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“Börse ist wie Autofahren”

2020-11-20T08:32:26+01:0018. November 2020|

Von ein­er Bilder­buchkar­riere in einem großen Konz­ern zu Finanz­ex­per­tin und Aktien­coach. Car­men May­er ver­hil­ft anderen zu ihrer finanziellen Unab­hängigkeit und nutzt Elternzeit und Coro­na-Krise als Chance für den Start in die erfol­gre­iche Selb­st­ständigkeit.

Sie grün­dete Dr. May­er Con­sult­ing GmbH und macht den Pod­cast „Mami goes Mil­lionär“. Was ihre Kli­entin­nen und Hörerin­nen von ihr ler­nen? Wie sie sich um ihr Geld küm­mern, schlau investieren und vor allem das richtige Mind­set.

Von Clau­dia Val­lentin

Frau Mayer, Sie haben Biochemie studiert, promoviert und erfolgreich in einem großen Pharmaunternehmen gearbeitet. Wie wurden Sie zur Finanzexpertin?

Car­men May­er: Tat­säch­lich war die klas­sis­che Konz­ernkar­riere lange mein Traum. Das habe ich erre­icht und ich dachte, mir ste­ht dann die Welt offen und ich kann mir das Leben leis­ten, was ich schon immer wollte.

Dann wurde ich schwanger und wir woll­ten ein Haus hier in München kaufen, da wurde ich eines Besseren belehrt. Denn obwohl mein Mann und ich bei­de Vol­lzeit in großen Unternehmen arbeit­eten, war das kom­plett utopisch.

Und dann habe ich mich gefragt: Was muss man eigentlich machen, um Mil­lionär zu wer­den? Und so ging es los.

In Ihrem Podcast erzählen Sie, Sie sind dann direkt in die Buchhandlung gefahren?

Ja, ich lese unglaublich gern. Also habe ich mich auf die Suche nach Büch­ern zu dem The­ma gemacht. Ich hat­te ja keine Ahnung!

Mir wurde dann „Rich Dad, Poor Dad“ emp­fohlen und was soll ich sagen? Ich habe es ver­schlun­gen. Es ist zwar keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, aber sagt im End­ef­fekt: Du musst Dein Geld, das Du hast, investieren, und es gibt drei Wege, um reich zu wer­den – Immo­bilien kaufen, Unternehmen grün­den oder in Aktien investieren.

Zu dem Zeit­punkt waren die ersten bei­den Wege keine Option, also war für mich klar: Ich investiere in Aktien. Wenn das der Weg zum Reich­tum ist, dann mache ich das ein­fach.

Und dann haben Sie gleich losgelegt?

Nein. Ganz die Wis­senschaft­lerin habe ich mir noch mehr Büch­er gekauft und mich wie irre ein­ge­le­sen. Und irgend­wann sagte mein Mann zu mir: „Nimm jet­zt 2000 Euro und fang ein­fach an, Du weißt schon genug.“

Das war zwar nicht viel Geld, aber für den Ein­stieg super und natür­lich habe ich auch am Anfang Ver­luste gemacht. Aber irgend­wann wurde ich so gut, dass ich dachte, das Wis­sen muss ich weit­ergeben – denn es ist nicht schwierig.

So kam es dann zum Pod­cast, und ich erzäh­le dort meine Geschichte, wie ich als Mut­ter mit zwei Kindern an die Börse gegan­gen bin, wie ich Aktien kaufe und wie jed­er genau­so ein­steigen kann.

Sie geben Ihr Wissen ja nicht nur im Podcast „Mami goes Millionär“ weiter, sondern auch als Aktiencoach. Wie kam es dazu?

Im Fre­un­deskreis hat­te ich das schon eine Weile im kleinen Rah­men gemacht. Aber durch den Pod­cast hat­te ich auf ein­mal einen Experten­sta­tus und als es mit der Coro­na-Krise so richtig los­ging und die Aktienkurse in den Keller gin­gen, bekam ich viele panis­che Anrufe von Men­schen, die nicht wussten, was sie jet­zt mit ihren Anla­gen machen soll­ten. Und ich wollte ihnen helfen.

