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Teil 6: Was sind eigentlich Fonds?

2020-06-08T11:17:42+02:0020. April 2020|

Kalbs­fonds, Hüh­ner­fonds, Fisch­fonds – gute Grund­la­gen für eine lecke­re Sup­pe oder Soße. Lai­en in der Küche kön­nen sich durch sol­che Fonds vom Pro­fi viel Arbeit abneh­men las­sen. Ähn­lich ver­hält es sich mit den Namens­vet­tern: den Fonds zur Geld­an­la­ge.

Wie bei Fonds zum Kochen ent­schei­den auch bei Fonds zur Kapi­tal­an­la­ge, den soge­nann­ten Invest­ment­fonds, die Zuta­ten über die jewei­li­ge Aus­rich­tung: Kun­den kön­nen den pas­sen­den Fonds ganz nach eige­nem „Geschmack“ wäh­len.

Von Gise­la Habe­rer 

Welche Fondsarten zur Geldanlage gibt es?

Fonds las­sen sich zum Bei­spiel nach der Aus­rich­tung ihres Invest­ments unter­schei­den: Akti­en­fonds inves­tie­ren in Akti­en; Ren­ten­fonds in fest­ver­zins­li­che Wert­pa­pie­re wie Anlei­hen; Geld­markt­fonds in Geld­markt­in­stru­men­te wie kurz lau­fen­de Anlei­hen; Immo­bi­li­en­fonds in Immo­bi­li­en. Zusätz­lich gibt es Son­der- und Misch­fonds.

Das Fonds­ma­nage­ment legt zudem vor­ab fest, in wel­chen Regio­nen, Bran­chen oder nach wel­chen Stra­te­gien das Fonds­ver­mö­gen ange­legt wird. Fonds kön­nen auch nach ihrem Umgang mit Erträ­gen unter­schie­den wer­den: Soge­nann­te aus­schüt­ten­de Fonds zah­len Anle­gern die Erträ­ge zu bestimm­ten Ter­mi­nen aus.

Bei the­sau­rie­ren­den Fonds flie­ßen Erträ­ge ins Fonds­ver­mö­gen und wer­den wie­der ange­legt.

Seit wann gibt es Fonds?

Die Idee dahin­ter ist fast 250 Jah­re alt: Der hol­län­di­sche Kauf­mann Adria­an van Ket­wich schlug Bür­gern vor, ihr Geld in einen Topf ein­zu­zah­len und dann gemein­sam anzu­le­gen. Dafür grün­de­te er 1774 die Fonds­ge­sell­schaft „Einig­keit macht stark“.

Die spar­sa­men Schot­ten for­mu­lier­ten schließ­lich 1868 die Phi­lo­so­phie des Fonds-Spa­rens: „Den klei­nen Spa­rern die­sel­ben Vor­tei­le zu ver­schaf­fen wie den Rei­chen, indem das Risi­ko durch die Streu­ung der Kapi­tal­an­la­ge auf eine Viel­zahl ver­schie­de­ner Akti­en ver­min­dert wird.“

Bis heu­te funk­tio­nie­ren Fonds nach die­sem Prin­zip: Sie eröff­nen Klein-Anle­ge­rin­nen und ‑Anle­gern bei der Inves­ti­ti­on ihres Gel­des Vor­tei­le, die sonst nur Wohl­ha­ben­de­re wahr­neh­men könn­ten. Denn um Ver­mö­gen auf­tei­len zu kön­nen, muss es eine gewis­se Grö­ße haben.

Ein ver­teil­ba­res Kapi­tal­vo­lu­men lässt sich gemein­sam leich­ter errei­chen: Dafür kau­fen Anle­ge­rin­nen und Anle­ger Antei­le an einem Fonds – jeweils so vie­le wie sie wol­len und sich leis­ten kön­nen. Das auf die­se Wei­se ein­ge­sam­mel­te Fonds­ver­mö­gen wird auf ver­schie­de­ne Anla­ge­po­si­tio­nen ver­teilt.

Wie sicher sind Fonds?

Der Wert eines Fonds­an­teils schwankt. So wie auch der Kurs von Akti­en und fest­ver­zins­li­chen Wert­pa­pie­ren bezie­hungs­wei­se der Wert von Immo­bi­li­en schwankt. Trotz­dem bie­tet ein Fonds mehr Sicher­heit als ein ein­zel­ner Akti­en- oder Ren­ten­ti­tel bezie­hungs­wei­se eine ein­zel­ne Immo­bi­lie.

Die Ver­tei­lung auf vie­le Wert­pa­pie­re min­dert das Ver­lust­ri­si­ko, denn nur äußerst sel­ten ent­wi­ckeln sich sämt­li­che Anla­ge­po­si­tio­nen eines Fonds gleich­zei­tig schlecht.

