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“Frauen werden doppelt benachteiligt”

2020-03-18T09:49:37+02:0016. März 2020|

2014 hat der Deutsche Gew­erkschafts­bund das Pro­jekt „Was die Frau ver­di­ent? Wirtschaftliche Unab­hängigkeit!“ ini­ti­iert. Ziel des Pro­jek­ts ist es, vor allem junge Frauen dafür zu sen­si­bil­isieren, sich um ihre finanzielle Vor­sorge zu küm­mern. Auf poli­tis­ch­er Ebene will „Was ver­di­ent die Frau?“ auf die Benachteili­gung von Frauen auf dem Arbeits­markt aufmerk­sam machen, wie zum Beispiel die ungle­iche Bezahlung von Män­nern und Frauen. Courage sprach mit der Lei­t­erin des Pro­jek­ts, Lau­ra Rauschnick.

 Von Astrid Zehbe

Courage: Rund zwei Drit­tel aller erwerb­stäti­gen Frauen in Deutsch­land besitzen keine langfristige Exis­ten­zsicherung. Sie sind häu­fig abhängig von anderen – dem Staat, ihrer Fam­i­lie oder ihrem Part­ner. Welche sind die größten Risiken, dass Frauen in finanzielle Abhängigkeit ger­at­en?
Lau­ra Rauschnick: Die Gründe dafür sind vielfältig und hän­gen stark vom Lebensver­lauf der Frauen ab. Ein­er der wichtig­sten Fak­toren ist, dass Frauen weniger bezahlte Arbeit leis­ten als Män­ner – im Schnitt einen Tag weniger pro Woche.

Weil sie sich tra­di­tionell eher um die Fam­i­lie küm­mern?
Genau. Es ist immer noch sehr oft so, dass Frauen den Großteil der soge­nan­nten Care-Arbeit erledi­gen, also sich um die Kinder, andere Ange­hörige und den Haushalt küm­mern. Diese Arbeit wird jedoch nicht vergütet, und dadurch zahlen sie in der Regel auch nicht in gle­ichem Maße aufs Rentenkon­to ein wie bei einem bezahlten Job. Die Folge sind deut­lich niedrigere Rente­nansprüche. Dadurch entste­ht eine geschlechter­spez­i­fis­che Renten­lücke, der Gen­der Pen­sion Gap. Die finanzielle Abhängigkeit ist also auch im Alter hoch.

Welche Rolle spielt im Hin­blick darauf die oft ungle­iche Bezahlung von Män­nern und Frauen?
Das wirkt sich eben­falls auch auf die Rente­nansprüche aus. Der Gen­der Pay Gap, also die Lohn­lücke zwis­chen Män­nern und Frauen, liegt unbere­inigt bei 21 Prozent. Frauen ver­di­enen im Schnitt also in Deutsch­land rund ein Fün­f­tel weniger als Män­ner. Deutsch­land liegt damit an drit­tlet­zter Stelle in der EU.

Es wird oft als Argu­ment vorge­bracht, dass die „echte“ – also die bere­inigte – Lohn­lücke, bei der zum Beispiel Teilzeit berück­sichtigt wird, nur bei rund sechs Prozent liegt. Ist alles also nur halb so schlimm?
Nein, im Gegen­teil: Es ist erschreck­end. Die Dif­ferenz von 15 Prozent­punk­ten entste­ht ja aus Diskri­m­inierung und Benachteili­gung. Frauen arbeit­en häu­fig nur deshalb in Teilzeit, weil sie – wie gesagt – sehr viel unbezahlte Arbeit­en etwa bei der Kinder­erziehung und im Haushalt erledi­gen. Teilzeit­tätigkeit­en wer­den aber häu­fig schlechter bezahlt als Vol­lzeit­stellen. Frauen wer­den also dop­pelt benachteiligt.

Was rat­en Sie Frauen, um aus diesem Teufel­skreis auszubrechen?
Es gibt ver­schiedene Stellschrauben, an denen gedreht wer­den muss. Zunächst ein­mal sollte man mit dem Part­ner vere­in­baren, Betreu­ungsauf­gaben zu teilen. Es ist nicht nur fair, son­dern auch prag­ma­tisch: Eine Fam­i­lie, die finanziell auf zwei Beinen ste­ht, ist ja viel bess­er aufgestellt, falls mal etwas passiert. Wichtig ist zudem finanzielle Bil­dung. Frauen muss bewusst wer­den, welche Kon­se­quen­zen Entschei­dun­gen zu bes­timmten Zeit­punk­ten in ihrem Leben haben kön­nen. Viele junge Frauen glauben, dass sie mit ein­er Heirat finanziell abgesichert sind. Das ist fatal. Auch muss den Frauen bewusster wer­den, dass, wenn sie län­gere Zeit in Teilzeit arbeit­en, weniger in die Rentenkasse ein­zahlen. Desto geringer fällt aber auch die Rente aus. In dem Zusam­men­hang sollte sich auch jede Frau über die Möglichkeit­en pri­vater Altersvor­sorge Gedanken machen.

