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Teil 4: Auf Deine Gesundheit!



Teil 4: Auf Deine Gesundheit!

2020-07-26T13:20:16+02:0029. Juni 2020|

Eine Krankheit kann ganz schön ins Geld gehen. Und zudem kann man nicht arbeit­en, wenn man krank ist. Wie man sich gegen finanzielle Krankheits­fol­gen – ein­schließlich Ver­di­en­staus­fall – absich­ern kann, klärt der vierte Teil der Courage-Serie zu Ver­sicherun­gen.

Von Stephan Haber­er

„Die Gesund­heit ist ein kost­bares Gut – nur sie ist es wert, dass man dafür seine Zeit, seinen Schweiß, seine Arbeit und sein Geld ein­set­zt“, wusste der franzö­sis­che Philosoph Michel de Mon­taigne. Doch während eine lange, schwere Krankheit im 16. Jahrhun­dert oft den finanziellen Ruin bedeutete, kann man sich heute gegen die finanziellen Fol­gen schw­er­er Erkrankun­gen absich­ern.

In Deutsch­land muss man es sog­ar. Seit 2009 gibt es prak­tisch für alle die Pflicht, eine Kranken­ver­sicherung abzuschließen. Doch sind Kranken­ver­sicherun­gen keine Run­dum-sor­g­los-Pakete. Je nach Ver­sicherung sind die Lück­en im Schutz mehr oder min­der groß. Ins­beson­dere in Sachen Ver­di­en­staus­fall bei län­ger­er Krankheit.

Welche Arten der Krankenversicherung gibt es?

In Deutsch­land sind grund­sät­zlich zwei Möglichkeit­en der Absicherung im Krankheits­fall möglich: über pri­vate Kranken­ver­sicherun­gen (PKV) oder über geset­zliche Krankenkassen (GKV).

Der grund­sät­zliche Unter­schied dabei: In der GKV hat der Staat ein ganz gewichtiges Wort bei den ver­sicherten Leis­tun­gen und den zu zahlen­den Beiträ­gen mitre­den. Bei pri­vat­en Kranken­ver­sicherun­gen bes­timmt der Ver­sicherte, welchen Schutz er möchte – was dann wiederum die von ihm zu zahlende Prämie bes­timmt.

Darf jeder seine Krankversicherung frei wählen?

Nein, längst nicht jed­er darf frei zwis­chen pri­vater und geset­zlich­er Absicherung wählen. So gilt für Arbeit­er und Angestellte, dass sie sich grund­sät­zlich über eine geset­zliche Krankenkasse ver­sich­ern müssen. Es sei denn, ihr Ver­di­enst liegt über der soge­nan­nten „Ver­sicherungspflicht­gren­ze“.

Diese liegt im Jahr 2020 bei einem Jahre­seinkom­men von 62.550 Euro. Nur wer mehr ver­di­ent, darf aus der geset­zlichen in eine pri­vate Kranken­ver­sicherung wech­seln. Dieser Schritt will aber gut über­legt sein. Dazu später mehr.

Selb­st­ständi­ge und Freiberu­fler kön­nen zu Beginn ihrer beru­flichen Selb­st­ständigkeit wählen, ob sie sich pri­vat oder geset­zlich ver­sich­ern. Wobei es für einige Beruf­s­grup­pen – etwa freis­chaf­fende Jour­nal­is­ten und Kün­stler – Son­der­regelun­gen gibt.

Wieder anders die Sit­u­a­tion für Beamte, Richter und Zeit-/oder Beruf­s­sol­dat­en: Diesen gewährt ihr Dien­s­therr – Bund, Land oder Kom­mune – im Krankheits­fall soge­nan­nte „Bei­hil­fen“, die je nach Fam­i­lien­stand zwis­chen 50 und 80 Prozent der anfal­l­en­den Krankheit­skosten abdeck­en.

Die restlichen Kosten müssen über pri­vate Kranken­ver­sicher­er abgesichert wer­den. Daher sind bish­er die meis­ten Beamten mit­tels spezieller Pri­vat­tar­ife abgesichert – im Fach­jar­gon „Bei­hil­fe­tar­ife“ genan­nt.

Dies ändert sich jedoch in let­zter Zeit ein wenig. Denn einige Bun­deslän­der – etwa Ham­burg, Bre­men und Thürin­gen – zahlen seit Kurzem ihren Beamten entwed­er Bei­hil­fe oder einen Zuschuss von 50 Prozent des Beitrags zu ihrer geset­zlichen Krankenkasse. Andere Län­der pla­nen ähn­lich­es.

