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Teil 2: Börse – Was hat das mit mir zu tun?

2020-06-08T11:19:58+02:0017. Februar 2020|

Mit den Armen wild fuch­teln­de Ker­le, die brül­len: Die­ses Bild haben vie­le im Kopf, sobald sie das Wort „Bör­se“ hören. Kein Ort also für Nor­mal­bür­ger und ‑bür­ge­rin­nen? Oder doch? Was hat die Bör­se mit uns zu tun?

Von Gise­la Habe­rer 

Bör­sen­han­del geht alle was an. Denn an der Bör­se wird die Zukunft gehan­delt. Unser aller Zukunft. Wer sie mit­ge­stal­ten will, kann dies über die Bör­se tun. Denn jeder kann an der Bör­se in das inves­tie­ren, was einem für die Zukunft wich­tig erscheint, zum Bei­spiel in Unter­neh­men, die Was­ser auf­be­rei­ten, Son­nen­en­er­gie nut­zen oder Bat­te­rie­spei­cher bau­en.

An der Bör­se lässt sich ziel­ge­nau­er inves­tie­ren, als dies über übli­che Bank­ein­la­gen mög­lich ist. Ban­ken wirt­schaf­ten mit dem Geld, das auf ihre Giro‑, Spar- oder Tages­geld­kon­ten ein­ge­zahlt bezie­hungs­wei­se in Fest- oder Ter­min­geld bei ihnen ange­legt wird – in ihrem Sin­ne. Auf die­se Art ver­die­nen sie die Zin­sen, die sie für die Gut­ha­ben geben, meis­tens ver­die­nen sie aber mehr.

Ver­trau­en Anle­ge­rin­nen ihr Geld einer Bank an, geben sie damit ihren Ein­fluss auf die wei­te­re Anla­ge ihres Gel­des an die Bank ab. Inves­tie­ren Spare­rin­nen ihr Geld dage­gen selbst an der Bör­se, kön­nen sie zumin­dest die Rich­tung vor­ge­ben, wo und wofür ihr Geld arbei­tet. Und das hat Tra­di­ti­on.

Was heißt eigentlich „Börse“?

„Byr­sa“ sag­ten die alten Grie­chen zu Haut oder Fell, das Tie­ren abge­zo­gen wor­den war. Die alten Römer, immer Prak­ti­ker, lie­hen sich den Begriff gleich für das, was man aus Leder machen konn­te und nann­ten Geld­täsch­chen oder Säck­chen „bur­sa“.

Die hol­län­di­sche Patri­zi­er­fa­mi­lie „van der Beur­se“, die in ihrem Wap­pen bezeich­nen­der­wei­se drei Leder­beu­tel führ­te, betrieb eine Art Gast­hof. Hier tra­fen sich vor rund 700 Jah­ren Kauf­leu­te auf ihrem Weg zur nahe­ge­le­ge­nen Mes­se in Brüg­ge und tausch­ten Neu­ig­kei­ten aus. Sie infor­mier­ten sich vor­ab über neue Waren und die Ver­trau­ens­wür­dig­keit der Anbie­ter. Schließ­lich ging man „zu den Beur­sen“, um neue Geschäf­te anzu­bah­nen. Der Begriff bür­ger­te sich so ein, dass Kauf­leu­te auch in ande­ren Städ­ten ihre regel­mä­ßi­gen Tref­fen „Bör­se“ nann­ten.

Seit wann gibt es die Börse?

Das ers­te Bau­werk, das spe­zi­ell für den Bör­sen­han­del errich­tet wur­de, ent­stand 1531 in Ant­wer­pen: Hier tra­fen sich Geld­wechs­ler und Kauf­leu­te aus aller Her­ren Län­der. In Deutsch­land wur­de die ers­te Bör­se 1540 in Augs­burg auf Initia­ti­ve der damals auf­stre­ben­den Kauf­manns­fa­mi­lie Fug­ger gegrün­det. Kurz dar­auf eröff­ne­ten Kauf­leu­te und Patri­zi­er­fa­mi­li­en die Bör­se in Nürn­berg, die zum Bin­de­glied zwi­schen Ita­li­en und ande­ren euro­päi­schen Wirt­schafts­zen­tren wie Prag wur­de.

Der Clou war von Anfang an: Es wur­den an den Bör­sen zwar Waren gehan­delt – aber nicht „zu Mark­te getra­gen“. Nur „Wech­sel“, Beschei­ni­gun­gen oder Nach­wei­se über Waren wech­sel­ten den Besit­zer. Das spar­te Trans­port­kos­ten und war viel leich­ter abzu­wi­ckeln. Das ist bis heu­te so geblie­ben, nur besteht der Nach­weis inzwi­schen meist nur noch in Bits und Bytes.

Was wird an Börsen eigentlich gehandelt?

Heu­te wird an Bör­sen fast alles gehan­delt. Vor­aus­set­zung: Ange­bo­te­nes lässt sich nach Art, Maß, Gewicht und Zahl genau bestim­men. Denn dann ist es aus­tausch- und nach­weis­bar.

Nur: Nicht jede Bör­se han­delt alles. Im Gegen­teil. Für Edel­me­tal­le wie Gold gibt es spe­zi­el­le Edel­me­tall­bör­sen, für land­wirt­schaft­li­che Erzeug­nis­se wie Kaf­fee oder Kakao soge­nann­te Waren­bör­sen, für Ener­gie „Strom­bör­sen“, für Wäh­run­gen Devi­sen­bör­sen und für Wert­pa­pie­re wie Akti­en oder Anlei­hen Wert­pa­pier­bör­sen.

