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Börsenserie Teil 1: Spekulieren? Ich doch nicht!

2020-02-05T09:49:19+01:003. Februar 2020|

Finanzhai, Glück­srit­ter, Zock­er: Wer an der Börse investiert, gilt schnell als gieriger Speku­lant. Ger­ade viele Frauen wollen lieber „ehrlich“ sparen. Doch Hand aufs Herz: Kom­men wir beim Sparen und im All­t­ag wirk­lich ohne Speku­la­tio­nen aus?

Von Gisela Haber­er 

In Deutsch­land sind neun von zehn Erwerb­stäti­gen Arbeit­nehmer – und damit „Speku­lanten“. Denn sie set­zen darauf, für vor­ab geleis­tete Arbeit am Ende des Monats Lohn zu erhal­ten. In Sachen Leben­sun­ter­halt set­zen Angestellte alles auf eine Karte: Ihr Arbeit­ge­ber muss aus­re­ichend erfol­gre­ich wirtschaften, um Löhne zu zahlen. „Hochspeku­la­tiv“ urteilt man beim Roulette, wenn ein Spiel­er alles auf eine Zahl set­zt.

Zugegeben, Arbeit­nehmer haben mehr Ein­fluss aufs wirtschaftliche Ergeb­nis ihrer Fir­ma als Spiel­er auf den Stopp des Roulette-Rads. Doch sie sitzen auch hier meist nicht am entschei­den­den Hebel. Sie spekulieren, dass am Ende des Monats Lohn fließt.

Was heißt hier spekulieren?

Das deutsche Wort „Speku­la­tion“ kommt vom lateinis­chen „spec­u­la­tio“: Ausspähen, Auskund­schaften, Betra­cht­en. Das zugrun­deliegende Sub­stan­tiv „spec­u­la“ bedeutete Beobach­tungsstelle, Warte, Höhe, aber auch Hoff­nung.

Wer spekuliert, sieht also ursprünglich genau hin und hofft eventuell auf etwas. Den heuti­gen Sprachge­brauch fasst der Duden so zusam­men: auf bloßen Annah­men, Mut­maßun­gen beruhende Erwartung.

In unserem All­t­ag hof­fen, beobacht­en und mut­maßen wir ständig. All­t­ag lässt sich nur organ­isieren, indem wir Annah­men tre­f­fen. So gehen wir zum Beispiel davon aus, gesund genug zu bleiben, um vor­ab Bezahltes nutzen zu kön­nen.

Deswe­gen wagen wir es, eine Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr zu kaufen, ein Jahresabo fürs The­ater abzuschließen und unserem Vere­in den Jahres­beitrag zu über­weisen.

Wer sich unsich­er ist, legt sich vielle­icht nur für kürzere Zeit­en fest. Doch kaum jemand spekuliert nie auf eine per­sön­lich pos­i­tive Zukun­ft. Das Gegen­teil würde heißen, in den Tag hineinzuleben.

Eine „sichere Bank“?

Auch beim Sparen spekulieren wir: Und zwar bei so gut wie jedem Pro­dukt. Bewusst wird uns das meist erst, wenn die Speku­la­tion nicht aufge­ht. Ein Beispiel: Die isländis­che Kaupthing Bank genoss das Ver­trauen viel­er aus­ländis­ch­er Spar­er – bis zu ihrer Pleite 2008.

Auch zig­tausende deutsche Spar­er hat­ten die rel­a­tiv hohen Guthaben­zin­sen auf Spar- und Tages­geld­kon­ten zur nordis­chen Bank gelockt. Nach isländis­chem Recht war ihr Ver­mö­gen bis 20.887 Euro abgesichert. Wer mehr angelegt hat­te, erlitt nun einen Ver­lust.

Deutsche Banken unter­liegen auf jeden Fall min­destens der geset­zlichen deutschen Ein­la­gen­sicherung bis 100.000 Euro. Liegt mehr auf Kon­ten eines Insti­tuts, gibt es im Pleit­e­fall keine Entschädi­gung. Und auch das deutsche Sys­tem funk­tion­iert nur, solange nicht mehrere Insti­tute auf ein­mal in die Knie gehen.

