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Teil 2: Damit Schaden nicht arm macht




Teil 2: Damit Schaden nicht arm macht


2020-05-14T09:13:23+02:0013. Mai 2020|

Was hat die Brand­katas­tro­phe im Krefelder Zoo mit Ver­sicherun­gen zu tun? Recht viel. Zeigt sie doch, wie unverzicht­bar eine Haftpflicht­po­lice ist. Worauf beim Abschluss dieser Police zudem zu acht­en ist, erläutert der zweite Teil der Courage-Serie zu exis­ten­ziell wichti­gen Ver­sicherun­gen.

Von Stephan Haber­er

Es war eine schreck­liche Tragödie: In der Sil­vester­nacht 2019/2020 bran­nte das Affen­haus des Krefelder Zoos voll­ständig nieder, mehr als 30 Affen – darunter Schim­pansen, Goril­las und Orang-Utans – kamen um.

Verur­sacht wurde der Brand von ein­er Frau und ihren bei­den erwach­se­nen Töchtern, die zum Jahreswech­sel fünf Him­mel­s­later­nen aus Papi­er auf­steigen ließen. Eine davon stürzte auf das Affen­haus, set­zte es in Brand. Die drei Frauen stell­ten sich der Polizei, diese ermit­telt nun wegen fahrläs­siger Brand­s­tiftung gegen sie. Ihnen dro­ht eine Haft‑, eher wohl aber eine Geld­strafe, da sich ihre Selb­stanzeige strafmildernd auswirken dürfte.

Doch das ist längst nicht alles. Die drei Frauen müssen auch mit Schaden­er­satz­forderun­gen in zweis­tel­liger Mil­lio­nen­höhe rech­nen. Zwar ist der Zoo gegen solche Schä­den ver­sichert. Doch dessen Ver­sicherung wird ver­suchen, sich das Geld von den drei Verur­sacherin­nen zurück­zu­holen.

Denn in Deutsch­land gilt der Grund­satz, dass der Verur­sach­er eines Schadens dafür auch einzuste­hen hat und den Schaden – so weit möglich – erset­zen muss. Dafür haftet der Schädi­ger mit seinem gesamten Ver­mö­gen. Da bleibt für die Frauen nur zu hof­fen, dass sie Haftpflicht­po­li­cen mit aus­re­ichend hoher Deck­ung haben.

Wann leistet die Haftpflicht?

Denn die drei haben wohl „nur“ die Gefahr der papier­nen Heißluft­bal­lons im Mini­for­mat unter­schätzt. Sie haben zwar ganz bewusst die Lat­er­nen mit guten Wün­schen verse­hen gen Him­mel geschickt, woll­ten damit aber sich­er keinen Brand verur­sachen. Daher dürfte ihr Ver­hal­ten im juris­tis­chen Sinne als „grob fahrläs­sig“ einzuschätzen sein. Und damit wäre unstrit­tig, dass eine pri­vate Haftpflichtver­sicherung (PHV) für den Schaden aufkom­men muss.

Das bestätigt auch der Gesamtver­band der Deutschen Ver­sicherungswirtschaft (GDV): „Die Pri­vate Haftpflichtver­sicherung übern­immt auch fahrläs­sig verur­sachte Schä­den.“ Aus­geschlossen sind nach den GDV-Musterbe­din­gun­gen lediglich vorsät­zlich her­beige­führte Schä­den.

Auch dass jed­er, der in Deutsch­land eine Him­mel­s­later­ne auf­steigen lässt, eine Ord­nungswidrigkeit bege­ht, ste­ht dem Schutz durch die Pri­vathaftpflicht nicht ent­ge­gen. Der Ver­sicherungss­chutz erlis­cht lediglich im Falle ein­er Straftat.

Welche Deckungssummen sind sinnvoll?

So weit, so gut. Doch ist fraglich, ob die Frauen aus­re­ichend geschützt sind. Denn selb­st Ver­brauch­er­schützer und die Stiftung War­entest rat­en zu Deck­ungssum­men von zehn Mil­lio­nen Euro. Das aber dürfte im Fall Krefeld nicht reichen. Dabei gibt es längst Haftpflicht­po­li­cen mit Deck­ungssum­men je Schadens­fall von 50 Mil­lio­nen Euro und mehr.

Und dieser Schutz kostet noch nicht mal son­der­lich viel: Selb­st eine Fam­i­lie mit Kindern bekommt ihn schon für unter 100 Euro im Jahr. Und da sind dann auch Schä­den durch delik­tun­fähige Kinder, bei unbezahlter Hil­feleis­tung, bei alltäglichen Sportarten wie Fußball, Ten­nis oder Golfen, beim Sur­fen und beim Reit­en fremder Pferde mit abgesichert. Zudem ist eine Forderungsaus­falldeck­ung enthal­ten.

