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Patrick Dewayne: Gute Tipps für schlechte Zeiten

2020-07-03T18:44:58+02:0022. Juni 2020|

Auf die harte Tour − so hat der ehe­ma­lige Invest­ment­banker und heutige Wirtschaft­sjour­nal­ist und Schaus­piel­er Patrick Dewayne den Umgang mit Geld gel­ernt. Das kom­fort­able Leben, das er als Adop­tivkind eines Mit­tel­ständlers führte, war von heute auf mor­gen vor­bei. Ganz konkrete, aber auch unter­schwellige Äng­ste beherrscht­en for­t­an sein Denken und Han­deln: Geld und Wertschätzung standen im Mit­telpunkt. Seine Schlüsse daraus sowie seine Finanz­mark­ter­fahrung fließen als prak­tis­che Tipps in den Rat­ge­ber „Geld kann jed­er & Du jet­zt auch“ ein. Im Inter­view mit Courage erzählt er, welche pos­i­tiv­en Glaubens­grund­sätze und Ratschläge er heute an seine Fre­unde und Fol­low­er, aber auch an seine Kinder weit­ergibt.

Von Michaela Stem­per

Warum war Geld für Sie in der Jugend wichtig?

Patrick Dewayne: Die Schei­dung mein­er Eltern ging mit der Unternehmensin­sol­venz meines Vaters ein­her. So sind wir von 100 auf null gefall­en. Vorher: Meine Mut­ter sollte nie arbeit­en, mein Vater besaß einen Piloten­schein und wirk­te mit sein­er Agen­tur bei großen Touren bekan­nter US-Stars mit. Nach­her: Sozial­hil­fe, die Eigen­tumswoh­nung dro­hte verpfän­det zu wer­den. Also habe ich schon als 14-Jähriger par­al­lel zur Schule auf dem Bau gear­beit­et, Fernse­her zusam­mengeschraubt und Medika­mente aus­geliefert. Einen Teil des Geldes nutzte ich, um meine Mut­ter zu unter­stützen. Den anderen, um weit­er­hin dazuzuge­hören: Ich finanzierte mir Ten­nis­stun­den und Marken­klei­dung.

Was hat Sie zur Bank und später an die Börse gebracht?

Die Angst vor der Armut hat mich stark bee­in­flusst. Mein heutiger Schwiegervater, der im Trea­sury ein­er Bank arbeit­ete, riet mir: Wir sind hier vor den Toren Frank­furts. Wenn Du viel Geld ver­di­enen willst, dann musst Du in den Han­del oder in die Kred­itabteilung. So bin ich Bankkauf­mann und Börsen­händler gewor­den.

Wie kam es zum Bruch mit der Banken­welt?

Mein Bere­ich, der Aktieneigen­han­del der Deutschen Bank, wurde damals stark zurück­ge­fahren. Gle­ichzeit­ig hat­te sich mein inner­er Kom­pass gedreht. Ich war eigentlich nie ein Banker­typ, selb­st im Anzug sagte man mir: „Du bist doch kein Banker“. Mein Freigeist kam immer wieder durch.

Vom Börsenparkett auf die Bühne

Warum haben Sie einen Neustart als Schaus­piel­er gewagt?

Geschaus­piel­ert hat­te ich qua­si mein Leben lang. Als Jugendlich­er hat­te ich – auf­grund mein­er Biografie – ein geringes Selb­st­wert­ge­fühl. Stets musste ich mich größer machen, als ich war. Auch bei der beru­flichen Neuaus­rich­tung ging es um Anerken­nung. Da lag der Schluss nahe: Wenn ich als Schaus­piel­er berühmt werde, mögen mich alle und ich ver­di­ene viel Geld. Damals dachte ich, ich kön­nte der näch­ste George Clooney oder Den­zel Wash­ing­ton wer­den.

Wie sind Sie es ange­gan­gen?

In Ameri­ka und Aus­tralien nahm ich Schaus­pielun­ter­richt. Kon­nte die Aus­bil­dung aber nie been­den, weil ich in Deutsch­land schnell zu GZSZ gekom­men bin.

Das The­ma Börse ließ Sie aber nicht los. Immer­hin bericht­en Sie u.a. auf dem Nachricht­ensender WELT von der Frank­furter Wert­pa­pier­börse …

Ich wurde 2015 ange­sprochen, ob ich nicht für „Der Aktionär TV“, dem Dien­stleis­ter für Börsen­berichter­stat­tung bei WELT, als Kor­re­spon­dent arbeit­en wolle. Zunächst hieß es als Vertre­tung. Jet­zt bin ich seit fünf Jahren fes­ter Bestandteil des Kor­re­spon­den­ten­teams mit 80 bis 100 Tagen „on air time“.

