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„Frauen haben das Talent, Expertin zu jedem Thema zu werden“

2020-10-30T18:13:41+01:0027. Oktober 2020|

Um Frauen zu motivieren, ihre Gel­dan­lage selb­st in die Hand zu nehmen, rief Katha­ri­na Brun­sendorf gemein­sam mit Kol­legin­nen bei der Comdi­rect Bank die Ini­tia­tive finanz-heldin­nen ins Leben. Kür­zlich veröf­fentlichte sie zusam­men mit der Wirtschaft­sjour­nal­istin Jes­si­ca Schwarz­er einen Finanz­plan­er zum Aus­füllen, an dessen Ende der Wert­pa­pierkauf ste­ht. Im Inter­view ver­rät sie, warum klas­sis­che Bankber­atung den­noch nicht aus­ge­di­ent hat, was ihr selb­st beim The­ma Finanzen geholfen hat und wie man endlich in die Umset­zung kommt.

Von Astrid Zehbe

Mit „finanz-heldinnen“ habt Ihr eine Initiative geschaffen, die sehr umfangreich zu den Themen Finanzen und Geldanlage informiert. Ihr habt enormen Zulauf – nicht nur bei Frauen, an die sich die Plattform in erster Linie richtet, sondern es gibt auch viele Männer, die sich bei Euch informieren. Hat die klassische Bankberatung ausgedient?

Katha­ri­na Brun­sendorf: Wir freuen uns natür­lich sehr über den Erfolg der finanz-heldin­nen und sehen es ein­fach als Zeichen, dass immer mehr Men­schen sich selb­st mit diesem wichti­gen The­ma auseinan­der­set­zen möcht­en – vor allem Frauen. Sie wollen es selb­st ver­ste­hen und nicht auf andere ver­trauen.

Die Beratung in ein­er Bank hat den­noch nicht aus­ge­di­ent und ihre absolute Berech­ti­gung. Ich finde immer, dass alle Men­schen sich den Rah­men schaf­fen sollen, der für sie am besten ist. Und für mache ist es das per­sön­liche Gespräch. Jedoch erken­nen wir, dass sich immer mehr Men­schen online informieren und ihre Finanzen selb­st in die Hand nehmen wollen.

Wie erklärst Du Dir diesen Trend?

Ich glaube, vor allem nach der Finanzkrise hat das Image von Bankber­a­terin­nen und Bankber­atern ziem­lich gelit­ten. Jed­er hat­te plöt­zlich jeman­den in der Fam­i­lie, der dies­bezüglich schlechte Erfahrun­gen gemacht hat. Diese Geschicht­en wer­den dann immer weit­er­ge­tra­gen und es entste­ht ein neg­a­tives Gesamt­bild.

Dabei hat Finanzber­atung abso­lut seine Berech­ti­gung. Es gibt zwar – wie über­all — lei­der schwarze Schafe in der Branche. Aber wenn man einige Dinge beachtet, find­et man eine gute Finanz- und Bankber­atung.

Worauf gilt es denn zu achten?

Man sollte zunächst ein­mal ein gutes Bauchge­fühl haben bei der Per­son, die einem gegenüber­sitzt – Ver­trauen ist das A und O.

Ein guter Berater oder eine gute Bera­terin stellen nicht nur zwei bis drei Fra­gen und verkaufen dann irgendwelche Pro­duk­te, son­dern sie informieren sich umfassend über die per­sön­lichen und finanziellen Leben­sum­stände der Per­son. Es wird erörtert, wie sich die finanzielle Sit­u­a­tion darstellt, wie man vielle­icht bere­its abgesichert ist und welche Ziele man hat.

Außer­dem geht gute Beratung selb­stver­ständlich auf indi­vidu­elle Wün­sche ein und beant­wortet alle Fra­gen. Und dazu kann ich auch nur rat­en: Lasst Euch alles erk­lären – keine Frage ist zu dumm und man sollte sie so lange stellen, bis man die Antwort ver­standen hat.

Mit der Initiative finanz-heldinnen wollt Ihr Frauen ermutigen, das Thema selbst anzugehen und sich das nötige Wissen für Geldanlage selbst anzueignen. Ihr habt sehr viele unterschiedliche Formate wie einen Podcast, Events, eine App oder eure Aktivitäten in den sozialen Medien, um nur mal einige zu nennen. Warum nutzt Ihr so viele verschiedene Wege?

Wir möcht­en die Frauen da abholen, wo sie ste­hen und ihnen ein Ange­bot unter­bre­it­en, dass sie ihren indi­vidu­ellen Gewohn­heit­en und Präferen­zen entsprechend nutzen kön­nen.

Die eine fährt vielle­icht viel Auto und kann sich während­dessen über den Pod­cast über das The­ma Finanzen informieren. Andere wiederum mögen den Aus­tausch und nutzen unsere Events bzw. jet­zt in Coro­na-Zeit­en Live-Webina­re, die wir immer mal wieder anbi­eten. Wieder andere mögen es, etwas anfassen zu kön­nen. Für sie haben wir seit neuestem unser Buch, den „finanz-heldin­nen Plan­er“. 