Was kostet die Krankenversicherung?

Das kommt darauf an: Wer geset­zlich kranken­ver­sichert ist, zahlt einen gewis­sen Prozentsatz seines Einkom­mens an seine Krankenkasse. Dieser unterteilt sich in einen bun­de­sein­heitlichen Beitragssatz von 14,6 Prozent (Stand 2020) und einen je nach Kasse unter­schiedlich hohen Zusatzbeitrag, der zwis­chen null und 2,7 Prozent (Stand 2020) liegt. Damit ergeben sich unterm Strich Beitragssätze zwis­chen 14,6 und 17,3 Prozent.

Allerd­ings wird der Beitrag nur bis zu ein­er gewis­sen Ober­gren­ze – der „Beitrags­be­mes­sungs­gren­ze“ – fäl­lig. Diese Gren­ze liegt 2020 bei einem Jahre­seinkom­men – ein­schließlich Son­derzahlun­gen – von 56.250 Euro. Macht im Monat 4687,50 Euro. Von Einkom­men­san­teilen, die darüber liegen wird kein Beitrag fäl­lig. Max­i­mal wer­den 2020 damit je nach Krankenkasse im Monat zwis­chen 684,38 Euro und 810,94 Euro fäl­lig.

Haben geset­zlich Kranken­ver­sicherte Fam­i­lie, kön­nen diese kosten­los mitver­sichert sein. Das gilt sowohl für Ehep­art­ner ohne eigenes Einkom­men als auch für Kinder unter 23 Jahren, die „kein­er Erwerb­stätigkeit nachge­hen“, wie das im Behör­den­deutsch heißt.

Befind­en sie sich hinge­gen noch in Schul- oder Beruf­saus­bil­dung kön­nen sie bis zum 25. Geburt­stag kosten­los mitver­sichert wer­den. Haben sie frei­willi­gen Wehr­di­enst, ein frei­williges soziales Jahr oder ähn­lich­es geleis­tet, wird diese Zeit bei der Fam­i­lien­mitver­sicherung „draufgeschla­gen“. Allerd­ings begren­zt auf max­i­mal zwölf Monate.

In der pri­vat­en Kranken­ver­sicherung wer­den die zu zahlen­den Prämien völ­lig anders ermit­telt. Hier ist das eigene Einkom­men völ­lig ohne Belang.

Wichtig sind hier vielmehr grund­sät­zlich das Alter und der Gesund­heit­szu­s­tand der zu ver­sich­ern­den Per­son sowie das gewün­schte Niveau der Absicherung. Je höher das Alter, je schlechter der Gesund­heit­szu­s­tand und je höher das Absicherungsniveau, desto teur­er wird es. Und ganz wichtig: eine kosten­lose Fam­i­lien­ver­sicherung gibt es hier nicht. Jede Per­son benötigt eine eigene Ver­sicherung. Auch Babys.

Aus­nahme: der soge­nan­nte Basis­tarif. Dieser Tarif ste­ht pri­vat Ver­sicherten in finanziellen Not­la­gen offen – etwa wegen län­ger­er Arbeit­slosigkeit. Grund­sät­zlich ist der Beitrag hier nur vom Alter des Ver­sicherten abhängig. Zudem ist der monatliche Höch­st­beitrag auf etwas mehr als 700 Euro begren­zt. Dafür ähneln Art und Umfang der Leis­tun­gen dieses Tar­ifs denen der geset­zlichen Krankenkassen.

Und wie sieht es bei den Leistungen aus?

Auch hier gibt es deut­liche Unter­schiede zwis­chen PKV und GKV. Bei pri­vat­en Kranken­ver­sicherun­gen wird bei Ver­tragss­chluss bes­timmt, für welche Leis­tun­gen der Ver­sicher­er aufkom­men muss. Das kann die Bezahlung von hor­rend hohen Arztrech­nun­gen, die weit über die jew­eilige Gebührenord­nung hin­aus­ge­hen, eben­so ein­schließen wie die voll­ständi­ge Kostenüber­nahme von sünd­teuren Zah­n­prothe­sen oder der Che­farzt­be­hand­lung und dem Einzelz­im­mer im Kranken­haus.

Das Wichtig­ste aber: Pri­vat­pa­tien­ten haben freie Arzt- und Kranken­hauswahl. Zudem kön­nen sie je nach Tarif auch Heil­ver­fahren absich­ern, die geset­zliche Krankenkassen nicht übernehmen (dür­fen).

