Startseite/Teil 5: Ein Zertifikat – was ist denn das?

Teil 5: Ein Zertifikat – was ist denn das?

2020-06-08T11:18:17+02:006. April 2020|

An den Bör­sen wer­den nicht nur Akti­en und Anlei­hen gehan­delt, son­dern auch vie­le ande­re Wert­pa­pie­re. Etwa Zer­ti­fi­ka­te. Und von die­sen gibt es jede Men­ge Vari­an­ten. Wir erläu­tern, was allen Zer­ti­fi­ka­ten gleich ist, wel­che Unter­schie­de es gibt und wie die wich­tigs­ten Zer­ti­fi­ka­te-Typen funk­tio­nie­ren.

Von Gise­la Habe­rer 

Wer sich beruf­lich fort­bil­det, erhält bei erfolg­rei­chem Abschluss oft ein Zer­ti­fi­kat. Die­ses doku­men­tiert die erfolg­rei­che Fort­bil­dung. Es ist eine Art Zeug­nis über eine erwor­be­ne Qua­li­fi­ka­ti­on. Auch an der Bör­se gibt es Zer­ti­fi­ka­te, aller­dings bezeich­net der Begriff hier eine eige­ne Anla­ge­klas­se. Das ist eine „Fami­lie“ von Wert­pa­pie­ren, die alle die­sel­ben Merk­ma­le auf­wei­sen. Wei­te­re Anla­ge­klas­sen sind bei­spiels­wei­se Akti­en und Anlei­hen.

Was sind Zertifikate?

Zer­ti­fi­ka­te sind von Ban­ken her­aus­ge­ge­be­ne Schuld­ver­schrei­bun­gen. Auch Bank­spar­brie­fe und Anlei­hen sind Schuld­ver­schrei­bun­gen. Doch wäh­rend bei die­sen für die Dau­er der Lauf­zeit meist ein­fach ein fixer Zins­satz gezahlt wird, ist das bei Zer­ti­fi­ka­ten völ­lig anders.

Ihre Wert­ent­wick­lung hängt davon ab, wie sich der Kurs eines ande­ren Werts ent­wi­ckelt. Wer­te, auf die sich die Per­for­mance eines Zer­ti­fi­kats bezieht, kön­nen ent­we­der ein­zel­ne oder meh­re­re Akti­en, kom­plet­te Indi­zes – wie etwa der DAX – Anlei­hen, Wäh­run­gen oder auch Edel­me­tal­le, ande­re Roh­stof­fe und Nah­rungs­mit­tel sein.

Die Wert­ent­wick­lung des Zer­ti­fi­kats lei­tet sich dabei aus der Kurs­ent­wick­lung eines zugrun­de lie­gen­den Werts, des Basis­werts, ab. Dabei vari­iert die Funk­ti­ons­wei­se eines Zer­ti­fi­kats je nach Zer­ti­fi­ka­te-Art. Zudem gibt es Zer­ti­fi­ka­te mit fes­ter Lauf­zeit und sol­che, die end­los lau­fen.

Was sind die Vorteile von Zertifikaten?

Gro­ßer Vor­teil von Zer­ti­fi­ka­ten: Mit ihnen sind in prak­tisch jeder Markt­la­ge Gewin­ne mög­lich. Und prak­tisch jede Anlag­eidee lässt sich mit ihnen rea­li­sie­ren. Mit Zer­ti­fi­ka­ten wer­den für Pri­vat­an­le­ge­rin­nen zudem Anla­ge­klas­sen erschlos­sen, in die sie nicht direkt inves­tie­ren kön­nen.

Aller­dings ist in vie­len Fäl­len eine fun­dier­te Mei­nung dazu, wie sich der Basis­wert wäh­rend des Zer­ti­fi­ka­te-Invest­ments ent­wi­ckeln wird, nötig. Nur so lässt sich ein zur eige­nen Über­zeu­gung pas­sen­des Zer­ti­fi­kat fin­den und in die­ses inves­tie­ren.

Und die Nachteile?

Größ­ter Nach­teil von Zer­ti­fi­ka­ten: Mit ihnen kauft man sich ein Risi­ko ein, das es etwa bei Akti­en in die­ser Form nicht gibt – das Emit­ten­ten­ri­si­ko.

Was heißt das?

