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Teil 6: Der Tod – ein Risiko für Angehörige



Teil 6: Der Tod – ein Risiko für Angehörige

2020-07-28T06:05:58+02:0026. Juli 2020|

Wer seine Ange­höri­gen liebt, muss manch­mal unan­genehme Dinge tun. Etwa sich mit dem eige­nen Tod beschäfti­gen und über­legen, wie man dann seine Lieb­sten vor finanziellen Fol­gen schützen kann. Wie das am sin­nvoll­sten geht, erläutert dieser Beitrag der Courage-Serie zu wichti­gen Ver­sicherun­gen.

Von Stephan Haber­er

Woody Allen hat es auf den Punkt gebracht: „Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich möchte nur nicht dabei sein, wenn es passiert.“ Der eigene Tod ist ein Tabuthe­ma. Doch manch­mal sollte man sich schon mit ihm beschäfti­gen.

Auch und ger­ade Jün­gere. Denn etwa 15 Prozent der Deutschen ster­ben im erwerb­s­fähi­gen Alter – also zwis­chen ihrem 16. und ihrem 65. Geburt­stag. Und ganz abge­se­hen von dem Schmerz, wenn ein geliebter Men­sch stirbt, kann solch ein früher Tod für die Ange­höri­gen auch große finanzielle Ein­schränkun­gen mit sich brin­gen – im schlimm­sten Fall sog­ar den finanziellen Ruin.

Wer sollte das Todesfallrisiko absichern?

Das bet­rifft ins­beson­dere Paare, bei denen lediglich ein­er (gut) ver­di­ent. Hier sollte auf jeden Fall der Ver­di­en­staus­fall abgesichert wer­den, der bei Tod des (Haupt-)Verdieners entste­ht. Das gilt ganz beson­ders für Paare ohne Trauschein, da diese keinen Anspruch auf Witwen- oder Witwer­rente haben.

Auch Allein­erziehende soll­ten ihre Kinder für den Fall, dass Papa oder Mama ster­ben, finanziell absich­ern.

Und bei Paaren mit kleinen Kindern, die betreut wer­den müssen, ist eventuell zu über­legen, ob auch der Tod des nicht oder weniger gut ver­di­enen­den Part­ners finanziell abgesichert wer­den sollte. Mit dem Geld, das dann im Fall des Fall­es fließen würde, kön­nte eine Tages­mut­ter bezahlt wer­den. Was die finanzielle Sit­u­a­tion und auch die emo­tionale Sit­u­a­tion der Hin­terbliebe­nen deut­lich entspan­nen dürfte. Der ver­witwete Part­ner müsste dann nicht Job und Kinder­be­treu­ung alleine stem­men.

Zudem gibt es einige Sit­u­a­tio­nen, in denen auch Paare, bei denen bei­de gut ver­di­enen, über­legen soll­ten, sich gegen die finanziellen Fol­gen des Todes des jew­eils anderen abzu­sich­ern. Etwa dann, wenn große finanzielle Las­ten zu stem­men sind, beispiel­sweise Kred­ite für eine Immo­bilie.

Dage­gen brauchen alle, die keine Ange­höri­gen haben, auch keine Absicherung für den Fall des eige­nen Todes. Also etwa Sin­gles ohne Kinder. Auch kinder­lose Paare, bei denen bei­de gut ver­di­enen, führt der Tod eines Part­ners oft nicht zu exis­ten­ziellen Finanzeng­pässen.

Wie sollte man das Todesfallrisiko absichern?

Gut geeignet zur Absicherung des Todes­fall­risikos sind grund­sät­zlich Lebensver­sicherun­gen.

Doch Vor­sicht: Das, was die meis­ten als Lebensver­sicherung ken­nen, ist ein Kom­bi-Pro­dukt, das zweier­lei miteinan­der verbindet: Die finanzielle Absicherung von Ange­höri­gen, falls die ver­sicherte Per­son stirbt, sowie den Auf­bau eines mehr oder min­der großen Ver­mö­gens. Deshalb heißt diese Vari­ante kor­rekt auch: „Kap­i­tal­bildende Lebensver­sicherung“.

