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Teil 12: Wie komme ich wieder an mein Geld?

2020-08-11T05:13:36+02:006. August 2020|

Wert­pa­piere kaufen und mit diesen kräftig Plus machen, das wollen alle. Doch damit der Gewinn wirk­lich sich­er ist, müssen Aktien, Fond­san­teile, Zer­ti­fikate und Co auch wieder verkauft wer­den. Welche Möglichkeit­en es hier­für gibt, erk­lärt der let­zte Teil unser­er Börsenserie.

Von Gisela Haber­er 

Wer an der Börse aktiv ist, will mit seinen Deals Geld machen. Doch selb­st wenn sich die Kurse pos­i­tiv entwick­elt haben, ist der Gewinn noch längst nicht in trock­e­nen Tüch­ern. Denn an der Börse gilt: Was hoch steigt, kann tief fall­en. Und oft kom­men Kursrück­gänge aus heit­erem Him­mel.

Erst wenn Wert­pa­piere zu höheren Kursen wieder veräußert wur­den, ist der Gewinn sich­er. Daher zählen Verkäufe für viele zum All­t­ag an der Börse – selb­st wenn es schw­er­fällt, sich von Gewinnbringern im Depot zu ver­ab­schieden.

Doch eine nor­male Verkauf­sor­der ist längst nicht immer der beste Weg, um sich von Wert­pa­pieren wieder zu tren­nen. Diese Folge unser­er Börsenserie erläutert, wie ein nor­maler Verkauf funk­tion­iert – aber auch, welche Wege es son­st noch gibt.

Wie funktioniert der normale Verkauf von Wertpapieren über die Börse?

Im Prinzip genau­so wie ein Wert­pa­pierkauf. Da wir das Kauf-Prozedere in Teil 9 der Serie aus­führlich beschrieben haben, erläutern wir hier lediglich knapp die Unter­schiede. In der Order­maske müssen – ana­log zum Kauf – die zu verkaufend­en Wert­pa­piere exakt angegeben wer­den, etwa mit­tels ISIN (Inter­na­tion­al Secu­ri­ties Iden­ti­fika­tion Num­ber) oder WKN (Wert­pa­pierkennnum­mer). Und natür­lich auch, wie viele Wert­pa­piere verkauft wer­den sollen. Auch der Börsen­platz, über den verkauft wer­den soll, muss aus­gewählt wer­den.

Anders als beim Kauf ist natür­lich der But­ton „Verkauf“ zu wählen. Wird dann im Feld „Order­art“ oder „Aus­führung“ die Möglichkeit „billig/bestens“ oder „Mar­ket“ gewählt, wer­den die Wert­pa­piere zu dem Kurs verkauft, den andere Anleger ger­ade zu zahlen bere­it sind. Daher ist bei dieser Order­art nicht gewiss, welchen Preis man beim Verkauf exakt erzielt. Dafür wird der Verkauf so schnell wie möglich aus­ge­führt.

Solche Order sind höch­stens bei Wert­pa­pieren anzu­rat­en, die sehr oft gehan­delt wer­den, oder wie es im Börsen­sprech heißt „bei Papieren, die sehr liq­uide sind“. Das ist etwa bei DAX-Aktien auf Xetra der Fall – ein­er Han­del­splat­tform der Deutschen Börse in Frank­furt.

Wer beim Verkauf einen Min­dest­preis erzie­len will, selb­st wenn der Kurs aktuell niedriger ist, sollte seine Verkauf­sor­der mit einem Lim­it verse­hen.
Übri­gens: Eine Verkauf­sor­der kostet in der Regel das Gle­iche wie eine Kau­forder gle­ich­er Größe (siehe Teil 9 der Serie).

Was ist eine limitierte Verkaufsorder

Im Prinzip eine ganz nor­male Verkauf­sor­der, mit einem entschei­den­den Unter­schied: Es wird angegeben, welch­er Verkauf­skurs min­destens erre­icht wer­den soll. Solche Orders heißen „Sell-Lim­it-Order“. Meist muss man dafür in der Order­maske das Feld „Lim­it“ aktivieren und dann den gewün­scht­en Verkauf­skurs eingeben.

