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Wohin fließt eigentlich mein Geld?

2021-04-01T14:21:05+02:0026. März 2021|

An der Bör­se dreht sich alles ums Geld. Doch vie­len ist gar nicht bewusst, wohin ihr Geld dort tat­säch­lich fließt – und was damit pas­siert.

Von Gise­la Habe­rer 

Mit den Wor­ten „Ihr Geld ist nicht weg, mein Freund, es hat nur ein ande­rer“ ver­such­te der Ban­kier Amschel Mey­er Roth­schild im 19. Jahr­hun­dert einen auf­ge­brach­ten Bör­sia­ner nach einem Kurs­sturz zu beru­hi­gen. Ob ihm das gelun­gen ist, ist zwar nicht über­lie­fert.

Doch führt das Bon­mot fast zwangs­läu­fig zu der Fra­ge: „Ja und wer hat denn nun mein Geld?“ Die Ant­wort dar­auf hängt davon ab, wel­ches Kapi­tal mit „mein Geld“ gemeint ist – und in was man es inves­tiert hat. Aber der Rei­he nach…

Was passiert mit dem Geld, das ich in Wertpapiere gesteckt habe, bei einem Kurssturz?

Eigent­lich nichts. Aller­dings sind die Wert­pa­pie­re, die Du vor dem Kurs­sturz für Dein teu­res Geld gekauft hast, jetzt weni­ger wert.

Ange­nom­men, Du hast Dein Geld in Akti­en gesteckt und deren Kurs ist nach dem Kauf um 20 Pro­zent gefal­len. Dann bedeu­tet das für Dich: Die Akti­en sind jetzt zwar ein Fünf­tel weni­ger wert, aber sie gehö­ren Dir noch immer. Also steht der Ver­lust bis­her nur in Dei­nem Depot­aus­zug, in Dei­nen „Büchern“. Daher nennt man sol­che Ver­lus­te auch „Buch­ver­lus­te“.

Ver­kaufst Du jedoch die Akti­en zu dem nied­ri­ge­ren Kurs, dann „rea­li­sierst“ Du Dei­ne Ver­lus­te. Das kann sinn­voll sein, wenn Du glaubst, dass der Akti­en­kurs noch viel wei­ter fällt.

Glaubst Du aber, dass die Akti­en­ge­sell­schaft ein gutes Geschäfts­mo­dell hat und der Kurs­ver­lust nur vor­über­ge­hend ist, kannst Du auch ein­fach nichts tun und die Kurs­ver­lus­te „aus­sit­zen“. Also dar­auf hof­fen, dass der Akti­en­kurs auch wie­der steigt. In vie­len Fäl­len ist das gegen­über einem Panik­ver­kauf die bes­se­re Alter­na­ti­ve.

Pro­ble­ma­tisch wird es nur, wenn Du das Geld, das Du in die Akti­en gesteckt hast, kurz­fris­tig drin­gend brauchst oder – noch schlim­mer – wenn Du Wert­pa­pie­re auf Kre­dit gekauft hast und die­sen abzah­len musst.

Daher: kei­ne Wert­pa­pier­käu­fe auf Kre­dit. Und nur das Geld an der Bör­se anle­gen, das Du in nächs­ter Zeit, also die nächs­ten fünf bis zehn Jah­re, nicht brau­chen wirst.

Und wer bekommt beim Börsenhandel mein Geld?

Anders sieht es in Sachen Kapi­tal­fluss aus, wenn Du tat­säch­lich Wert­pa­pie­re kaufst. Und hier muss man unter­schei­den zwi­schen den eigent­li­chen Kos­ten für die Wert­pa­pie­re und den Kos­ten und Gebüh­ren für den Kauf (oder Ver­kauf).

Fan­gen wir mit Letz­te­ren an: So ver­langt zum einen Dei­ne Depot­bank Gebüh­ren dafür, dass sie den Kauf oder Ver­kauf für Dich orga­ni­siert und durch­führt.

