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Vom verpatzten Trading-Start zur Leitwölfin

2020-05-31T20:52:54+02:0025. Mai 2020|

Trad­ing − für viele ist das ein Buch mit sieben Siegeln. Den­noch übt der schnelle Han­del mit Wert­pa­pieren eine große Fasz­i­na­tion auf viele aus − auch auf Frauen. Für Simona Stoytchko­va ist das Trad­ing-Geschäft All­t­ag. Sie ist Geschäft­slei­t­erin von IG Europe, ein­er Online-Trad­ing-Plat­tform für gehe­belte Finanzpro­duk­te − und das obwohl ihr Start ins Trad­ing-Geschäft gründlich daneben ging.

Von Michaela Stem­per

Frau Stoytchkova, Sie haben in London studiert. War das Leben in der Finanzmetropole für Sie der Auslöser für Ihr Interesse am Trading?

Simona Stoytchko­va: Gle­ich zu Beginn besuchte ich die Lon­don Met­al Exchange, also die Präsenzbörse für Met­alle, und stand mit­ten im Pit. Das ist ein offen­er Ring, in dem die zuge­lasse­nen Mak­ler sitzen und durch Aus­rufen ihre Geschäfte abschließen. Jed­er hat wild hin und her geschrien. Es war fast wie im Film „Wall Street“. Tat­säch­lich waren Kinofilme mein erster Bezug zur Börse.

Wirklich?

Ja, denn ich bin in Ost­ber­lin aufgewach­sen, da standen Finanzmärk­te erwartungs­gemäß nicht im Fokus. Als die Mauer fiel, war ich Teenag­er und mein erster Ein­druck vom Trad­ing wurde durch Hol­ly­wood­filme wie „Wall Street“ geprägt.

Eine ganze Gen­er­a­tion von Bör­sian­ern war fasziniert von Michael Dou­glas als Gor­don Gekko. Cineast­isch hat mich das The­ma Börse nicht los­ge­lassen: „The Wolf of Wall Street“ und der Finanzthriller „Mar­gin Call“ hal­ten mich auch heute noch vor der Mattscheibe gefan­gen.

Und wie war es dann im echten Leben?

Als BWL-Stu­dentin in Lon­don musste ich mir meinen Leben­sun­ter­halt selb­st ver­di­enen. So kam ich auf die Idee zu traden. Ich dachte anfänglich: „Du kannst das!“ Ich hat­te ja „Wall Street“ gese­hen.

Als erstes bin ich einen CFD (Con­tract for Difference/Differenzkontrakt) Long auf den englis­chen Stan­dard­w­ertein­dex FTSE gegan­gen. Ich set­zte also darauf, dass der Markt stieg. Was soll ich sagen, es hat nicht geklappt. Ich habe gut 1000 Pfund, die ich in meinem Kell­ner­job anges­part hat­te, ver­loren. Vor 20 Jahren war das viel Geld.

Dieser erste Ver­lust war let­ztlich eine gute Lek­tion. Er hat mir die Augen geöffnet, dass ich trotz meines kaufmän­nis­chen Studi­ums eben nichts über Trad­ing wusste.

Aber wie man heute sieht, führte Sie Ihr Weg dennoch an die Spitze von IG, einem der führenden Anbieter für Online-Trading von derivativen Finanzprodukten. Der Reiz blieb also?

Die Geschwindigkeit und die Kom­plex­ität der Märk­te faszinierten mich, lange bevor ich beru­flich eingestiegen bin. Und dabei ist es bis heute geblieben.

Das heißt, Sie traden heute noch privat?

Ich han­dle heute, auf­grund mein­er Posi­tion als Geschäft­slei­t­erin bei IG Europe, nur noch virtuell auf einem Demokon­to. Aber ich teste dort weit­er­hin Trad­ing-Strate­gien, denn das Gefühl lässt einen nicht los.

Ich bevorzuge Derivate auf Rohstoffe und Kryp­towährun­gen, ab und an auch Einze­lak­tien. Wenn man seine Trad­ing-Strate­gie mit Derivat­en (Anm. der Red.: Finanzpro­dukt, das sich am Kurs eines Index, ein­er Aktie, eines Rohstoffs oder ein­er Währung ori­en­tiert) umset­zt, ist das einge­set­zte Kap­i­tal deut­lich geringer, man par­tizip­iert aber trotz­dem voll am Kur­sanstieg. Durch den daraus resul­tieren­den Hebel­ef­fekt lassen sich erhöhte Gewinne erzie­len, wenn die Strate­gie aufge­ht.

Im umgekehrten Fall muss man deut­liche Ver­luste, bis hin zum Totalver­lust des einge­set­zten Kap­i­tals, aushal­ten kön­nen. Ver­ste­hen Sie mich bitte nicht falsch, langfristige Invest­ments sind auch für mich eine feste Säule beim Ver­mö­gen­sauf­bau. Kurzfristig auf Kur­sauss­chläge zu reagieren, empfinde ich aber noch als weitaus span­nen­der.

Warum handeln Ihrer Meinung nach so wenig Frauen?

Dafür gibt es meines Eracht­ens zwei Gründe: Erstens, Frauen ver­di­enen lei­der weniger als Män­ner, deshalb ist das ver­füg­bare Kap­i­tal für Invest­ments und Trad­ing entsprechend geringer.

Zweit­ens, sind Frauen durch­weg risikoa­vers­er. Der Begriff „Angst“ fällt ganz schnell. Es wird pauschal angenom­men, dass das Trad­ing eine risiko­r­e­iche Angele­gen­heit ist.

