Startseite/

Teil 3: Das größte Vermögen? Die eigene Arbeitskraft!




Teil 3: Das größte Vermögen? Die eigene Arbeitskraft!


2020-07-26T13:20:44+02:0015. Juni 2020|

Die meis­ten müs­sen sich ihren Lebens­un­ter­halt durch Arbeit ver­die­nen. Doch was, wenn man wegen Unfall oder Krank­heit nicht mehr arbei­ten kann? Gut, wenn Du dann eine Berufs­un­fä­hig­keits-Ver­si­che­rung hast. Wann die­se leis­tet, klärt der drit­te Teil der Cou­ra­ge-Serie zu wich­ti­gen Ver­si­che­run­gen.

Von Ste­phan Habe­rer

Neben der pri­va­ten Haft­pflicht­ver­si­che­rung gibt es kei­ne Poli­ce, die wich­ti­ger ist als eine pri­va­te Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung − kurz „BU“. Denn sie sichert das größ­te Ver­mö­gen ab, das die meis­ten Men­schen haben: ihre Arbeits­kraft.

Was sich vie­le nicht klar machen: Im Lau­fe eines Arbeits­le­bens ver­die­nen die meis­ten mehr als eine Mil­li­on Euro. Dazu zwei Bei­spie­le:

Lau­ra hat eine Aus­bil­dung gemacht, ver­dient seit ihrem 20. Geburts­tag ihr eige­nes Geld. Arbei­tet sie bis 67, dann sind das 47 Jah­re. Ange­nom­men, sie bekommt net­to 2000 Euro Monats­ge­halt – der Ein­fach­heit hal­ber blei­ben Gehalts­er­hö­hun­gen und Infla­ti­on außen vor – dann sum­miert sich das wäh­rend ihres Arbeits­le­bens auf knapp 1,13 Mil­lio­nen Euro.

Lau­ras Schwes­ter Sarah hat stu­diert und erst mit 30 den ers­ten Job ange­tre­ten. Dafür ver­dient sie pro Monat 5000 Euro net­to. Geht auch sie mit 67 in Ren­te, dann macht das in Sum­me 2,22 Mil­lio­nen Euro.

Schlimm, wenn man schon in jun­gen Jah­ren plötz­lich nicht mehr arbei­ten kann – gut, wenn man pri­vat vor­ge­sorgt hat.

Weshalb sollte man sich bei der BU nicht auf den Staat verlassen?

Auf gesetz­li­che Absi­che­run­gen soll­te hier kei­ner zu sehr ver­trau­en. Die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen zah­len höchs­tens für 72 Wochen Kran­ken­geld. Und alle, die nach 1961 gebo­ren wur­den, bekom­men von der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung höchs­tens dann eine Ren­te, wenn sie über­haupt nichts mehr arbei­ten kön­nen – also auch nicht im Roll­stuhl als Nacht­por­tier für min­des­tens drei Stun­den.

Das heißt dann Erwerbs­min­de­rungs­ren­te (EU). Und die­se gesetz­li­che EU ist alles ande­re als üppig: Die durch­schnitt­lich gezahl­te staat­li­che vol­le Erwerbs­un­fä­hig­keits­ren­te beträgt für Frau­en, die die­se Ren­te 2018 erst­mals bezo­gen, gera­de mal 742 Euro.

Die meis­ten bekom­men aber ledig­lich eine gemin­der­te EU-Ren­te. Und deren Höhe liegt bei durch­schnitt­lich 402 Euro im Monat – zum Leben zu wenig, zum Ster­ben zu viel. Und dafür muss man dann auch noch in den letz­ten fünf Jah­ren vor Ein­tritt der Erwerbs­min­de­rung drei Jah­re Pflicht­bei­trä­ge in die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung ein­ge­zahlt haben.

Wie funktioniert eine private Berufsunfähigkeitsversicherung?

Und wie ist das bei einer pri­va­ten Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung – kurz „BU“?

Wer eine sol­che Poli­ce abge­schlos­sen hat, erhält Monat für Monat einen bei Ver­trags­schluss fest­ge­leg­ten Betrag, sofern er sei­nen Beruf für län­ge­re Zeit – je nach Anbie­ter meist sechs Mona­te oder län­ger – nicht mehr aus­üben kann. Und das so lan­ge, wie der Ver­trag läuft.

Dabei ist es völ­lig uner­heb­lich, wes­halb man sei­nen Beruf nicht mehr aus­üben kann. Egal, ob ein Unfall, eine kör­per­li­che oder eine psy­chi­sche Erkran­kung oder kör­per­li­cher Ver­fall – die Ver­si­che­rung zahlt.

