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Teil 3: Aktien – Was hat das mit mir zu tun?

2020-06-08T11:19:21+02:002. März 2020|

Gera­de mal 10,3 Mil­lio­nen Bun­des­bür­ger und ‑bür­ge­rin­nen besit­zen Akti­en oder Antei­le an Akti­en­fonds. Sie haben sich die­se Geld­an­la­ge meist gezielt und bewusst aus­ge­sucht. Doch auch die ande­ren rund 70 Mil­lio­nen sind häu­fig in Akti­en inves­tiert, in der Regel indi­rekt: zum Bei­spiel über ihre pri­va­te Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung oder über ihre betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung. Nach einer gemein­sa­men Stu­die der öffent­li­chen und einer pri­va­ten Uni in Frank­furt glau­ben vie­le Deut­sche zu wenig über Akti­en zu wis­sen, um dar­in zu inves­tie­ren.

 

Von Gise­la Habe­rer 

Was sind eigentlich Aktien?

Eine Aktie stellt einen Anteil an einem Unter­neh­men dar. Wer eine Aktie kauft, erwirbt damit ein klei­nes Stück einer Fir­ma. Ihm oder ihr gehört dann ein Anteil am Pro­duk­tiv­ka­pi­tal: ein Fleck­chen Betriebs­ge­län­de, ein paar Zie­gel der Fir­men­im­mo­bi­li­en, ein Bruch­teil der Maschi­nen.

Die Aktie ver­brieft den Unter­neh­mens­an­teil. Aktio­nä­re tei­len damit das unter­neh­me­ri­sche Risi­ko, haben aber auch einen Anspruch auf Gewinn­be­tei­li­gung. Risi­ken und Chan­cen mit­ein­an­der zu tra­gen: Das cha­rak­te­ri­siert die Aktie von Anfang an.

Seit wann gibt es Aktien?

1602 grün­de­ten nie­der­län­di­sche Kauf­leu­te eine Gesell­schaft, die Han­dels­schif­fe aus­rüs­te­te: die Ver­enig­de Oost­in­di­sche Com­pa­gnie (VOC). Sie erhielt von der nie­der­län­di­schen Regie­rung das Mono­pol für den Han­del mit Asi­en. Pro­vin­zen, Städ­te und Kauf­leu­te steu­er­ten Kapi­tal zur Schiffs­aus­rüs­tung bei. Doch auf Dau­er woll­ten sie das Risi­ko nicht allein tra­gen, ande­re soll­ten sich an die­ser Akti­on betei­li­gen.

Die „Pfef­fer­sä­cke“ genann­ten Gesell­schaf­ter boten Antei­le an ihrem Unter­neh­men zum Kauf an – und damit die ers­te Aktie der Welt! Auf Nie­der­län­disch bedeu­tet „Actie“ Akti­on, Hand­lung, aber auch Anspruch. Wer eine Aktie erwarb, hat­te Anspruch, an Han­dels­ge­win­nen betei­ligt zu wer­den – muss­te aber kein Geld nach­schie­ßen, falls Schif­fe samt Ladung ver­lo­ren gin­gen.

Akti­en boten somit die Mög­lich­keit, das Risi­ko einer Inves­ti­ti­on auf den Ein­satz zu beschrän­ken. Begrenz­tes Risi­ko, aber Chan­ce auf Gewin­ne – die­se Idee über­zeug­te und erober­te die Han­dels­welt. Immer mehr Com­pa­gni­en wur­de gegrün­det, die sich schließ­lich nach der Betei­li­gungs­form Akti­en­ge­sell­schaf­ten nann­ten.

Was kennzeichnet Aktiengesellschaften?

Im 19. Jahr­hun­dert erhiel­ten Akti­en­ge­sell­schaf­ten regel­rech­te Ver­fas­sun­gen. Eini­ge der Grund­sät­ze gel­ten bis heu­te. So müs­sen Akti­en­ge­sell­schaf­ten ihre Bilan­zen ver­öf­fent­li­chen und ihren Geschäfts­ab­schluss mit ihren Anteils­eig­nern durch­spre­chen. Das geschieht auf der Haupt­ver­samm­lung, dem jähr­li­chen Tref­fen von Aktio­nä­rin­nen, Aktio­nä­ren, Vor­stand und Auf­sichts­rat des Unter­neh­mens.

Dort hat jede Aktio­nä­rin und jeder Aktio­när Sitz und Stim­me. Aller­dings sind nicht alle Aktio­nä­re gleich, son­dern alle Akti­en. Dar­aus folgt: Wer die meis­ten Akti­en besitzt, hat am meis­ten zu sagen. So genann­te Groß­ak­tio­nä­re kön­nen auch pri­va­te Per­so­nen sein.

Über 40 Pro­zent der Akti­en des Auto­her­stel­lers BMW hält zum Bei­spiel eine Fami­lie. Häu­fig sind Groß­ak­tio­nä­re aber juris­ti­sche Per­so­nen: zum Bei­spiel ande­re Akti­en­ge­sell­schaf­ten sowie Kom­mu­nen, Ver­si­che­run­gen oder Pen­si­ons­fonds. Zur Haupt­ver­samm­lung wer­den Groß- und Klein­an­le­ger ein­ge­la­den.

Im Prin­zip genügt eine ein­zi­ge Aktie, um zur Haupt­ver­samm­lung zu kom­men und
Rede­recht zu erhal­ten. Das kann sich auch zunut­ze machen, wer öffent­lich Kri­tik an der Geschäfts­po­li­tik äußern will, wie es zum Bei­spiel die „Kri­ti­schen Aktio­nä­re“ regel­mä­ßig tun.

Dürfen Aktionäre mitentscheiden?