Angenom­men, eine Aktie wird aktuell für 50 Euro gehan­delt, der Verkauf­skurs soll aber min­destens 52,50 Euro betra­gen. Dann gibt man diesen Wert in der Order­maske ein. Die Order wird dann erst aus­ge­führt, wenn der Kurs über 52,50 Euro gestiegen ist.

Zweier­lei ist dabei zu beacht­en: Zum einen kann es einige Zeit dauern, bis der Kurs diesen Wert erre­icht, deshalb sollte unter „Ordergültigkeit“ ein entsprechend langer Zeitraum aus­gewählt wer­den.

Im Nor­mal­fall wer­den Orders, die nicht aus­ge­führt wer­den kon­nten, nach Börsen­schluss gelöscht. Das heißt: Sie sind nur einen Tag lang gültig. Doch bei allen Online­bro­kern lassen sich auch Zeiträume von bis zu einem Jahr für die Gültigkeit ein­er Order ein­stellen. Dann bleiben sie min­destens so lange aktiv.

Während diese Klippe also recht leicht umschifft wer­den kann, ist das beim näch­sten Prob­lem nicht so ein­fach. Angenom­men der Kurs der Aktie aus unserem Beispiel ist über unser Lim­it von 52,50 Euro gestiegen, dann ist ja nicht gesagt, dass es noch weit­ere Käufer gibt, die unsere Aktie zu diesem Preis wollen. Sackt der Kurs aber sofort nach Über­schre­it­en unseres Lim­its wieder darunter, wird die Lim­i­torder den­noch zu einem Kurs aus­ge­führt, der unter unserem Lim­it liegt.

Hin­ter­grund: Mit Erre­ichen des Lim­itkurs­es wird unsere Lim­i­torder in eine unlim­i­tierte Order umge­wan­delt und aktiviert. Blöd, aber nicht zu ändern. Einige Bör­sianer­in­nen geben deshalb ein Lim­it an, das noch etwas über dem liegt, was sie tat­säch­lich erzie­len wollen. Aber ein 100-prozentiger Schutz ist das auch nicht.

Gibt es eine Möglichkeit, sich vor plötzlichen Kursverlusten zu schützen?

Natür­lich, die dafür geeignete Order­art heißt Stop-Loss-Order. Bei dieser Verkaufs­vari­ante muss in der Order­maske ein Verkauf­skurs fest­gelegt wer­den, der unter dem aktuellen Kurs liegt.

Angenom­men eine Aktie wurde bei 40 Euro gekauft, und sie notiert aktuell bei 60 Euro. Eigentlich ist die Anlegerin von den pos­i­tiv­en Aus­sicht­en dieser Aktie überzeugt. Sie möchte daher den „Gewinn laufen lassen“, wie es im Fach­jar­gon heißt. Doch zugle­ich will sie bei einem Kurssturz nicht unter die Räder kom­men.

Dann kann sie eine Stop-Loss-Order mit einem Stopp­kurs bei beispiel­sweise 50 Euro wählen. Dann wird die Aktie verkauft, wenn der Kurs auf 50 Euro sinkt. Doch Achtung: Wie der Lim­itkurs (siehe oben) ist auch der Stopp­kurs keine Garantie für einen bes­timmten Aus­führungskurs.

Fällt der Kurs unser­er Beispielak­tie unter den Stopp­kurs bei 50 Euro, kann es sein, dass die Order erst zu weit tief­er­en Kursen aus­ge­führt wird – etwa 47 oder gar erst 45 Euro.

Wer aus Angst vor solchen abrupten Kursstürzen dazu tendiert, den Stopp­kurs direkt unter dem aktuellen Kurs zu platzieren, erweist sich aber selb­st einen Bären­di­enst. Denn keine Aktie steigt immer nur, der Kurs legt oft mal eine Ver­schnauf­pause ein, geht auch immer mal wieder um ein paar Prozent zurück.