Akti­en kön­nen nur dann wert­los wer­den, wenn die Akti­en­ge­sell­schaft plei­te geht und der Akti­en­kurs auf null sinkt. Zer­ti­fi­ka­te, die sich auf eine ein­zel­ne Aktie bezie­hen, kön­nen eben­falls wert­los wer­den, wenn die Akti­en­ge­sell­schaft insol­vent wird. Doch auch wenn die Bank, die das Zer­ti­fi­kat her­aus­gibt, bank­rott geht, kön­nen Zer­ti­fi­ka­te all ihren Wert ver­lie­ren. Denn die Bank steht für das Zah­lungs­ver­spre­chen des Zer­ti­fi­kats ein, nicht die Akti­en­ge­sell­schaft.

Geht dage­gen die Bank plei­te, bei der die Akti­en und sons­ti­gen Wert­pa­pie­re ver­wahrt wer­den – die Depot­bank (mehr dazu dem­nächst in Teil 8 der Bör­sen­se­rie), dann ändert das am Wert des Depots nichts. Es ist als soge­nann­tes Son­der­ver­mö­gen im Fal­le einer Bank­plei­te geschützt, und man kann sein Depot jeder­zeit auf eine ande­re Bank über­tra­gen.

Welche Zertifikate-Arten gibt es?

Die bekann­tes­ten Vari­an­ten von Zer­ti­fi­ka­ten sind Index‑, Basket‑, Discount‑, Bonus‑, Garan­tie- und Fak­tor-Zer­ti­fi­ka­te sowie – als Unter­form der Bas­ket-Zer­ti­fi­ka­te – Wiki­fo­li­os. Im Fol­gen­den wird erläu­tert, was die­se Vari­an­ten unter­schei­det.

Wie funktionieren Index-Zertifikate?

Im Prin­zip funk­tio­nie­ren Index-Zer­ti­fi­ka­te ganz ein­fach. Sie bil­den die Wert­ent­wick­lung eines (Aktien-)Index ab. Meist im Ver­hält­nis 1:100.

Bei­spiel: Ange­nom­men der DAX, der deut­sche Leit­in­dex, steht bei 13.000 Punk­ten, dann kos­tet ein DAX-Zer­ti­fi­kat 130 Euro. Steigt der DAX auf 13.500 Punk­te, steigt der Kurs des ent­spre­chen­den Zer­ti­fi­kats auf 135 Euro. Das Pro­blem: Fällt der Index, fällt auch der Kurs des Zer­ti­fi­kats ent­spre­chend.

Wei­te­rer Nach­teil: Vie­le Indi­zes sind rei­ne Kursin­di­zes. Schüt­ten die dem Index ange­hö­ren­den Fir­men Divi­den­den aus, so kom­men die­se den Anle­ge­rin­nen nicht zugu­te, son­dern ver­blei­ben beim Zer­ti­fi­ka­te-Emit­ten­ten.

Anders beim DAX: Die­ser Index ist ein Per­for­mance-Index, in den auch Divi­den­den ein­flie­ßen. 
Übri­gens: Die meis­ten Index-Zer­ti­fi­ka­te lau­fen end­los.

Was sind Basket-Zertifikate?

Im Prin­zip funk­tio­nie­ren sie wie Index-Zer­ti­fi­ka­te. Aller­dings bezie­hen die­se Zer­ti­fi­ka­te sich nicht auf einen mehr oder min­der eta­blier­ten (Aktien-)Index, son­dern auf eine Rei­he von Akti­en, die vom Zer­ti­fi­ka­te-Emit­ten­ten — also der Bank, die das Zer­ti­fi­kat her­aus­gibt — nach eige­nen Ideen zusam­men­ge­stellt wur­den.

So kön­nen in einem Bas­ket-Zer­ti­fi­kat Akti­en aller Auto­kon­zer­ne der Welt gebün­delt wer­den, oder die Akti­en aller Unter­neh­men, die im ver­gan­ge­nen Jahr in den USA an die Bör­se gin­gen. Oder Akti­en aller deut­schen Kon­zer­ne, die seit mehr als zehn Jah­ren Jahr für Jahr ihre Divi­den­de erhö­hen, oder oder oder.

Wie funktionieren Discount-Zertifikate?