Wer sich pri­vat kranken­ver­sich­ern möchte, sollte eines bedenken: Eine pri­vate Kranken­ver­sicherung ist nicht dazu da, um Beiträge zu sparen, son­dern um die best­mögliche Ver­sorgung im Krankheits­fall zu garantieren. Ein gün­stiger Beitrag kann sich im Krankheits­fall rächen, wenn er ein niedriges Leis­tungsniveau hat.

Da bei ein­er pri­vat­en Kranken­ver­sicherung sehr viele vom Einzelfall abhängige Fak­toren zu berück­sichti­gen sind, sollte für deren Abschluss auf pro­fes­sionelle Hil­fe durch einen Ver­sicherungs­mak­ler zurück­ge­grif­f­en wer­den.

Das Wichtig­ste für geset­zlich Kranken­ver­sicherte: Sie haben keine freie Arzt­wahl und keine freie Kranken­hauswahl. So zahlt ihre Kasse grund­sät­zlich nur Rech­nun­gen von Ärzten mit Kassen­zu­las­sung. Viele ärztliche Spezial­is­ten haben diese jedoch nicht, da sie aus ihrer Sicht von den Kassen nicht angemessen für ihr Spezial­wis­sen hon­ori­ert wer­den.

Müssen Kassen­pa­tien­ten ins Kranken­haus, benöti­gen sie entwed­er einen Über­weisungss­chein ihres Arztes oder sie müssen das näch­st­gele­gene Kranken­haus auf­suchen.

Zudem hat der Geset­zge­ber knapp 95 Prozent aller Leis­tun­gen verbindlich fest­gelegt. Doch die verbleiben­den fünf bis sechs Prozent der soge­nan­nten Wahlleis­tun­gen sind so umfan­gre­ich, dass sich neben dem Preis- auch ein Leis­tungswet­tbe­werb zwis­chen den Kassen her­aus­ge­bildet hat.

So zahlen einige Kassen auch für Naturheil­ver­fahren oder für eine pro­fes­sionelle Zah­n­reini­gung, haben Bonus­pro­gramme aufgelegt oder bieten eine beson­dere Ver­sorgung für chro­nisch Kranke.

Da diese Wahlleis­tun­gen ins­ge­samt aber über­schaubar sind und die Beitrags­gestal­tung völ­lig trans­par­ent ist, kön­nen Inter­essierte die Kasse, die am besten zu ihren Bedürfnis­sen passt, auch mit­tels spezial­isiert­er Ver­gle­ich­sportale wie etwa „geset­zlichekassen­suche“ ermit­teln.

Und wie sieht es mit dem Einkommen im Krankheitsfall aus?

Haupt­säch­lich ist eine Kranken­ver­sicherung dafür da, die Kosten für Heil­be­hand­lun­gen, Kranken­hausaufen­thalte, medi­zinis­che Betreu­ung, Medika­mente und Hil­f­s­mit­tel zu deck­en. Doch wer länger nicht arbeit­en kann, hat meist noch ein weit­eres Prob­lem: Er hat auch kein Arbeit­seinkom­men. Die Fol­gen kön­nen mehr oder weniger gravierend sein.

Denn als abhängig Beschäftigter greift im Fall ein­er Krankschrei­bung erst ein­mal die soge­nan­nte „Lohn- oder Gehalts­fortzahlung im Krankheits­fall“. Heißt: Der Arbeit­ge­ber muss sechs Wochen lang Lohn oder Gehalt trotz Krankheit weit­erzahlen.

Ab dem 43. Tag zahlt dann bei geset­zlich Ver­sicherten ihre Krankenkasse ein Kranken­geld. Doch das ist meist deut­lich niedriger als das Gehalt. Im Regelfall zahlt die GKV 70 Prozent des Brut­toeinkom­mens, max­i­mal jedoch 90 Prozent vom Net­to. Und das auch nur, sofern das Einkom­men unter der Beitrags­be­mes­sungs­gren­ze (siehe oben) liegt.

Beson­ders für Gutver­di­ener kann hier eine deut­lich größere Einkom­menslücke entste­hen. Zudem gehen davon auch noch Sozial­ab­gaben ab. Hinzu kommt: Arbeit­ge­ber und Krankenkasse zahlen zusam­men höch­stens für 78 Wochen – also für einein­halb Jahre.

Pri­vatver­sicherte müssen ein Kranken­t­agegeld eigens vere­in­baren, son­st ste­hen sie im Krankheits­fall nach Ende der Lohn­fortzahlung durch den Arbeit­ge­ber unter Umstän­den ohne Einkün­fte da. Höhe und Dauer kön­nen sie dabei je nach Tarif rel­a­tiv frei bes­tim­men.

