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Beate Sander zu Corona-Crash: „Ich habe bereits zugekauft“

2020-04-06T15:27:59+02:0030. März 2020|

Beate Sander ist die Grande Dame unter den Börsen­gu­rus. In Courage erk­lärt sie, wie Anlegerin­nen die Krise meis­tern und bei welchen Branchen sie aktuell zukauft. Zudem fordert sie die Poli­tik auf, Senioren und Börsen­neulin­gen die Abgel­tungss­teuer zur Förderung der Altersvor­sorge jet­zt zu erlassen und ab zehn Jahren Anlage­hor­i­zont ganz darauf zu verzicht­en.

Von Daniela Mey­er

Durch die Corona-Krise sind die Börsenkurse abgestürzt. Um wie viel ist Ihr Depot eingebrochen?

Beate Sander: Nach­dem ich erst kurz vor der Jahrtausendwende mit 30.000 Euro an der Börse eingestiegen bin und an meinem Geburt­stag Ende 2019, erst­mals die zwei Mil­lio­nen-Euro-Marke knack­te, bin ich aktuell mit einem knap­pen Vier­tel von meinem Höch­stkurs abgestürzt.

Der Wert Ihres Depots hat also in wenigen Tagen Hunderttausende Euro verloren – hat Sie das schockiert?

Nein, bei mir kam wed­er Schock, noch Panik auf. Mit­tler­weile liegen die Ver­luste bei nicht ein­mal mehr einem Zehn­tel – weil ich bevorzugt bei tief einge­broch­enen Qual­ität­sak­tien direkt zukaufte und diese sich größ­ten­teils bere­its wieder zweis­tel­lig aufwärts bewe­gen.

Mein Depot hat sich nach dem imposan­ten Kurs­feuer­w­erk schon wieder von 1,5 Mil­lio­nen Euro auf mehr als 1,9 Mil­lio­nen Euro erholt. Welch Irrsinn, wenn ich da alles verkauft hätte. Meine zahlre­ichen Zukäufe im März sind die Cashkuh für die Zukun­ft.

Waren Sie dennoch überrascht von der Heftigkeit des Crashs?

Der Crash ist das Ergeb­nis von Ange­bot und Nach­frage. Die Haup­tur­sache ist natür­lich die Coro­n­avirus-Pan­demie mit ihren ver­heeren­den volk­swirtschaftlichen Schä­den rund um den Globus. Aber zum Crash kommt es nur, wenn massen­weise kom­plette Aktien­de­pots in den Markt geschleud­ert wer­den.

Also sind die Anleger selbst schuld?

Die Börse reagiert selb­st oft sehr emo­tion­al und die meis­ten Anleger ler­nen lei­der nichts aus ihren Fehlern. Nur so kon­nte es zu diesem tiefen Ein­bruch kom­men. Je mehr Abverkäufe im großen Stil, umso größer die Ket­ten­reak­tion. Ange­heizt wird der Crash dann noch durch die vie­len Stopp­kurs-Verkäufe, die nun automa­tisch durch die weltweit­en Com­put­er­sys­teme aus­gelöst wer­den.

Und wie kommt es dann so plötzlich wieder zu den schnellen Kursanstiegen?

Das passiert, wenn Pes­simis­mus und Angst plöt­zlich in Euphorie und Gier umschla­gen. Da wird dann plöt­zlich umgekehrt weggewis­cht, dass sich das Coro­n­avirus weit­er aus­bre­it­et, die Ein­schränkun­gen zunehmen und die Ein­brüche in der Wirtschaft ger­adezu beängsti­gend sind.

Haben Sie irgendwas an Ihrem Depot im Nachgang angepasst?

Das mache ich, sofern es meine Zeit zulässt und ich nicht unter­wegs bin. Ich kaufe dann schrit­tweise hart abges­trafte Qual­ität­sak­tien zu. Dies finanziere ich durch Teil­verkäufe einzel­ner Aktien nahe dem Jahreshoch mit einem drei- oder vier­stel­li­gen Plus, mit Div­i­den­den und kleinen zusät­zlichen Ein­nah­men. Let­ztlich finanziert sich aber mein Depot selb­st.