Da habe ich Tag und Nacht mit­ten im ersten Lock­down ein pro­fes­sionelles Coach­ing auf die Beine gestellt. Und auch hier habe ich bei null ange­fan­gen.  Jet­zt gebe ich seit etwa einem hal­ben Jahr Coach­ings.

Für Sie ist also Corona nicht nur eine Krise?

Nein, für mich war es auch eine Ries­en­chance, obwohl die Umstände natür­lich schreck­lich sind. Am Ende muss man aber auch immer sehen, was man aus ein­er Sit­u­a­tion macht. Der Zeit­punkt für die Selb­st­ständigkeit war auch deshalb gün­stig, weil ich noch in Elternzeit bin.

Trotzdem haben Sie ja dann mindestens immer ein Kind zu betreuen, wie findet man da die Zeit, eine Beratung zu gründen?

Ich habe mir Hil­fe geholt. Und das kann ich auch jed­er Frau empfehlen, die in so ein­er Sit­u­a­tion grün­den möchte. Man muss nicht immer alles allein machen. Am Anfang habe ich eine Fre­undin gefragt, ob sie aushelfen kann, und jet­zt haben wir ein Au-Pair-Mäd­chen.

Sie sind mit Ihrem Coaching auch sehr erfolgreich, woran liegt das?

Ich möchte ja nicht nur zeigen, was man aus seinem Geld machen kann, ich möchte auch darüber reden, dass es Spaß macht, an der Börse aktiv zu sein.

Ich ver­bre­ite keine Panik und breche das The­ma so herunter, dass es jede und jed­er ver­ste­ht. Ich glaube, dass kommt gut an, denn man muss nicht immer alles so kom­pliziert machen.

Wer sind Ihre Klienten und Klientinnen, müssen sie schon viel Kapital haben, um in Aktien zu investieren?

Nein, die Men­schen, die ich berate sind ganz divers, von der Erzieherin bis zu Frauen und Män­nern, die mehrere 100.000 Euro im Monat ver­di­enen. Die Beratung kann dann also bei jedem anders sein.

Bei der Erzieherin geht es dann eher um den Auf­bau eines Pol­sters im Kleinen, um Struk­turierung und Geld­man­age­ment, aber auch um die Ein­stel­lung, wie sie Geld sieht und damit umge­ht. Denn für viele ist das The­ma Geld mit neg­a­tiv­en Glaubenssätzen behaftet, das ver­suche ich umzu­drehen.

Wie würde so eine Beratung bei eher Geringverdienern aussehen? Denn viel Geld, um in Aktien zu investieren, ist vielleicht nicht vorhanden?

Wenn ich es schaffe, dass sich die Men­schen gerne mit dem The­ma auseinan­der­set­zen und um ihr Geld küm­mern wollen, daran sog­ar Spaß haben, dann empfehle ich erst mal, sich einen Überblick zu ver­schaf­fen.

Man kann sein Geld auf mehrere Kon­ten verteilen, zum Beispiel ein Bil­dungskon­to, ein Spaßkon­to und so weit­er. Das hil­ft unglaublich, denn so kann ich immer sehen wie viel Bud­get ich ger­ade habe, wenn ich eine Fort­bil­dung machen oder ein­fach mal ins Spa gehen möchte. Und es ist auch Schritt Eins der Geld­ver­mehrung.

Sie coachen Frauen und Männer, gibt es zwischen den Geschlechtern einen Unterschied, wie sie investieren?

In meinem Coach­ing neigen die Män­ner auf jeden Fall zum Zock­en und ich muss sie manch­mal ein Stück weit brem­sen. Die Frauen sind sehr viel entspan­nter, aber ich muss sie auch motivieren, am Ball zu bleiben und vor allem ihre Angst zu über­winden.

Wenn sie sich aber getraut haben, dann sind sie die besseren Inve­storen. Und Frauen kön­nen sich auch eher eingeste­hen, mal das falsche Unternehmen aus­ge­sucht zu haben, und gehen dann raus aus den Aktien. Während Män­ner sich gerne einre­den, dass das schon wird und noch mehr Geld rein­but­tern. Doch jed­er kann an sein­er Ein­stel­lung arbeit­en und zum intel­li­gen­ten Investor wer­den.