Neben die­sen Order­ge­büh­ren kom­men aber auch noch ande­re Kos­ten auf Dich zu: Die Bör­se, an der die Wert­pa­pie­re ver­kauft wer­den, will Geld. Der Bör­sen­mak­ler, der den Tra­de letzt­lich abwi­ckelt, eben­so. Und auch die Clea­ring­stel­le, so hei­ßen die Fir­men, die letzt­lich die Wert­pa­pie­re ver­wah­ren, lässt sich ihre Arbeit ver­gü­ten. Auch für die amt­li­che Han­dels­über­wa­chung kön­nen Gebüh­ren anfal­len.

All die­se Kos­ten machen bei Online­bro­kern je nach Grö­ße Dei­nes Kauf- oder Ver­kaufs­auf­trags etwa zwi­schen 0,3 und 0,6 Pro­zent des Auf­trags­vo­lu­mens aus. Hast Du Dein Depot bei einer Fili­al­bank, dann kön­nen es ins­ge­samt durch­aus auch ein bis 1,5 Pro­zent wer­den.

Daher lohnt es unter Kos­ten­ge­sichts­punk­ten, das Depot bei einem Online­bro­ker zu füh­ren (sie­he Teil 8 und Teil 9 die­ser Bör­sen­se­rie).

Das Geld für den eigent­li­chen Kauf der Wert­pa­pie­re fließt dage­gen im Nor­mal­fall an den Anle­ger, der Dir die­se Papie­re ver­kauft hat. Das kann eine Pri­vat­per­son sein, eine Fonds­ge­sell­schaft, eine Bank oder eine Pen­si­ons­kas­se. Doch gibt es von die­ser Regel auch Aus­nah­men.

Wer erhält mein Geld beim Kauf von neuen Aktien?

Geht eine Fir­ma an die Bör­se – das heißt, ihre Akti­en wer­den erst­mals zum Bör­sen­han­del zuge­las­sen – dann kann jede Anle­ge­rin ihrer Depot­bank mit­tei­len, dass sie die­se Akti­en haben möch­te.

Zudem kann sie sagen, wel­chen Preis sie maxi­mal für eine Aktie zah­len will und wie vie­le Akti­en sie maxi­mal möch­te. Im Fach­jar­gon heißt das: Sie „zeich­net“ die Aktie.

Wer­den ihr beim Bör­sen­gang Akti­en zuge­teilt, dann steht der eigent­li­che Kauf­preis für die­se den Alt­ei­gen­tü­mern des Bör­sen­neu­lings zu. Denn natür­lich hat jede Fir­ma auch schon vor einem Bör­sen­gang Besit­zer. Und die­se ver­kau­fen beim Bör­sen­gang ihre Anteil­schei­ne ganz oder teil­wei­se über die Bör­se an Dich oder ande­re Anle­ger und Anle­ge­rin­nen.

Oft ist es jedoch so, dass die alten Firmeninhaber:innen auf einen Teil ihres Ver­kaufs­er­lö­ses ver­zich­ten und die­ses Geld dafür der Akti­en­ge­sell­schaft selbst zugu­te kom­men las­sen. Damit stär­ken sie die Eigen­ka­pi­tal­ba­sis des Bör­sen­neu­lings. Die­ser hat dann mehr Kapi­tal für For­schung und Ent­wick­lung, für hoch­ka­rä­ti­ge Mitarbeiter:innen, für die Expan­si­on in neue Märk­te oder für Akqui­si­tio­nen ande­rer Fir­men zur Ver­fü­gung.

Und wie ist das bei neuen Anleihen?

Steckst Du Geld dage­gen in neue Anlei­hen, dann fließt die­ses, abzüg­lich der Gebüh­ren (sie­he oben), an den Emit­ten­ten – also das Unter­neh­men, den Staat oder die Gebiets­kör­per­schaft, das/der/die die Anlei­hen her­aus­gibt.

