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Teil 3: Aktien – Was hat das mit mir zu tun?

2020-04-02T15:22:53+02:002. März 2020|

Ger­ade mal 10,3 Mil­lio­nen Bun­des­bürg­er und ‑bürg­erin­nen besitzen Aktien oder Anteile an Aktien­fonds. Sie haben sich diese Gel­dan­lage meist gezielt und bewusst aus­ge­sucht. Doch auch die anderen rund 70 Mil­lio­nen sind häu­fig in Aktien investiert, in der Regel indi­rekt: zum Beispiel über ihre pri­vate Lebens- oder Renten­ver­sicherung oder über ihre betriebliche Altersver­sorgung. Nach ein­er gemein­samen Studie der öffentlichen und ein­er pri­vat­en Uni in Frank­furt glauben viele Deutsche zu wenig über Aktien zu wis­sen, um darin zu investieren.

 

Von Gisela Haber­er 

Was sind eigentlich Aktien?

Eine Aktie stellt einen Anteil an einem Unternehmen dar. Wer eine Aktie kauft, erwirbt damit ein kleines Stück ein­er Fir­ma. Ihm oder ihr gehört dann ein Anteil am Pro­duk­tivkap­i­tal: ein Fleckchen Betrieb­s­gelände, ein paar Ziegel der Fir­menim­mo­bilien, ein Bruchteil der Maschi­nen.

Die Aktie ver­brieft den Unternehmen­san­teil. Aktionäre teilen damit das unternehmerische Risiko, haben aber auch einen Anspruch auf Gewinn­beteili­gung. Risiken und Chan­cen miteinan­der zu tra­gen: Das charak­ter­isiert die Aktie von Anfang an.

Seit wann gibt es Aktien?

1602 grün­de­ten nieder­ländis­che Kau­fleute eine Gesellschaft, die Han­delss­chiffe aus­rüstete: die Verenigde Oost­indis­che Com­pag­nie (VOC). Sie erhielt von der nieder­ländis­chen Regierung das Monopol für den Han­del mit Asien. Prov­inzen, Städte und Kau­fleute steuerten Kap­i­tal zur Schiff­saus­rüs­tung bei. Doch auf Dauer woll­ten sie das Risiko nicht allein tra­gen, andere soll­ten sich an dieser Aktion beteili­gen.

Die „Pfef­fer­säcke“ genan­nten Gesellschafter boten Anteile an ihrem Unternehmen zum Kauf an – und damit die erste Aktie der Welt! Auf Nieder­ländisch bedeutet „Actie“ Aktion, Hand­lung, aber auch Anspruch. Wer eine Aktie erwarb, hat­te Anspruch, an Han­dels­gewin­nen beteiligt zu wer­den – musste aber kein Geld nach­schießen, falls Schiffe samt Ladung ver­loren gin­gen.

Aktien boten somit die Möglichkeit, das Risiko ein­er Investi­tion auf den Ein­satz zu beschränken. Begren­ztes Risiko, aber Chance auf Gewinne – diese Idee überzeugte und eroberte die Han­del­swelt. Immer mehr Com­pag­nien wurde gegrün­det, die sich schließlich nach der Beteili­gungs­form Aktienge­sellschaften nan­nten.

Was kennzeichnet Aktiengesellschaften?

Im 19. Jahrhun­dert erhiel­ten Aktienge­sellschaften regel­rechte Ver­fas­sun­gen. Einige der Grund­sätze gel­ten bis heute. So müssen Aktienge­sellschaften ihre Bilanzen veröf­fentlichen und ihren Geschäftsab­schluss mit ihren Anteil­seign­ern durch­sprechen. Das geschieht auf der Hauptver­samm­lung, dem jährlichen Tre­f­fen von Aktionärin­nen, Aktionären, Vor­stand und Auf­sicht­srat des Unternehmens.

Dort hat jede Aktionärin und jed­er Aktionär Sitz und Stimme. Allerd­ings sind nicht alle Aktionäre gle­ich, son­dern alle Aktien. Daraus fol­gt: Wer die meis­ten Aktien besitzt, hat am meis­ten zu sagen. So genan­nte Großak­tionäre kön­nen auch pri­vate Per­so­n­en sein.

Über 40 Prozent der Aktien des Auto­her­stellers BMW hält zum Beispiel eine Fam­i­lie. Häu­fig sind Großak­tionäre aber juris­tis­che Per­so­n­en: zum Beispiel andere Aktienge­sellschaften sowie Kom­munen, Ver­sicherun­gen oder Pen­sions­fonds. Zur Hauptver­samm­lung wer­den Groß- und Kleinan­leger ein­ge­laden.

Im Prinzip genügt eine einzige Aktie, um zur Hauptver­samm­lung zu kom­men und
Red­erecht zu erhal­ten. Das kann sich auch zunutze machen, wer öffentlich Kri­tik an der Geschäft­spoli­tik äußern will, wie es zum Beispiel die „Kri­tis­chen Aktionäre“ regelmäßig tun.

Dürfen Aktionäre mitentscheiden?

