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“Man muss immer vorwärtsgehen.”

2020-12-07T16:38:50+01:0024. November 2020|

Ver­sace war lange eine der weni­gen ital­ienis­chen Luxu­s­marken, die sich mehrheitlich in Fam­i­lienbe­sitz befand. 2018 verkaufte Donatel­la Ver­sace, Gian­ni Ver­saces Schwest­er, das leg­endäre Label an eine Hold­ing

Von Peter Bal­siger

Die Chefin des wohl glam­ourös­es­ten und stets von einem Hauch Dekadenz umwe­ht­en Mailän­der Mod­e­la­bels, Donatel­la Ver­sace, begrün­dete 2018 in einem Inter­view den Verkauf von Ver­sace an die Capri Hold­ings Lim­it­ed wie fol­gt: „Ich habe nicht verkauft, um Geld zu machen und es auf die Bank zu brin­gen. Ich habe verkauft, um der Marke Ver­sace Zugang zu Investi­tio­nen zu ermöglichen, die es ihr erlauben, zu wach­sen. Ich fürchte, Fam­i­lienun­ternehmen wer­den ohne­hin mehr und mehr ver­schwinden.“

Der ital­ienis­che Mod­edesign­er Gian­ni Ver­sace hat­te das Unternehmen 1978 gegrün­det. „Mar­ket­ing, Social Media, Wer­bung, diese Sachen brauchen Geld. Das hat mich überzeugt, zu verkaufen“, sagte Donatel­la Ver­sace im Gespräch mit der „Welt“. „Heute ist alles dig­i­tal, und wer mitre­den will, der muss über die nöti­gen Gelder ver­fü­gen, die es einem erlauben, dig­i­tal ein Welt­niveau zu erre­ichen. Wir hät­ten in dieser Hin­sicht nie wirk­lich aus­re­ichend investieren kön­nen.“

Ihr Cre­do lautet: „Man muss immer vor­wärts­ge­hen.“ Donatel­la Ver­sace ist bere­its heute eine lebende Leg­ende und gehört zusam­men mit Anna Win­tour, Chefredak­teurin der amerikanis­chen „Vogue“, zu den wichtig­sten Frauen in der Welt der Mode.

20 Jahre nach dem Tod ihres Brud­ers Gian­ni schaffte sie es, die fünf Super­mod­els sein­er Zeit – Clau­dia Schif­fer, Nao­mi Camp­bell, Car­la Bruni, Cindy Craw­ford und Hele­na Chris­tensen – anlässlich der Mailän­der Mod­e­woche noch ein­mal auf den Lauf­steg zu bekom­men, alle in goldglänzen­den Roben.

Die Bilder gin­gen um die Welt. Auch nach der Über­nahme ihres Labels wird Donatel­la Ver­sace weit­er­hin die „kreative Vision“ des Unternehmens ver­wirk­lichen, wie der Capri-Chef John D. Idol erk­lärte. Ihr ikonis­ch­er Stil sei „das Herz der Designäs­thetik von Ver­sace“.

Der große Bruder ein großer Modeschöpfer

Donatel­la Ver­sace kam 1955 in Reg­gio Cal­abria zur Welt. Ihr Vater war Elek­tro­händler, die Mut­ter Maßschnei­derin.

Sie war die erste Muse ihres neun Jahre älteren Brud­ers Gian­ni. Er färbte ihr die Haare blond, als sie elf war, zog ihr Miniröcke und Stöck­elschuhe an, schick­te sie so in die Schule und pro­bierte seine ersten Entwürfe an ihr aus.

Als Gian­ni ihr ges­tand, dass er homo­sex­uell sei und deshalb im erzkon­ser­v­a­tiv­en armen Süden Ital­iens keine Kar­ri­erechance habe, gab sie ihr Studi­um der Wirtschaftswis­senschaften auf und zog mit ihm in den Nor­den nach Mai­land.

Die erste Boutique

In den 80er-Jahren war die Mod­ein­dus­trie eine jen­er Branchen in Ital­ien, in der Homo­sex­uelle akzep­tiert waren.

An der Via del­la Spi­ga eröffnete Ver­sace 1978 seine erste Bou­tique, seine neo­barock­en Entwürfe begeis­terten die Mailän­der Soci­ety. Ver­sace wurde schnell zur ange­sagten Marke.

„Die Mode des Labels wurde oft wegen ihrer opu­len­ten Auss­chwei­fun­gen, die sich in grellen Far­ben und ungewöhn­lichen Mustern nieder­schlu­gen, von Kri­tik­ern als vul­gär beze­ich­net“, schrieb die Zeitschrift „Elle“. „Die Kun­den jedoch nah­men die Mode begeis­tert an – Stars wie Elton John ließen sich Büh­ne­nout­fits von Ver­sace desig­nen.“

Bunt, laut und ohne Scheu

Das Label traf mit seinen Kreatio­nen das Lebens­ge­fühl der 80er-Jahre: Die Frauen hat­ten nach der alter­na­tiv­en Alles-geht-Mode der Hip­piezeit, die sich so demon­stra­tiv von allen gesellschaftlichen Nor­men befre­it hat­te, wieder Lust auf Ele­ganz und Opu­lenz.

