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Versichert? – Aber richtig!

2021-04-07T10:32:57+02:001. April 2021|

Das Leben ist vol­ler Risi­ken. Gegen die finan­zi­el­len Fol­gen vie­ler Risi­ken gibt es Ver­si­che­run­gen. Doch nicht jede Poli­ce ist sinn­voll. Und längst nicht alle exis­ten­zi­el­len Risi­ken sind auch allen bewusst. Cou­ra­ge klärt über die wirk­lich gro­ßen Risi­ken auf – und wie man sich gegen deren Fol­gen absi­chert.

Von Ste­phan Habe­rer

„Pro­gno­sen sind schwie­rig – ins­be­son­de­re, wenn sie die Zukunft betref­fen.“ Die­ses Bon­mot wird wahl­wei­se dem Schrift­stel­ler Mark Twain, dem Phy­si­ker Niels Bohr oder dem Poli­ti­ker Win­s­ton Chur­chill zuge­schrie­ben. Doch ganz egal, von wem der Satz stammt, er stimmt. Gera­de auch, wenn es um die Absi­che­rung von Risi­ken geht.

Wer heu­te schon genau weiß, nie zum Pfle­ge­fall zu wer­den, kann sich jede Pfle­ge­ver­si­che­rung spa­ren. Wer weiß: „Ich wer­de nie­mals jeman­den schä­di­gen“, der benö­tigt kei­ne Haft­pflicht­ver­si­che­rung. Doch die Zukunft kennt kei­ner, und des­halb ist es äußerst sinn­voll, sich gegen Risi­ken abzu­si­chern, die die eige­ne Exis­tenz gefähr­den kön­nen.

Existenzielle Risiken

Eines gleich vor­weg: Gegen Risi­ken, die nicht exis­tenz­ge­fähr­dend sind, muss man sich auch nicht ver­si­chern. Wer kei­ne Han­dy-Ver­si­che­rung hat, wird nicht Hun­gers ster­ben, wenn er sich ein neu­es Han­dy kau­fen muss, weil das alte kaputt­ge­gan­gen ist.

Auch eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung ist meist unwich­tig. Im schlimms­ten Fall zahlt man hohe Stor­no­ge­büh­ren und tritt die Rei­se nicht an. Das wird einen aber nicht in sei­ner finan­zi­el­len Exis­tenz erschüt­tern.

Die Rei­se hät­te man ja auch bezah­len müs­sen (und kön­nen), wenn man sie ange­tre­ten hät­te. Okay, dafür hät­te man dann einen – hof­fent­lich – wun­der­schö­nen Urlaub genos­sen. Aber, Hand aufs Herz, exis­tenz­be­dro­hend ist der Rück­tritt von einer gebuch­ten Urlaubs­rei­se nie.

Aber was sind dann Risi­ken, die so bedroh­lich wer­den kön­nen, dass man sich dage­gen ver­si­chern soll­te? Für Pri­vat­per­so­nen sind das gera­de mal sechs Risi­ken. Aber die haben es in sich, wie schon ein kur­zer Über­blick zeigt:

Das Haftungsrisiko

Jeder und jede, der einem oder einer ande­ren einen Scha­den zufügt, ist laut Bür­ger­li­chem Gesetz­buch grund­sätz­lich dazu ver­pflich­tet, die­sen Scha­den zu erset­zen. Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob der Scha­den mit Absicht zuge­fügt wur­de oder nicht. Es reicht, dass man ihn ver­ur­sacht hat.

Bei der kaput­ten Kris­tall­va­se kos­tet das viel­leicht 100 Euro – das lässt sich locker aus der eige­nen Tasche bezah­len. Aber was, wenn Du bei­spiels­wei­se – ins Gespräch mit der bes­ten Freun­din ver­tieft – mit einer aus­la­den­den Arm­be­we­gung einen Rad­ler von sei­nem Gefährt holst und die­ser so blöd stürzt, dass er Zeit sei­nes Lebens inva­li­de ist?