Gerade Frauen gelten ja als weniger risikoaffin. Ist der Einstieg in Aktien da wirklich der richtige Weg?

Es ist ein totaler Irrglaube, dass man risikobere­it sein muss. Es ist wie mit dem Aut­o­fahren: Da wis­sen wir auch, wo Gas und Bremse und wann die Ampel rot ist, weil wir das gel­ernt haben. Und genau­so kön­nen wir Aktien­han­del ler­nen und das Risiko min­imieren.

Wenn ein Kurs absinkt, dann gehe ich eben raus. Und in ein Unternehmen mit ein­er schlecht­en Per­for­mance investiere ich nicht. Das sind alles Dinge, die kann man ler­nen, genau­so wie man die Ein­stel­lung zur Börse ändern kann, deshalb arbeite ich ja viel am Mind­set mit meinen Klien­ten.

Börse ist kein Hex­en­werk. Aber dadurch, dass alle immer so neg­a­tiv darüber reden, haben die Leute Angst und machen total dumme Sachen.

Ist es dann nicht aber eine sehr zeitintensive Beschäftigung, wenn ich jeden einzelnen Aktienkurs verfolgen muss?

Man kann sich das auch leicht machen, indem man die Aktien im Depot in ein­er App auf dem Handy ver­fol­gt, am Anfang empfehle ich, das auch ein­mal am Tag zu tun. Und wenn dort angezeigt wird, dass eine der Aktien um, zum Beispiel, mehr als zwei Prozent sinkt, dann gehe ich in das Depot und schaue im Detail, was zu tun ist. Wenn die Kurse aber steigen, kann man sich freuen und es ist nichts zu tun und das ist meis­tens der Fall.

Ich coache im Übri­gen auch nur amerikanis­che Börse, weil die später am Tag öffnet und bis abends um zehn unser­er Zeit geöffnet hat. Son­st schauen meine Mamas auf dem Spielplatz in ihre App und wer­den ganz nervös, weil sie nicht sofort reagieren kön­nen.

Natür­lich ist es auch ein biss­chen Arbeit. Wir haben auch vorher für unser Geld gear­beit­et, und sind auch weit­er in der Ver­ant­wor­tung, uns mit Herz und Ver­stand darum zu küm­mern.

Wie finde ich dann die richtigen Unternehmen?

Am besten schaut man nach Unternehmen in ein­er Branche, in der man sich ausken­nt oder nach Fir­men, bei denen man selb­st auch Kunde ist. Wenn ich gerne und viel bei Ama­zon bestelle, dann kann ich mir auch guten Gewis­sens Ama­zon-Aktien kaufen.

Viele haben während der Pan­demie in Net­flix investiert und Gewinn gemacht. Ich habe dort keinen Account und kenne mich auch nicht mit Stream­ing­di­en­sten aus – also lasse ich das.

Es ist immer gut, einen Bezug zu haben zu einem Unternehmen und sich dann die Per­for­mance der Aktie in den ver­gan­genen Jahren anzuse­hen. Wenn sie nur vor sich hindüm­pelt, würde ich eben­so davon abrat­en.

Ich investiere, um an den Gewin­nen der Fir­ma zu par­tizip­ieren. Wenn sie keine Gewinne beziehungsweise kein Wach­s­tum zeigt, brauche ich dort auch nicht mein Geld zu investieren. Wir pflanzen schließlich Samen, damit sie groß wer­den und tolle Früchte tra­gen, so ist das auch beim Investieren.

Sie sprechen sich ja eher gegen ETF-Fonds aus – warum?

Viele kaufen ETFs, weil sie das Risiko min­imieren wollen, aber sie schauen nicht, was für Unternehmen dahin­ter­ste­hen. Ich gehe ja auch nicht auf den Markt und kaufe einen Korb voller Früchte mit dem Risiko, dass die Hälfte vergam­melt ist. Ich gucke mir an, was ich kaufe. Und ähn­lich ist es mit den ETFs. Ich bin der Mei­n­ung, wir sind intel­li­gent genug, uns selb­st gute Unternehmen zum Investieren auszusuchen.

Wie kann ich jetzt direkt einsteigen in die Börse? Wie viel Vorwissen brauche ich dafür?