Wer jet­zt nur Bahn­hof ver­ste­ht, keine Angst. Hier kom­men die Erläuterun­gen:

Was bedeutet Forderungsausfalldeckung?

Laut Dat­en des Sta­tis­tis­chen Bun­de­samts haben rund 83 Prozent der Haushalte in Deutsch­land eine pri­vate Haftpflichtver­sicherung. Doch was, wenn jemand einen Schaden verur­sacht, der keine solche Police hat und auch kein Ver­mö­gen, um den Schaden zu erset­zen.

Dann greift – sofern abgeschlossen – die soge­nan­nte Forderungsaus­falldeck­ung der Haftpflicht­po­lice des Opfers. In diesen Fällen zahlt die eigene Haftpflichtver­sicherung für den Schaden. Allerd­ings nur, wenn zuvor alles ver­sucht wurde, den Schaden vom Schädi­ger begle­ichen zu lassen und dies erfol­g­los geblieben ist.

Was ist unter „deliktunfähigen Kindern“ zu verstehen?

Wichtig für Eltern: Bei Kindern unter sieben Jahren geht der Geset­zge­ber davon aus, dass diese man­gels entsprechen­der Ein­sichts­fähigkeit für angerichtete Schä­den noch nicht haft­bar gemacht wer­den kön­nen. Allen­falls kön­nen die Eltern belangt wer­den, sofern sie ihre Auf­sicht­spflicht ver­let­zt haben.

Wer nun aber nicht möchte, dass das gute Ver­hält­nis zu Nach­barn lei­det, nur weil der eigene Fil­ius das Auto des Nach­barn zerkratzt hat, der sollte eine Police wählen, die auch bei Schä­den durch kleine Kinder – im Fach­jar­gon „delik­tun­fähige Kinder“ – zahlt.

Einige Poli­cen zahlen sog­ar bei Schä­den durch „delik­tun­fähige Per­so­n­en“. Dies ist wichtig für alle, die ihre demen­zkranke Mut­ter oder ihren geistig ver­wirrten Vater betreuen.

Welche Einschränkungen gelten?

Achtung: Eine Pri­vate Haftpflicht­po­lice deckt nur „nor­male“ Haf­tungsrisiken ab. Für alles, was darüber hin­aus geht, sind spezielle Poli­cen notwendig. Dies gilt schon für Hun­debe­sitzer: Je nach Rasse des Vier­bein­ers müssen sie eine spezielle Hun­de­haftpflicht-Police abschließen.

Und Besitzer von Pfer­den eine entsprechende Pfer­de­haftpflicht. Dass Auto- und Motor­radbe­sitzer eben­falls eine eigene Haftpflicht­po­lice benöti­gen, ist sog­ar geset­zlich vorgeschrieben.

Noch ein Tipp: Neuere Poli­cen deck­en inzwis­chen sog­ar Schä­den ab, die durch (unwissentlich) über­mit­telte Com­put­er­viren und andere Schad­soft­ware verur­sacht wur­den.

Welche Anbieter sind zu empfehlen?

Gute und dur­chaus preiswerte Poli­cen haben etwa Die Haftpflichtkasse, VHV, Basler, WGV, Jan­i­tos, HUK24 und Adam Riese.

Tipp: Haftpflicht­po­li­cen soll­ten auch im absoluten „Worst Case“ den gesamten Schaden übernehmen. Daher bringt es nichts, möglichst preiswerte Poli­cen mit niedriger Deck­ungssumme und geringem Leis­tung­sum­fang zu wählen. Bess­er eine Deck­ungssumme von 50 Mil­lio­nen und einen möglichst großen Leis­tung­sum­fang wählen.

Je nach der eige­nen Sit­u­a­tion kann dieser dur­chaus vari­ieren. Wer etwa in einem großen Wohn­block mit zen­traler Schließan­lage wohnt, für den kann es sin­nvoll sein, wenn der Haftpflichtver­sicher­er auch beim Ver­lust von Schlüs­seln zahlt.

Auch der Ein­schluss von Schä­den bei unbezahlter Hil­feleis­tung, etwa bei Nach­barschafts- und Fre­und­schafts­di­en­sten, ist dur­chaus sin­nvoll.

Alle bish­eri­gen Absicherung­steile auf einem Blick:

Gegen die finanziellen Fol­gen viel­er Risiken gibt es Ver­sicherun­gen. Doch nicht jede Police ist sin­nvoll. Und längst nicht alle exis­ten­ziellen Risiken sind auch allen bewusst. Mehr im Teil 1 der Courage- Absicherungsserie: Ver­sichert? – Aber richtig!

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