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Teil 4: Anleihen – Was hat das mit mir zu tun?

2020-05-18T09:42:12+02:0019. März 2020|

Brauchen Pri­vatleute für eine Anschaf­fung mehr Geld als sie haben, nehmen sie einen Kred­it auf. Unternehmen, Banken, Staat­en und Kom­munen ste­ht ein häu­fig gün­stiger­er Weg offen: Sie lei­hen sich Geld von Anlegerin­nen und Anlegern, indem sie Anlei­hen her­aus­geben. Vom Han­del mit Anlei­hen lebt unser gesamtes Wirtschaftssys­tem und damit wir alle. Zugle­ich kann Geld in Anlei­hen direkt oder indi­rekt investiert wer­den.

Von Gisela Haber­er 

Was sind eigentlich Anleihen?

Wollen sich Organ­i­sa­tio­nen eine große Summe Geld am Kap­i­tal­markt lei­hen, stück­eln sie diese in kleine Teil­be­träge und ver­briefen sie in Urkun­den: früher auf Papi­er, heute elek­tro­n­isch. Diese Urkun­den nen­nt man Schuld­ver­schrei­bun­gen oder Anlei­hen.

Nun nimmt wohl nie­mand die Schulden eines anderen auf sich, ohne zu wis­sen, was es im Gegen­zug dafür gibt. Der Her­aus­ge­ber ein­er Anlei­he, der soge­nan­nte Emit­tent, sagt daher von vorn­here­in, wie lange er sich das Geld auslei­hen will und was er während der Laufzeit an Zin­sen zahlen wird. Darum heißen Anlei­hen auch festverzinsliche Wert­pa­piere.

Sie haben aber auch weit­ere Namen wie Bonds, Loans, Oblig­a­tio­nen, Renten oder Pfand­briefe. Wie eine Anlei­he genan­nt wird, richtet sich nach ihrem Emit­ten­ten: Schuld­ver­schrei­bun­gen des Bun­des wer­den häu­fig Bun­de­san­lei­hen genan­nt; von Städten und Gemein­den Kom­mu­naloblig­a­tio­nen. Anlei­hen von Unternehmen heißen häu­fig Cor­po­rate Bonds. Hypotheken­banken bieten Anlei­hen als Pfand­briefe.

Seit wann gibt es Anleihen?

Bere­its im Mit­te­lal­ter haben Städte ihre Schulden über soge­nan­nte Renten­briefe finanziert. Der Begriff Rente leit­et sich vom ital­ienis­chen „la ren­di­ta“ ab, was Rente, aber auch Ertrag und Ren­dite bedeutet. Mit der Alter­srente hat dies nur insoweit zu tun, als es auch bei diesen Renten um regelmäßige Zahlun­gen in meist gle­ich­er Höhe geht. Da es für Anlei­hen Zin­sen in vor­ab fest­gelegter Höhe gibt, heißen sie auch Renten­pa­piere.

Früher bestanden Anlei­hen aus ein­er Urkunde auf Papi­er, dem soge­nan­nten Man­tel, und einem Bogen. Der Bogen war unterteilt in kleine Abschnitte, denen jew­eils ein bes­timmter Wert aufge­druckt war: die Höhe der vere­in­barten Zin­sen. Zum Zin­ster­min wurde der Abschnitt aus­geschnit­ten und beim Her­aus­ge­ber ein­gere­icht. Dieser zahlte daraufhin den ver­sproch­enen Zins.

Abgeleit­et vom franzö­sis­chen Wort für auss­chnei­den, couper, wur­den die kleinen Zins­ab­schnitte Coupon genan­nt. Coupon oder Kupon ste­ht bis heute für den Zinssatz, der für eine Anlei­he nom­i­nal vere­in­bart ist.

Wie lässt sich mit Anleihen Geld verdienen?

Anlegerin­nen und Anleger kön­nen durch Zin­sen und Kurs­gewinne Erträge erwirtschaften. Denn Anlei­hen müssen nicht über die gesamte Laufzeit gehal­ten wer­den. Sie kön­nen börsen­täglich verkauft wer­den. Den Preis dafür, den soge­nan­nten Kurs, bes­tim­men Ange­bot und Nach­frage.

Bei Auflage kostete eine Anlei­he zum Beispiel 1000 Euro. Dies ist ihr Nen­nwert. Eine geringe Nach­frage kann ihren Kurs zum Beispiel auf 90 Prozent sinken lassen: Wer die Anlei­he dann zu diesem Kurs kauft, muss nur 900 Euro zahlen, erhält aber dieselbe Verzin­sung und am Laufzei­t­ende den Nen­nwert in Höhe von 1000 Euro zurück. Das erhöht die Ren­dite.

Für Anleger, die Anlei­hen von der Aus­gabe bis zur Rück­zahlung hal­ten, sind die Kurss­chwankun­gen belan­g­los. Sie erhal­ten die Verzin­sung und am Ende 100 Prozent ihres einge­set­zten Kap­i­tals. Wur­den 1000 Euro aus­geliehen, gibt es am Ende 1000 Euro zurück – unab­hängig von der Kaufkraft, die 1000 Euro am Anfang und am Ende der Laufzeit haben.

Wie sicher sind Anleihen?

Das kommt darauf an. Grund­sät­zlich gel­ten Anlei­hen als rel­a­tiv „sichere“ Gel­dan­lage. Zum einen sind Anlei­hen über das Ver­mö­gen des Her­aus­ge­bers abgesichert. Ein Unternehmen haftet für seine Anlei­hen, also für seine Schulden, mit seinen Grund­stück­en, Immo­bilien, Maschi­nen und allem son­sti­gen Betrieb­sver­mö­gen. Die Pfand­briefe ein­er Hypotheken­bank sind mit Grund­stück­en und Immo­bilien abgesichert.