Auch in solch einem Fall ist der Schä­di­ger zum Aus­gleich des Scha­dens ver­pflich­tet. Und das kann dann locker in die Mil­lio­nen gehen – Ver­dienst­aus­fall, medi­zi­ni­sche Behand­lun­gen, imma­te­ri­el­ler Scha­den­er­satz, Schmer­zens­geld. Da ist der finan­zi­el­le Ruin pro­gram­miert, es sei denn, man hat eine Haft­pflicht-Poli­ce abge­schlos­sen.

Das Berufs-/Erwerbsunfähigkeitsrisiko

Den meis­ten ist nicht klar, was ihr größ­tes Ver­mö­gen, ihr größ­tes Kapi­tal ist. Es ist ihre Arbeits­kraft. Mit die­ser erzie­len Men­schen in der Regel ihr Ein­kom­men. Und rech­net man das nur Pi mal Dau­men durch, wird einem schwin­de­lig: Gehalts- und Preis­stei­ge­run­gen, Auf- und Abzin­sungs­fak­to­ren außen vor gelas­sen, ergibt bereit ein Monats­ver­dienst von 2500 Euro net­to im Jahr 30.000 Euro. In zehn Jah­ren sind es schon 300.000 und in 40 Jah­ren rund 1,2 Mil­lio­nen Euro.

Was aber, wenn man plötz­lich wegen Unfall oder Krank­heit auf Dau­er nicht mehr arbei­ten kann? Kei­ner zahlt dann mehr einen müden Euro für geleis­te­te Arbeit und auch die Lohn­fort­zah­lung im Krank­heits­fall endet nach eini­gen Wochen. Gut, wer sich dage­gen gewapp­net hat. Am bes­ten mit­tels einer Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung.

Das Krankheitsrisiko

Apro­pos Krank­heit: Wer krank ist, kann nicht arbei­ten, wer nicht arbei­tet, erhält als Selbst­stän­di­ge oder Frei­be­ruf­le­rin gar kein Geld. So kann auch eine län­ger andau­ern­de Krank­heit, erns­te bis exis­tenz­be­dro­hen­de Fol­gen nach sich zie­hen. Zudem kann auch die Krank­heit selbst ganz schön teu­er wer­den.

Aller­dings besteht in Deutsch­land Kran­ken­ver­si­che­rungs­pflicht. Das heißt, jeder muss eine Kran­ken­ver­si­che­rung abge­schlos­sen haben. Jedoch muss die­se – ins­be­son­de­re bei pri­vat Kran­ken­ver­si­cher­ten – nicht unbe­dingt ein Kran­ken­ta­ge­geld ent­hal­ten.

Bei gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen ist dage­gen immer eine Stan­dard-Absi­che­rung ein­ge­baut. Aller­dings kann es hier – bei län­ge­rer Krank­heit – ein finan­zi­el­les Pro­blem bei der Lohn­fort­zah­lung im Krank­heits­fall geben. Denn dann fließt weni­ger Geld als im Nor­mal­fall.

Wes­halb auch hier eine Kran­ken­ta­ge­geld-Poli­ce rele­vant wer­den kann – ins­be­son­de­re für gesetz­lich Kran­ken­ver­si­cher­te, deren Gehalt über der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung liegt.

Das Pflegefallrisiko

Die Zahl der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen steigt und steigt. Ende 2019 gab es mehr als vier Mil­lio­nen Pfle­ge­be­dürf­ti­ge. Für 2030 wird mit rund 4,5 Mil­lio­nen Pfle­ge­be­dürf­ti­gen gerech­net. Und 2050 wer­den mehr als 5,5 Mil­lio­nen Men­schen auf Pfle­ge ange­wie­sen sein.

Der Haupt­grund für die­se star­ke Zunah­me der Pfle­ge­fäl­le ist eigent­lich erfreu­lich: Die Lebens­er­war­tung in Deutsch­land steigt von Jahr zu Jahr. Die Men­schen wer­den also immer älter. Doch je älter die Men­schen, des­to höher der Anteil an Pfle­ge­be­dürf­ti­gen.

