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Teil 11: Wohin fließt eigentlich mein Geld?

2020-07-24T09:15:57+02:008. Juli 2020|

An der Börse dreht sich alles ums Geld. Doch vie­len ist gar nicht bewusst, wohin ihr Geld dort tat­säch­lich fließt – und was damit passiert. In diesem Teil unser­er Börsenserie klären wir darüber auf.

Von Gisela Haber­er 

Mit den Worten „Ihr Geld ist nicht weg, mein Fre­und, es hat nur ein ander­er“ ver­suchte der Banki­er Amschel Mey­er Roth­schild im 19. Jahrhun­dert einen aufge­bracht­en Bör­sian­er nach einem Kurssturz zu beruhi­gen. Ob ihm das gelun­gen ist, ist zwar nicht über­liefert.

Doch führt das Bon­mot fast zwangsläu­fig zu der Frage: „Ja und wer hat denn nun mein Geld?“ Die Antwort darauf hängt davon ab, welch­es Kap­i­tal mit „mein Geld“ gemeint ist – und in was man es investiert hat. Aber der Rei­he nach…

Was passiert mit dem Geld, das ich in Wertpapiere gesteckt habe, bei einem Kurssturz?

Eigentlich nichts. Allerd­ings sind die Wert­pa­piere, die Du vor dem Kurssturz für Dein teures Geld gekauft hast, jet­zt weniger wert.

Angenom­men, Du hast Dein Geld in Aktien gesteckt und deren Kurs ist nach dem Kauf um 20 Prozent gefall­en. Dann bedeutet das für Dich: Die Aktien sind jet­zt zwar ein Fün­f­tel weniger wert, aber sie gehören Dir noch immer. Also ste­ht der Ver­lust bish­er nur in Deinem Depotauszug, in Deinen „Büch­ern“. Daher nen­nt man solche Ver­luste auch „Buchver­luste“.

Verkauf­st Du jedoch die Aktien zu dem niedrigeren Kurs, dann „real­isierst“ Du Deine Ver­luste. Das kann sin­nvoll sein, wenn Du glaub­st, dass der Aktienkurs noch viel weit­er fällt.

Glaub­st Du aber, dass die Aktienge­sellschaft ein gutes Geschäftsmod­ell hat und der Kursver­lust nur vorüberge­hend ist, kannst Du auch ein­fach nichts tun und die Kursver­luste „aus­sitzen“. Also darauf hof­fen, dass der Aktienkurs auch wieder steigt. In vie­len Fällen ist das gegenüber einem Panikverkauf die bessere Alter­na­tive.

Prob­lema­tisch wird es nur, wenn Du das Geld, das Du in die Aktien gesteckt hast, kurzfristig drin­gend brauchst oder – noch schlim­mer – wenn Du Wert­pa­piere auf Kred­it gekauft hast und diesen abzahlen musst.

Daher: keine Wert­pa­pierkäufe auf Kred­it. Und nur das Geld an der Börse anle­gen, das Du in näch­ster Zeit, also die näch­sten fünf bis zehn Jahre, nicht brauchen wirst.

Und wer bekommt beim Börsenhandel mein Geld?

Anders sieht es in Sachen Kap­i­talfluss aus, wenn Du tat­säch­lich Wert­pa­piere kauf­st. Und hier muss man unter­schei­den zwis­chen den eigentlichen Kosten für die Wert­pa­piere und den Kosten und Gebühren für den Kauf (oder Verkauf).

Fan­gen wir mit Let­zteren an: So ver­langt zum einen Deine Depot­bank Gebühren dafür, dass sie den Kauf oder Verkauf für Dich organ­isiert und durch­führt.

Neben diesen Orderge­bühren kom­men aber auch noch andere Kosten auf Dich zu: Die Börse, an der die Wert­pa­piere verkauft wer­den, will Geld. Der Börsen­mak­ler, der den Trade let­ztlich abwick­elt, eben­so. Und auch die Clear­ing­stelle, so heißen die Fir­men, die let­ztlich die Wert­pa­piere ver­wahren, lässt sich ihre Arbeit vergüten. Auch für die amtliche Han­del­süberwachung kön­nen Gebühren anfall­en.

All diese Kosten machen bei Online­bro­kern je nach Größe Deines Kauf- oder Verkauf­sauf­trags etwa zwis­chen 0,3 und 0,6 Prozent des Auf­tragsvol­u­mens aus. Hast Du Dein Depot bei ein­er Fil­ial­bank, dann kön­nen es ins­ge­samt dur­chaus auch ein bis 1,5 Prozent wer­den.

Daher lohnt es unter Kosten­gesicht­spunk­ten, das Depot bei einem Online­bro­ker zu führen (siehe Teil 8 und Teil 9 dieser Börsenserie).

Das Geld für den eigentlichen Kauf der Wert­pa­piere fließt dage­gen im Nor­mal­fall an den Anleger, der Dir diese Papiere verkauft hat. Das kann eine Pri­vat­per­son sein, eine Fonds­ge­sellschaft, eine Bank oder eine Pen­sion­skasse. Doch gibt es von dieser Regel auch Aus­nah­men.

Wer erhält mein Geld beim Kauf von neuen Aktien?