„Kein ander­er war so regel­recht besessen von Schnallen, gold­e­nen Nieten, Glieder­ket­ten und Zier­riemen. Nie­mand vor ihm hat Tex­til so bunt, laut und ohne Scheu vor zu viel Gepränge bedruck­en lassen wie Gian­ni Ver­sace“, schrieb die „Süd­deutsche Zeitung“.

Donatel­la und Gian­ni resi­dierten im Stadtzen­trum von Mai­land in einem Palaz­zo aus dem 18. Jahrhun­dert. Am Hauptein­gang ent­deck­te Gian­ni einen Medusenkopf und machte dieses schau­rig-schöne Gesicht zu seinem Logo. Die Medusa ist eine Sagengestalt aus der griechis­chen Mytholo­gie, die Schlangen­haare trug und jeden ver­stein­erte, der sie erblick­te. Es wurde ein leicht zu merk­endes Marken­ze­ichen, auch für modis­che Neulinge.

Eigentlich sollte Donatel­la Ver­sace die PR-Arbeit für ihren Brud­er übernehmen. Er jedoch wollte, dass sie für ihn die Rolle der kün­st­lerischen Bera­terin spielte.

Ver­saces sex­u­al­isierte Ästhetik eroberte damals die Welt. In den 90er-Jahren wur­den prak­tisch alle Top­mod­els für Ver­sace gebucht. 1994 trug Liz Hur­ley auf ein­er Pre­miere das Sicher­heit­snadelk­leid, das als das bekan­nteste Klei­dungsstück des Mod­e­haus­es gilt.

Eine Tragödie verändert alles

Am 15. Juli 1997 wurde Gian­ni Ver­sace in Mia­mi ermordet. Er schlen­derte am frühen Mor­gen ger­ade über den Ocean Dri­ve, wo er im News Café Zeitun­gen gekauft und einen Kaf­fee getrunk­en hat­te, als er von zwei Schüssen niedergestreckt wurde. Als die Notärzte in Miamis Uni­ver­sität­sklinik den 50-Jähri­gen wenig später für tot erk­lärten, war der Schütze längst auf und davon.

Die Polizei hat­te bald einen Ver­dacht, wer ihn getötet haben kön­nte: ein Call­boy namens Andrew Cunanan. Dieser war bere­its seit zweiein­halb Monat­en durch den Osten der USA gezo­gen und hat­te gemordet. Ver­sace war sein fün­ftes Opfer.

Nicht nur die Mod­ewelt war geschockt, das ganze Land fragte sich: Warum musste der Design­er ster­ben? Zwar waren Täter und Opfer bei­de homo­sex­uell, doch ob Ver­sace und sein Mörder sich kan­nten, ist bis heute nicht klar. Mit Gian­nis Tod endete eine sagen­haft erfol­gre­iche Kar­riere. Für Donatel­la änderte sich daraufhin alles.

Gian­ni hat­te ihrer damals elf Jahre alten Tochter Alle­gra die Hälfte des Ver­mö­gens ver­ma­cht, ihr Sohn Daniel erhielt die Kun­st­samm­lung, 30 Prozent gin­gen an den Brud­er und Geschäfts­führer San­to Ver­sace, für Donatel­la Ver­sace blieben nur 20 Prozent.

Sie über­nahm als Kreativchefin die Führung des Mod­e­haus­es und hat­te erst mal eine schwere Krise zu meis­tern. Die Erfolge der ver­gan­genen Jahre kon­nte sie nicht aufrechter­hal­ten, die Gewinne schrumpften. Die Fam­i­lie musste Teile des Pri­vatbe­sitzes verkaufen. Ihre ersten Kreatio­nen wur­den von den Mod­ekri­tik­ern belächelt.

Die Mode-Ikone Donatella

Aber die Ital­iener­in kämpfte, wurde zur Pow­er­frau, zeigte ein beein­druck­endes Tal­ent als PR-Man­agerin und set­zte als Designer­in vir­tu­os auf die etwas dekadente Ital­ian­ità. „Ich hat­te immer das Gefühl, ich müsse in seine Schuhe passen, und Gian­ni war ein Gigant.“

Ein­er ihrer größten Coups: Zur Gram­my-Ver­lei­hung 2000 erschien Jen­nifer Lopez in einem grü­nen Chif­fon­kleid, das mehr frei­legte als ver­hüllte und schnell zum Gespräch­s­the­ma Num­mer 1 in der Szene wurde.

Im Kern wich Donatel­la in ihren Kollek­tio­nen nicht von der Grun­drich­tung ab, die ihr Brud­er vorgegeben hat­te: Pomp, viel nack­te Haut, Ele­mente aus der Sub­kul­tur, immer nahe an der Gren­ze des Anstößi­gen und sie wurde zur Ikone.

Die lan­gen Haare wasser­stoff­blond, das Gesicht operiert, die Lip­pen aufge­spritzt kämpfte sie gegen Depres­sio­nen und Dro­gen­ab­hängigkeit. Aber sie zeigte es allen: Heute gehört Ver­sace immer noch zu den beliebtesten und bekan­ntesten Luxu­s­marken.

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