Bei Selb­st­ständi­gen und Freiberu­flern in der GKV kann sich dieses Prob­lem deut­lich ver­schär­fen, denn sie haben keinen Chef, der auch bei Krankheit das Gehalt weit­erzahlt. Allerd­ings kön­nen sie mit ihrer Kasse auch vere­in­baren, dass diese bere­its nach 14 Tagen und nicht erst nach 42 Tagen Kranken­geld zahlt.

Auf jeden Fall aber bleibt eine Lücke von min­destens 30 Prozent zwis­chen der Höhe des Kranken­geldes und dem Brut­toeinkom­men. Zudem dro­ht nach spätestens einein­halb Jahren das endgültige Aus dieser Zahlun­gen.

Während man Let­zterem am besten durch Abschluss ein­er Beruf­sun­fähigkeitsver­sicherung begeg­net, gibt es Kranken­t­agegeld-Ver­sicherun­gen – nicht zu ver­wech­seln mit Kranken­haustagegeld-Tar­ifen! –, um die Einkom­menslücke während der Krankheit zu schließen.

Wer eine solche Police abgeschlossen hat, bekommt ab einem bes­timmten Zeit­punkt – sin­nvoll ist oft ab dem 43. Tag ein­er Krankheit – ein Kranken­t­agegeld in zuvor fest­gelegter Höhe. Dabei darf das Kranken­t­agegeld jedoch zusam­men mit anderen Lohn­er­sat­zleis­tun­gen – wie etwa dem Kranken­t­agegeld der Krankenkasse max­i­mal so hoch sein wie das Net­toeinkom­men der ver­gan­genen zwölf Monate.

Wer sich für eine Kranken­t­agegeld-Police entschei­det, sollte vor Abschluss über­legen, wie lange die eige­nen Reser­ven reichen und wie viel Geld tat­säch­lich benötigt wird. Denn je höher das ver­sicherte Tagegeld, desto höher auch die Prämien.

Zudem spielt auch das Alter des Ver­sicherten bei der Prämien­berech­nung eine Rolle. So kostet etwa eine Police, die ab dem 43. Krankheit­stag 50 Euro Kranken­t­agegeld je Tag zahlt, für eine 35-jährige Bürokauf­frau ohne Vor­erkrankun­gen zwis­chen knapp unter 20 und etwa 35 Euro im Monat. Und für eine 55-Jährige ohne Vor­erkrankun­gen zwis­chen knapp 40 und fast 70 Euro monatlich.

Das renom­mierte Analy­se­haus Mor­gen & Mor­gen hat im Feb­ru­ar 2020 ins­ge­samt 90 Kranken­t­agegeld-Tar­ife von 32 Anbi­etern anhand von 21 Leis­tungspunk­ten unter­sucht. Ins­ge­samt zwölf Tar­ife von Bar­me­nia, Con­cor­dia, Deutsche Fam­i­lien­ver­sicherung und Inter wurde dabei mit der Best­note „Aus­geze­ich­net“ bew­ertet.

Alle bish­eri­gen Absicherung­steile auf einem Blick:

Gegen die finanziellen Fol­gen viel­er Risiken gibt es Ver­sicherun­gen. Doch nicht jede Police ist sin­nvoll. Und längst nicht alle exis­ten­ziellen Risiken sind auch allen bewusst. Mehr im Teil 1 der Courage- Absicherungsserie: Ver­sichert? – Aber richtig!

Eine Haftpflicht­po­lice zählt zu den exis­ten­ziell wichti­gen Ver­sicherun­gen. Worauf beim Abschluss dieser Police zu acht­en ist, erläutert Teil 2 der Absicherungsserie.

Gut, wenn Du dann eine Beruf­sun­fähigkeits-Ver­sicherung hast. Wann diese leis­tet, klärt der dritte Teil der Absicherungsserie: Das größte Ver­mö­gen? Die eigene Arbeit­skraft!


Die geset­zlich vorgeschriebe­nen Pflegev­er­sicherun­gen sind keine Vol­lka­sko-Poli­cen. Welche Möglichkeit­en gibt es, sich trotz­dem gut abzu­sich­ern zeigt Teil 5 der Absicherungsserie.

Das Tabuthe­ma Tod. Wie man seine Ange­höri­gen vor finanziellen Fol­gen schützen kann zeigt Teil 6 der Absicherungsserie: Der Tod – ein Risiko für Ange­hörige.

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