Wäh­rend bei den 70- bis 74-Jäh­ri­gen ins­ge­samt ledig­lich fünf Pro­zent pfle­ge­be­dürf­tig sind, beträgt deren Anteil bei den über 80-Jäh­ri­gen bereits 31,7 Pro­zent. Und bei den über 90-Jäh­ri­gen liegt die Pfle­ge­quo­te bei rund 66 Pro­zent.

Doch die gesetz­li­che Pfle­ge­pflicht­ver­si­che­rung deckt längst nicht alle Pfle­ge­kos­ten ab. Eine Heim­un­ter­brin­gung in Pfle­ge­grad V kos­tet – ein­schließ­lich Unter­brin­gung und Ver­pfle­gung – leicht 5000 Euro und mehr, die Pfle­ge­pflicht­ver­si­che­rung zahlt der­zeit davon gera­de mal 2005 Euro. Blei­ben Monat für Monat 3000 Euro Pfle­ge­lü­cke und mehr. Dafür reicht die gesetz­li­che Ren­te nie und das Erspar­te geht auch schnell drauf.

Aller­dings über­nimmt im Fall der Fäl­le, wenn das eige­ne Ver­mö­gen kom­plett auf­ge­braucht ist, meist das Sozi­al­amt die Rest­kos­ten. Dann bestimmt aber auch das Amt dar­über, in wel­ches Heim man kommt. Wer bei­des nicht will – Ver­brauch des eige­nen Ver­mö­gens und Fremd­be­stim­mung –, dem bleibt nur der Abschluss einer zusätz­li­chen pri­va­ten Pfle­ge­ver­si­che­rung.

Das Todesfallrisiko

„Wer frü­her stirbt, ist län­ger tot“ – und hat von der bes­ten Lebens­ver­si­che­rung nichts. Denn anders als es das Wort ver­mu­ten lässt, ist eine Lebens­ver­si­che­rung eigent­lich dafür da, die finan­zi­el­len Fol­gen des Todes eines (Haupt-) Ver­sor­gers für die Hin­ter­blie­be­nen abzu­mil­dern. Dafür rei­chen aber Ver­si­che­rungs­sum­men von 30.000 oder 50.000 Euro meist nicht aus.

Ganz anders ist die Situa­ti­on für alle, die kei­ne Ange­hö­ri­gen haben, die sie für den Fall des eige­nen Todes absi­chern müs­sen: Dann ist oft auch kei­ne Lebens­ver­si­che­rung von­nö­ten. Das trifft grund­sätz­lich auf Sin­gles ohne Kin­der zu. Und auf Paa­re, bei denen bei­de ver­die­nen.

Aller­dings gibt es auch bei ihnen Situa­tio­nen, in denen sie eine Lebens­ver­si­che­rung abschlie­ßen soll­ten, etwa wenn eine gemein­sam erwor­be­ne Immo­bi­lie abzu­zah­len ist.

Das Langlebigkeitsrisiko

Ein blö­des Wort für ein erns­tes Pro­blem. Zwar ist es für jeden, der bei vol­ler Gesund­heit sei­nen 100. Geburts­tag fei­ern kann, schön, so lan­ge zu leben. Doch ist es oft ein gro­ßes finan­zi­el­les Pro­blem, wenn – um es salopp zu sagen – am Ende des Gel­des noch Leben übrig ist.

Ande­rer­seits will aber auch kei­ner gleich mit Beginn des Rentner:innenlebens „den Löf­fel abge­ben“. Die meis­ten möch­ten mög­lichst 90 Jah­re und älter wer­den. Was im Übri­gen auch gar nicht mehr so außer­ge­wöhn­lich ist wie noch vor 20 oder 30 Jah­ren.

