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Teil 5: Die Pflegelücke schließen



Teil 5: Die Pflegelücke schließen

2020-07-26T13:33:30+02:0015. Juli 2020|

Die geset­zlich vorgeschriebe­nen Pflegev­er­sicherun­gen sind keine Vol­lka­sko-Poli­cen. Hohe Pflegekosten kön­nen im schlimm­sten Fall das gesamte Ver­mö­gen auf­fressen. Welche Möglichkeit­en es gibt, sich dage­gen abzu­sich­ern, erläutert der fün­fte Beitrag der Courage-Serie zu Absicherun­gen.

Von Stephan Haber­er

Die Deutschen wer­den immer älter. Durch die steigende Lebenser­wartung wer­den aber auch immer mehr Men­schen pflegebedürftig. Denn je älter die Men­schen, desto höher der Anteil der Pflegebedürfti­gen.

Bei den über 80-Jähri­gen ist etwa ein Drit­tel pflegebedürftig, bei den über 90-Jähri­gen sog­ar zwei von drei. Jed­er kann aber auch schon in jun­gen Jahren durch einen schw­eren Unfall oder eine schlimme Krankheit zum Pflege­fall wer­den.

Was kostet Pflege eigentlich?

Zwar muss sich in Deutsch­land bere­its seit 1995 jed­er gegen das Risiko absich­ern, ein Pflege­fall zu wer­den. Doch diese Pflegepflichtver­sicherun­gen – die Soziale Pflegev­er­sicherung (SPV) für geset­zlich Kranken­ver­sicherte und die Pri­vate Pflegepflichtver­sicherung (PPV) für Pri­vatver­sicherte – bieten keinen Run­dum­schutz. An den Betrof­fe­nen bleiben immer noch Kosten hän­gen, und das oft­mals nicht zu knapp.

Eine Heimunter­bringung in Pflege­grad V kostet im Monat, ein­schließlich Unter­bringung und Verpfle­gung, leicht 5000 Euro und mehr. Die Pflegepflichtver­sicherung zahlt derzeit davon im Höch­st­fall ger­ade mal 2005 Euro.

Bei ambu­lanter Pflege durch Pflege­di­en­ste sind es max­i­mal 1995 Euro. Bleibt Monat für Monat eine Pflegelücke von bis zu 3000 Euro und mehr. Dafür reicht die geset­zliche Rente nie, und auch das Ersparte schmilzt schneller als Eis in der Sonne.

Wie wird die Pflegelücke geschlossen?

Zwar übern­immt im Fall des Fall­es, wenn alle Reser­ven aufge­braucht sind, das Sozialamt die Kosten der Pflege.

Seit Anfang 2020 wer­den im Nor­mal­fall die Kinder von Pflegebedürfti­gen nicht mehr für deren Unter­halt zur Kasse gebeten. Nur wenn das Einkom­men eines Kindes im Jahr die Gren­ze von 100.000 Euro über­steigt, ist noch eine Unter­halt­spflicht gegeben.

Anders sieht es aber bei Ehep­art­nern und einge­tra­ge­nen Lebenspart­ner­schaften aus. Diese müssen auch weit­er­hin nach den alten Regeln für den Unter­halt des pflegebedürfti­gen Part­ners aufkom­men. Und diese greifen schon viel früher.

Hinzu kommt: Zahlt das Sozialamt für die Pflege, bes­timmt es auch darüber, in welch­es Heim man kommt. Und das wird wahrschein­lich ein möglichst bil­liges sein.

Wer nicht will, dass neben der Rente auch das eigene Ver­mö­gen für die Pflege draufge­ht, das Einkom­men des Part­ners oder der Part­ner­in zum Unter­halt mit herange­zo­gen wird und das Sozialamt das Pflege­heim auswählt, dem bleibt nur der Abschluss ein­er zusät­zlichen pri­vat­en Pflegev­er­sicherung.

Ein paar Tipps

Je früher eine Pflege­po­lice abgeschlossen wird, desto gün­stiger ist diese. Laut ein­er Studie der Ver­sicherungs-Ratin­ga­gen­tur Asseku­ra­ta von Feb­ru­ar 2020 kön­nen 25-Jährige schon für 20 Euro Monats­beitrag eine Pflege-Police abschließen, die das Bud­get bei ambu­lanter Pflege nahezu ver­dop­pelt und die derzeit­ige durch­schnit­tliche Pflegelücke bei sta­tionär­er Pflege von 2000 Euro im Monat kom­plett schließt.

Wer dage­gen erst mit 65 Jahren eine solche Police abschließt, zahlt für densel­ben Schutz min­destens 120 Euro im Monat.

Hat man sich für eine Pflege­po­lice entsch­ieden, ist diese Wahl mehr oder min­der endgültig. Wird die Police näm­lich gekündigt, sind – bis auf die Pflegerenten­ver­sicherung (siehe dort) – die gezahlten Beiträge ver­loren. Pri­vate Pflegezusatzpo­li­cen daher nur abschließen, wenn man sich­er ist, die Beiträge auch auf Dauer zahlen zu kön­nen.