Da es dabei um viel Geld geht, sind BU-Poli­cen recht teu­er, wes­halb vie­le lie­ber die Augen vor dem Risi­ko ver­schlie­ßen und dar­auf hof­fen, dass sie nicht berufs­un­fä­hig wer­den.

Doch das könn­te sich bit­ter rächen: Im Lau­fe des Arbeits­le­bens wird bun­des­weit etwa jeder Vier­te zumin­dest vor­über­ge­hend berufs­un­fä­hig – die meis­ten inzwi­schen wegen psy­chi­scher Erkran­kun­gen wie Bur­nout oder Depres­si­on. Und das bedeu­tet: Auch ein Büro­job schützt nicht vor Berufs­un­fä­hig­keit. Es kann jeden tref­fen.

Das weit ver­brei­te­te Vor­ur­teil, dass BU-Ver­si­che­rer sich gene­rell vor der Zah­lung drü­cken, ist eine Mär. 2019 ergab eine Stu­die, dass in knapp 83 Pro­zent aller neu gemel­de­ten BU-Fäl­le die Ver­si­che­rer auch zahl­ten.

Nur 17 Pro­zent der Fäl­le wur­den abge­lehnt, viel­fach weil die Antrag­stel­ler selbst auf Nach­fra­ge den Ver­si­che­rern kei­ne wei­te­ren Infor­ma­tio­nen zu ihrem Gesund­heits­zu­stand zukom­men lie­ßen, sodass eine Leis­tungs­prü­fung schlicht nicht mög­lich war.

Übri­gens: Bei der gesetz­li­chen Erwerbs­min­de­rungs­ren­te liegt die Ableh­nungs­quo­te bei 44 Pro­zent.

Regeln

Ein gro­ßes Pro­blem bei BU-Poli­cen sind die Kom­ple­xi­tät der Mate­rie und die dar­aus resul­tie­ren­den kom­pli­zier­ten Regeln.

So prü­fen eini­ge Ver­si­che­rer bei Ein­tritt des Leis­tungs­fal­les ganz genau, wel­che Anga­ben eine Ver­si­cher­te beim Abschluss gemacht hat. Kommt dann her­aus, dass die Anga­ben unvoll­stän­dig sind, muss die Ver­si­che­rung im – für die Ver­si­cher­te – schlimms­ten Fall nicht zah­len. Das heißt dann im Fach­jar­gon „Ver­let­zung der vor­ver­trag­li­chen Anzei­ge­pflicht“.

Hier soll­test Du schon bei Antrag­stel­lung den Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler genau kon­trol­lie­ren und dar­auf drin­gen, dass im Ver­si­che­rungs­an­trag auch alle Fra­gen – beson­ders zu Vor­er­kran­kun­gen – kor­rekt beant­wor­tet wer­den.

Eini­ge Ver­si­che­rer fra­gen Vor­er­kran­kun­gen nur für einen gewis­sen Zeit­raum ab. Etwa für fünf oder zehn Jah­re. Je kür­zer die­ser Zeit­raum, des­to bes­ser für den poten­zi­el­len Neu­kun­den.

Da die BU-Mate­rie äußerst kom­plex ist und die Absi­che­rung von vie­len Fak­to­ren abhän­gig ist, raten wir unbe­dingt dazu, die­sen Schutz über einen qua­li­fi­zier­ten Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler – am bes­ten einen Ver­si­che­rungs­mak­ler oder ‑bera­ter – abzu­schlie­ßen.

Dennoch ein paar Tipps zum Abschluss:

1. Je frü­her eine BU abge­schlos­sen wird, des­to bes­ser. Dann ist zum einen der Gesund­heits­zu­stand meist bes­ser als in höhe­rem Alter.

Zum ande­ren kann der Schutz auch in jun­gen Jah­ren nötig wer­den, denn eine schwe­re Krank­heit kann jeder­zeit ein­tre­ten. Und Unfäl­le pas­sie­ren völ­lig alters­un­ab­hän­gig. Zudem sind die Bei­trä­ge bei früh­zei­ti­gem Abschluss deut­lich güns­ti­ger.

Übri­gens: Inzwi­schen bie­ten eini­ge Ver­si­che­rer BU-Poli­cen bereits für Stu­die­ren­de an. Im Leis­tungs­fall wird dann geprüft, ob das mit dem Stu­di­um ange­streb­te Berufs­ziel noch erreich­bar ist oder ob das aktu­el­le Stu­di­um noch fort­ge­setzt wer­den kann.