Ein Staat ste­ht für seine Schulden mit seinen Ver­mö­genswerten ein, etwa Grund­stücke und Gebäude, sowie mit der Steuerkraft sein­er Bürg­erin­nen und Bürg­er. Daher kön­nen sich Staat­en im juris­tis­chen Sinne nicht über­schulden wie pri­vate Unternehmen.

Zweit­ens rang­ieren im Falle ein­er Pleite Inhab­er von Schuld­ver­schrei­bun­gen vor anderen Anlegern, etwa vor Aktionären. So weit die rel­a­tive Sicher­heit.

Trotz­dem bergen auch Anlei­hen Risiken. Im Falle ein­er Pleite kann zu wenig Ver­mö­gen vorhan­den sein, um alle Forderun­gen zu befriedi­gen. Bei Staat­en kann es zu einem soge­nan­nten Schulden­schnitt kom­men. Dann müssen Anlegerin­nen „frei­willig“ auf die Rück­zahlung ihres ver­liehenen Geldes verzicht­en.

Wie sicher sind Zinsen und Rückzahlung?

Der Her­aus­ge­ber ein­er Anlei­he kann Zin­sen und Rück­zahlung nur leis­ten, wenn er genug Kap­i­tal erwirtschaftet. Wirtschaftliche Stärke und damit Kred­itwürdigkeit des Her­aus­ge­bers, seine Bonität, ist ein wesentlich­er Fak­tor, um das Risiko ein­er Anlei­he einzuschätzen. Die Bonität bew­erten spezielle Ratin­ga­gen­turen.

Das englis­che Wort „rat­ing“ bedeutet Ein­schätzung, Ein­stu­fung, Beurteilung, aber auch Rang­folge, Klasse, Güte und Leis­tungs­fähigkeit. Die drei größten und ein­flussre­ich­sten Ratin­ga­gen­turen, die Staat­en, Banken und Unternehmen ein­schätzen, sind Stan­dard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch.

An deren Urteilen kön­nen sich Anlegerin­nen ori­en­tieren. Geben sie Wert­pa­pieren das Güte­siegel „Invest­ment Grade“ ist das Risiko, Geld zu ver­lieren, geringer als bei Papieren mit „Non-Invest­ment-Grade“.

Wo liegen weitere Risiken?

Der nom­i­nale Geld­be­trag, den die Anlei­he bei Kauf kostete, hat am Tag der Rück­gabe in der Regel weniger Kaufkraft. Die Infla­tion hat am Wert des Geldes gekn­ab­bert. Je länger die Laufzeit der Anlei­he, desto stärk­er. Diesen Ver­lust sollen die Zin­sen aus­gle­ichen, die während der Laufzeit gezahlt wer­den. Das tun sie aber nicht immer. Je bess­er die Bonität des Emit­ten­ten, desto geringer die Zin­sen, die er bieten muss.

Umgekehrt gilt: je höher das Aus­fall­risiko, desto höher die Zin­sen. Über­durch­schnit­tlich hohe Zin­sen für Anlei­hen soll­ten mis­strauisch machen, unter­durch­schnit­tlich niedrige nach­den­klich. So muss zum Beispiel die Bun­desre­pub­lik Deutsch­land aktuell für ihre Bun­de­san­lei­hen über­haupt keine Zin­sen mehr zahlen. Null Zins hieß es für zehn­jährige Bun­de­san­lei­hen erst­mals im April 2019, für 30-jährige im August 2019.

Inzwis­chen ren­tieren sämtliche vom deutschen Staat aus­gegebene Anlei­hen im Minus­bere­ich. Inve­storen lei­hen dem deutschen Staat also ihr Geld und zahlen ihm dafür noch eine Art Gebühr! Aktuell hal­ten vor allem insti­tu­tionelle Anleger wie Pen­sions­fonds und Lebensver­sicherun­gen Bun­de­san­lei­hen, denn sie sind geset­zlich verpflichtet, ihr Geld „sich­er“ anzule­gen.

Bun­de­san­lei­hen wer­den als „sich­er“ eingestuft, obwohl nur noch eines sich­er ist: Ver­lust. Pri­vate Anlegerin­nen und Anleger kön­nen auswe­ichen: auf bess­er verzin­ste Anlei­hen oder auf andere Anlageklassen.

Was mindert die Risiken?

In Anlei­hen lässt sich auch über Fonds investieren. Das Fonds­man­age­ment kauft vom Fondsver­mö­gen Anlei­hen mehrerer Emit­ten­ten. Die Wahrschein­lichkeit, dass alle Emit­ten­ten ihre Schulden nicht begle­ichen kön­nen, ist äußerst ger­ing. Fonds ver­ringern also das Ver­lus­trisiko. Fonds, die in Anlei­hen investieren, heißen auch Renten­fonds.

Wie die Geschichte der Anlei­hen zeigt, haben sie diesen Namen nicht, weil sie für die Rente wären, son­dern, weil seit alter­sh­er regelmäßige Zin­szahlun­gen auch Renten genan­nt wer­den (siehe auch Börsenserie Teil 6).

Alle Börsense­ri­en­teile auf einem Blick:

Mehr zum The­ma Spekulieren gibt es in Teil 1 unser­er Börsenserie.

Was hin­ter dem Wort Börse ste­ht, seit wann es sie gibt und was sie mit uns zu tun hat, ver­rät Teil 2 unser­er Börsenserie

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