Startseite/Birgit Schrowange: „Nicht verkaufen, ruhig bleiben“

Birgit Schrowange: „Nicht verkaufen, ruhig bleiben“

2020-03-31T17:41:21+02:0028. März 2020|

Die Fernsehmod­er­a­torin Bir­git Schrowange hat in der Coro­na-Krise an den Börsen nach eige­nen Angaben 25 Prozent ihres Depotwerts ver­loren. „Da muss man erst mal schluck­en, aber ich bleibe lock­er“, sagt die 61-Jährige im Inter­view mit Courage. Schrowange investiert ihr Geld bere­its seit über 30 Jahren an der Börse – vor allem zur Altersvor­sorge. Sie rät Frauen, sich mehr um den eige­nen Ver­mö­gen­sauf­bau zu küm­mern und ihre Finanzen selb­st in die Hand zu nehmen. „Es ist wichtig, selb­st Ver­ant­wor­tung für seine Finanzen zu übernehmen“, so Schrowange, die dem The­ma Frauen und Finanzen in ihrem neuen Buch „Bir­git ungeschminkt: Vom Leben gel­ernt“ ein umfan­gre­ich­es Kapi­tel wid­met. „Nur so kann man Frei­heit und Unab­hängigkeit erre­ichen. Das war mir selb­st immer sehr wichtig.“

 

Von Daniela Mey­er und Astrid Zehbe

Frau Schrowange, beun­ruhigt Sie die Lage an den Märk­ten?

Bir­git Schrowange: Ich beobachte die Lage aktuell natür­lich genau. Mein Depot weist ein Minus von 25 Prozent aus. Da muss man natür­lich erst mal schluck­en, aber den­noch bleibe ich lock­er. Beim Investieren ist es wichtig, langfristig zu denken. Es wer­den immer wieder Crashs kom­men. In eini­gen Jahren sind diese dann aber aus­ge­sessen – diese Erfahrung habe ich immer wieder gemacht und ich kann in der aktuellen Sit­u­a­tion nur allen Frauen rat­en, nicht über­stürzt ihre Aktien zu verkaufen, son­dern durchzuhal­ten und auf eine Erhol­ung zu warten.

Für viele Men­schen sind die aktuell abstürzen­den Kurse ja der beste Beweis, dass ihr Geld an der Börse nicht sich­er ist. Wie sehen Sie das?

Dass viele Men­schen jet­zt aus dem Aktien­markt flücht­en und dann nie wieder eine Aktie anfassen, ist angesichts der niedri­gen Zin­sen fatal. Man darf den langfristi­gen Blick nicht ver­lieren. Wenn man sich die Börse anschaut, stellt man schnell fest, dass in den ver­gan­genen 30 Jahren die Börsenkurse nach jedem Crash höher standen als vor dem Crash. Die Leute, die jet­zt die Ner­ven behal­ten, wer­den belohnt, da bin ich felsen­fest von überzeugt.

Trotz Corona an die Börse

Sollte man in Zeit­en von Coro­na also lieber ein­steigen?

Man sollte vielle­icht die Märk­te noch etwas beobacht­en. Aber die Ein­stiegschan­cen sind sehr gut: Viele tolle Aktien, wie zum Beispiel SAP, Alpha­bet oder Apple, oder auch gute Div­i­den­den­werte wie die Deutsche Post, Allianz oder Fre­se­nius bekommt man ja so gün­stig nie wieder. In Einze­lak­tien zu investieren würde ich allerd­ings nur Anlegerin­nen mit Erfahrung empfehlen. Börsen­neulinge soll­ten eher auf ETFs und gute Fonds set­zen.

Kaufen Sie jet­zt nach?

Ich halte es wie War­ren Buf­fett: Sei gierig, wenn andere ängstlich sind. Das ist dann meis­tens ein guter Zeit­punkt um nachzukaufen. Zudem habe ich sowieso einige Sparpläne, die natür­lich auch jet­zt weit­er­laufen. Auf diese Weise kaufe ich ja automa­tisch per­ma­nent nach. So prof­i­tiere ich direkt vom Durch­schnittskosten­ef­fekt von Sparplä­nen. Jet­zt bekomme ich für mein Geld natür­lich mehr Anteile. Ich werde aber auch kleine Beträge aufwen­den, um die eine oder andere Aktie in den kom­menden Tagen und Wochen nachzukaufen.