Spä­ter las­sen sich die­se BU-Poli­cen dann an die tat­säch­li­che beruf­li­che Situa­ti­on anpas­sen.

2. Der Ver­si­che­rer soll­te auf die abs­trak­te Ver­wei­sung ver­zich­ten. Tut er das nicht, dürf­te der Ver­si­che­rer im Fal­le des Fal­les den Kun­den dar­auf ver­wei­sen, dass es ja noch einen ande­ren Beruf gibt, in dem er noch arbei­ten kön­ne. Dabei muss er noch nicht mal bele­gen, dass es in dem Beruf, auf den er ver­weist, über­haupt offe­ne Stel­len gibt.

Vie­le Ver­si­che­rer ver­zich­ten inzwi­schen auf die abs­trak­te Ver­wei­sung. Jedoch soll­te man zudem dar­auf schau­en, wie der Ver­si­che­rer den Beruf des Ver­si­cher­ten defi­niert. Am bes­ten, wenn er auf den bei Ein­tritt der BU aus­ge­üb­ten Beruf abstellt.

Kannst Du die­sen zu 50 Pro­zent oder mehr nicht mehr aus­üben, muss der Ver­si­che­rer die BU-Ren­te zah­len. Oft­mals die schlech­te­re Vari­an­te: Wenn der Ver­si­che­rer auf den erlern­ten Beruf abstellt.

3. Der BU-Schutz soll­te sich ändern­den Lebens­um­stän­den ange­passt wer­den kön­nen. Etwa bei Hei­rat, Geburt eines Kin­des, Immo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung und bei Ein­kom­mens­sprün­gen.

4. Es soll­te die Mög­lich­keit geben, die Lauf­zeit des Ver­tra­ges zu ver­län­gern, soll­te das gesetz­li­che Ren­ten­ein­tritts­al­ter erhöht wer­den.

5. Der Ver­si­che­rer soll­te kei­ne Fris­ten für die BU-Mel­dung set­zen und für nach­ge­wie­se­ne BU-Zei­ten auch rück­wir­kend unbe­grenzt leis­ten.

6. Für Beam­te ganz wich­tig: Sie wer­den nicht berufs‑, son­dern dienst­un­fä­hig. Dies ist aber teil­wei­se anders defi­niert. Daher soll­ten Beam­te unbe­dingt dar­auf ach­ten, dass ihre BU-Poli­ce eine soge­nann­te Dienst­un­fä­hig­keits­klau­sel ent­hält, die den Ver­si­che­rer auch in die­sem Fall zur Zah­lung ver­pflich­tet.

Gibt es Alternativen zur privaten BU-Police?

Vie­len ist eine BU-Poli­ce schlicht zu teu­er. Oder die Ver­si­che­rung lehnt sie gleich kom­plett ab. Das ist oft dann der Fall, wenn der aus­ge­üb­te Beruf sehr gefähr­lich ist oder wenn es soge­nann­te „gefah­rer­hö­hen­de Vor­er­kran­kun­gen“ gibt, die es sehr wahr­schein­lich machen, dass die Betref­fen­den irgend­wann berufs­un­fä­hig wer­den.

Wer den­noch nicht ganz ohne Absi­che­rung daste­hen möch­te, für den gibt es Alter­na­ti­ven. Die­se rei­chen nicht an das Schutz­ni­veau durch eine BU-Poli­ce her­an.

Das wäre als erste Alternative die private EU-Police

Die­se sichert nur eine Ren­te zu, wenn man gar nicht mehr arbei­ten kann. Sie stellt also nicht auf eine län­ger dau­ern­de Unfä­hig­keit ab, den bis­he­ri­gen Beruf wei­ter aus­zu­üben, son­dern auf eine län­ger dau­ern­de Unfä­hig­keit, einer wie auch immer gear­te­ten Erwerbs­tä­tig­keit nach­zu­ge­hen. Sie zahlt daher deut­lich sel­te­ner und ist des­halb auch deut­lich güns­ti­ger.

Anders funktioniert eine Grundfähigkeiten-Police

Sie zahlt, wenn bestimm­te Grund­fä­hig­kei­ten nicht mehr vor­han­den sind – etwa Gehen, Trep­pen stei­gen, selb­stän­dig Essen, Sehen oder Hören. Jeder Grund­fä­hig­keit ist dabei eine Punkt­zahl zuge­ord­net. Wird eine bestimm­te Punkt­zahl über­schrit­ten, zahlt die Ver­si­che­rung.