Wie der Name andeu­tet, lässt sich dank Dis­count-Zer­ti­fi­ka­ten mit einem mehr oder min­der gro­ßen Rabatt in Wert­pa­pie­re inves­tie­ren. Dies ermög­licht Gewin­ne, selbst wenn der Kurs des Basis­werts sta­gniert oder leicht fällt. Dafür ist die maxi­ma­le Höhe der Gewin­ne gede­ckelt. Die­ser Deckel heißt im Bör­sen­sprech „Cap“.

Übri­gens: Sol­che Zer­ti­fi­ka­te haben immer eine begrenz­te Lauf­zeit. Zum Lauf­zeit­ende wird Inves­to­rin­nen ent­we­der die Aktie ins Depot gebucht oder sie bekom­men einen ent­spre­chen­den Geld­be­trag, wenn der Akti­en­kurs unter dem Cap liegt.

Ein Bei­spiel: Eine Aktie kos­tet 40 Euro. Das Dis­count-Zer­ti­fi­kat auf die­se Aktie aber nur 36 Euro. Zusätz­lich ist bei dem Zer­ti­fi­kat die Höhe des Gewinns bei 42 Euro gede­ckelt. Ange­nom­men, der Akti­en­kurs fällt zum Lauf­zeit­ende um fünf Pro­zent auf 38 Euro. Anle­ge­rin­nen erhal­ten dann die Aktie.

Da sie für das Zer­ti­fi­kat 36 Euro gezahlt haben, die Aktie aber 38 Euro wert ist, haben sie je Zer­ti­fi­kat zwei Euro Gewinn gemacht. Ent­spricht 5,55 Pro­zent. Fie­le der Akti­en­kurs jedoch unter 36 Euro, wür­den auch Zer­ti­fi­ka­te-Anle­ge­rin­nen Ver­lust machen, jedoch nicht so viel wie bei einer Direkt­an­la­ge in der ent­spre­chen­den Aktie.

Sta­gniert die Aktie, ist die Situa­ti­on ähn­lich: Die Aktie wird ein­ge­bucht. Da die­se aber 40 Euro wert ist, beträgt der Gewinn in unse­rem Bei­spiel sogar vier Euro oder zehn Pro­zent.

Und Bonus-Zertifikate – was muss man da wissen?

Die­se Vari­an­te ist für Anle­ge­rin­nen geeig­net, die glau­ben, der Kurs des jewei­li­gen Basis­werts wer­de leicht fal­len, sta­gnie­ren oder mode­rat stei­gen.

Bei­spiel: Eine Aktie notiert bei 40 Euro, das Bonus-Zer­ti­fi­kat mit fünf­jäh­ri­ger Lauf­zeit eben­falls. Zudem besitzt das Zer­ti­fi­kat ein Bar­rie­re-Level bei 26 Euro (65 Pro­zent des aktu­el­len Kur­ses) und ein Bonus­le­vel bei 56 Euro (140 Pro­zent). Berührt der Akti­en­kurs wäh­rend der Lauf­zeit das Bar­rie­re-Level oder fällt sogar dar­un­ter, erhal­ten Anle­ger zum Lauf­zeit­ende den Wert der Aktie zurück­ge­zahlt.

Liegt der Akti­en­kurs wäh­rend der Lauf­zeit jedoch immer über der Bar­rie­re, wird min­des­tens der Betrag des Bonus-Levels aus­ge­zahlt. In unse­rem Bei­spiel also 56 Euro. Die­sen Betrag gibt es auch dann, wenn die Aktie unter dem Ein­stands­kurs von 40 Euro aber über dem Bar­rie­re-Level notiert. Steigt der Akti­en­kurs zum Lauf­zeit­ende über das Bonus­le­vel, wird der höhe­re Akti­en­kurs aus­ge­zahlt.

Lohnen Garantie-Zertifikate?

Bei der der­zei­ti­gen Null- oder sogar Minus­zins­pha­se loh­nen Garan­tie-Zer­ti­fi­ka­te – auch Kapi­tal­schutz-Zer­ti­fi­ka­te genannt − kaum. Die­se ver­spre­chen Anle­gern den kom­plet­ten oder teil­wei­sen Kapi­tal­er­halt. Des­halb fließt nur ein Teil des Gel­des in den Basis­wert, der Groß­teil geht für die Garan­tie drauf.

