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Teil 3: Das größte Vermögen? Die eigene Arbeitskraft!




Teil 3: Das größte Vermögen? Die eigene Arbeitskraft!


2020-06-29T16:45:00+02:0015. Juni 2020|

Die meis­ten müssen sich ihren Leben­sun­ter­halt durch Arbeit ver­di­enen. Doch was, wenn man wegen Unfall oder Krankheit nicht mehr arbeit­en kann? Gut, wenn Du dann eine Beruf­sun­fähigkeits-Ver­sicherung hast. Wann diese leis­tet, klärt der dritte Teil der Courage-Serie zu wichti­gen Ver­sicherun­gen.

Von Stephan Haber­er

Neben der pri­vat­en Haftpflichtver­sicherung gibt es keine Police, die wichtiger ist als eine pri­vate Beruf­sun­fähigkeitsver­sicherung − kurz „BU“. Denn sie sichert das größte Ver­mö­gen ab, das die meis­ten Men­schen haben: ihre Arbeit­skraft.

Was sich viele nicht klar machen: Im Laufe eines Arbeit­slebens ver­di­enen die meis­ten mehr als eine Mil­lion Euro. Dazu zwei Beispiele:

Lau­ra hat eine Aus­bil­dung gemacht, ver­di­ent seit ihrem 20. Geburt­stag ihr eigenes Geld. Arbeit­et sie bis 67, dann sind das 47 Jahre. Angenom­men, sie bekommt net­to 2000 Euro Monats­ge­halt – der Ein­fach­heit hal­ber bleiben Gehalt­ser­höhun­gen und Infla­tion außen vor – dann sum­miert sich das während ihres Arbeit­slebens auf knapp 1,13 Mil­lio­nen Euro.

Lauras Schwest­er Sarah hat studiert und erst mit 30 den ersten Job ange­treten. Dafür ver­di­ent sie pro Monat 5000 Euro net­to. Geht auch sie mit 67 in Rente, dann macht das in Summe 2,22 Mil­lio­nen Euro.

Schlimm, wenn man schon in jun­gen Jahren plöt­zlich nicht mehr arbeit­en kann – gut, wenn man pri­vat vorge­sorgt hat.

Weshalb sollte man sich bei der BU nicht auf den Staat verlassen?

Auf geset­zliche Absicherun­gen sollte hier kein­er zu sehr ver­trauen. Die geset­zlichen Krankenkassen zahlen höch­stens für 72 Wochen Kranken­geld. Und alle, die nach 1961 geboren wur­den, bekom­men von der geset­zlichen Renten­ver­sicherung höch­stens dann eine Rente, wenn sie über­haupt nichts mehr arbeit­en kön­nen – also auch nicht im Roll­stuhl als Nacht­porti­er für min­destens drei Stun­den.

Das heißt dann Erwerb­s­min­derungsrente (EU). Und diese geset­zliche EU ist alles andere als üppig: Die durch­schnit­tlich gezahlte staatliche volle Erwerb­sun­fähigkeit­srente beträgt für Frauen, die diese Rente 2018 erst­mals bezo­gen, ger­ade mal 742 Euro.

Die meis­ten bekom­men aber lediglich eine geminderte EU-Rente. Und deren Höhe liegt bei durch­schnit­tlich 402 Euro im Monat – zum Leben zu wenig, zum Ster­ben zu viel. Und dafür muss man dann auch noch in den let­zten fünf Jahren vor Ein­tritt der Erwerb­s­min­derung drei Jahre Pflicht­beiträge in die geset­zliche Renten­ver­sicherung eingezahlt haben.

Wie funktioniert eine private Berufsunfähigkeitsversicherung?

Und wie ist das bei ein­er pri­vat­en Beruf­sun­fähigkeitsver­sicherung – kurz „BU“?

Wer eine solche Police abgeschlossen hat, erhält Monat für Monat einen bei Ver­tragss­chluss fest­gelegten Betrag, sofern er seinen Beruf für län­gere Zeit – je nach Anbi­eter meist sechs Monate oder länger – nicht mehr ausüben kann. Und das so lange, wie der Ver­trag läuft.

Dabei ist es völ­lig uner­he­blich, weshalb man seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Egal, ob ein Unfall, eine kör­per­liche oder eine psy­chis­che Erkrankung oder kör­per­lich­er Ver­fall – die Ver­sicherung zahlt.

Da es dabei um viel Geld geht, sind BU-Poli­cen recht teuer, weshalb viele lieber die Augen vor dem Risiko ver­schließen und darauf hof­fen, dass sie nicht beruf­sun­fähig wer­den.

Doch das kön­nte sich bit­ter rächen: Im Laufe des Arbeit­slebens wird bun­desweit etwa jed­er Vierte zumin­d­est vorüberge­hend beruf­sun­fähig – die meis­ten inzwis­chen wegen psy­chis­ch­er Erkrankun­gen wie Burnout oder Depres­sion. Und das bedeutet: Auch ein Büro­job schützt nicht vor Beruf­sun­fähigkeit. Es kann jeden tre­f­fen.