Berater bei der Serie „Bad Banks“

Noch eine Verquick­ung zwis­chen Börse und Schaus­piel gibt es. Sie haben die preis­gekrönte Serie „Bad Banks“ als fach­lich­er Berater begleit­et …

In Deutsch­land sehe ich bei Cast­ings zu viele Stopp­schilder. Es heißt „Du bist zu schwarz, du bist kein Flüchtling, du bist nicht schwarz genug.“ Die Pro­duzen­ten tun sich schw­er mit mir und der Black Com­mu­ni­ty. Ich entspringe auch nicht dem Net­zw­erk der deutschen Schaus­pielschulen. Also musste ich selb­st aktiv wer­den. Als ich von „Bad Banks“ erfuhr, rief ich kurz­er­hand den Regis­seur Chris­t­ian Schwo­chow an und fiel mit der Tür ins Haus: Sie ken­nen mich nicht. Ich bin Schaus­piel­er, aber auch Invest­ment­banker und Wirtschaft­sjour­nal­ist. Und wenn ich nicht ein­mal hier eine Rolle bekomme, höre ich sofort auf.

Wie war seine Reak­tion?

Zum Glück hat er mich nach Pots­dam ein­ge­laden. Der Cast war lei­der fast zusam­men und so bekam ich eine eher kleinere Rolle. Aber er erkan­nte meine Ben­e­fits: Während Banken zurück­hal­tend auf TV-Recherchen im eige­nen Haus reagierten, kon­nte ich einen Zugang in diese Finanzwelt bieten. So coachte ich 130 Kom­parsen für die Han­del­sraum­szenen: Sprache, Habi­tus, Ver­hal­ten am Tele­fon.

Wie authen­tisch war dann der Trad­ing-Floor?

Super authen­tisch. Die Pro­duk­tion hat Stan­dards geset­zt im Deutschen Fernse­hen. Schade, dass wir keine Real­timekurse hat­ten.

Wie war es, noch ein­mal in diese Welt einzu­tauchen?

Toll! Damit kon­nte ich das The­ma für mich abrun­den, weil ich eine 360-Grad-Per­spek­tive – wie auf ein­er Metaebene – bekom­men habe. Wie nehmen andere mein dama­liges Leben wahr? Wie erzählen die Mach­er die Geschichte?

Finanzratgeber für jedermann

Im zweit­en Teil erleben wir eine Finanzwelt im Umbruch: Fin­techs dominieren das Geschehen. Wie sehr haben Sie sich dies­mal zuhause gefühlt?

Bei den Drehbüch­ern sehr. Durch mein Buch habe ich mich viel mit dem The­ma befasst. Und auch durch den Fin­Tech-Start-up-Talk, den ich seit 2019 mache. Ich habe die Pro­duk­tion von „Bad Banks 2“ zwar nicht mehr berat­en, aber noch ein­mal mit­ge­spielt.

Was hal­ten Sie von Robo-Advi­so­ry?

Es gibt dort, wie in jedem Seg­ment, Licht und Schat­ten. Einige der elek­tro­n­is­chen Experten haben sich jedoch in der Coro­na-Zeit gut geschla­gen. Mit einem kleinen Minus von zwei Prozent aus so ein­er Mark­t­lage her­auszuge­hen, ist schon eine beachtliche Leis­tung. Gut gelun­gen finde ich auch das Konzept von Oskar, ein­er ETF-Anlage­plat­tform für Fam­i­lien mit speziellem Fokus auf Kinder.

Wie ent­stand die Idee zu Ihrem Rat­ge­ber „Geld kann jed­er & Du jet­zt auch“?

Im Land von Dichtern und Denkern gilt man erst etwas, wenn man ein Buch veröf­fentlicht hat. (lacht) Nein, ehrlicher­weise brachte mich meine Mod­er­a­toren-Agen­tur dazu, meine Buchidee endlich anzuge­hen. Seit eini­gen Jahren führte ich eine Liste mit wichti­gen Fra­gen zum The­ma Finanzen. Durch meine Exper­tise bin ich häu­fig um Rat gebeten wor­den: nach Aktien, nach ETFs.

Finanzen gemeinschaftlich regeln

Der Rat­ge­ber hat einen weib­lichen Touch. Warum?

Grund­sät­zlich spricht das Buch gen­derneu­tral alle an. Aber ich habe mir ganz bewusst mehr Frauen als Pro­tag­o­nistin­nen gesucht. Ich möchte mit dem Buch Frauen unter­stützen, ohne dass es merk­würdig wirkt. Ein­fach als Mann, der ein Brück­enkopf in ein män­ner­do­miniertes The­ma sein kann.