Wann und wie genau haben Sie denn begonnen an der Börse zu investieren?

Meine Eltern haben mir schon früh beige­bracht, dass es wichtig ist, sparsam zu sein und für das Alter vorzu­sor­gen. Ich hat­te ein Spar­buch und eine Kap­i­tallebensver­sicherung, die damals noch gut verzinst war. Mit der Börse bin ich tat­säch­lich erst in Berührung gekom­men, als ich mit Anfang 30 einen Fre­und in New York hat­te. In den USA ist es nor­mal, dass jed­er in Aktien investiert. Ich habe mich also mit dem The­ma befasst und begonnen selb­st Geld an der Börse anzule­gen.

In der Corona-Krise aus Verlusten lernen

Sie waren also auch zu Zeit­en des Neuen Mark­tes investiert?

Ja, und da bin ich auch ganz schön auf die Nase gefall­en. Aber auch daraus lernt man. Wie gesagt: Man darf sich von kurzfristi­gen Ver­lus­ten nicht ent­muti­gen lassen. Das gehört dazu und birgt ja auch Chan­cen.

Was war ihr schlimm­ster Ver­lust bis­lang?

Ich gehöre zu den Leuten, die in EM.TV investiert waren, das waren herbe Ver­luste.

Und ihr bestes Invest­ment?

Eine Aktie von einem Unternehmen, das Fußfes­seln her­stellt.

Ern­sthaft? Wie sind Sie denn auf dieses Unternehmen gekom­men?

Gemein­sam mit meinem Bankber­ater, den ich seit 25 Jahren habe und der mich immer wieder auf span­nende Werte aufmerk­sam macht. Ver­brech­er gibt es doch immer mehr, haben wir gedacht, und investiert. Da habe ich, wenn ich mich recht erin­nere, 200 Prozent Plus gemacht.

Zock­en Sie auch manch­mal?

Ich habe noch etwas Spiel­geld zum Zock­en und set­ze ab und an auch Stop-Loss-Kurse. Ich hat­te Aktien, die dann gefall­en und durch die Stop Loss durchger­auscht sind, sodass ich mich sehr geärg­ert habe, als sie danach in wahnsin­nige Höhen gestiegen sind und ich nicht mehr dabei war. Aber den Großteil meines Geldes investiere ich bre­it gestreut und langfristig als Altersvor­sorge.

Frauen sollten vorsorgen

Wie genau?

Ich habe viele Fonds und auch ETFs. Damit habe ich gute Erfahrun­gen gemacht: Die Ren­ditechan­cen sind natür­lich geringer als bei Einze­lak­tien, aber die bre­ite Streu­ung min­dert dafür das Ver­lus­trisiko. Zum Teil sind die Fonds auch in Anlei­hen und Gold investiert. Damit füh­le ich mich sehr wohl. Ich habe aber auch einige Einze­lak­tien von Unternehmen, an deren Geschäftsmod­ell ich glaube.

Leg­en Sie beim Investieren Wert auf Nach­haltigkeit?

Ja, die meis­ten mein­er Fonds und ETFs sind nach­haltig aus­gerichtet. Das ist mir sehr wichtig, zumal nach­haltige Invest­ment­pro­duk­te ja keine Nachteile bei der Ren­dite haben – im Gegen­teil. Oft schnei­den sie sog­ar bess­er ab.

In Ihrem Buch „Bir­git ungeschminkt: Vom Leben gel­ernt“ wid­men Sie einen großen Abschnitt dem The­ma Frauen und Finanzen. Warum?