Das weit ver­bre­it­ete Vorurteil, dass BU-Ver­sicher­er sich generell vor der Zahlung drück­en, ist eine Mär. 2019 ergab eine Studie, dass in knapp 83 Prozent aller neu gemelde­ten BU-Fälle die Ver­sicher­er auch zahlten.

Nur 17 Prozent der Fälle wur­den abgelehnt, vielfach weil die Antrag­steller selb­st auf Nach­frage den Ver­sicher­ern keine weit­eren Infor­ma­tio­nen zu ihrem Gesund­heit­szu­s­tand zukom­men ließen, sodass eine Leis­tung­sprü­fung schlicht nicht möglich war.

Übri­gens: Bei der geset­zlichen Erwerb­s­min­derungsrente liegt die Ablehnungsquote bei 44 Prozent.

Regeln

Ein großes Prob­lem bei BU-Poli­cen sind die Kom­plex­ität der Materie und die daraus resul­tieren­den kom­plizierten Regeln.

So prüfen einige Ver­sicher­er bei Ein­tritt des Leis­tungs­fall­es ganz genau, welche Angaben eine Ver­sicherte beim Abschluss gemacht hat. Kommt dann her­aus, dass die Angaben unvoll­ständig sind, muss die Ver­sicherung im – für die Ver­sicherte – schlimm­sten Fall nicht zahlen. Das heißt dann im Fach­jar­gon „Ver­let­zung der vorver­traglichen Anzeigepflicht“.

Hier soll­test Du schon bei Antrag­stel­lung den Ver­sicherungsver­mit­tler genau kon­trol­lieren und darauf drin­gen, dass im Ver­sicherungsantrag auch alle Fra­gen – beson­ders zu Vor­erkrankun­gen – kor­rekt beant­wortet wer­den.

Einige Ver­sicher­er fra­gen Vor­erkrankun­gen nur für einen gewis­sen Zeitraum ab. Etwa für fünf oder zehn Jahre. Je kürz­er dieser Zeitraum, desto bess­er für den poten­ziellen Neukun­den.

Da die BU-Materie äußerst kom­plex ist und die Absicherung von vie­len Fak­toren abhängig ist, rat­en wir unbe­d­ingt dazu, diesen Schutz über einen qual­i­fizierten Ver­sicherungsver­mit­tler – am besten einen Ver­sicherungs­mak­ler oder ‑berater – abzuschließen.

Dennoch ein paar Tipps zum Abschluss:

1. Je früher eine BU abgeschlossen wird, desto bess­er. Dann ist zum einen der Gesund­heit­szu­s­tand meist bess­er als in höherem Alter.

Zum anderen kann der Schutz auch in jun­gen Jahren nötig wer­den, denn eine schwere Krankheit kann jed­erzeit ein­treten. Und Unfälle passieren völ­lig alter­sun­ab­hängig. Zudem sind die Beiträge bei frühzeit­igem Abschluss deut­lich gün­stiger.

Übri­gens: Inzwis­chen bieten einige Ver­sicher­er BU-Poli­cen bere­its für Studierende an. Im Leis­tungs­fall wird dann geprüft, ob das mit dem Studi­um angestrebte Beruf­sziel noch erre­ich­bar ist oder ob das aktuelle Studi­um noch fort­ge­set­zt wer­den kann.

Später lassen sich diese BU-Poli­cen dann an die tat­säch­liche beru­fliche Sit­u­a­tion anpassen.

2. Der Ver­sicher­er sollte auf die abstrak­te Ver­weisung verzicht­en. Tut er das nicht, dürfte der Ver­sicher­er im Falle des Fall­es den Kun­den darauf ver­weisen, dass es ja noch einen anderen Beruf gibt, in dem er noch arbeit­en könne. Dabei muss er noch nicht mal bele­gen, dass es in dem Beruf, auf den er ver­weist, über­haupt offene Stellen gibt.

Viele Ver­sicher­er verzicht­en inzwis­chen auf die abstrak­te Ver­weisung. Jedoch sollte man zudem darauf schauen, wie der Ver­sicher­er den Beruf des Ver­sicherten definiert. Am besten, wenn er auf den bei Ein­tritt der BU aus­geübten Beruf abstellt.

Kannst Du diesen zu 50 Prozent oder mehr nicht mehr ausüben, muss der Ver­sicher­er die BU-Rente zahlen. Oft­mals die schlechtere Vari­ante: Wenn der Ver­sicher­er auf den erlern­ten Beruf abstellt.

3. Der BU-Schutz sollte sich ändern­den Leben­sum­stän­den angepasst wer­den kön­nen. Etwa bei Heirat, Geburt eines Kindes, Immo­bilien­fi­nanzierung und bei Einkom­menssprün­gen.