Wegen der Kom­plex­ität und der vie­len Pro­duk­t­vari­anten der ange­bote­nen pri­vat­en Pflegev­er­sicherun­gen ist es sehr zu empfehlen, für Auswahl und Abschluss ein­er entsprechen­den Police einen guten Ver­sicherungs­mak­ler oder ‑berater zu Rate zu ziehen.

Welche Arten von privaten Pflegeversicherungen gibt es?

Grund­sät­zlich ste­hen vier unter­schiedliche Pro­duk­t­vari­anten zur Auswahl. Doch ganz egal, welche Art von pri­vater Pflege­po­lice gewählt wird, alle haben Vor- und Nachteile. Im Fol­gen­den wer­den deren Vor- und Nachteile skizziert.

Produktvariante 1: Die Pflegekostenversicherung

Bei diesen Poli­cen zahlt der Ver­sicher­er im Pflege­fall Monat für Monat entwed­er nochmals einen prozen­tualen Anteil des Betrags, den die geset­zliche Pflegepflichtver­sicherung über­weist. Oft wird genau der gle­iche Betrag gezahlt.

Oder — andere Vari­ante — der Ver­sicher­er begle­icht erstat­tungs­fähige Restkosten bis zur Höhe des Rech­nungs­be­trags, teil­weise jedoch nur, sofern der Betrag eine bes­timmte Ober­gren­ze nicht über­schre­it­et.

Bei diesen Poli­cen gibt es Geld nur für Pflegekosten im engeren Sinn. Die Höhe der Leis­tung richtet sich in jed­er der bei­den Vari­anten grund­sät­zlich nach dem Pflege­grad und danach, ob im Heim oder zu Hause gepflegt wird. Bei ambu­lanter Pflege zu Hause wird die Höhe der Leis­tung zudem bei neueren Tar­ifen oft danach dif­feren­ziert, ob Ange­hörige pfle­gen oder pro­fes­sionelle Pflege­di­en­ste.

Die Vorteile:

+ Pflegekos­ten­tar­ife sind meist etwas gün­stiger als Pflege­tagegeld­po­li­cen mit ver­gle­ich­bar­er Leis­tung.

+ Anders als bei den ersten Pflegekos­ten­tar­ifen am Markt, zahlen inzwis­chen einige Tar­ife auch Pflegegeld bei der Pflege durch Ange­hörige.

+ Wer­den weit­ere Leis­tun­gen der geset­zlichen Pflegev­er­sicherung beansprucht, etwa für einen Woh­nung­sum­bau, dann fließt bei eini­gen Tar­ife auch für diese Leis­tun­gen nochmals Geld.

Die Nachteile:

– Je nach Tarif fließt Geld nur für nachgewiesene, nicht erstat­tete Pflegekosten. Das heißt: Rech­nun­gen sam­meln und ein­re­ichen. Dies kann sehr aufwendig wer­den und belastet pfle­gende Ange­hörige zusät­zlich.

– Die Erstat­tungs­gren­zen sind fix, eine Erhöhung im Ver­tragsver­lauf ist nicht möglich. Damit ist auch kein Infla­tion­saus­gle­ich möglich.

– Auch im Pflege­fall muss der Monats­beitrag weit­ergezahlt wer­den. Das ver­ringert unterm Strich die Leis­tung.

Produktvariante 2: Die Pflegetagegeldversicherung

Solche Poli­cen sind die häu­fig­ste Vari­ante der pri­vat­en Pflegzusatzver­sicherun­gen. Sie zahlen ein nach Pflege­grad und Art der Ver­sorgung gestaffeltes Tagegeld an den Ver­sicherten aus. Bei manchen Tar­ifen fließt auch ein Monats­geld.

In bei­den Vari­anten ist uner­he­blich, wofür das Geld ver­wen­det wird. Meist legt der Ver­sicher­er fest, wie viel Tagegeld bei welchem Pflege­grad und welch­er Ver­sorgungsart gezahlt wird. Bei flex­i­blen Tar­ifen kann der Ver­sicherte diese Aufteilung – in Gren­zen – selb­st bes­tim­men.

Die Vorteile:

+ Das aus­gezahlte Pflege­tagegeld muss nicht zur Begle­ichung der Pflegekosten ver­wen­det wer­den.

+ Einige Tagegeld­tar­ife bieten eine Beitrags­dy­namik bis zum Lebensende ohne erneute Gesund­heit­sprü­fung an.

Die Nachteile:

– In manchen Tar­ifen ist das ver­sicherbare Tagegeld gedeck­elt.

– Im Pflege­fall muss oft weit­er Beitrag gezahlt wer­den. Beitrags­freis­tel­lung — wenn über­haupt möglich — ist je nach Tarif unter­schiedlich geregelt. Es gibt kaum Tar­ife, die ab Pflege­grad 1 Beitrags­frei­heit gewähren. Wenn über­haupt, dann gibt es diese oft erst ab Pflege­grad 4 oder 5.

