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Aktien für die Ewigkeit: Allianz

2021-04-06T17:03:33+02:0024. März 2021|

Kata­stro­phen gehö­ren zum Geschäft der Alli­anz. Die Gesell­schaft, vor 130 Jah­ren gegrün­det, über­stand zwei Welt­krie­ge und trotzt nun der Coro­na-Pan­de­mie. Der Akti­en­kurs stürz­te im Früh­jahr ab. Eine Gele­gen­heit zum Ein­stieg. 

Von Simo­ne Grö­ne­weg

Gründungsidee

Als der Ver­si­che­rungs­fach­mann Carl Thie­me und der Ban­kier Wil­helm Finck die Alli­anz Ver­si­che­rungs-AG ins Han­dels­re­gis­ter ein­tra­gen las­sen, malt Vin­cent van Gogh sei­ne letz­ten Bil­der und Reichs­kanz­ler Otto von Bis­marck wird aus sei­nem Amt ent­las­sen – es ist das Jahr 1890. Die Alli­anz beginnt als Trans­port- und Unfall­ver­si­che­rung in Mün­chen und Ber­lin. Ein­ge­zahl­te Prä­mi­en lan­den in einem gro­ßen Topf, aus dem Schä­den bezahlt wer­den. So ver­teilt sich das Risi­ko auf vie­le Ver­si­che­rungs­neh­mer.

Das Jahr 1906 ist für die Alli­anz die ers­te gro­ße Belas­tungs­pro­be, als sie nach dem ver­hee­ren­den Erd­be­ben in San Fran­cis­co hohe Ent­schä­di­gun­gen zu leis­ten hat. Sechs Jah­re spä­ter sinkt die „Tita­nic“, und das Unter­neh­men muss erneut hohe Sum­men zah­len.

Der Ers­te Welt­krieg bringt Jah­re der Sta­gna­ti­on, die Tech­nik ent­wi­ckelt sich trotz­dem wei­ter, und die Alli­anz ruft das Geschäft mit Kfz-Poli­cen ins Leben. 1926 führt sie die soge­nann­te Klein­le­bens­ver­si­che­rung ein: Die Ver­trä­ge zeich­nen sich durch nied­ri­ge Ver­si­che­rungs­sum­men und ver­ein­fach­te Bedin­gun­gen aus und sind schon für monat­li­che Bei­trä­ge von zwei bis vier Reichs­mark zu haben.

In der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus folgt sie – wie ande­re Unter­neh­men – der Poli­tik und beschlag­nahmt unter ande­rem Lebens­ver­si­che­run­gen von Juden. Spä­ter wird sie Mit­glied der Stif­tungs­in­itia­ti­ve der deut­schen Wirt­schaft, die Ent­schä­di­gun­gen an ehe­ma­li­ge Zwangs­ar­bei­ter zahlt. 

Heute

„Hof­fent­lich Alli­anz ver­si­chert“ – den Wer­be­slo­gan führ­te die Alli­anz Ende der 50er-Jah­re ein. Mit mehr als 80 Mil­lio­nen Kun­den in über 70 Län­dern gehört der Kon­zern zu den füh­ren­den Ver­si­che­rungs- und Finanz­dienst­leis­tern der Welt.

Das Port­fo­lio ist breit gefä­chert. Es reicht von Lebens- und Kran­ken­ver­si­che­run­gen über Kre­dit­po­li­cen bis hin zu Indus­trie­ver­si­che­run­gen. Wer eine Haftpflicht‑, Rei­se- oder Auto­po­li­ce benö­tigt, wird eben­falls fün­dig.

Zudem bie­tet der Kon­zern soge­nann­te Assi­s­tance-Leis­tun­gen an. Das sind Bera­tun­gen und Hil­fen rund um den Scha­dens­fall. Doch die Alli­anz ver­si­chert nicht nur, sie gehört auch zu den größ­ten Ver­mö­gens­ver­wal­tern der Welt und managt für Kun­den ein Ver­mö­gen von mehr als 1,6 Bil­lio­nen Euro.

Der Kon­zern inves­tiert zudem in Infra­struk­tur­pro­jek­te, etwa in den Glas­fa­ser­netz­aus­bau. So ver­sucht das Unter­neh­men, die mage­ren Ren­di­ten auf­zu­bes­sern, die es der­zeit mit klas­si­schen Staats- und Unter­neh­mens­an­lei­hen erwirt­schaf­tet.

Harte Fakten

Die Alli­anz hält sich in der Coro­na-Pan­de­mie bis­lang recht wacker. Der Kon­zern wird mit den Schä­den aus Betriebs­schlie­ßun­gen und Absa­gen von Ver­an­stal­tun­gen kon­fron­tiert, aller­dings gin­gen wäh­rend des Lock­downs die Sach- und Haft­pflicht­schä­den zurück. Im Novem­ber leg­te der Ver­si­che­rer Zah­len fürs drit­te Quar­tal vor. 

Der ope­ra­ti­ve Gewinn betrug 2,9 Mil­li­ar­den Euro – mehr, als Ana­lys­ten erwar­tet hat­ten. Kon­zern­chef Oli­ver Bäte ver­brei­te­te Opti­mis­mus, gab wegen der Pan­de­mie jedoch kei­ne Pro­gno­se für das Gesamt­jahr ab. 2019 hat­te der Kon­zern noch einen Umsatz von 142,4 Mil­li­ar­den Euro gemacht, unterm Strich blieb ein Net­to­ge­winn von 7,9 Mil­li­ar­den Euro.