Ich finde, es ist unglaublich wichtig für Frauen, sich mit ihren Finanzen zu befassen. Es erschreckt mich immer wieder, wie wenig sich viele Frauen in Finan­zan­gele­gen­heit­en ausken­nen und sich damit oft in völ­lige Abhängigkeit von ihrem Part­ner begeben. Es ist wichtig, selb­st Ver­ant­wor­tung für seine Finanzen zu übernehmen. Nur so kann man Frei­heit und Unab­hängigkeit erre­ichen. Das war mir selb­st immer sehr wichtig.

Chancen der Corona-Krise

Viele Frauen bekla­gen, dass es sich mit ihrem niedri­gen Einkom­men nicht lohnt zu investieren. Was rat­en Sie ihnen?

Umso weniger man ver­di­ent, umso wichtiger ist es, vorzu­sor­gen und sparsam zu sein und zu investieren. Man kann schon ab 25 Euro monatlich in einen Aktien­fonds oder ETF sparen: Geld muss Junge kriegen. Wir sehen es jet­zt in der aktuellen Coro­na-Krise: Viele Selb­st­ständi­ge und Kün­stler ger­at­en plöt­zlich in Not, weil ihre Verträge gekündigt wer­den oder ihre Dien­stleis­tun­gen nicht mehr nachge­fragt wer­den. Wer Rück­la­gen gebildet hat, der über­ste­ht so eine Krise. Aber es geht heutzu­tage viel zu sehr um Kon­sum und darum, immer mithal­ten zu kön­nen und die neuesten Dinge zu haben. Das ist fatal.

Kann man der Coro­na-Krise dann nicht auch etwas Pos­i­tives abgewin­nen – dass jet­zt Ruhe einkehrt und man sich aufs Wesentliche besin­nt?

Es ist, als hätte der liebe Gott jet­zt mal die Reißleine gezo­gen, um zu zeigen: So geht es nicht weit­er. Er hat den Reset-Knopf gedrückt und das finde ich ja gar nicht so verkehrt. Für die Wirtschaft, viele Betriebe und Arbeit­nehmer ist die aktuelle Sit­u­a­tion schlimm. Aber das Kli­ma hat dafür eine Pause, die Erde atmet auf. Wir soll­ten die Krise als Chance nutzen, endlich bewusster zu leben, und auch wenn der Coro­n­avirus über­standen ist mehr auf Nach­haltigkeit zu acht­en. Dann hätte uns diese Krise let­ztlich tat­säch­lich etwas gebracht.

Weitere Artikel, die dich interessieren könnten: 

Courage-Serie: Die Börse für Ein­steigerin­nen

Dein Weg zum ETF-Spar­plan

Das musst du bei der ETF-Suche beacht­en

Coro­na-Krise — Aus Angst die Aktien verkaufen?

Gel­dan­lage im Griff trotz Coro­na

Noch mehr Infos für dich

„Fehler bei der Geldanlage haben mir geholfen“

Viele tun sich beim ersten Schritt an der Börse sehr schw­er – oft aus Angst, Fehler zu machen. Dass Fehler beim Investieren dazu gehören, weiß Anke Pauli aus eigen­er Erfahrung. Nach­dem sie aus Invest­ment­fehlern im Bere­ich ETFs viel gel­ernt hat, wagte sie sich mit dem Kauf von Einze­lak­tien erneut auf unbekan­ntes Ter­rain – und war wieder nicht gefeit vor Fehlern.

Buch des Monats

Hinterlassen Sie einen Kommentar

This Is A Custom Widget

This Sliding Bar can be switched on or off in theme options, and can take any widget you throw at it or even fill it with your custom HTML Code. Its perfect for grabbing the attention of your viewers. Choose between 1, 2, 3 or 4 columns, set the background color, widget divider color, activate transparency, a top border or fully disable it on desktop and mobile.

This Is A Custom Widget

This Sliding Bar can be switched on or off in theme options, and can take any widget you throw at it or even fill it with your custom HTML Code. Its perfect for grabbing the attention of your viewers. Choose between 1, 2, 3 or 4 columns, set the background color, widget divider color, activate transparency, a top border or fully disable it on desktop and mobile.