Sie kaufen also schon. Wäre es nicht besser, noch etwas abzuwarten und zu schauen, wie sich die Krise weiterentwickelt?

Es gibt keinen Grund, immer nur zöger­lich abzuwarten. Wer so han­delt, ver­passt die besten Chan­cen. Ich nutze die Chan­cen, indem ich schrit­tweise zugreife und Teil­verkäufe vornehme. Es wäre aber falsch, sein ganzes Pul­ver auf ein­mal zu ver­schießen, denn nie­mand weiß, wie lange und heftig dieser Crash noch sein wird. Aber mein Grund­satz lautet auch beim Anle­gen: Der Tüchtige und der Mutige ver­di­enen das Glück.

Welche Titel haben Sie denn schon gekauft?

Da ich aktiv nachgekauft habe, würde es hier viel zu weit führen, alle Aktien aufzuführen. Ich nenne daher nur meine aktuell bevorzugten Branchen. Das wäre ein­mal das Gesund­heitswe­sen mit Phar­ma, Biotech, Medtech – mit Blick auf Schutzk­lei­dung, Desin­fek­tion­s­mit­tel, neue Wirk­stoffe, kom­binierte Ther­a­pi­en, Stärkung der Immunab­wehr, Entwick­lung von Impf­stof­fen, Ver­feinerung der Test­meth­o­d­en, Klinikaus­rüs­tun­gen, Ärztesoft­ware, Onlin­eapotheken. Eben­so inter­es­sant sind div­i­den­den­starke Aktien aus dem Ver­sicherungs­bere­ich, der Immo­bilien­branche mit Bauwirtschaft und dem Rohstoff­sek­tor, wozu auch rus­sis­che Spitzenak­tien zählen.

Welche Titel haben Sie auf Ihrer Beobachtungsliste?

Ich beobachte alle Märk­te, kann mehr als 1000 Aktien spon­tan aus dem Kopf nen­nen und brauche deshalb keine beson­dere Liste für kün­ftiges Han­deln.

Woran erkennt man denn jetzt eine gute Aktie und woher weiß man, dass sie sich auch wieder positiv entwickeln wird?

Auch ich kann nicht garantieren, dass sich alle guten Aktien nach einem Crash erholen. Um möglichst tre­ff­sich­er zu entschei­den, schaue ich mir das Geschäftsmod­ell des Unternehmens sehr genau an.

Und worauf achten Sie da besonders?

Han­delt es sich um einen Zukun­fts­markt? Wird nach­haltig investiert? Sind defen­sive, kon­junk­tu­run­ab­hängige Val­ue-Aktien niedrig bew­ertet und div­i­den­den­stark? Wie sieht das Ergeb­nis je Aktie im Mehr­jahresver­gle­ich aus? Wie hoch ist die Eigenkap­i­talquote und umgekehrt prozen­tu­al die Ver­schul­dung? Wächst das Unternehmen, wird prof­ita­bel gewirtschaftet? Wie hoch ist der Jahresüber­schuss?

Beate Sander deckt mit diesem Besteller alle wichti­gen Bere­iche ab und gibt viele ganz konkrete Tipps für einen erfol­gre­ichen Start als Börse­nan­leger oder Trad­er.

Ist das für jede Branche gleich?

Bei den Growth-Aktien aus dem Technologie‑, Software‑, Robotik‑, Biotech- und Medtech­sek­tor kommt es auf inno­v­a­tive Geschäft­sideen und Alle­in­stel­lungsmerk­male, vor allem aber auf Wach­s­tum in Zukun­ftsmärk­ten an. Hier nehme ich eine höhere Bew­er­tung in Kauf, denn Qual­ität ver­di­ent einen Auf­schlag. Und dann erwarte ich keine üppige Div­i­dende. Ein exzel­lent geführtes Fünf-Sterne-Hotel ist ja bezüglich der Kosten auch nicht mit ein­er herun­tergekomme­nen Mehr-Bett-Klitsche ver­gle­ich­bar.