Warum soll­ten Finanzen beson­ders rel­e­vant für Frauen sein?

Ganz ein­fach: ans Ende denken. Frauen bekom­men im let­zten Drit­tel ihres Lebens weniger geset­zliche Rente als Män­ner, ein­fach weil sie weniger Gehalt bezo­gen haben. Sie müssen also anders vor­sor­gen. Ein Schw­er­punkt im Buch liegt auf der 22-jähri­gen Mia, die am Anfang ihrer finanziellen Entwick­lung ste­ht und die als unbeschriebenes Blatt vieles von Grund auf ange­hen kann.

Wie ist das im Hause Dewayne geregelt? Wer hat die Fin­ger auf dem Geld­beu­tel oder bess­er dem Depot?

Meine Frau ist Mathe-Lehrerin an unserem Heimat­gym­na­si­um. Wir unter­stützen uns seit 25 Jahren gegen­seit­ig bei unserem beru­flichen Werde­gang, aber auch in finanzieller Hin­sicht. Meine Frau hat ein Kon­to, ich habe eines und es existiert noch ein gemein­sames. Die Führung des Haushalts­buchs übern­immt sie, denn sie ist ein Organ­i­sa­tion­s­ge­nie. Trad­ing- oder Invest­mententschei­dun­gen tre­ffe ich. Wir stim­men uns part­ner­schaftlich über das Set­ting ab, aber der Bessere ste­ht dem jew­eili­gen Bere­ich vor.

Gelderziehung von Anfang an

Als Vater von drei Kindern: wie hal­ten Sie es mit der Finanz­erziehung?

Die Übung kommt im All­t­ag. Meine achtjährige Tochter war beispiel­sweise nach einem Monop­oly-Spiel frus­tri­ert: „Mir gefällt es nicht, immer pleite zu gehen. Und alles nur, weil ich die Miete auf der Bahn­hof­s­traße nicht mehr zahlen kann.“ Inter­es­san­ter­weise hat sie nicht die „Gewin­ner­per­spek­tive“ ihres Brud­ers gese­hen.

Wie sind Sie ihrem Finanzfrust begeg­net?

Ich schlug vor, ein neues Spiel zu entwick­eln, bei dem man nicht alles ver­liert. Der schwäch­ste Spiel­er macht vielle­icht aus 50.000 Euro nur 30.000 Euro. Der bessere Spiel­er vervielfacht sein Geld, weil er in Start-ups oder erneuer­bare Energien investiert. Wir erziehen unsere Tochter aber nicht anders als die Jungs in punc­to Finanzen.

Und die Jungs?

Der Fün­fjährige bekommt zwei Euro Taschen­geld im Monat, die er in Schle­ich-Tiere umrech­net. Seine Währung sind Gum­midi­nos. Der Elfjährige ist ein begeis­tert­er Brawl-Stars-Spiel­er. Ich schlug ihm vor, er könne sein Pro­fil doch für echt­es Geld verkaufen. Er ent­geg­nete, er könne das Pro­fil statt verkaufen doch auch gegen Gebühr ver­lei­hen. In dem Moment dachte ich: alles richtig gemacht!

Welchen Finanz-Ratschlag geben Sie Ihren Kindern für die Zukun­ft?

Erstens: Egal was du tust, tu was. Zweit­ens: Fang früh an. Drit­tens: Mach Deine eige­nen Erfahrun­gen − pos­i­tive wie neg­a­tive. In der Summe gilt das für Finanzen wie für das echte Leben.

Mehr im Buch von Patrick Dewayne:

* Bei diesem Pro­dukt han­delt es sich um ein Affil­i­ate-Link. Wenn du auf so einen Affil­i­ate-Link klickst und über diesen Link einkauf­st, bekom­men wir von dem betr­e­f­fend­en Online-Shop oder Anbi­eter eine Pro­vi­sion. Für dich verän­dert sich der Preis nicht.

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Mina Saidze: “Algorithmen können diskriminieren”

Eigentlich wollte Mina Saidze die Welt ret­ten – oder sie wenig­stens ein biss­chen bess­er machen. Heute arbeit­et sie als Data Ana­lyst und hat ihre Mis­sion gefun­den: mehr Diver­si­ty in Tech! Im Inter­view spricht sie darüber, wie man den eige­nen Klei­der­schrank zum Übung­sob­jekt für Data Sci­ence nutzt, wieso Algo­rith­men diskri­m­inieren kön­nen und warum es gut ist, nicht immer über­all reinzu­passen.

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