Doch es gibt rentablere Möglichkeit­en des Ver­mö­gen­sauf­baus als kap­i­tal­bildende Lebensver­sicherun­gen. Und um Ange­hörige im Fall des eige­nen Todes finanziell abzu­sich­ern, eignen sich soge­nan­nte Risikolebensver­sicherun­gen bess­er.

Eine solche Police zahlt auss­chließlich bei Tod der ver­sicherten Per­son die vere­in­barte Todes­fall­summe aus. Da anson­sten keine Leis­tun­gen fließen, kosten diese Poli­cen oft nur ein Zehn­tel dessen, was für kap­i­tal­bildende Lebensver­sicherun­gen mit gle­ich hoher Todes­fall­summe fäl­lig wird. Weshalb hier nur auf Risikolebensver­sicherun­gen einge­gan­gen wird.

Worauf muss man beim Abschluss achten?

Am wichtig­sten ist, eine möglichst hohe Ver­sicherungssumme zu wählen. Dabei sollte man als Faus­tregel das Drei- bis Fünf­fache der Brut­to­jahre­seinkün­fte absich­ern, die beim Tod der entsprechen­den Per­son nicht mehr fließen wür­den. Dann haben die Hin­terbliebe­nen genü­gend Zeit, um ihr Leben neu zu ord­nen.

Angenom­men, die abzu­sich­ern­den Brut­toeinkün­fte betra­gen 50.000 Euro, dann wären Ver­sicherungssum­men zwis­chen 150.000 Euro und 250.000 Euro angemessen.

Klingt nach viel, doch wie ein genauer­er Blick zeigt, sind solche Sum­men dur­chaus nötig: Eine Ver­sicherungssumme von 250.000 Euro reicht, um das ver­füg­bare Bud­get zehn Jahre lang jeden Monat um 2083,33 Euro zu erhöhen. Kann die Viertelmil­lion mit einem Prozent verzinst angelegt wer­den, dann erhöht sich die monatlich zur Ver­fü­gung ste­hende Summe auf 2187,78 Euro.

Doch Achtung: Ein­fach eine möglichst hohe Ver­sicherungssumme zu wählen, führt zum einen dazu, dass der Preis für die Police deut­lich steigt. Zum anderen ver­lan­gen viele Ver­sicher­er für hohe Ver­sicherungssum­men – je nach Anbi­eter schon ab 300.000 Euro – vor Ver­tragss­chluss ein ärztlich­es Attest, um ihre Risiken bess­er abschätzen zu kön­nen.

Apro­pos Risiken: Das größte Todesrisiko sehen die Ver­sicher­er im Rauchen. Prak­tisch alle Anbi­eter haben Rauch­er- und Nich­traucher­tar­ife im Ange­bot. Und bei son­st gle­ichen Leis­tun­gen zahlen Rauch­er einen Beitrag, der dop­pelt oder sog­ar dreimal so hoch sein kann wie der von Nich­trauch­ern.

Übri­gens: Bei eini­gen Ver­sicher­ern kann man schon nach einem Jahr als Nich­trauch­er entsprechende Tar­ife abschließen. Andere ges­tat­ten das erst nach zehn Jahren ohne Glimm­sten­gel.

Auch wer Übergewicht hat, muss meist Zuschlag zahlen. Dies gilt auch für viele chro­nisch Kranke – wenn sie nicht sog­ar ganz abgelehnt wer­den.

Auch mit dem Alter steigen die Beiträge. Heißt, je älter jemand bei Ver­tragss­chluss ist, desto teur­er ist die son­st iden­tis­che Police gegenüber der eines jün­geren Kun­den. Und Per­so­n­en, die gefährliche Berufe haben, zahlen mehr als Leute, die im Büro arbeit­en.