Zusätz­lich hat der Gesetz­ge­ber sozu­sa­gen Sicher­heits­bö­den ein­ge­zo­gen. Ers­tens unter­liegt jeder in Deutsch­land zuge­las­se­ne Fonds dem Invest­ment­ge­setz, des­sen Ein­hal­tung von der deut­schen Finanz­auf­sicht Bafin über­wacht wird (sie­he auch →„Ver­brau­cher“ → „Geld­an­la­ge und Wert­pa­pie­re“ auf www.bafin.de).

Das Gesetz gibt den Fonds­ge­sell­schaf­ten Rah­men­be­din­gun­gen vor, zum Bei­spiel Min­dest­ma­ße der Streu­ung. So dür­fen nicht mehr als zehn Pro­zent des Fonds­ver­mö­gens in einen ein­zel­nen Titel inves­tiert sein, die gewich­tigs­ten fünf Posi­tio­nen dür­fen zusam­men nicht über 40 Pro­zent des Fonds­ver­mö­gens aus­ma­chen.

Zwei­tens sind Fonds­ge­sell­schaf­ten ver­pflich­tet, wesent­li­che Merk­ma­le eines Invest­ment­fonds nach euro­pa­weit ein­heit­li­chen Vor­ga­ben zu ver­öf­fent­li­chen: etwa Anla­ge­stra­te­gie, Wert­ent­wick­lung, Risi­ko­ein­stu­fung und Kos­ten. Das hilft Anle­gern, Fonds ein­zu­schät­zen und mit­ein­an­der zu ver­glei­chen.

Drit­tens ist Fonds­ver­mö­gen Son­der­ver­mö­gen. Es wird getrennt vom Ver­mö­gen der Fonds­ge­sell­schaft ver­wahrt und ver­wal­tet. Wird eine Fonds­ge­sell­schaft zah­lungs­un­fä­hig, dür­fen weder die Gesell­schaft selbst noch ihre Gläu­bi­ger auf das Son­der­ver­mö­gen zugrei­fen. Das Fonds­ver­mö­gen bleibt den Anle­gern erhal­ten.

Wie flexibel lässt sich mit Fonds sparen?

Es gibt kaum eine fle­xi­ble­re Mög­lich­keit zu spa­ren. Denn Fonds­an­tei­le kön­nen grund­sätz­lich bör­sen­täg­lich gekauft und ganz oder teil­wei­se ver­kauft wer­den. Ange­spar­tes Ver­mö­gen ist somit bei Bedarf ver­füg­bar.

Doch es gibt zwei Aus­nah­men: Ries­ter-Fonds­spar­plä­ne und Offe­ne Immo­bi­li­en­fonds. Für Antei­le die­ser Immo­bi­li­en­fonds bestehen Kün­di­gungs­fris­ten (sie­he Bör­sen­se­rie Teil 7).

Fonds­spar­plä­ne, die als Ries­ter-Ver­trag abge­schlos­sen wer­den, unter­lie­gen den Regeln der Ries­ter-Ren­te: Dem­nach sind Erspar­nis­se für den Ruhe­stand bestimmt. Nur zur Finan­zie­rung von Wohn­ei­gen­tum dür­fen sie ohne Ver­lust der staat­li­chen För­de­rung vor­zei­tig ver­wen­det wer­den.

Abge­se­hen von die­sen bei­den Aus­nah­men ist es aber grund­sätz­lich von Vor­teil, wenn man den Ver­kaufs­zeit­punkt von Fonds­an­tei­len an die Markt­la­ge anpas­sen kann – also nicht unbe­dingt genau dann ver­kau­fen muss, wenn die Kur­se gera­de nied­rig sind.

Wie viel Geld braucht man für Fonds?

Auf vie­le Fonds las­sen sich Spar­plä­ne abschlie­ßen, häu­fig schon ab klei­nen Beträ­gen. Etli­che Anbie­ter akzep­tie­ren monat­li­che Ein­zah­lun­gen ab 25 Euro oder vier­tel­jähr­li­che ab 50 Euro. Die Spar­ra­te kann jeder­zeit erhöht oder auf das jewei­li­ge Mini­mum abge­senkt wer­den.

Die Bei­trä­ge kön­nen aber auch vor­über­ge­hend aus­ge­setzt und der Spar­plan jeder­zeit been­det wer­den. Die­se Form des Bör­sen­in­vest­ments eig­net sich als Ein­stieg in den Ver­mö­gens­auf­bau.

Eini­ge Depot­ban­ken bie­ten Fonds­spar­plä­ne auch zum Ent­spa­ren. Auch dabei sind Höhe und Rhyth­mus der Aus­zah­lun­gen frei wähl­bar und jeder­zeit zu ändern. Der nicht ver­brauch­te Teil des Ver­mö­gens bleibt im Fonds und kann wei­ter­wach­sen.

Wird Fondssparen gefördert?

Unter Umstän­den. So kön­nen zum Bei­spiel in man­che Fonds­spar­plä­ne die ver­mö­gens­wirk­sa­men Leis­tun­gen (VL) des Arbeit­ge­bers von maxi­mal 40 Euro im Monat flie­ßen. Wird damit ein Akti­en­fonds bespart, gibt der Staat die Arbeit­neh­mer­spar­zu­la­ge dazu.