Bör­sen sind orga­ni­sier­te Märk­te, auf denen regel­mä­ßig zu fest­ge­leg­ten Zei­ten bestimm­te Güter gehan­delt wer­den. Wie auf dem Wochen­markt bestim­men auch hier Ange­bot und Nach­fra­ge die Prei­se – Kur­se genannt. Und eben­so gibt es an der Bör­se Regeln und Markt­wäch­ter.

Wer überwacht die Börse?

Der Han­del an Bör­sen wird durch staat­li­che Auf­sichts­äm­ter über­wacht. In Deutsch­land unter­liegt er dem deut­schen Bör­sen­ge­setz. Die Ein­hal­tung der Regeln wird von Lan­des­re­gie­run­gen sowie der Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (Bafin) über­wacht.

Unter­neh­men, die an die Bör­se gehen wol­len, müs­sen erst einen Bör­sen­zu­las­sungs­pro­spekt vor­le­gen. Dar­in wer­den Geschäfts­fel­der und Unter­neh­mens­ent­wick­lung beschrie­ben, Vor­stän­de und Auf­sichts­rats­mit­glie­der benannt sowie die jüngs­te Bilanz vor­ge­legt. Nach ihrer Zulas­sung müs­sen Akti­en­ge­sell­schaf­ten regel­mä­ßig Geschäfts­be­rich­te vor­le­gen. Daher sind Infor­ma­tio­nen über bör­sen­no­tier­te Akti­en­ge­sell­schaf­ten oft erheb­lich leich­ter zu erhal­ten als etwa über GmbHs oder Stif­tun­gen.

Anle­ge­rin­nen kön­nen sich so ein Bild davon machen, wor­in sie inves­tie­ren wür­den, bevor sie Akti­en oder Anlei­hen eines Unter­neh­mens an der Bör­se erwer­ben.

Börse: Ist das nicht nur was für „Reiche“?

In den ers­ten Bör­sen die­ser Welt vor gut 500 Jah­ren tra­fen sich nur Geld­wechs­ler, Kauf­leu­te, Händ­ler. Heu­te sind es Kurs­mak­ler und Com­pu­ter­ex­per­ten. Doch die Pro­fis han­deln im Auf­trag ande­rer. Die Nach­wei­se über Waren, Güter und Wert­pa­pie­re, die sie han­deln, las­sen sich in kleins­te Stü­cke tei­len.

Die Bör­se ist in gewis­sem Sin­ne demo­kra­tisch: Sie eröff­net allen die Chan­ce, sich selbst mit gerin­gen Mit­teln am „Pro­duk­tiv­ka­pi­tal“ zu betei­li­gen: etwa über den Kauf eines Anteils an einem Unter­neh­men in Form einer Aktie, mehr dazu in Teil 3 und Teil 8 der Bör­sen­se­rie.

An der Börse verliert man doch nur Geld!

Gera­de deut­schen Anle­gern steckt noch die Angst in den Kno­chen. Zur Erin­ne­rung: Ende der 1990er-Jah­re lock­te der Bör­sen­gang der Deut­schen Tele­kom sowie jun­ge Unter­neh­men mit neu­en Geschäfts­fel­dern rund um Inter­net und Mobil­te­le­fo­nen vie­le Klein­an­le­ger und ‑anle­ge­rin­nen erst­ma­lig an die Bör­se.

Vie­le ver­trau­ten münd­li­chen Tipps und frag­ten nicht nach genaue­ren Infor­ma­tio­nen. Sie hör­ten von hohen mög­li­chen Gewin­nen und woll­ten dabei sein. Doch Gier ist an der Bör­se der schlech­tes­te aller Rat­ge­ber. Im März 2000 platz­te die soge­nann­te Dot­com-Bla­se. Vie­le Klein­an­le­ger und ‑anle­ge­rin­nen ver­lo­ren Geld.

Bes­ser ist es, im wört­li­chen Sin­ne zu spe­ku­lie­ren. Denn wer spe­ku­liert, hält – im wahrs­ten Sin­ne des Worts – Aus­schau und beob­ach­tet genau. Über­tra­gen auf Anle­ge­rin­nen heißt das: sich genau zu infor­mie­ren. Mehr zum The­ma Spe­ku­lie­ren gibt es in Teil 1 unse­re Bör­sen­se­rie.

Da sich die Zukunft aber nie genau vor­her­sa­gen lässt, wer­den Inves­ti­tio­nen an der Bör­se am bes­ten auf ver­schie­de­ne Titel ver­teilt. Das gelingt zum Bei­spiel über ETF und ande­re Fonds (dem­nächst in Teil 6 und 7 der Bör­sen­se­rie), aber auch über die Ver­tei­lung des Ver­mö­gens auf meh­re­re ein­zel­ne Titel wie Akti­en (mehr dazu in Teil 3 der Bör­sen­se­rie), Anlei­hen (mehr dazu in Teil 4 der Bör­sen­se­rie) und Zer­ti­fi­ka­te (mehr dazu in Teil 5 der Bör­sen­se­rie). Über län­ge­re Zeit­räu­me sind dann tat­säch­lich ansehn­li­che Gewin­ne mög­lich.

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Eine Whats­app-Nach­richt hier, ein Sel­fie dort und noch kurz einen Bei­trag im Lieb­lings­netz­werk tei­len: Vie­le Men­schen hän­gen oft stun­den­lang an ihrem Han­dy – und trau­ern gleich­zei­tig der Zeit hin­ter­her, die ihnen dadurch ver­lo­ren geht und die sie pro­duk­ti­ver hät­ten nut­zen kön­nen. Aus­ge­rech­net eine Han­dy-App kann hier Abhil­fe schaf­fen: Forest. Eine App, um weni­ger Zeit am Han­dy zu ver­brin­gen? Klingt erst mal merk­wür­dig, funk­tio­niert aber und hat im bes­ten Fall sogar Effek­te auf die rea­le Welt.

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