Geht eine Fir­ma an die Börse – das heißt, ihre Aktien wer­den erst­mals zum Börsen­han­del zuge­lassen – dann kann jede Anlegerin ihrer Depot­bank mit­teilen, dass sie diese Aktien haben möchte.

Zudem kann sie sagen, welchen Preis sie max­i­mal für eine Aktie zahlen will und wie viele Aktien sie max­i­mal möchte. Im Fach­jar­gon heißt das: Sie „zeich­net“ die Aktie.

Wer­den ihr beim Börsen­gang Aktien zugeteilt, dann ste­ht der eigentliche Kauf­preis für diese den Alteigen­tümern des Börsen­neul­ings zu. Denn natür­lich hat jede Fir­ma auch schon vor einem Börsen­gang Besitzer. Und diese verkaufen beim Börsen­gang ihre Anteilscheine ganz oder teil­weise über die Börse an Dich oder andere Anleger und Anlegerin­nen.

Oft ist es jedoch so, dass die alten Fir­menin­hab­er auf einen Teil ihres Verkauf­ser­lös­es verzicht­en und dieses Geld dafür der Aktienge­sellschaft selb­st zugute kom­men lassen. Damit stärken sie die Eigenkap­i­tal­ba­sis des Börsen­neul­ings. Dieser hat dann mehr Kap­i­tal für Forschung und Entwick­lung, für hochkarätige Mitar­beit­er, für die Expan­sion in neue Märk­te oder für Akqui­si­tio­nen ander­er Fir­men zur Ver­fü­gung.

Und wie ist das bei neuen Anleihen?

Steckst Du Geld dage­gen in neue Anlei­hen, dann fließt dieses, abzüglich der Gebühren (siehe oben), an den Emit­ten­ten – also das Unternehmen, den Staat oder die Gebi­et­skör­per­schaft, das/der/die die Anlei­hen her­aus­gibt.

Du leihst dem Emit­ten­ten für eine gewisse Zeit – max­i­mal bis zum Ende der Laufzeit der Anlei­he – Dein Geld, damit dieser Rech­nun­gen begle­ichen, alte Schulden zurück­zahlen, neue Fab­riken bauen kann oder was auch immer.

Bei soge­nan­nten „Green Bonds“ oder „grü­nen Anlei­hen“ geben Emit­ten­ten häu­fig an, für welche Umweltschutz-Maß­nah­men sie das einge­sam­melte Fremd­kap­i­tal ver­wen­den wollen.

Doch in der Regel erfahren Anlei­he-Investorin­nen nicht, wofür ihr Geld ver­wen­det wird. Es kann also sein, dass Paz­i­fistin­nen dem deutschen Staat Geld lei­hen und dieser mit diesem Kap­i­tal dann den Kauf von Kriegss­chif­f­en oder Panz­ern finanziert.

Ist das bei Tagesgeld, Festgeld, Sparbriefen, Banksparplänen oder Sparbüchern anders?

Nein, im Prinzip nicht. Du gib­st – oder bess­er leihst – auch damit ein­er Bank für eine gewisse Zeit Geld. Was diese damit macht, kannst Du in der Regel nicht bee­in­flussen. Du erfährst es meist noch nicht ein­mal. Nur eines ist klar: Es bleibt nicht bei der Bank liegen.

Diese ver­lei­ht Dein Geld wiederum an Unternehmen, die einen Kred­it bei der Bank beantra­gen, oder an Pri­vatleute, die eine Immo­bilie erwer­ben wollen und denen dafür das nötige Klein­geld fehlt.

Die Bank nutzt also Dein Geld für ihre Geschäfte. Für diese Nutzung zahlt sie Dir in der Regel eine Nutzungs­ge­bühr, den Zins. Und nach dem Laufzei­t­ende des jew­eili­gen Sparpro­duk­ts fließt das geliehene Geld wieder an Dich zurück. Genau wie bei Anlei­hen auch.

Und wie ist das beim Kauf von Fondsanteilen direkt bei der Fondsgesellschaft?

In diesem Fall fließt Dein Geld an die Fonds­ge­sellschaft, die den aller­größten Teil davon nutzt, um für den Fonds weit­ere Wert­pa­piere zu kaufen. Bei einem Aktien­fonds mit Schw­er­punkt Deutsch­land, fließt es also etwa in DAX-Aktien.

Dage­gen fließt dein Geld bei einem Anlei­he­fonds in die den Anlagerichtlin­ien entsprechen­den Anlei­hen und in Gewerbe- oder Wohn­im­mo­bilien bei einem Immo­bilien­fonds.

Bei diesen Käufen entste­hen natür­lich wiederum Kosten, die mit Deinem Geld beglichen wer­den. Doch ein größer­er Teil Deines Geldes – der Aus­gabeauf­schlag, auch Agio oder Aufgeld genan­nt – fließt dage­gen als Ver­trieb­spro­vi­sion an Deine Depot­bank.

Diese Pro­vi­sion macht bei Aktien­fonds meist um die fünf Prozent des gesamten Kauf­preis­es aus. Bei Anlei­he­fonds meist drei Prozent. Dieses Geld ist für die eigentliche Gel­dan­lage ver­loren. Daher soll­ten Fonds-Anlegerin­nen darauf acht­en, dass ihre Depot­bank viele Fonds mit einem möglichst hohen Rabatt auf den Aus­gabeauf­schlag anbi­eten.

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