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“Geld ist das letzte Beziehungtabu”

2020-02-01T16:46:11+01:004. November 2019|

Michael Mary ist der bekan­nteste Paar­ber­ater, wenn es um das The­ma Geld und Liebe geht. In Courage ver­rät er, warum wir mit dem Part­ner leichter über Sex als über Geld reden kön­nen und dass Paare ihre gemein­samen Finanzen in drei Tem­per­a­turen ein­teilen soll­ten – in küh­les, warmes und heißes Geld.

Von Mar­tin Reim

Courage: Herr Mary, hört bei Geld die Liebe auf?

Michael Mary: Nicht unbe­d­ingt. Es gibt drei Ebe­nen der Beziehung, in denen das Geld jew­eils eine andere Funk­tion hat. Ich beze­ichne es als küh­les, warmes und heißes Geld.

Aber Geld gilt doch üblicher­weise als kalt.

Gän­zlich kalt ist es in Geschäfts­beziehun­gen unter Frem­den. Sie leis­ten etwas, ich zahle, wir gehen auseinan­der – das ist alles. Geschäfts­geld ist total unper­sön­lich.

Und wie sieht es inner­halb ein­er Part­ner­schaft aus?

Geld ist kühl in dem Bere­ich der Liebe, über den Paare ver­han­deln müssen. Part­nergeld oder part­ner­schaftliche Dien­ste kön­nen nicht erwartet oder ersehnt, son­dern müssen not­falls einge­fordert wer­den.

Um was geht es konkret?

Ob bei­de Kinder haben wollen, wo sie wohnen, wie sie ihren All­t­ag bewälti­gen, wie sie ihren Leben­sun­ter­halt finanzieren. Da ist Liebe ein Tauschgeschäft.

Warum ist das kühl?

Hier geht es nicht um Fre­und­schaft oder Lei­den­schaft. In diesem Bere­ich der Beziehung geht es um Part­ner­schaft, also nur um Ver­tragstreue, um Ver­lässlichkeit. Man ist den jew­eils eige­nen Inter­essen verpflichtet. Es muss klar sein, wer welche Leis­tung zum gemein­samen Pro­jekt Ehe oder Fam­i­lie beiträgt – und wie die Leis­tun­gen aus­geglichen wer­den.

Geld in der Beziehung - Paarberater Michael Mary

Geld in der Beziehung — Paar­ber­ater Michael Mary © Michael Mary

Wann wird Geld warm?

Wenn es um fre­und­schaftliche Belange geht. Hier zählt nicht Ver­lässlichkeit. Hier geht es um Teil­habe. Ich bin gern mit dem Part­ner zusam­men und ver­reise gern mit ihm, also bezahle ich, weil ich mehr ver­di­ene, den Großteil des Urlaubs. Anders als küh­les Geld darf ich das Fre­un­des­geld nicht aufrech­nen, es dient der Unter­stützung, sein Maßstab ist das Glück des Part­ners.

Und heißes Geld…

…ist geschenk­tes Geld. So wie Nähe und Hingabe auch geschenkt wer­den. Es dient nicht dazu, dem Part­ner etwas zu geben oder zu ermöglichen. Es ist Aus­druck der Liebe, die man für den Part­ner empfind­et, es kommt aus dem Bedürf­nis zu schenken. Liebesgeld zu fordern oder zu erwarten ist sinn­los, es kann aber ersehnt wer­den.

Was soll diese Unter­schei­dung in drei Tem­per­a­turen brin­gen?

Beziehun­gen wer­den schwierig, wenn die Part­ner auf unter­schiedlichen Ebe­nen miteinan­der disku­tieren. In Geld­din­gen zeigt sich da oft die Wahrheit über eine Beziehung.

Haben Sie ein Beispiel aus Ihrer Beratung?

Ein Mann hat­te sein­er Frau sehr viele teure Dinge geschenkt. Dann lief es beim Sex nicht mehr so richtig, und er beklagte sich, dass seine Gaben umson­st gewe­sen seien. Da wurde klar, dass es für ihn kein Liebesgeld war, son­dern eine Investi­tion. Im Grunde ein part­ner­schaftlich­es Tauschgeschäft, Fleisch gegen Sex, wie dere­inst in der Urzeit.

Woher kommt die Scheu viel­er Paare, über Geld zu reden?

Man redet über das eine oder das andere. Da gibt es Äußerun­gen wie: „Wenn wir über Geld reden, lieb­st du mich nicht.“ Über Sex wird leichter gere­det als über Geld. Geld ist das let­zte Tabu in Paar­beziehun­gen. Aber Geld spielt immer mit hinein: Wer zahlt beim ersten Date? Wer zahlt für die Urlaub­sreise? Welche Bedeu­tung haben teure Geschenke, vom Porsche bis hin zum Bril­lantring? Geld kann auf dem Boden ein­er Beziehung nicht mehr unper­sön­lich sein.

Wann sollte man über Geld reden?

Immer dann, wenn es eine Rolle spielt. Wenn ein­er sagt: „Ich zahle das“, kann sich der andere über­legen, wie er das find­et. Und im Zweifels­fall nach­fra­gen, aus welchem Grund er etwas bekommt. Da spie­len wieder die drei Tem­per­a­turen des Geldes hinein. Umgekehrt ist es für den Geber oft bess­er, wenn er vorher dezent fragt: „Bist du ein­ver­standen, wenn ich zahle?“

Näch­ste Woche erk­lärt der Paar­ber­ater und Buchau­tor Michael Mary in Courage, wie Paare damit umge­hen soll­ten, wenn ein­er von bei­den mehr ver­di­ent. Ist der­jenige mit mehr Geld auch der Mächtigere?

Hier find­et ihr den zweit­en Teil unser­er Inter­view-Serie “Geld & Liebe”: Wer Liebe will, muss Liebe geben.

Hier find­et ihr den drit­ten Teil unser­er Inter­view-Serie “Geld & Liebe”: Bess­er einen Ehev­er­trag machen.

Hier find­et ihr den vierten Teil unser­er Inter­view-Serie “Geld & Liebe”: Fin­ger weg von meinem Geld.


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„Die Liebe und das liebe Geld: Vom let­zten Tabu in Paar­beziehun­gen“ Michael Mary, Piper, ISBN 978–3‑492–31202‑8, Preis: 11,00 Euro

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