Bei welchen Unternehmen sehen Sie auch die Gefahr, dass sich deren Aktien gar nicht oder über lange Zeit nicht wieder erholen?

Wenn die genan­nten Voraus­set­zun­gen und Merk­male bei den defen­siv­en Val­ue- und den offen­siv­en Growth-Aktien größ­ten­teils nicht zutr­e­f­fen, bleibe ich außen vor. Ich kann ja unter Tausenden von Titeln auswählen.

Was lernen Sie gerade aus der aktuellen Krise?

Ich opti­miere und ver­feinere meine Hoch-/Tief-Mut­strate­gie und betra­chte auch diesen hefti­gen Crash als weit­eren wichti­gen Bestä­ti­gung­stest, dass sie genau die richtige Langzeit­strate­gie ist. Ich denke gar nicht daran, mein Depot abzu­sich­ern. Nach jedem großen Crash ist Erhol­ung angezeigt.

Was raten Sie Ihren Finanzschülern und allen Kleinanlegern grundsätzlich?

Die Börse ist kein Kinderge­burt­stag. Ohne gute Büch­er geht es nicht: Vom Buch zum Inter­net, vom Inter­net zum eigen­ständi­gen Online­han­del. Ob Tanz, ob Sport oder Musik. Ohne Übung, ohne Fleiß auch kein Erfolg und auch kein Preis!

Was sagen Sie Anlegerinnen, die aktuell Verluste im Depot verzeichnen und sich um ihre Altersvorsorge Sorgen machen?

Ich ver­suche zu überzeu­gen, dass der größte Fehler der Kom­plettverkauf aller Aktien im Crash ist und dass selb­st das Aus­sitzen und Füße still hal­ten für Langzei­tan­leger die bessere Strate­gie darstellt. Am besten ist ein schrit­tweis­er Zukauf an schwankungsstarken Tagen im Crash-Szenario – finanziert mit Teil­verkäufen bester Aktien, die keine oder nur beschei­dene Kursver­luste erlei­den.

Hinzu kom­men wieder anzule­gende Div­i­den­den. Und vielle­icht schlum­mern ja doch noch Geld­schätze unter der Matratze, auf dem Spar­buch, Tages- oder Fest­geld­kon­to. Umgekehrt sage ich immer: Aktien­zukauf auf Kred­it − alles andre als ein Hit!

Sind Sie beunruhigt, wie es mit der Corona-Krise und der Wirtschaft weitergeht?

Das Wirtschaftswach­s­tum kommt zum Still­stand bis hin zur Rezes­sion. Vor allem Arbeit­nehmern mit geringem Ver­di­enst, kleinen Unternehmen, freis­chaf­fend­en Kün­stlern, Selb­st­ständi­gen und Freiberu­flern drück­en finanzielle Sor­gen bis hin zum Zusam­men­bruch, zur Pleite. Es ist gut, dass die Poli­tik nun ein schnelles, unbürokratis­ches Hil­f­s­paket auf die Beine stellt. Dazu gehört aber auch, die geplante Aktien­transak­tion­ss­teuer nicht einzuführen und Börsen­neulin­gen und Senioren zur Förderung der Altersvor­sorge am besten für fünf Jahre die Abgel­tungss­teuer zu erlassen und bei ein­er Aktien­an­lage ab zehn Jahren ganz auf diese Steuer zu verzicht­en.

Damals, nach der Finanzkrise haben Sie auf Weihnachtsgeschenke für Ihre Familie verzichtet, um günstig Aktien zu kaufen. Wie werden Sie es in der aktuellen Krise halten?

Zwis­chen­zeitlich habe ich genug Geld mit Aktien und neuerd­ings auch mit meinen Büch­ern ver­di­ent, um meine Ange­höri­gen reich­lich beschenken und alle Enkel bei Studi­um und Schu­laus­bil­dung unter­stützen zu kön­nen.

Mehr über Beat­er Sander gibt es hier.

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