Eben­falls wichtig für die Beitragshöhe: die Laufzeit. Je länger, desto höher ist der Beitrag. Daher sollte man genau über­legen, wie lange die Ange­höri­gen abgesichert wer­den müssen.

Vieles lässt sich dabei im Voraus gar nicht abse­hen. So ist es etwa bei kleinen Kindern unmöglich zu sagen, ob sie später mal studieren oder eine Lehre machen wer­den. Ein Studi­um ver­längert jedoch den Zeitraum deut­lich, in dem die Kinder nichts oder kaum etwas ver­di­enen.

Wieder anders die Sit­u­a­tion, wenn ein etwa gle­ichal­triger Part­ner bis zum Rentenal­ter abgesichert wer­den soll.

Und was kosten Risikolebensversicherungen?

Solche Poli­cen sind gün­stiger als viele denken. Angenom­men, eine 35-jährige Bürokauf­frau will eine Risikolebensver­sicherung über 250.000 Euro mit ein­er Laufzeit von 30 Jahren abschließen. Dann zahlt sie als Nich­traucherin laut Stiftung War­entest (Finanztest, Aus­gabe 02/2020) im Jahr zwis­chen 245 Euro und 676 Euro. Für Raucherin­nen liegen die Werte zwis­chen 635 Euro und 1963 Euro.

Doch Achtung: Das sind Zahlbeiträge. Hier haben die Ver­sicher­er schon die Gewinne einkalkuliert, die sie in den kom­menden 30 Jahren voraus­sichtlich erzie­len wer­den. Deshalb soll­ten poten­zielle Neukun­den unbe­d­ingt auch einen Blick auf den soge­nan­nten „Tar­if­beitrag“ oder „Brut­to­beitrag“ wer­fen.

Hin­ter­grund: Für die Ver­sicher­er wird es wegen der Niedrigzin­spoli­tik immer schwieriger, die bish­eri­gen Ren­diten auch in Zukun­ft zu erzie­len. Und da kommt dann der Brut­to­beitrag ins Spiel.

Läuft es näm­lich schlechter als prog­nos­tiziert, kön­nen die Ver­sicher­er den zu zahlen­den Beitrag bis auf diesen Wert erhöhen. Nich­traucherin­nen wer­den dann im schlimm­sten Fall mit bis zu 1178 Euro im Jahr zur Kasse gebeten. Und Raucherin­nen mit bis zu 3020 Euro. Doch das sind die absoluten Höchst­werte, bei anderen Gesellschaften liegen die Werte niedriger.

Geht es auch günstiger?

Ja, dur­chaus. So ist es meist etwas gün­stiger, wenn Paare, die sich gegen­seit­ig absich­ern wollen, anstelle von zwei einzel­nen Poli­cen eine gemein­same Police abschließen. Das nen­nt sich dann im Fach­jar­gon „Police auf ver­bun­dene Leben“.

Doch Achtung: Im Fall des Fall­es zahlt die Ver­sicherung die vere­in­barte Summe nur ein­mal. Ger­ade wenn es um die Absicherung von (kleinen) Kindern geht, sollte dies bedacht wer­den. Ster­ben bei­de Eltern­teile ist die vere­in­barte Ver­sicherungssumme dann vielle­icht zu niedrig. Ist dage­gen lediglich der Part­ner abzu­sich­ern, kann diese Vari­ante eine Über­legung wert sein.

Soll lediglich die Rück­zahlung eines Immo­bilienkred­its mit der Police abgesichert wer­den, kann man auch auf Vari­anten mit fal­l­en­der Ver­sicherungssumme set­zen. Bei diesen Poli­cen sinkt die Ver­sicherungssumme Jahr für Jahr in ähn­lichem Maße wie die Restschuld, die auf der Immo­bilie lastet. Und da der Ver­sicher­er dann auch immer weniger zahlen muss, gibt es diese Poli­cen gün­stiger.

