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Wie du Spenden steuerlich geltend machen kannst

2021-04-06T16:46:11+02:0028. März 2021|

Etwas vom eige­nen Glück abzu­ge­ben, macht Freu­de. Neben Geld sind auch Zeit, Arbeits­kraft oder Sach­wer­te als Spen­den mög­lich. Und man kann die Spen­de sogar steu­er­lich gel­tend machen. Wie das geht, erklärt unse­re Exper­tin Jana Tenz­ler im Inter­view. 

Von Danie­la Mey­er

Bald ist die Steuererklärung für 2020 fällig. Wenn man für Hilfsorganisationen gespendet hat. Kann man eine Geldspende immer absetzen, oder gibt es bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen?

Jana Tenz­ler: Eine Spen­de muss frei­wil­lig geleis­tet wer­den. Man darf dafür kei­ne Gegen­leis­tung erhal­ten. Damit man die Spen­de steu­er­lich abset­zen kann, muss sie an eine soge­nann­te steu­er­be­güns­tig­te Orga­ni­sa­ti­on gehen. Zu denen gehö­ren bei­spiels­wei­se Kir­chen, staat­li­che Muse­en, gemein­nüt­zi­ge Ver­ei­ne und Stif­tun­gen.

Kann man auch an eine Schule, Kita oder ein Start-up spenden und die finanzielle Unterstützung steuerlich absetzen?

Man kann Spen­den nur abset­zen, wenn die Orga­ni­sa­ti­on vom Finanz­amt den Gemein­nüt­zig­keits­sta­tus erhal­ten hat und eine ent­spre­chen­de Spen­den­be­schei­ni­gung aus­stellt. Daher immer über den Sta­tus des Spen­den­emp­fän­gers infor­mie­ren.

Was muss man tun, um eine Spende von der Steuer erstattet zu bekommen?

Die Spen­de muss dem Finanz­amt durch eine soge­nann­te Zuwen­dungs­be­stä­ti­gung – also eine Spen­den­be­schei­ni­gung nach amt­lich vor­ge­schrie­be­nem Mus­ter – nach­ge­wie­sen wer­den. Die Bestä­ti­gung ent­hält Anga­ben zu Art und Höhe der Spen­de und bestä­tigt, dass die Zuwen­dung nur für einen bestimm­ten, steu­er­be­güns­tig­ten Zweck ver­wen­det wird.

Und die Spendenquittung muss im Original vorgelegt werden?

Nein, es gilt die soge­nann­te Beleg­vor­hal­te­pflicht. Das heißt, es genügt die Anga­be in der Steu­er­erklä­rung. Das Finanz­amt kann die Spen­den­be­schei­ni­gung aber jeder­zeit nach­for­dern. Sie soll­te also auf­be­wahrt wer­den.

Woher bekommt man denn eine Spendenquittung?

In der Regel bekommt man die­se Beschei­ni­gung direkt von der Orga­ni­sa­ti­on, an die man gespen­det hat. Ach­tung: Bis zum 31. Dezem­ber 2020 gel­ten Son­der­re­ge­lun­gen bei finan­zi­el­len Hil­fen in der Coro­na-Kri­se. Bei Spen­den an einen begüns­tig­ten Ver­ein oder eine Orga­ni­sa­ti­on genügt dem Finanz­amt ein ver­ein­fach­ter Nach­weis. Es reicht also zum Bei­spiel ein Kon­to­aus­zug. 

Wo trägt man die Spende im Steuerformular ein – unter Sonderausgaben?

Ab der Steu­er­erklä­rung für 2019 gibt es die Anla­ge Son­der­aus­ga­ben. Dort ist ab Zei­le 5 Platz für Spen­den­ein­trä­ge.

Wie viel Prozent einer getätigten Spende werden erstattet?

Bis zu einem Höchst­be­trag von 20 Pro­zent des eige­nen Ein­kom­mens las­sen sich Spen­den als Son­der­aus­ga­ben abset­zen. Wenn man in einem Jahr so viel gespen­det hat, dass der Höchst­be­trag über­stie­gen wird, kann der über­schie­ßen­de Betrag aufs Fol­ge­jahr über­tra­gen wer­den.

Gibt es ein Limit, oder kann man auch Minispenden von fünf Euro absetzen?

Bei Spen­den unter 200 Euro sowie in Kata­stro­phen­fäl­len gilt ein ver­ein­fach­tes Ver­fah­ren. Dabei gilt der Betrag von 200 Euro für eine Ein­zel­spen­de und nicht für die Sum­me der getä­tig­ten Spen­den in einem Jahr. Anstel­le einer Spen­den­be­schei­ni­gung genügt hier ein Bar­ein­zah­lungs­be­leg bezie­hungs­wei­se ein Kon­to­aus­zug. Wich­tig ist, dass aus die­sem Nach­weis Name, Kon­to­num­mer, der Buchungs­tag, die Durch­füh­rung der Zah­lung sowie der Spen­den­be­trag ersicht­lich wer­den.

Ach­tung: Das Jah­res­steu­er­ge­setz 2020 sieht hier eine Ände­rung vor. Der ver­ein­fach­te Spen­den­nach­weis durch Bank­be­leg soll in der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung statt bis­her bis zu 200 Euro dann künf­tig bis zu 300 Euro mög­lich sein. 

Wie ist es bei Großspenden – gibt es eine Obergrenze, ab der man keine steuerliche Erstattung mehr bekommt, weil das den Staat zu viel kosten würde?