Das muss nicht so sein. Kon­se­quentes Risiko­man­age­ment ver­ringert die Wahrschein­lichkeit von großen Kursver­lus­ten, wird aber lei­der häu­fig außer Acht gelassen.

Wie könnte man Frauen zum Traden motivieren?

Frauen­förderung ist eines mein­er Top-The­men auf der Agen­da: Ich will Frauen für das The­ma Trad­ing regel­recht begeis­tern – Anfän­gerin­nen wie Fort­geschrit­tene.

Bei unserem neuen Ein­steiger­for­mat wird eine kom­plette Anfän­gerin Schritt für Schritt an das Trad­ing herange­führt. Wir wer­den ihren Lern­fortschritt in einem Vide­o­for­mat begleit­en und kom­men so deut­lich dichter an das The­ma mit all seinen Fall­strick­en her­an.

Das zweite For­mat wird sich auf eine Influ­encerin fokussieren, die zeigt, wie fort­geschrittenes Female-Trad­ing ausse­hen kann.

Wahrscheinlich wären Sie selbst eine gute Influencerin – wenn Sie nicht zum Demokonto verdammt wären. Studien belegen, dass Frauen erfolgreicher investieren als Männer. Gilt das auch für die IG-Traderinnen?

Wir haben ziem­lich tal­en­tierte Frauen auf der Plat­tform. Aber es ist ein zu klein­er Prozentsatz, um zu sagen, die besten Trad­er bei uns seien Frauen. Grund­sät­zlich hal­ten die erfol­gre­ichen unter ihnen ihre Trad­ing-Posi­tion länger als ihre männlichen Mit­stre­it­er.

Wie wird man Trader?

Beru­flich begin­nt man als Junior bei ein­er Bank oder einem Bro­ker und absolviert Börsen­händler­prü­fun­gen.

Pri­vat bedeutet Trad­ing, sich zunächst mit dem Kauf und Verkauf von Wert­pa­pieren inten­siv auseinan­derzuset­zen. Begin­nend auf der Makroebene: Wie wirken etwa Infla­tion, Zin­sän­derun­gen oder poli­tis­che Entschei­dun­gen auf Kap­i­talmärk­te?

Dann kann die Entschei­dung für einen Markt fall­en. An meinem Beispiel, die Rohstoffe. Ein gewiss­es Eigen­in­ter­esse sich mit der Materie auseinan­derzuset­zen – sich richtig reinzu­fuch­sen – muss man auf jeden Fall mit­brin­gen.

Wer sich danach fit fühlt, sollte sich einen Überblick über seine finanziellen Mit­tel ver­schaf­fen. Ober­ste Regel: Han­dle niemals auf Kred­it! Die Höhe des einge­set­zten Kap­i­tals hängt let­z­tendlich von der per­sön­lichen Risikobere­itschaft ab. Jed­er sollte diese Entschei­dung für sich selb­st tre­f­fen.

Mein Tipp: Acht­en Sie auf Ihr Risiko­man­age­ment! Emo­tio­nen sind ein schlechter Rat­ge­ber in diesem Geschäft.

Für wen ist Trading ungeeignet?

Trad­ing am Kap­i­tal­markt ist sicher­lich nicht jed­er­manns Sache. Es gibt unzäh­lige Alter­na­tiv­en: Man kann auch in Wein oder Old­timer investieren. Das wiederum ist für mich schw­er nachvol­lziehbar, weil ich keinen Bezug dazu habe.

Aus der Praxis: Manche überfordert schon eine einfache Excel-Tabelle. Wie gehe ich es also an?

Sehr wichtig ist ein Demokon­to – eine Art Train­ings­gelände für virtuelle Käufe und Verkäufe. Hier kön­nen ange­hende Traderin­nen alles testen. Wie funk­tion­iert die Tech­nik? Wie hand­habt man unter­schiedliche Trad­ing-Instru­mente, etwa einen CFD oder eine Option. Wie schwankungsin­ten­siv ist der Basiswert?

Dabei helfen Aus­bil­dungstools, beispiel­sweise Webina­re. Oder auch die IG-Ana­lysten und Kap­i­tal­mark­t­ex­perten. Sie geben keine „heißen Tipps“, ver­mit­teln aber Trad­ing-Ideen, also was in einem Markt funk­tion­iert, in einem anderen hinge­gen nicht.

Wichtig: Testen Sie Ihre Trad­ing-Strate­gie zunächst als Trock­enübung. Und ver­lassen Sie das Train­ings­gelände nicht, bevor sie sich Ihrer Sache nicht ganz sich­er sind.

Viele finden Trading, vor allem mit Hebelfaktor, moralisch verwerflich. Wie gehen Sie damit um?

Ja, unser Unternehmen ermöglicht den gehe­bel­ten Kauf und Verkauf von Wert­pa­pieren. Ob das nun moralisch ver­w­er­flich ist, muss jed­er für sich selb­st entschei­den. Wir tre­f­fen ja keine Invest­ment-Entschei­dung für Trad­er.

Unser Ziel ist es, ver­ant­wor­tungs­be­wusst und nach­haltig zu agieren. Auch leg­en wir die reg­u­la­torischen Bes­tim­mungen sehr kon­ser­v­a­tiv aus und haben einen starken Fokus auf Wis­senstrans­fer und Anlegerbil­dung.

Wir haben kein Inter­esse daran, dass jemand Kunde wird, sein Geld ver­liert und am Tag zwei kein Kunde mehr ist. Und für die Aktienkul­tur in Deutsch­land kann man sich­er nicht genug tun.

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