Seit dem Jahr 2000 gin­gen in Deutsch­land 42 Finanzin­sti­tute pleite beziehungsweise schlit­terten an der Insol­venz vor­bei. Die Com­merzbank wurde durch staatliche Unter­stützung gerettet, die Sparkasse Mannheim durch Fusion.

Verluste garantiert?

Die meis­ten deutschen Anleger empfind­en Sichtein­la­gen als beson­ders sich­er und nicht speku­la­tiv. Dazu zählt das Kap­i­tal auf Giro‑, Spar- und Tages­geld­kon­ten. Hier wird Erspartes „auf Sicht“ angelegt und ist fast jed­erzeit ver­füg­bar. Doch seit Jahren sind Guthaben­zin­sen für Sichtein­la­gen niedriger als die Infla­tion. Damit ist bei Sichtein­la­gen wie beim Sparstrumpf derzeit nur eines sich­er: der Ver­lust. Denn nach Abzug der Teuerung liegt der reale Sparzins im Minus.

Fast 135 Mil­liar­den Euro büßten deutsche Spar­er wegen des neg­a­tiv­en Realzins­es seit Ende 2010 ein, errech­nete die Com­merzbank-Tochter Comdi­rect Anfang 2020. Jet­zt dro­hen die Ein­bußen noch zu steigen, denn immer mehr Insti­tute erheben soge­nan­nte Ver­wahrent­gelte, auch bekan­nt als Straf- oder Neg­a­tivzin­sen.

Eine neue Erschei­n­ung sind Ver­luste auf Sichtein­la­gen nicht. In den ver­gan­genen gut 100 Jahren haben Währungsre­for­men und Weltkriege genau diese Art „sicher­er“ Gel­dan­la­gen mehrfach zusam­men­schmelzen lassen oder kom­plett ver­nichtet.

Langfristig verspekuliert?

Auch Anla­gen, bei denen bei Abschluss des Ver­trags Laufzeit und Höhe der Zin­sen fest­ste­hen, gel­ten gemein­hin als sich­er. Unter diesen Anlage­for­men sind Baus­par- und Prämiensparverträge beson­ders beliebt.

Doch Altverträge mit rel­a­tiv hohen Zin­szusagen wer­den inzwis­chen rei­hen­weise gekündigt: vorneweg von Baus­parkassen, Sparkassen, Volks­banken und Raif­feisen­banken. Alles Insti­tute, die all­ge­mein als beson­ders sich­er gel­ten. Aber die Erwartung, dass langfristige Verträge einge­hal­ten wer­den, hat sich für viele nicht erfüllt. Diese Prämien- und Baus­par­er haben sich „ver­spekuliert“, kön­nte man im Sinne des Duden über­set­zen.

Geld anlegen ohne Risiko?

Wie lässt sich denn dann noch sich­er sparen ohne zu spekulieren? Gar nicht. Denn jed­er, der Geld anle­gen will, muss Annah­men tre­f­fen und Risiken einge­hen. Je weit­er das Ziel des Sparens in der Ferne liegt, desto mehr Annah­men sind notwendig. Nur so lässt sich etwa schon in jun­gen Jahren fürs Alter vor­sor­gen. Doch es lässt sich nicht alles vor­pla­nen und abse­hen.

Ein Ausweg aus dem Dilem­ma bieten Spar­for­men, aus denen sich Erspar­nisse rel­a­tiv leicht und rasch zurück­holen lassen. Und das sind nicht nur Sichtein­la­gen. So sind zum Beispiel viele Wert­pa­piere, die an der Börse gehan­delt wer­den, an jedem Han­del­stag „börsen­täglich“ zu kaufen und zu verkaufen.

Finanzprofis wie Ver­mö­gensver­wal­ter hal­ten aus­gerech­net jenen Sach­w­ert, den viele Kleinan­leger als „zu speku­la­tiv“ zurück­weisen, für rel­a­tiv sich­er: die Aktie. Diese Serie erk­lärt, warum. Sie nen­nt Chan­cen und Risiken typ­is­ch­er Börs­en­in­vest­ments wie Aktien, Anlei­hen und Fonds und gibt Anlegerin­nen Tipps, wie sie an der Börse die Chance auf höhere Erträge für sich nutzen kön­nen.

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