Häu­fig wer­den bes­timmte Glaubenssätze, aber auch Rol­len­bilder und Stereo­typen schon in jun­gen Jahren in den Biografien gepflanzt. Wie kann man das auf­brechen?
Wir soll­ten Mäd­chen und Jun­gen ermuti­gen, ihren Inter­essen nachzuge­hen und ihnen nicht sug­gerieren, dass sie auf­grund ihres Geschlechts irgen­det­was bess­er oder schlechter kön­nten. Dass Mäd­chen schlechter in Mathe seien, ist ja so ein Klas­sik­er. Dabei soll­ten wir uns bemühen, Mäd­chen für MINT-Fäch­er zu begeis­tern.

Viele Mäd­chen wählen aber lieber Berufe aus dem sozialen Bere­ich, die häu­fig schlechter bezahlt wer­den. Lässt sich das auch auf Geschlechter­stereo­type zurück­führen?
Ja, viele Mäd­chen fokussieren sich auf bes­timmte frauen­do­minierte Berufe. Mehr als die Hälfte der Mäd­chen wählt aus nur zehn ver­schiede­nen Aus­bil­dungs­berufen – darunter ist kein einziger natur­wis­senschaftlich-tech­nis­ch­er Beruf. Frauen­do­minierte Berufe sind aber his­torisch bed­ingt schlechter bew­ertet. Die Arbeits­be­din­gun­gen sind schlechter und die Löhne sind niedriger. Hier muss eine Aufw­er­tung stat­tfind­en.

Wie lässt sich die Loh­nun­gerechtigkeit begle­ichen?
Mit flächen­deck­enden Tar­ifverträ­gen wären Löhne trans­par­ent und nachvol­lziehbar. Dort, wo es solche Tar­ifverträge gibt, sind geschlechter­spez­i­fis­che Gehalt­sun­ter­schiede lange nicht so stark aus­geprägt.

Aber ger­ade für Start-ups oder kleine Betriebe ist das unre­al­is­tisch. Was rätst du diesen Frauen?
Ich würde immer rat­en, keine Angst davor zu haben, das The­ma auf den Tisch zu brin­gen und beispiel­sweise ein trans­par­entes Ent­gelt­sys­tem zu fordern. Das hil­ft ja auch der Fir­ma: Das Arbeit­skli­ma verbessert sich und die Moti­va­tion steigt, wenn sich kein­er ungerecht bezahlt fühlt. Auch in kleinen Betrieben ist es übri­gens möglich, einen Betrieb­srat zu grün­den, der die Ent­gelt­struk­turen über­prüfen kann.

Soll­ten Frauen auch noch bess­er ler­nen zu ver­han­deln und ein­fach häu­figer ein höheres Gehalt fordern?
Ja, das schadet sich­er nicht. Lei­der ist es aber immer noch häu­fig so, dass Frauen, die dies dann tat­säch­lich auch tun, häu­fig nicht ernst genom­men wer­den. Fordert ein Mann hinge­gen mehr Lohn, heißt es eher anerken­nend: „Der weiß eben, was er will“.

Wie kön­nen sich Frauen untere­inan­der unter­stützen?
Unser Mot­to ist „Bildet Ban­den“. Zusam­men ist man stärk­er. Frauen dür­fen nicht gegeneinan­der kämpfen, son­dern müssen füreinan­der ein­ste­hen, das heißt, sich in Meet­ings zu unter­stützen oder sich beispiel­sweise im Fall von sex­is­tis­ch­er Behand­lung zu sol­i­darisieren und zu wehren. Frauen mit Per­son­alver­ant­wor­tung kön­nen auch viel bewirken: Sie kön­nen andere Frauen ein­stellen und fördern, ihnen Weit­er­bil­dun­gen anbi­eten und anre­gen, Net­zw­erke zu bilden. Auch in der Poli­tik muss mehr weib­lich­er Nach­wuchs her, um sicherzustellen, dass Frauen unter­stützt wer­den.

Es geschieht ja aktuell recht viel. Auch immer mehr Unternehmen haben erkan­nt, wie wichtig Diver­sität ist. Bist du zufrieden mit der Entwick­lung?
Es gibt gute Beispiele, wo es gut funk­tion­iert. Das freut mich natür­lich. Aber es gibt nach wie vor in sehr vie­len Unternehmen, die sich eine Ziel­größe von Frauen in ihrem Vor­stand von null geset­zt haben. Und eine gläserne Decke ver­hin­dert, dass Frauen es trotz hoher Qual­i­fika­tion schaf­fen, weit­er in die Führungse­tage aufzusteigen. Die Unternehmen argu­men­tieren oft, dass sie keine Frauen für den Posten find­en, ohne sich die Frage zu stellen, warum das so ist.

Was sind die Gründe?
Die Arbeits­be­din­gun­gen sind schlecht. Meet­ings um 19 Uhr sind für Men­schen, die eine Fam­i­lie haben, sehr ungün­stig. Da muss sich in den Unternehmen was tun, dann bewer­ben sich auch Frauen.

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