Daher sollte man dem Kurs immer genü­gend „Luft zum Atmen“ lassen. Son­st wird die Anlegerin ständig aus­gestoppt. Und sie muss anschließend mitanse­hen, dass der Kurs wieder nach oben dreht.

Faus­tregel: Für Stan­dard­w­erte – wie etwa DAX-Aktien – soll­ten zwis­chen aktuellem Kurs und Stopp­kurs min­destens zehn Prozent Abstand sein, bei schwankungsan­fäl­ligeren Aktien bess­er 20 oder 25 Prozent.

Gibt es auch eine automatisierte Absicherungsorder?

Auch diese gibt es. Solch eine automa­tisierte Stop-Loss-Order heißt Trail­ing-Stop-Loss-Order. Hier passt sich der Stopp­kurs bei steigen­den Kursen automa­tisch an. Dafür wird bei der Order­auf­gabe – neben dem Stopp­kurs – auch eine absolute oder prozen­tuale Dif­ferenz zum aktuellen Kurs angegeben.

Angenom­men der aktuelle Kurs ein­er Aktie liegt bei 100 Euro, der Stopp wird bei 90 Euro platziert und als prozen­tuale Dif­ferenz wer­den zehn Prozent eingegeben. Steigt anschließend der Kurs beispiel­sweise auf 105 Euro, wird der Stopp auf 94,50 Euro nachge­zo­gen. Fällt der Kurs anschließend wieder, bleibt der Stopp auf 94,50 Euro ste­hen. Fällt der Kurs dann sog­ar auf oder unter den Stopp, wird die Order aktiviert und die Aktie zum näch­st­möglichen Kurs aus­ge­führt.

Achtung: Auch diese Order ist keine Garantie dafür, dass die Aktie tat­säch­lich zum Stopp­kurs verkauft wer­den kann.

Übri­gens: Nicht alle Online­bro­ker bieten Trail­ing-Stop-Loss-Order an. Laut ein­er Umfrage unser­er Schwest­er­pub­lika­tion „€uro am Son­ntag“ unter 15 Online­bro­kern ist diese Order­vari­ante bei der DKB Deutsche Kred­it­bank, beim Online­bro­ker der Deutschen Bank (Maxblue), Post­bank und Tar­gob­ank nicht möglich.

Und wenn regelmäßige Auszahlungen gewünscht werden?

Auch diese lassen sich mit­tels soge­nan­nter Auszahlpläne automa­tisieren. Doch hier ist die Auswahl noch eingeschränk­ter. Laut „€uro am Son­ntag“ bieten mit Con­sors­bank, Fla­tex, Post­bank, Smart­bro­ker, S‑Broker und Tar­gob­ank lediglich sechs Anbi­eter den regelmäßi­gen Verkauf mit fes­ten Auszahlrat­en an.

Zudem ist bei Con­sors­bank, Post­bank und Smart­bro­ker das Ange­bot mit der Rück­gabe von Fond­san­teilen in kleinen Häp­pchen an die jew­eilige Fonds­ge­sellschaft recht eingeschränkt.

Bei Fla­tex sind daneben auch Auszahlpläne auf ETFs möglich. Die Tar­gob­ank bietet das regelmäßige Ents­paren für Fonds, ETFs und Aktien an. Das größte Ange­bot aber hat hier der Sparkassen-Bro­ker: Bei ihm sind Auszahlpläne auf Fonds, ETFs, ETCs, Zer­ti­fikate und Aktien möglich.

Was kosten solche Auszahlpläne?

Das kommt auf die Wert­pa­pier­gat­tung an. Auszahlpläne auf Fonds – also die regelmäßige Rück­gabe von Fond­san­teilen an die jew­eilige Fonds­ge­sellschaft – sind bei allen sechs Anbi­etern kosten­los.