Also wenn man kein Geld hat für ein Coach­ing, würde ich auf jeden Fall empfehlen, sich in das The­ma einzule­sen. Denn wie gesagt, es ist schon wichtig zu wis­sen, was man tut.

Die Angst ver­lieren und neg­a­tive Glaubenssätze umdrehen. Jed­er kann Börse, jung oder alt, aber Geld gehört zu unserem Leben und es ist wichtig, dass wir uns auch darum küm­mern und ler­nen, das Investieren unglaublich viel Spaß macht. Denn man bekommt einen ganz anderen Blick auf die Wirtschaft und die Zusam­men­hänge von Geld und Frei­heit.

Carmens Buchtipps:

Rich Dad’s Invest­men­tquide – Robert Kiyosa­ki

Investieren statt sparen – Prof. Max Otte

Der reich­ste Mann von Baby­lon: Erfol­gs­ge­heimnisse der Antike – Der erste Schritt in die finanzielle Frei­heit

Der Weg zur finanziellen Frei­heit – In 7 Jahren zur Mil­lion – Bodo Schäfer

War­ren Buf­fett: Sein Weg. Seine Meth­ode. Seine Strate­gie.

Die Kun­st, über Geld nachzu­denken – André Kos­tolany

So denken Mil­lionäre: Die Beziehung zwis­chen Ihrem Kopf und Ihrem Kon­to­stand

Gut investiert: Wie War­ren Buf­fett und Char­lie Munger (und Paps*) mich lehrten, meine Gedanken, meine Emo­tio­nen und mein Geld unter Kon­trolle zu bekom­men

Der Börse einen Schritt voraus – Neuau­flage: Wie auch Sie mit Aktien ver­di­enen kön­nen!

Law of Attrac­tion – Ester und Jer­ry Hicks

* Bei diesen Pro­duk­ten han­delt es sich um ein Affil­i­ate-Link. Wenn du auf so einen Affil­i­ate-Link klickst und über diesen Link einkauf­st, bekom­men wir von dem betr­e­f­fend­en Online-Shop oder Anbi­eter eine Pro­vi­sion. Für dich verän­dert sich der Preis nicht.

Noch mehr Infos für dich

“Man muss immer vorwärtsgehen.”

Ver­sace war lange eine der weni­gen ital­ienis­chen Luxu­s­marken, die sich mehrheitlich in Fam­i­lienbe­sitz befand. 2018 verkaufte Donatel­la Ver­sace das leg­endäre Label an eine Hold­ing. “Ich habe nicht verkauft, um Geld zu machen und es auf die Bank zu brin­gen. Ich habe verkauft, um der Marke Ver­sace Zugang zu Investi­tio­nen zu ermöglichen, die es ihr erlauben, zu wach­sen. Ich fürchte, Fam­i­lienun­ternehmen wer­den ohne­hin mehr und mehr ver­schwinden.”

Ziehen Sie Ihren Erfolg bereits an?

Die Wahl des Out­fits kann Kopfzer­brechen bere­it­en. Ins­beson­dere dann, wenn es um die Klei­dung im beru­flichen Umfeld geht. Was geht und was sind No-Gos? Was wirkt zwar ser­iös, aber nicht spießig? Vor allem kommt es auf Ihre Per­sön­lichkeit, Ihren Beruf und Ihre Inten­tion an, wie Sie wahrgenom­men wer­den möcht­en. Denn wie heißt es so schön: „Klei­den Sie sich für den Job, den Sie wollen, nicht den Sie haben.“

„In der Politik hat vieles mit ungesunden Machtspielen zu tun“

Im Mor­gen­grauen geht sie im Berlin­er Umland angeln. Tagsüber mis­cht Diana Kin­nert (29, CDU) als junge, les­bis­che Frau mit Migra­tionsh­in­ter­grund und Jesus-Tatoo auf dem Unter­arm ihre Partei und das poli­tis­che Berlin auf. Sie ste­ht für einen mod­er­nen Kon­ser­vatismus, fordert mehr Diver­sität in der Poli­tik, sieht Ver­let­zlichkeit als Stärke und ist froh, wenn sie auch mal Tage ohne das poli­tis­che Schaus­piel erlebt.

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