Im Ruhe­stand muss prak­tisch jeder, der kei­ne Unter­stüt­zung von Kin­dern oder Staat erhält, von sei­ner gesetz­li­chen Ren­te oder Pen­si­on und dem im Lau­fe des Lebens Erspar­ten leben. Ange­nom­men, zu einem eini­ger­ma­ßen ange­neh­men Dasein wer­den im Monat 2000 Euro benö­tigt. Die gesetz­li­che Ren­te deckt davon meist nur einen Teil ab.

Frau­en, die 2018 in den alten Bun­des­län­dern neu in Ren­te gin­gen, erhiel­ten im Schnitt gera­de mal 688 Euro Monats­ren­te. In den neu­en Bun­des­län­dern beka­men Neurent­ne­rin­nen immer­hin 974 Euro Ren­te im Monat. Den­noch blie­be auch bei ihnen – ohne wei­te­re Ein­künf­te oder Ren­ten des Part­ners – eine Finanz­lü­cke von 1026 Euro. Im Monat!

Macht in 30 Jah­ren grob gerech­net und ohne Infla­ti­on knapp 370.000 Euro. Jetzt aber nicht ob die­ser rie­si­gen Sum­me den­ken, „das schaf­fe ich ja nie“. Denn hier hilft ziel­ge­rich­te­tes Spa­ren und der Zin­ses­zins­ef­fekt. Für Albert Ein­stein übri­gens das ach­te Welt­wun­der. Damit und mit den pas­sen­den Pro­duk­ten klappt es mit der Alters­vor­sor­ge.

Gemeinsamkeiten

Allen auf­ge­führ­ten exis­ten­zi­el­len Risi­ken – mit Aus­nah­me des Haf­tungs­ri­si­kos – ist eines gemein­sam: Die Wahr­schein­lich­keit, dass eines die­ser Risi­ken ein­tritt, steigt mit zuneh­men­dem Alter an.

Das heißt, man könn­te auch jeden Monat einen bestimm­ten Betrag zur Sei­te legen – sicher und gut ver­zinst (doch wo gibt es bei­des noch?) wür­de dar­aus im Lau­fe der Jahr­zehn­te dank des Zin­ses­zins­ef­fekts ein Ver­mö­gen ent­ste­hen, das zur Abde­ckung der finan­zi­el­len Fol­gen die­ser Risi­ken aus­rei­chen kann.

Das Pro­blem dabei: Selbst wenn es mathe­ma­tisch gese­hen sehr unwahr­schein­lich ist, dass ein Ereig­nis ein­tritt, heißt das nicht, dass es einen per­sön­lich nicht genau dann trifft. So wer­den die meis­ten Leu­ten zwar erst im hohen Alter zum Pfle­ge­fall, doch gibt es auch eini­ge weni­ge, die die­ses Schick­sal schon viel frü­her trifft – etwa infol­ge eines Unfalls.

Und dann ist es gut, wenn man sich schon früh­zei­tig abge­si­chert hat. In den wei­te­ren Fol­gen die­ser Serie wird daher erläu­tert, wel­che Mög­lich­kei­ten es gibt, sich gegen wirt­schaft­li­che Fol­gen der sechs exis­ten­zi­el­len Risi­ken abzu­si­chern.

Dabei kom­men dann Ver­si­che­run­gen ins Spiel. Denn die­se sichern den vor­ab zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en ver­ein­bar­ten Worst Case ab und ver­hin­dern den finan­zi­el­len Ruin der Ver­si­cher­ten. Jedoch müs­sen die­se ein paar Regeln beach­ten, damit die Ver­si­che­run­gen im Fall des Fal­les auch wirk­lich grei­fen. Außer­dem wird erläu­tert, wel­che unter­schied­li­chen Arten von Ver­si­che­rungs­ver­mitt­lern es gibt, und wel­che Aus­wir­kun­gen es haben kann, über wen man eine Poli­ce abschließt.

Alle bis­he­ri­gen Absi­che­rungs­tei­le auf einem Blick:

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