Produktvariante 3: Die Pflegerentenversicherung

Im Pflege­fall zahlen diese Poli­cen lebenslang eine bei Ver­tragss­chluss vere­in­barte monatliche Pflegerente. Deren Höhe ist meist vom Grad der Pflegebedürftigkeit abhängig.

So fließt nur in Pflege­grad 5 die vere­in­barte Pflegerente in voller Höhe, bei niedrigeren Pflege­graden gibt es weniger. In Pflege­grad 4 meist nur 75 Prozent. Und in Pflege­grad 3 sind es oft nur 50 Prozent.

Die Pflegerente fließt unab­hängig von Pflegekosten und Art der Pflege. Beitragszahlung gegen Ein­mal­beitrag ist möglich. Durch erwirtschaftete Über­schüsse kann sich die Leis­tung erhöhen.

Die Vorteile:

+ Die Höhe der zu zahlen­den Beiträge ist (weit­ge­hend) garantiert.

+ Im Fall ein­er Kündi­gung wird ein Rück­kauf­swert an den Ver­sicherten gezahlt.

+ Zeitweise Beitrags­freis­tel­lung – etwa in finanziellen Not­la­gen – ist möglich.

+ Wer pflegebedürftig wird, muss meist keine Beiträge mehr zahlen.

Die Nachteile:

– Diese Poli­cen sind deut­lich teur­er als Pflege­tagegeld- oder Pflegekos­ten­tar­ife.

– Bei Neuab­schluss gilt lediglich noch ein Garantiezins von 0,9 Prozent (Stand 2020).

– Über­schus­sleis­tun­gen sind nicht garantiert.

Produktvariante 4: Der „Pflege-Bahr“

Die „staatlich geförderte pri­vate Zusatzver­sicherung“ ist bess­er als „Pflege-Bahr“ bekan­nt, benan­nt nach Ex-Gesund­heitsmin­is­ter Daniel Bahr.

Wer monatlich min­destens zehn Euro in eine solche Police ein­zahlt, hat Anspruch auf eine staatliche Zulage von fünf Euro monatlich. Die aus­gezahlte „Pflege-Bahr“-Leistung darf nicht höher sein als die der Sozialen Pflegev­er­sicherung.

Die Vorteile:

+ Ver­sicher­er dür­fen bei „Pflege-Bahr“-Tarifen nie­man­den wegen Vor­erkrankun­gen ablehnen.

+ Beim „Pflege-Bahr“ gibt es keine Risikozuschläge oder Leis­tungsauss­chlüsse.

+ Vom Staat gibt es im Monat fünf Euro Beitragszuschuss, wenn der monatliche Eigen­beitrag min­destens zehn Euro beträgt.

Die Nachteile:

- Da kein­er abgelehnt wer­den darf, kön­nten mehr Per­so­n­en mit Vor­erkrankung einen „Pflege-Bahr“ abschließen als prog­nos­tiziert. Dies würde auf Dauer die Beiträge stärk­er steigen lassen.

- Es gilt nach Abschluss der Police eine Wartezeit von fünf Jahren, bevor erst­mals Geld fließen kann.

- Die Pflegelücke lässt sich mit dem „Pflege-Bahr“ in niedri­gen Pflege­graden nicht kom­plett schließen.

- Auch im Pflege­fall muss weit­er Beitrag gezahlt wer­den. Das kann sog­ar dazu führen, dass bei niedrigem Pflege­grad die Leis­tung geringer ist als der zu zahlende Beitrag.

Alle bish­eri­gen Absicherung­steile auf einem Blick:

Gegen die finanziellen Fol­gen viel­er Risiken gibt es Ver­sicherun­gen. Doch nicht jede Police ist sin­nvoll. Und längst nicht alle exis­ten­ziellen Risiken sind auch allen bewusst. Mehr im Teil 1 der Courage- Absicherungsserie: Ver­sichert? – Aber richtig!

Eine Haftpflicht­po­lice zählt zu den exis­ten­ziell wichti­gen Ver­sicherun­gen. Worauf beim Abschluss dieser Police zu acht­en ist, erläutert Teil 2 der Absicherungsserie.

Gut, wenn Du dann eine Beruf­sun­fähigkeits-Ver­sicherung hast. Wann diese leis­tet, klärt der dritte Teil der Absicherungsserie: Das größte Ver­mö­gen? Die eigene Arbeit­skraft!


Wie man sich gegen finanzielle Krankheits­fol­gen – ein­schließlich Ver­di­en­staus­fall – absich­ern kann, klärt der vierte Teil der Absicherungsserie.

Das Tabuthe­ma Tod. Wie man seine Ange­höri­gen vor finanziellen Fol­gen schützen kann zeigt Teil 6 der Absicherungsserie: Der Tod – ein Risiko für Ange­hörige.

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