Nächs­te Vor­aus­set­zung: das zu ver­steu­ern­de Jah­res­ein­kom­men liegt bei Sin­gles unter 20.000 Euro (bei gemein­sam ver­an­lag­ten Ehe­paa­ren und ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­nern: 40.000 Euro). Die maxi­ma­le Zula­ge pro Jahr beträgt 80 Euro für Sin­gles und 160 Euro für gemein­sam ver­an­lag­te Paa­re.

Wer­den Fonds­spar­plä­ne als Ries­ter-Ver­trag abge­schlos­sen, gibt es die staat­li­che För­de­rung plus die Garan­tie, dass zu Beginn der Aus­zahl­pha­se die Sum­me aus gezahl­ten Bei­trä­gen und Zula­gen zur Ver­fü­gung steht. Sozu­sa­gen Fonds­spa­ren mit Netz und dop­pel­tem Boden.

Wie findet man „gute“ Fonds?

Unab­hän­gi­ge Insti­tu­te, soge­nann­te Rating­agen­tu­ren, bewer­ten Fonds und ihr Manage­ment nach fest­ge­leg­ten Kri­te­ri­en. Die größ­ten Agen­tu­ren sind Morningstar, FERI und Stan­dard & Poor’s.

Auch Finanz­zeit­schrif­ten ver­ge­ben Aus­zeich­nun­gen für Fonds oder Fonds­ge­sell­schaf­ten, zum Bei­spiel das Schwes­ter­blatt von Cou­ra­ge: das Monats­ma­ga­zin €uro. Die Aus­zeich­nun­gen geben eine Ori­en­tie­rung vor, die letzt­li­che Kauf­ent­schei­dung soll­te man aber nicht allein davon abhän­gig machen. Ein Grund: Nicht jeder Fonds wird extern bewer­tet.

Ein zwei­ter: Auch ein Fonds ohne Aus­zeich­nung kann die rich­ti­ge Wahl sein, etwa dann, wenn die Anla­ge­stra­te­gie den per­sön­li­chen Vor­stel­lun­gen ent­spricht. Aktu­ell sind zum Bei­spiel Fonds mit nach­hal­ti­gen Anla­ge­kri­te­ri­en stark gefragt. 40 Pro­zent der Gel­der, die 2019 bun­des­weit neu in Fonds inves­tiert wur­den, flos­sen laut Bran­chen­ver­band BVI in soge­nann­te nach­hal­ti­ge Fonds.

Was kosten Fonds?

Pro­fis für sich arbei­ten zu las­sen, kos­tet − egal ob Fisch­fonds oder Invest­ment­fonds. In jedem Fall lohnt ein Blick auf den Preis bezie­hungs­wei­se ein Preis­ver­gleich.

Bei aktiv ver­wal­te­ten Invest­ment­fonds kos­tet deren Ver­wal­tung, aber auch der Kauf und Ver­kauf von Fonds­an­tei­len sowie die Ver­wah­rung der Antei­le in einem Depot. Wie bei Lebens­mit­teln gibt es auch Dis­coun­ter für Fonds­de­pots, aller­dings aus­schließ­lich im Inter­net.

Inter­net-Fonds­dis­coun­ter sind zum Bei­spiel AAV Fondsvermittlung.de, AVL-Investmendfonds.de, Fondsdiscount.com, Fonds-for-less.de, Fonds-Super-Markt.de, Fondsvermittlung24.de oder Netfonds24.de.

Die­se arbei­ten mit Fonds­ban­ken wie Eba­se, FIL Fonds­bank, Fonds­de­pot­bank oder der Fonds­platt­form der Augs­bur­ger Akti­en­bank zusam­men, die auf Fonds- und ETF-Han­del spe­zia­li­siert sind. Sie ver­lan­gen zwar oft eine Depot­ge­bühr, die­se beträgt aktu­ell jedoch maxi­mal 65 Euro im Jahr. Dafür fällt der Preis­auf­schlag (Agio) beim Kauf von Antei­len aktiv gema­nag­ter Fonds deut­lich gerin­ger aus als bei vie­len Online­bro­kern. Je nach Fonds­ver­mitt­ler wird bei bis zu 10.000 Fonds über­haupt kein Aus­ga­be­auf­schlag fäl­lig.

Auch pas­siv ver­wal­te­te Fonds, soge­nann­te ETFs, sind dort recht güns­tig oder sogar ganz ohne Trans­ak­ti­ons­kos­ten zu haben (mehr dazu hier). Die Fonds­dis­coun­ter sind dann über­le­gens­wert, wenn aus­schließ­lich in Fonds und ETFs inves­tiert wer­den soll.

Für Invest­ments in Ein­zel­wer­te bräuch­te es meist ein wei­te­res Depot.

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