Jeder Mensch kann so viel Geld spen­den, wie er möch­te. Steu­er­lich rele­vant sind jedoch maxi­mal Beträ­ge in Höhe von 20 Pro­zent des Jah­res­ein­kom­mens.

Macht es einen Unterschied, ob man an eine in- oder eine ausländische Organisation spendet?

Eine direk­te Spen­de an eine aus­län­di­sche Orga­ni­sa­ti­on ist in Deutsch­land in der Regel nicht oder nur sehr schwer steu­er­lich absetz­bar. Der Spen­den­emp­fän­ger im Aus­land müss­te die deut­schen gemein­nüt­zig­keits­recht­li­chen Vor­ga­ben erfül­len und dies durch geeig­ne­te Bele­ge nach­wei­sen kön­nen. 

Wie ist es mit Sachspenden, etwa einem alten, aber noch guten Handy, dem gebrauchten Laptop, Bücher, Kleidung …? 

Auch Sach­spen­den sind steu­er­lich abzieh­bar. Wer­den neue Din­ge gespen­det, ist das Abset­zen unkom­pli­ziert, da man den Wert kennt und einen Kauf­be­leg hat. Wer­den dage­gen gebrauch­te Gegen­stän­de wei­ter­ge­ge­ben, muss deren Wert geschätzt wer­den. Zudem muss eine Sach­spen­de eben­falls an eine begüns­tig­te Orga­ni­sa­ti­on gege­ben wer­den, und man benö­tigt auch hier einen Spen­den­nach­weis. 

Viele Menschen engagieren sich über ein Ehrenamt, spenden damit Arbeitskraft und Zeit. Hat man dadurch steuerliche Vergünstigungen? 

Ja, wer sich ehren­amt­lich enga­giert, hat steu­er­li­che Vor­tei­le. Das gilt bei­spiels­wei­se für Ret­tungs­sa­ni­tä­ter, Dozen­ten von Ers­te-Hil­fe-Kur­sen und Mit­glie­der der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr. Man unter­schei­det ver­schie­de­ne Berei­che.

Welche wären das?

Einem soge­nann­ten Übungs­lei­ter – zum Bei­spiel einem Trai­ner im Sport­ver­ein, einer Dozen­tin an der Volks­hoch­schu­le oder Aus­bil­de­rin bei der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr – steht der Übungs­lei­ter­frei­be­trag in Höhe von 2400 Euro pro Jahr zu. Das bedeu­tet, dass die Ver­gü­tung bis zur Höhe des Übungs­lei­ter­frei­be­trags steu­er- und sozi­al­ver­si­che­rungs­frei bleibt. Ehren­amt­li­che, die sich in einem gemein­nüt­zi­gen Ver­ein enga­gie­ren, kön­nen den Ehren­amts­frei­be­trag in Höhe von 720 Euro pro Jahr gel­tend machen.

Gibt es sonstige Voraussetzungen für den Steuervorteil?

Die Tätig­kei­ten müs­sen neben­be­ruf­lich aus­ge­übt wer­den. Kon­kret: Zeit­lich darf das Ehren­amt nicht mehr als ein Drit­tel einer Voll­zeit­tä­tig­keit aus­ma­chen. Ver­dient ein Übungs­lei­ter mehr als 2400 Euro und ein Ehren­amt­li­cher mehr als 720 Euro pro Jahr, muss jener Teil der Ein­nah­men, der den Frei­be­trag über­steigt, als Ein­künf­te aus sons­ti­ger selbst­stän­di­ger Arbeit in der Steu­er­erklä­rung ein­ge­tra­gen wer­den und es wer­den Steu­ern fäl­lig.

Ach­tung: Das Jah­res­steu­er­ge­setz 2020 sieht eine Ver­bes­se­rung der steu­er­li­chen Berück­sich­ti­gung von ehren­amt­li­chem Enga­ge­ment vor. So soll die Übungs­lei­ter­pau­scha­le auf 3000 Euro, die Ehren­amts­pau­scha­le auf 840 Euro erhöht wer­den. 

Gelten auch Parteibeiträge als Spenden?

Auch Par­tei­spen­den sind steu­er­lich begüns­tigt. Es gel­ten aber beson­de­re Rege­lun­gen. Eine Spen­de an eine poli­ti­sche Par­tei bis zu 1650 Euro (Sin­gles) und 3300 Euro (Ver­hei­ra­te­te) wird zur Hälf­te direkt von der Steu­er­schuld abge­zo­gen, also maxi­mal 825 Euro bezie­hungs­wei­se 1650 Euro.

Konn­te dadurch nicht die gesam­te Spen­de steu­er­lich berück­sich­tigt wer­den, so greift der Son­der­aus­ga­ben­ab­zug. Der rest­li­che Spen­den­be­trag kann in der Höhe von ins­ge­samt 1650 Euro/ 3300 Euro im Kalen­der­jahr als Son­der­aus­ga­ben abge­zo­gen wer­den.

Kann ich auch an eine Privatperson Geld spenden?

Man kann natür­lich an eine Pri­vat­per­son spen­den. Die Spen­de kann dann aber nicht steu­er­lich abge­setzt wer­den. Ach­tung: Bei grö­ße­ren Zuwen­dun­gen kann Schen­kungsteu­er fäl­lig wer­den.

Zur Per­son: Steu­er­ex­per­tin Jana Tenz­ler
ist Wirt­schafts­ju­ris­tin und Refe­ren­tin in der DWS
Steu­er­be­ra­ter Medi­en GmbH

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