4. Es sollte die Möglichkeit geben, die Laufzeit des Ver­trages zu ver­längern, sollte das geset­zliche Rentenein­trittsalter erhöht wer­den.

5. Der Ver­sicher­er sollte keine Fris­ten für die BU-Mel­dung set­zen und für nachgewiesene BU-Zeit­en auch rück­wirk­end unbe­gren­zt leis­ten.

6. Für Beamte ganz wichtig: Sie wer­den nicht berufs‑, son­dern dien­stun­fähig. Dies ist aber teil­weise anders definiert. Daher soll­ten Beamte unbe­d­ingt darauf acht­en, dass ihre BU-Police eine soge­nan­nte Dien­stun­fähigkeit­sklausel enthält, die den Ver­sicher­er auch in diesem Fall zur Zahlung verpflichtet.

Gibt es Alternativen zur privaten BU-Police?

Vie­len ist eine BU-Police schlicht zu teuer. Oder die Ver­sicherung lehnt sie gle­ich kom­plett ab. Das ist oft dann der Fall, wenn der aus­geübte Beruf sehr gefährlich ist oder wenn es soge­nan­nte „gefahrerhöhende Vor­erkrankun­gen“ gibt, die es sehr wahrschein­lich machen, dass die Betr­e­f­fend­en irgend­wann beruf­sun­fähig wer­den.

Wer den­noch nicht ganz ohne Absicherung daste­hen möchte, für den gibt es Alter­na­tiv­en. Diese reichen nicht an das Schutzniveau durch eine BU-Police her­an.

Das wäre als erste Alternative die private EU-Police

Diese sichert nur eine Rente zu, wenn man gar nicht mehr arbeit­en kann. Sie stellt also nicht auf eine länger dauernde Unfähigkeit ab, den bish­eri­gen Beruf weit­er auszuüben, son­dern auf eine länger dauernde Unfähigkeit, ein­er wie auch immer geart­eten Erwerb­stätigkeit nachzuge­hen. Sie zahlt daher deut­lich sel­tener und ist deshalb auch deut­lich gün­stiger.

Anders funktioniert eine Grundfähigkeiten-Police

Sie zahlt, wenn bes­timmte Grund­fähigkeit­en nicht mehr vorhan­den sind – etwa Gehen, Trep­pen steigen, selb­ständig Essen, Sehen oder Hören. Jed­er Grund­fähigkeit ist dabei eine Punk­tzahl zuge­ord­net. Wird eine bes­timmte Punk­tzahl über­schrit­ten, zahlt die Ver­sicherung.

Die Dread-Disease-Police

Also die „Schwere-Krankheit­en-Ver­sicherung“ zahlt dage­gen meist ein­ma­lig eine vere­in­barte Summe aus, wenn eine bei Ver­tragsab­schluss fest­gelegte schwere Krankheit aus­bricht. Dabei ist egal, ob man dadurch (vorüberge­hend) beruf­sun­fähig wird oder nicht.

Die Ein­malleis­tung fließt, wenn die Krankheit ein­tritt. Jedoch ist je nach Ver­sicher­er die Zahl der ver­sicherten Krankheit­en unter­schiedlich. Die Krankheit­slis­ten umfassen zwis­chen weniger als zehn bis knapp 50 Krankheit­en.

Unfallpolicen

Schlecht­este Vari­ante für Per­so­n­en im Erwerb­salter sind Unfallpo­li­cen. Diese sind zwar gün­stig, aber nicht ein­mal fünf Prozent aller BU-Fälle resul­tieren aus Unfällen. Solche Poli­cen zahlen eine Ein­malleis­tung aus, wenn man auf­grund eines Unfalls dauer­haft geschädigt ist. Dabei ist es für die Auszahlung uner­he­blich, ob das Unfal­lopfer beruf­sun­fähig ist oder nicht. Eben­so ist uner­he­blich, ob der Unfall im Beruf oder in der Freizeit passierte.

Alle bish­eri­gen Absicherung­steile auf einem Blick:

Gegen die finanziellen Fol­gen viel­er Risiken gibt es Ver­sicherun­gen. Doch nicht jede Police ist sin­nvoll. Und längst nicht alle exis­ten­ziellen Risiken sind auch allen bewusst. Mehr im Teil 1 der Courage- Absicherungsserie: Ver­sichert? – Aber richtig!

Eine Haftpflicht­po­lice zählt zu den exis­ten­ziell wichti­gen Ver­sicherun­gen. Worauf beim Abschluss dieser Police zu acht­en ist, erläutert Teil 2 der Absicherungsserie.

Wie man sich gegen finanzielle Krankheits­fol­gen – ein­schließlich Ver­di­en­staus­fall – absich­ern kann, klärt der vierte Teil der Absicherungsserie.

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