Welche Versicherer sind empfehlenswert?

Gün­stige Ange­bote für alle, die nicht rauchen, haben unter anderem Europa, Huk24 und Cos­mos Direkt. Für Raucherin­nen sind die Tar­ife von Inter­risk, Han­nover­sche und Europa attrak­tiv.

Dies ist jedoch nur ein erster Anhalt­spunkt. Je nach Alter, Laufzeit, Ver­sicherungssumme und weit­eren Risiko­fak­toren kön­nen auch andere Anbi­eter inter­es­sant sein.

Und was ist mit der Steuer?

Anders als vielfach bei kap­i­tal­bilden­den Lebensver­sicherun­gen wird bei der Auszahlung von Risikolebensver­sicherun­gen keine Einkom­men­steuer fäl­lig.

Jedoch kann Erb­schaft­s­teuer anfall­en. Die Auszahlung zählt näm­lich zum Erbe, wenn der Ver­stor­bene die Police auf seinen eige­nen Namen abgeschlossen hat und auch selb­st die Beiträge gezahlt hat. Das kann ins­beson­dere für Unver­heiratete richtig teuer wer­den, denn diesen ste­ht im Erb­fall lediglich ein Frei­be­trag von 20.000 Euro zu.

Auf das gesamte Erbe, das über diesen Wert hin­aus­ge­ht, wer­den im Nor­mal­fall 30 Prozent Erb­schaft­s­teuer fäl­lig. Für Ehe­gat­ten beträgt der Frei­be­trag dage­gen 500.000 Euro (Kinder: 400.000 Euro) und die Sätze für die Erb­schaft­s­teuer begin­nen bei ger­ade mal sieben Prozent.

Doch diese Steuer­falle lässt sich umge­hen, indem nicht die Per­son den Ver­trag abschließt, deren Leben abgesichert wer­den soll, son­dern die, an die der Ver­sicherungs­be­trag aus­bezahlt wer­den soll. Dann muss diese beim Tod der ver­sicherten Per­son keine Erb­schaft­s­teuer zahlen, da sie nichts erbt, son­dern Leis­tun­gen aus einem Ver­trag erhält, den sie selb­st abgeschlossen hat.

Sie ist „Ver­sicherungsnehmer“, so der Fach­be­griff. Allerd­ings muss bei dieser Vari­ante die „ver­sicherte Per­son“ zus­tim­men, dass auf ihr Leben eine Police abgeschlossen wird.

Alle bish­eri­gen Absicherung­steile auf einem Blick:

Gegen die finanziellen Fol­gen viel­er Risiken gibt es Ver­sicherun­gen. Doch nicht jede Police ist sin­nvoll. Und längst nicht alle exis­ten­ziellen Risiken sind auch allen bewusst. Mehr im Teil 1 der Courage- Absicherungsserie: Ver­sichert? – Aber richtig!

Eine Haftpflicht­po­lice zählt zu den exis­ten­ziell wichti­gen Ver­sicherun­gen. Worauf beim Abschluss dieser Police zu acht­en ist, erläutert Teil 2 der Absicherungsserie.

Gut, wenn Du dann eine Beruf­sun­fähigkeits-Ver­sicherung hast. Wann diese leis­tet, klärt der dritte Teil der Absicherungsserie: Das größte Ver­mö­gen? Die eigene Arbeit­skraft!


Wie man sich gegen finanzielle Krankheits­fol­gen – ein­schließlich Ver­di­en­staus­fall – absich­ern kann, klärt der vierte Teil der Absicherungsserie.

Die geset­zlich vorgeschriebe­nen Pflegev­er­sicherun­gen sind keine Vol­lka­sko-Poli­cen. Welche Möglichkeit­en gibt es, sich trotz­dem gut abzu­sich­ern zeigt Teil 5 der Absicherungsserie.

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