Ein Ver­si­che­rer benö­tigt genug Kapi­tal, um even­tu­el­le Ver­si­che­rungs­schä­den abzu­de­cken. Als Indi­ka­tor dafür dient die Sol­ven­cy-II-Kapi­tal­quo­te. Die stieg bei der Alli­anz zuletzt auf 192 Pro­zent und liegt damit im grü­nen Bereich.

Ange­nehm für die Aktio­nä­re ist sicher, dass der Ver­si­che­rungs­rie­se ver­läss­lich Divi­den­den – einen Bonus für Aktio­nä­re – aus­schüt­tet. Das soll so blei­ben, ver­sprach der Vor­stand im Novem­ber. 

2019 hat­te der Kon­zern noch einen Akti­en­rück­kauf ange­kün­digt. Plant ein Unter­neh­men so etwas, ist das eigent­lich eine posi­ti­ve Nach­richt: Der Kon­zern signa­li­siert, dass er die eige­nen Akti­en für eine gute Anla­ge hält.

Wegen der wirt­schaft­li­chen Unwäg­bar­kei­ten rund um die Pan­de­mie hält der Vor­stand das Geld nun lie­ber zusam­men und ver­zich­tet dar­auf, eige­ne Akti­en für 750 Mil­lio­nen Euro am Markt auf­zu­kau­fen.

Steckbrief

Im Mai 2015 über­nahm der Betriebs­wirt Oli­ver Bäte den Pos­ten des Vor­stands­vor­sit­zen­den der Alli­anz. Zu sei­nen Zie­len gehör­te unter ande­rem die Digi­ta­li­sie­rung des Kon­zerns. Den Stamm­sitz hat die Asse­ku­ranz in Mün­chen. Mehr als 147.000 Beschäf­tig­te arbei­ten welt­weit für die Alli­anz. Davon sind übri­gens 51 Pro­zent Frau­en. 

In Euro­pa gehört der Kon­zern zu den größ­ten Ver­si­che­rern. Vor etwa 14 Jah­ren tat sich die Alli­anz AG Hol­ding mit dem ita­lie­ni­schen Ver­si­che­rer RAS Hol­ding S.p.A. zusam­men. Dar­aus for­mier­te sich die heu­ti­ge Alli­anz SE (ISIN: DE 000 840 400 5). Deren Aktie ist sowohl im Deut­schen Akti­en­in­dex (DAX) als auch im Euro Sto­xx 50, Euro­pas füh­ren­dem Bör­sen­ba­ro­me­ter, ver­tre­ten. 

Aussichten

Men­schen gehen Risi­ken ein, sie möch­ten sich aber auch absi­chern – egal ob es um Unfäl­le, Natur­ka­ta­stro­phen, Krank­hei­ten oder Ver­mö­gens­schä­den geht. Das Geschäfts­mo­dell der Alli­anz könn­te man dar­um durch­aus als soli­de beschrei­ben.

Die Coro­na-Kri­se führt aller­dings dras­tisch vor, dass Risi­ken sich ändern. Da die Men­schen der­zeit kaum ver­rei­sen, lei­det das dazu­ge­hö­ri­ge Ver­si­che­rungs­ge­schäft. Etli­che Gast­stät­ten und Hotels haben auf Über­nah­me der Kos­ten für ihre Schlie­ßun­gen geklagt. Der Kon­zern wehrt sich dage­gen. 

Nicht nur die Pan­de­mie zehrt am Geschäft der Alli­anz, wie ande­re Lebens­ver­si­che­rer ist sie Getrie­be­ne der Null- und Nega­tiv­zin­sen. Neu gekauf­te siche­re Wert­pa­pie­re mit fes­tem Zins wer­fen kei­nen Ertrag mehr ab.

Dar­um hat die Alli­anz die Reiß­lei­ne gezo­gen und die jahr­zehn­te­lan­ge 100-pro­zen­ti­ge Bei­trags­ga­ran­tie abge­schafft. Das betrifft nur neue Kun­den, die von 2021 an einen Ver­trag abschlie­ßen. Sie kön­nen nicht mehr auf den vol­len Erhalt ihrer ein­ge­zahl­ten Gel­der bau­en.

Statt­des­sen wer­den ihnen Ver­trä­ge mit einem Garan­tieni­veau von 90, 80 oder 60 Pro­zent ange­bo­ten. Dies bie­tet der Ver­si­che­rung die Mög­lich­keit, ver­stärkt in risi­ko­rei­che­re Anla­gen – etwa Infra­struk­tur und Akti­en – zu inves­tie­ren. 

Der Chart

Zuge­ge­ben, die Ver­si­che­rungs­bran­che befin­det sich in einem gewal­ti­gen Stress­test. Das sieht man auch an dem Ver­lauf des Akti­en­kur­ses der Alli­anz. So klet­ter­te der Akti­en­kurs im Febru­ar 2020 sogar noch auf ein Mehr­jah­res­hoch und notier­te bei etwa 230 Euro. Dann kam die Coro­na-Pan­de­mie, und es folg­te der Absturz auf etwa 119 Euro. 

Seit­her erholt sich das Papier. Die Kurs­ver­lus­te der ver­gan­ge­nen Mona­te haben damit auch ihr Gutes: Für lang­fris­tig ori­en­tier­te Anle­ger bie­ten sie die Mög­lich­keit, zu rela­tiv güns­ti­gen Kur­sen ein­zu­stei­gen. Die Ana­lys­ten waren jeden­falls posi­tiv über­rascht von den letz­ten Quar­tals­zah­len. Etli­che von ihnen sehen den fai­ren Wert der Aktie bei mehr als 200 Euro.

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