Auf der Hauptver­samm­lung wird über wichtige Grund­satzfra­gen ein­er Aktienge­sellschaft abges­timmt. So bil­li­gen Aktionäre zum Beispiel das Han­deln von Vor­stand und Auf­sicht­srat durch deren Ent­las­tung – oder erwirken Änderun­gen. Sie wählen ihre Vertreter für den Auf­sicht­srat, der den Vor­stand kon­trol­liert, und leg­en fest, wie die Arbeit im Auf­sicht­srat vergütet wird. Zudem entschei­den sie über die Ver­wen­dung der Gewinne mit: Etwa ob diese ganz oder teil­weise als Div­i­dende an die Aktionäre aus­gezahlt oder wieder ins Unternehmen investiert wer­den.

Wo liegen Risiken und Chancen von Aktien?

Wie früher kön­nen auch heute Anleger ihr einge­set­ztes Geld kom­plett ver­lieren, falls die Aktienge­sellschaft pleit­ege­ht. Sie haben aber auch zwei Möglichkeit­en, Erträge zu erwirtschaften: durch Div­i­den­den und durch Kurs­gewinne.

Sind Aktien eines Unternehmens stark nachge­fragt, steigt deren Kurs. Dann kön­nen Aktionäre prof­i­tieren, die Aktien zu einem niedrigeren Kurs gekauft hat­ten und später zu einem höheren verkaufen. Der Preisun­ter­schied abzüglich Steuern ist ihr Gewinn.

Viele Aktienge­sellschaften schüt­ten einen Teil des Gewinns, den sie erwirtschaften, an ihre Aktionäre aus. Diese Gewin­nauss­chüt­tung wird Div­i­dende genan­nt. Sie fließt pro Aktie; je mehr Aktien jemand besitzt, desto mehr Div­i­den­den fließen. Aktionäre haben allerd­ings keinen Anspruch auf regelmäßige oder feste Verzin­sung ihres Ein­satzes. Macht das Unternehmen Ver­luste, wird es keine Div­i­dende zahlen. Läuft das Geschäft gut, kann die Div­i­dende hoch aus­fall­en.

Um Div­i­den­den mehrerer Unternehmen miteinan­der bess­er ver­gle­ichen zu kön­nen, wird die Div­i­den­den­ren­dite ermit­telt. Sie ergibt sich aus der Teilung der Div­i­dende durch den aktuellen Kurs mal 100. Die Div­i­den­den­ren­dite ist kein Zahlungsver­sprechen, son­dern ein börsen­täglich schwank­ender Wert. Bei den Konz­er­nen, die im Deutschen Aktienin­dex (DAX) gelis­tet sind, liegt die Div­i­den­den­ren­dite derzeit im Schnitt bei gut drei Prozent.

Wo gibt es Dividenden?

Eini­gen Unternehmen gelingt es, jedes Jahr Div­i­den­den auszuschüt­ten und sog­ar deren Höhe kon­tinuier­lich anzuheben. Unternehmen, denen dies 25 Jahre in Folge gelingt, wer­den in den USA Div­i­den­den-Aris­tokrat­en genan­nt.

Doch die Höhe der Div­i­dende ist nicht das einzige Kri­teri­um. Wird zu viel Gewinn aus­geschüt­tet, kann das Unternehmen eventuell zu wenig in seine Zukun­ft investieren. Kon­ti­nu­ität, mehrfache Anhebung, aber auch Begren­zung der Div­i­den­den­höhe sind Kri­te­rien für den „Div­i­den­de­nadel, den zwei deutsche Pub­lizis­ten für Aktien­märk­te mehrerer Län­der und Regio­nen ermit­teln.

Brauche ich viel Wissen für Aktieninvestments?

Anlegerin­nen kön­nen viele Infor­ma­tio­nen ein­holen, bevor sie Aktien kaufen – müssen es aber nicht. Experten stim­men in einem Punkt übere­in: Der Erfolg ein­er Gel­dan­lage hängt großteils von der Verteilung des Ver­mö­gens auf unter­schiedliche Titel und Anlageklassen an: Die Verteilung senkt das Ver­lus­trisiko. Diese Verteilung kön­nen sich Sparerin­nen abnehmen lassen, etwa indem sie in Fonds investieren: in pas­siv gem­anagte ETF und in aktiv gem­anagte Fonds (Börsenserie Teil 6 und 7).

Auch die Anlagedauer senkt das Risiko: Ver­luste wer­den sozusagen „aus­ge­sessen“. Unter­suchun­gen für die ver­gan­genen 50 Jahre zeigen: Bish­er hat noch nie­mand, der sein Geld 15 Jahre lang in glob­ale Aktien investierte, die in Euro notieren, Ver­luste erlit­ten. Eben­so wenig Anlegerin­nen und Anleger, die min­destens 13 Jahre lang im Deutschen Aktienin­dex investiert waren. Wur­den die DAX-Aktien 15 Jahre lang gehal­ten, betrug die durch­schnit­tliche Ren­dite pro Jahr knapp neun Prozent.

Alle Börsense­ri­en­teile auf einem Blick:
Dem­nächst:
An den Börsen wer­den auch viele Wert­pa­piere wie Zer­ti­fikate gehan­delt. Mehr dazu im fün­ften Teil unser­er Börsenserie: Ein Zer­ti­fikat – was ist denn das?

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