Die Dread-Disease-Police

Also die „Schwe­re-Krank­hei­ten-Ver­si­che­rung“ zahlt dage­gen meist ein­ma­lig eine ver­ein­bar­te Sum­me aus, wenn eine bei Ver­trags­ab­schluss fest­ge­leg­te schwe­re Krank­heit aus­bricht. Dabei ist egal, ob man dadurch (vor­über­ge­hend) berufs­un­fä­hig wird oder nicht.

Die Ein­mal­leis­tung fließt, wenn die Krank­heit ein­tritt. Jedoch ist je nach Ver­si­che­rer die Zahl der ver­si­cher­ten Krank­hei­ten unter­schied­lich. Die Krank­heits­lis­ten umfas­sen zwi­schen weni­ger als zehn bis knapp 50 Krank­hei­ten.

Unfallpolicen

Schlech­tes­te Vari­an­te für Per­so­nen im Erwerbs­al­ter sind Unfall­po­li­cen. Die­se sind zwar güns­tig, aber nicht ein­mal fünf Pro­zent aller BU-Fäl­le resul­tie­ren aus Unfäl­len. Sol­che Poli­cen zah­len eine Ein­mal­leis­tung aus, wenn man auf­grund eines Unfalls dau­er­haft geschä­digt ist. Dabei ist es für die Aus­zah­lung uner­heb­lich, ob das Unfall­op­fer berufs­un­fä­hig ist oder nicht. Eben­so ist uner­heb­lich, ob der Unfall im Beruf oder in der Frei­zeit pas­sier­te.

Alle bis­he­ri­gen Absi­che­rungs­tei­le auf einem Blick:

Gegen die finan­zi­el­len Fol­gen vie­ler Risi­ken gibt es Ver­si­che­run­gen. Doch nicht jede Poli­ce ist sinn­voll. Und längst nicht alle exis­ten­zi­el­len Risi­ken sind auch allen bewusst. Mehr im Teil 1 der Cou­ra­ge- Absi­che­rungs­se­rie: Ver­si­chert? – Aber rich­tig!

Eine Haft­pflicht­po­li­ce zählt zu den exis­ten­zi­ell wich­ti­gen Ver­si­che­run­gen. Wor­auf beim Abschluss die­ser Poli­ce zu ach­ten ist, erläu­tert Teil 2 der Absi­che­rungs­se­rie.

Wie man sich gegen finan­zi­el­le Krank­heits­fol­gen – ein­schließ­lich Ver­dienst­aus­fall – absi­chern kann, klärt der vier­te Teil der Absi­che­rungs­se­rie.

Die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Pfle­ge­ver­si­che­run­gen sind kei­ne Voll­kas­ko-Poli­cen. Wel­che Mög­lich­kei­ten gibt es, sich trotz­dem gut abzu­si­chern zeigt Teil 5 der Absi­che­rungs­se­rie. 

Das Tabu­the­ma Tod. Wie man sei­ne Ange­hö­ri­gen vor finan­zi­el­len Fol­gen schüt­zen kann zeigt Teil 6 der Absi­che­rungs­se­rie: Der Tod – ein Risi­ko für Ange­hö­ri­ge.

Noch mehr Infos für dich

Beate Sander — Nachruf auf eine besondere Frau

Die Bör­sen­mil­lio­nä­rin Bea­te San­der ist gestor­ben. Als Inves­to­rin, aber auch als Mensch hat sie vie­le Frau­en beein­druckt: Sie hat gezeigt, dass es nie­mals zu spät ist, Neu­es zu ler­nen, dass Mut sich aus­zahlt und dass Wis­sen Früch­te trägt, wenn man es teilt. Ein Rück­blick auf das Leben einer bemer­kens­wer­ten Frau, die durch ihren Ehr­geiz, ihre Hart­nä­ckig­keit und ihre Lei­den­schaft beein­druckt hat.

Beate Sander zu Corona-Crash: „Ich habe bereits zugekauft“

Bea­te San­der ist die Gran­de Dame unter den Bör­sen­gu­rus. In Cou­ra­ge erklärt sie, wie Anle­ge­rin­nen die Kri­se meis­tern und bei wel­chen Bran­chen sie aktu­ell zukauft. Zudem for­dert sie die Poli­tik auf, Senio­ren und Bör­sen­neu­lin­gen die Abgel­tungs­steu­er zur För­de­rung der Alters­vor­sor­ge jetzt zu erlas­sen.

Buch des Monats

Hinterlasse einen Kommentar

Nach oben