es ja eine Gegen­leis­tung gibt. Nur bei Unter­stützung ohne eine Gegen­leis­tung, also der freien Unter­stützung, und wenn man „Gutes Kar­ma“ als Geschenk wählt, müssen wir keine Steuern zahlen, da es sich um eine umsatzs­teuer­freie Unter­stützung han­delt. Das Geld wird aber trotz­dem als Einkom­men gew­ertet und ich muss als Pri­vat­per­son darauf Einkom­menss­teuer zahlen.

Gab es rückblickend etwas, dass dich überrascht hat?

Mich hat es über­rascht, dass so ein Dri­ve von dem Pro­jekt und der Idee aus­ge­ht. Zusam­men mit Start­next eine solche Onlinekam­pagne zu starten, ist wirk­lich toll! Es ist auch sehr viel Arbeit, aber ich finde es so toll zu sehen, dass eine Onlinekam­pagne so gut funk­tion­ieren kann. Und wir auch online die Verbindung und Unter­stützung bekom­men, die wir brauchen.

Was würdest du anderen Gründern und Gründerinnen raten, die selbst mit dem Gedanken spielen, ein Crowdfunding zu machen?

Ich denke, es gibt Pro­jek­te, die geeigneter sind für eine Crowd­fund­ing, und welche, die weniger geeignet sind. Generell, finde ich, sollte man es nicht als einziges Ziel sehen, das Geld einzusam­meln. Son­dern es eher als ein Mar­ket­ing-Instru­ment sehen, dass die eigene Com­mu­ni­ty motiviert, die Idee und das Pro­dukt zu ver­bre­it­en.

Außer­dem sollte man sich umhören, ob es in der eige­nen Stadt eine Beratungs- und För­der­möglichkeit dafür gibt. Und noch zur aktuellen Coro­na-Sit­u­a­tion, da ist es gar keine schlechte Möglichkeit, nun online etwas anzus­toßen.

Wieso hast Du Dich für die Crowdfunding-Plattform Startnext entschieden?

Es gibt auch noch Kick­starter, welche inter­na­tionaler und tech­nis­ch­er ori­en­tiert ist. Ich habe Start­next gewählt, da hier vor allem nach­haltige Pro­jek­te vertreten sind, und außer­dem ist sie sehr bekan­nt im deutschsprachi­gen Raum. Ich war sehr zufrieden mit Start­next, wurde super von ihnen betreut und sie sind immer für einen da, wenn man Fra­gen hat.

Mehr über Katha­ri­na Fre­un­dor­fer und ihre Geschäft­sidee, die Grün­dungsphase und die Entwick­lung ihres Unternehmens:

Noch mehr Infos für dich

“Man muss immer vorwärtsgehen.”

Ver­sace war lange eine der weni­gen ital­ienis­chen Luxu­s­marken, die sich mehrheitlich in Fam­i­lienbe­sitz befand. 2018 verkaufte Donatel­la Ver­sace das leg­endäre Label an eine Hold­ing. “Ich habe nicht verkauft, um Geld zu machen und es auf die Bank zu brin­gen. Ich habe verkauft, um der Marke Ver­sace Zugang zu Investi­tio­nen zu ermöglichen, die es ihr erlauben, zu wach­sen. Ich fürchte, Fam­i­lienun­ternehmen wer­den ohne­hin mehr und mehr ver­schwinden.”

Ziehen Sie Ihren Erfolg bereits an?

Die Wahl des Out­fits kann Kopfzer­brechen bere­it­en. Ins­beson­dere dann, wenn es um die Klei­dung im beru­flichen Umfeld geht. Was geht und was sind No-Gos? Was wirkt zwar ser­iös, aber nicht spießig? Vor allem kommt es auf Ihre Per­sön­lichkeit, Ihren Beruf und Ihre Inten­tion an, wie Sie wahrgenom­men wer­den möcht­en. Denn wie heißt es so schön: „Klei­den Sie sich für den Job, den Sie wollen, nicht den Sie haben.“

„In der Politik hat vieles mit ungesunden Machtspielen zu tun“

Im Mor­gen­grauen geht sie im Berlin­er Umland angeln. Tagsüber mis­cht Diana Kin­nert (29, CDU) als junge, les­bis­che Frau mit Migra­tionsh­in­ter­grund und Jesus-Tatoo auf dem Unter­arm ihre Partei und das poli­tis­che Berlin auf. Sie ste­ht für einen mod­er­nen Kon­ser­vatismus, fordert mehr Diver­sität in der Poli­tik, sieht Ver­let­zlichkeit als Stärke und ist froh, wenn sie auch mal Tage ohne das poli­tis­che Schaus­piel erlebt.

Buch des Monats

Hinterlasse einen Kommentar

Nach oben