Du leihst dem Emit­ten­ten für eine gewis­se Zeit – maxi­mal bis zum Ende der Lauf­zeit der Anlei­he – Dein Geld, damit die­ser Rech­nun­gen beglei­chen, alte Schul­den zurück­zah­len, neue Fabri­ken bau­en kann oder was auch immer.

Bei soge­nann­ten „Green Bonds“ oder „grü­nen Anlei­hen“ geben Emit­ten­ten häu­fig an, für wel­che Umwelt­schutz-Maß­nah­men sie das ein­ge­sam­mel­te Fremd­ka­pi­tal ver­wen­den wol­len.

Doch in der Regel erfah­ren Anlei­he-Inves­to­rin­nen nicht, wofür ihr Geld ver­wen­det wird. Es kann also sein, dass Pazi­fis­tin­nen dem deut­schen Staat Geld lei­hen und die­ser mit die­sem Kapi­tal dann den Kauf von Kriegs­schif­fen oder Pan­zern finan­ziert.

Ist das bei Tagesgeld, Festgeld, Sparbriefen, Banksparplänen oder Sparbüchern anders?

Nein, im Prin­zip nicht. Du gibst – oder bes­ser leihst – auch damit einer Bank für eine gewis­se Zeit Geld. Was die­se damit macht, kannst Du in der Regel nicht beein­flus­sen. Du erfährst es meist noch nicht ein­mal. Nur eines ist klar: Es bleibt nicht bei der Bank lie­gen.

Die­se ver­leiht Dein Geld wie­der­um an Unter­neh­men, die einen Kre­dit bei der Bank bean­tra­gen, oder an Pri­vat­leu­te, die eine Immo­bi­lie erwer­ben wol­len und denen dafür das nöti­ge Klein­geld fehlt.

Die Bank nutzt also Dein Geld für ihre Geschäf­te. Für die­se Nut­zung zahlt sie Dir in der Regel eine Nut­zungs­ge­bühr, den Zins. Und nach dem Lauf­zeit­ende des jewei­li­gen Spar­pro­dukts fließt das gelie­he­ne Geld wie­der an Dich zurück. Genau wie bei Anlei­hen auch.

Und wie ist das beim Kauf von Fondsanteilen direkt bei der Fondsgesellschaft?

In die­sem Fall fließt Dein Geld an die Fonds­ge­sell­schaft, die den aller­größ­ten Teil davon nutzt, um für den Fonds wei­te­re Wert­pa­pie­re zu kau­fen. Bei einem Akti­en­fonds mit Schwer­punkt Deutsch­land, fließt es also etwa in DAX-Akti­en.

Dage­gen fließt dein Geld bei einem Anlei­he­fonds in die den Anla­ge­richt­li­ni­en ent­spre­chen­den Anlei­hen und in Gewer­be- oder Wohn­im­mo­bi­li­en bei einem Immo­bi­li­en­fonds.

Bei die­sen Käu­fen ent­ste­hen natür­lich wie­der­um Kos­ten, die mit Dei­nem Geld begli­chen wer­den. Doch ein grö­ße­rer Teil Dei­nes Gel­des – der Aus­ga­be­auf­schlag, auch Agio oder Auf­geld genannt – fließt dage­gen als Ver­triebs­pro­vi­si­on an Dei­ne Depot­bank.

Die­se Pro­vi­si­on macht bei Akti­en­fonds meist um die fünf Pro­zent des gesam­ten Kauf­prei­ses aus. Bei Anlei­he­fonds meist drei Pro­zent. Die­ses Geld ist für die eigent­li­che Geld­an­la­ge ver­lo­ren. Daher soll­ten Fonds-Anle­ge­rin­nen dar­auf ach­ten, dass ihre Depot­bank vie­le Fonds mit einem mög­lichst hohen Rabatt auf den Aus­ga­be­auf­schlag anbie­ten.

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