Bei Fla­tex kostet jede Aus­führung eines ETF-Auszahlplans ein­heitlich 5,90 Euro. S‑Broker und Tar­gob­ank ver­lan­gen bei Auszahlplä­nen, die sich nicht auf Fonds beziehen, jew­eils 2,5 Prozent der Auszahlrate. Während es beim Sparkassen-Bro­ker bei dieser Gebühr wed­er Unter- noch Ober­gren­zen gibt, kostet bei der Tar­gob­ank jede Aus­führung eines Auszahlplans auf Aktien oder ETFs min­destens 1,50 Euro und höch­stens drei Euro.

Apropos Rückgabe an die Fondsgesellschaft – geht das auch ohne Auszahlplan?

Ja, das geht. Die klas­sis­che Art des Han­dels von Fond­san­teilen führt für Pri­vatan­leger immer zur jew­eili­gen Fonds­ge­sellschaft (KAG). Doch während beim Kauf über die KAG oft ein Aus­gabeauf­schlag von bis zu fünf Prozent des Order­vol­u­mens fäl­lig wird, ist die Rück­gabe von Fond­san­teilen kosten­los.

Tipp: Da je nach Online­bro­ker der Kauf von Fond­san­teilen über die Börse mit­tels Lim­i­torder oft gün­stiger ist als der Kauf direkt bei der KAG, kann es sich rech­nen, Fond­san­teile an der Börse zu erwer­ben, aber über die KAG zu verkaufen.

Wie lassen sich Wertpapiere noch veräußern?

Es gibt noch zwei weit­ere Möglichkeit­en, sich von Wert­pa­pieren zu tren­nen: Entwed­er mit­tels außer­börslichem Han­del oder durch Über­tra­gung der Wert­pa­piere.

Der außer­börsliche Han­del funk­tion­iert ähn­lich wie der Han­del via Börse. Allerd­ings wer­den Börsen staatlich streng überwacht. Dies ist beim außer­börslichen Han­del nicht der Fall. Hier han­delt man direkt mit einem Emit­ten­ten oder mit einem Börsen­mak­ler. Diese stellen jew­eils Kurse für ein Wert­pa­pi­er.

Inner­halb weniger Sekun­den muss sich dann die Anlegerin entschei­den, ob sie ihre Papiere zu diesem Kurs verkaufen will oder nicht. Das kann dazu führen, dass die Kurse für eine Aktie schlechter sind als an der Börse. Dafür fall­en keine Börsen­ge­bühren an – wohl aber Orderkosten.

Und was ist eine Übertragung?

Grund­sät­zlich ste­ht es jedem frei, Wert­pa­piere auch pri­vat an andere Per­so­n­en zu veräußern oder zu ver­schenken. Da dabei die Wert­pa­piere in das Depot ein­er anderen Per­son über­tra­gen wer­den, heißt der Vor­gang auch ent­geltliche oder – beim Ver­schenken – unent­geltliche Über­tra­gung.

Da es jedoch müh­sam ist, pri­vat und abseits der Börse Käufer für Wert­pa­piere zu find­en, kommt die ent­geltliche Über­tra­gung nur äußerst sel­ten vor. Etwa wenn der Börsen­han­del eines Wert­pa­piers eingestellt wurde. Dies ist etwa der Fall, wenn ein Unternehmen von der Börse genom­men wird oder wenn es pleite gegan­gen ist.

Die unent­geltliche Über­tra­gung kommt dage­gen etwas häu­figer vor, etwa wenn Eltern oder Großel­tern dem Nach­wuchs Wert­pa­piere schenken wollen. Ob dafür Gebühren anfall­en, hängt vom Online­bro­ker und den zu über­tra­gen­den Wert­pa­pieren ab. Daher vor einem solchen Über­trag beim jew­eili­gen Bro­ker die voraus­sichtlichen Kosten erfra­gen.

Auch wenn Anlegerin­nen zu einem anderen Online­bro­ker wech­seln, kön­nen sie ihr gesamtes Wert­pa­pierde­pot zu ihrem neuen Bro­ker über­tra­gen lassen. In Deutsch­land dür­fen dafür dann keine Kosten in Rech­nung gestellt wer­den. Allerd­ings kann es ein paar Wochen dauern, bis die Wert­pa­piere über­tra­gen sind. In dieser Zeit kann man sie nicht verkaufen.

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