Auf der Haupt­ver­samm­lung wird über wich­ti­ge Grund­satz­fra­gen einer Akti­en­ge­sell­schaft abge­stimmt. So bil­li­gen Aktio­nä­re zum Bei­spiel das Han­deln von Vor­stand und Auf­sichts­rat durch deren Ent­las­tung – oder erwir­ken Ände­run­gen. Sie wäh­len ihre Ver­tre­ter für den Auf­sichts­rat, der den Vor­stand kon­trol­liert, und legen fest, wie die Arbeit im Auf­sichts­rat ver­gü­tet wird. Zudem ent­schei­den sie über die Ver­wen­dung der Gewin­ne mit: Etwa ob die­se ganz oder teil­wei­se als Divi­den­de an die Aktio­nä­re aus­ge­zahlt oder wie­der ins Unter­neh­men inves­tiert wer­den.

Wo liegen Risiken und Chancen von Aktien?

Wie frü­her kön­nen auch heu­te Anle­ger ihr ein­ge­setz­tes Geld kom­plett ver­lie­ren, falls die Akti­en­ge­sell­schaft plei­te­geht. Sie haben aber auch zwei Mög­lich­kei­ten, Erträ­ge zu erwirt­schaf­ten: durch Divi­den­den und durch Kurs­ge­win­ne.

Sind Akti­en eines Unter­neh­mens stark nach­ge­fragt, steigt deren Kurs. Dann kön­nen Aktio­nä­re pro­fi­tie­ren, die Akti­en zu einem nied­ri­ge­ren Kurs gekauft hat­ten und spä­ter zu einem höhe­ren ver­kau­fen. Der Preis­un­ter­schied abzüg­lich Steu­ern ist ihr Gewinn.

Vie­le Akti­en­ge­sell­schaf­ten schüt­ten einen Teil des Gewinns, den sie erwirt­schaf­ten, an ihre Aktio­nä­re aus. Die­se Gewinn­aus­schüt­tung wird Divi­den­de genannt. Sie fließt pro Aktie; je mehr Akti­en jemand besitzt, des­to mehr Divi­den­den flie­ßen. Aktio­nä­re haben aller­dings kei­nen Anspruch auf regel­mä­ßi­ge oder fes­te Ver­zin­sung ihres Ein­sat­zes. Macht das Unter­neh­men Ver­lus­te, wird es kei­ne Divi­den­de zah­len. Läuft das Geschäft gut, kann die Divi­den­de hoch aus­fal­len.

Um Divi­den­den meh­re­rer Unter­neh­men mit­ein­an­der bes­ser ver­glei­chen zu kön­nen, wird die Divi­den­den­ren­di­te ermit­telt. Sie ergibt sich aus der Tei­lung der Divi­den­de durch den aktu­el­len Kurs mal 100. Die Divi­den­den­ren­di­te ist kein Zah­lungs­ver­spre­chen, son­dern ein bör­sen­täg­lich schwan­ken­der Wert. Bei den Kon­zer­nen, die im Deut­schen Akti­en­in­dex (DAX) gelis­tet sind, liegt die Divi­den­den­ren­di­te der­zeit im Schnitt bei gut drei Pro­zent.

Wo gibt es Dividenden?

Eini­gen Unter­neh­men gelingt es, jedes Jahr Divi­den­den aus­zu­schüt­ten und sogar deren Höhe kon­ti­nu­ier­lich anzu­he­ben. Unter­neh­men, denen dies 25 Jah­re in Fol­ge gelingt, wer­den in den USA Divi­den­den-Aris­to­kra­ten genannt.

Doch die Höhe der Divi­den­de ist nicht das ein­zi­ge Kri­te­ri­um. Wird zu viel Gewinn aus­ge­schüt­tet, kann das Unter­neh­men even­tu­ell zu wenig in sei­ne Zukunft inves­tie­ren. Kon­ti­nui­tät, mehr­fa­che Anhe­bung, aber auch Begren­zung der Divi­den­den­hö­he sind Kri­te­ri­en für den „Divi­den­de­na­del, den zwei deut­sche Publi­zis­ten für Akti­en­märk­te meh­re­rer Län­der und Regio­nen ermit­teln.

Brauche ich viel Wissen für Aktieninvestments?

Anle­ge­rin­nen kön­nen vie­le Infor­ma­tio­nen ein­ho­len, bevor sie Akti­en kau­fen – müs­sen es aber nicht. Exper­ten stim­men in einem Punkt über­ein: Der Erfolg einer Geld­an­la­ge hängt groß­teils von der Ver­tei­lung des Ver­mö­gens auf unter­schied­li­che Titel und Anla­ge­klas­sen an: Die Ver­tei­lung senkt das Ver­lust­ri­si­ko. Die­se Ver­tei­lung kön­nen sich Spare­rin­nen abneh­men las­sen, etwa indem sie in Fonds inves­tie­ren: in pas­siv gema­nag­te ETF und in aktiv gema­nag­te Fonds (Bör­sen­se­rie Teil 6 und 7).

Auch die Anla­ge­dau­er senkt das Risi­ko: Ver­lus­te wer­den sozu­sa­gen „aus­ge­ses­sen“. Unter­su­chun­gen für die ver­gan­ge­nen 50 Jah­re zei­gen: Bis­her hat noch nie­mand, der sein Geld 15 Jah­re lang in glo­ba­le Akti­en inves­tier­te, die in Euro notie­ren, Ver­lus­te erlit­ten. Eben­so wenig Anle­ge­rin­nen und Anle­ger, die min­des­tens 13 Jah­re lang im Deut­schen Akti­en­in­dex inves­tiert waren. Wur­den die DAX-Akti­en 15 Jah­re lang gehal­ten, betrug die durch­schnitt­li­che Ren­di­te pro Jahr knapp neun Pro­zent.

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