Wegen der Mini­zin­sen müs­sen Emit­ten­ten die­ser Papie­re der­zeit den aller­größ­ten Teil des Anla­ge­ka­pi­tals in die Garan­tie inves­tie­ren, sodass nur noch ein klei­ner Teil zur Ver­fü­gung steht, um in den ent­spre­chen­den Basis­wert zu inves­tie­ren.

Ange­nom­men, der DAX steigt wäh­rend der drei­jäh­ri­gen Lauf­zeit eines Kapi­tal­schutz-Zer­ti­fi­kats um 20 Pro­zent. Und die Garan­tie „frisst“ 95 Pro­zent des ange­leg­ten Gel­des. Damit ste­hen nur fünf Pro­zent für das DAX-Invest­ment zur Ver­fü­gung. Heißt: Unterm Strich macht man in drei Jah­ren – bezo­gen auf das ein­ge­setz­te Kapi­tal – gera­de mal ein Pro­zent Gewinn (fünf Pro­zent von 20 Pro­zent). Da gibt es bes­se­re Anlag­eideen.

Was sind Faktor-Zertifikate?

„Fak­tor“ ist hier nur ein ande­rer Begriff für „Hebel“. Das heißt, Fak­tor-Zer­ti­fi­ka­te sind Papie­re mit einem Hebel von 1 bis 4. Je höher der Hebel, des­to höher die Gewinn­chan­ce, aber auch das Risi­ko. Zudem kann man mit Fak­tor-Zer­ti­fi­ka­ten auch auf fal­len­de Kur­se set­zen. Wir hal­ten sie jedoch wegen des hohen Ver­lust­ri­si­kos nicht für geeig­ne­te Ein­stei­ger­pro­duk­te.

Wikifolio – ein seltsames Wort. Was steckt dahinter?

Wiki­fo­li­os kom­men aus dem der­zeit sehr im Trend lie­gen­den „Social Tra­ding“. Dabei fol­gen Anle­ge­rin­nen den Invest­ments mehr oder min­der bekann­ter Bör­sen­tra­der oder den Mus­ter­de­pots von Bör­sen­brie­fen und ‑zeit­schrif­ten. Dafür müs­sen Anle­ge­rin­nen nicht mehr jeden ein­zel­nen Wert in ihrem favo­ri­sier­ten Mus­ter­de­pot kau­fen, sie kön­nen oft ganz ein­fach über ein bör­sen­ge­han­del­tes Wiki­fo­lio in die­ses Mus­ter­de­pot inves­tie­ren.

Letzt­lich sind Wiki­fo­li­os end­los lau­fen­de Bas­ket-Zer­ti­fi­ka­te auf das jewei­li­ge Mus­ter­de­pot. Und damit immer so ris­kant wie die jewei­li­ge Anla­ge­stra­te­gie des Mus­ter­de­pots. Zudem erhält der Betrei­ber des Mus­ter­de­pots eine Per­for­mance-Gebühr.

Alle Bör­sen­se­ri­en­tei­le auf einem Blick:

Noch mehr Infos für dich

Grüne Konten, grünes Geld 

Ver­ant­wor­tungs­vol­le Geld­an­la­ge beginnt schon bei der Wahl des Giro­kon­tos. Öko­lo­gisch und ethisch ori­en­tier­te Ban­ken erle­ben des­halb gera­de einen Boom. Es lohnt sich, ihre Ange­bo­te genau unter die Lupe zu neh­men.

Bäume pflanzen für mehr Produktivität

Eine Whats­app-Nach­richt hier, ein Sel­fie dort und noch kurz einen Bei­trag im Lieb­lings­netz­werk tei­len: Vie­le Men­schen hän­gen oft stun­den­lang an ihrem Han­dy – und trau­ern gleich­zei­tig der Zeit hin­ter­her, die ihnen dadurch ver­lo­ren geht und die sie pro­duk­ti­ver hät­ten nut­zen kön­nen. Aus­ge­rech­net eine Han­dy-App kann hier Abhil­fe schaf­fen: Forest. Eine App, um weni­ger Zeit am Han­dy zu ver­brin­gen? Klingt erst mal merk­wür­dig, funk­tio­niert aber und hat im bes­ten Fall sogar Effek­te auf die rea­le Welt.

Zitat der Woche KW13
Buch des Monats

Hinterlasse einen Kommentar

Nach oben