Der „finanz-heldinnen Planer“ ist ja ein Workbook, also ein Buch, bei dem man aktiv mitarbeiten muss. Warum habt Ihr dieses Konzept gewählt?

Katha­ri­na Brun­sendorf von finanz-heldin­nen und Wirtschaft­sjour­nal­istin Jes­si­ca Schwarz­er veröf­fentlichen den neuen Finanz­plan­er zum Aus­füllen Quelle: finanz-heldin­nen, comdi­rect

Wir haben fest­gestellt, dass es ermuti­gend ist, wenn man seine eige­nen Fortschritte erken­nen kann. In dem Buch haben wir Frage­bö­gen zum Aus­füllen, kleine To-do-Lis­ten zum Abar­beit­en und Chal­lenges, um beispiel­sweise bewusster Geld auszugeben, aber natür­lich auch ganz viel kom­pakt auf­bere­it­etes Finanzwis­sen.

Wer sich dort dur­char­beit­et, merkt kon­tinuier­lich Fortschritt und kann am Ende einen Wert­pa­pi­er-Spar­plan anle­gen. Außer­dem wird jede fest­stellen: Hey, so schwierig ist dieses The­ma gar nicht und es macht sog­ar Spaß.

Welche Erfahrungen hast Du bei der Geldanlage selbst gemacht?

Ich habe das The­ma im Grunde auch eher immer vor mir hergeschoben und erst mit meinem Start bei der Comdi­rect Bank ange­fan­gen, mich aktiv um meine Finanzen zu küm­mern. Ich bin darum auch das beste Beispiel, dass man keine Bankkauf­frau sein muss, um sich mit dem The­ma zu beschäfti­gen und Spaß daran zu haben.

Mir hat es beispiel­sweise geholfen, meine Ziele schriftlich festzuhal­ten oder mir sel­ber Chal­lenges zu stellen. So ist später übri­gens auch die Idee für den „finanz-heldin­nen Plan­er“ ent­standen.

Hast Du mal ein Beispiel für eine Challenge?

Na klar, eine mein­er lieb­sten Chal­lenges ist es, sich in seinem lieb­sten Onli­neshop einen Warenko­rb mit Din­gen zusam­men­zustellen, die man gern haben möchte. Davon macht man einen Screen­shot– verzichtet aber auf den Kauf. Die Summe, die der Einkauf gekostet hätte, wird stattdessen aufs Tages­geld­kon­to gelegt.

Nach vier Wochen schaut man sich den Screen­shot wieder an und bew­ertet noch ein­mal neu, ob man die Sachen wirk­lich noch haben möchte und überhaupt braucht. Ist das nicht der Fall, gibt es nun zwei Möglichkeiten: Ist der Not­groschen bere­its aufgefüllt, kann man diese Summe in Wert­pa­piere investieren. Andern­falls wan­dert das Geld zum Not­groschen hinzu. Die Chal­lenge hil­ft, bewusster zu kon­sum­ieren und mehr Geld zu sparen.

Die finanz-heldinnen gibt es seit 2018. Merkt Ihr einen Unterschied bei den Frauen im Vergleich zum Start Eurer Initiative?

Ja, zumin­d­est bei den Frauen, die wir tre­f­fen oder mit denen wir Kon­takt haben, merkt man, dass sich viele schon viel bess­er ausken­nen als noch vor zwei Jahren. Anfangs ging es bei Fra­gen haupt­säch­lich um die Basics: Was ist ein Depot? Was ist ein ETF? Mit­tler­weile sind die Fra­gen dezi­diert­er und gehen viel tiefer. Das zeigt uns: Wir sind auf dem richti­gen Weg.

Wir selbst machen diese Erfahrungen erfreulicherweise auch, aber stellen auch oft fest: Die Frauen sind super informiert, aber trauen sich am Ende nicht, den entscheidenden Schritt zu gehen. Wie ist Eure Erfahrung da?

Das spüren wir auch oft: Frauen haben das Tal­ent inner­halb von kürzester Zeit Exper­tin zu einem The­ma zu wer­den – egal welchem. Aber an der Umset­zung hapert es dann oft, weil sie sich nicht trauen oder zöger­lich sind. Wir empfehlen dann, mit 25 Euro – das ist der Betrag, ab dem man monatlich in einen Spar­plan investieren kann – ein­fach mal zu begin­nen und auf einen bre­it gestreuten ETF zu set­zen.

Was oft auch gut funk­tion­iert, ist: Sich eine Part­ner­in – beispiel­sweise eine Fre­undin oder eine Kol­le­gin – zu suchen, mit der man zusam­men loslegt. Das haben wir auch immer auf unseren After-Work-Events gemerkt: Dort haben sich häu­fig kleine Grüp­pchen gefun­den, die sich später per What­sapp aus­ge­tauscht und zusam­men los­gelegt haben.

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