Startseite/

Teil 2: Damit Schaden nicht arm macht




Teil 2: Damit Schaden nicht arm macht


2021-03-16T18:36:18+01:0013. Mai 2020|

Was hat die Brand­ka­ta­stro­phe im Kre­fel­der Zoo mit Ver­si­che­run­gen zu tun? Recht viel. Zeigt sie doch, wie unver­zicht­bar eine Haft­pflicht­po­li­ce ist. Wor­auf beim Abschluss die­ser Poli­ce zudem zu ach­ten ist, erläu­tert der zwei­te Teil der Cou­ra­ge-Serie zu exis­ten­zi­ell wich­ti­gen Ver­si­che­run­gen.

Von Ste­phan Habe­rer

Es war eine schreck­li­che Tra­gö­die: In der Sil­ves­ter­nacht 2019/2020 brann­te das Affen­haus des Kre­fel­der Zoos voll­stän­dig nie­der, mehr als 30 Affen – dar­un­ter Schim­pan­sen, Goril­las und Orang-Utans – kamen um.

Ver­ur­sacht wur­de der Brand von einer Frau und ihren bei­den erwach­se­nen Töch­tern, die zum Jah­res­wech­sel fünf Him­mels­la­ter­nen aus Papier auf­stei­gen lie­ßen. Eine davon stürz­te auf das Affen­haus, setz­te es in Brand. Die drei Frau­en stell­ten sich der Poli­zei, die­se ermit­telt nun wegen fahr­läs­si­ger Brand­stif­tung gegen sie. Ihnen droht eine Haft‑, eher wohl aber eine Geld­stra­fe, da sich ihre Selbst­an­zei­ge straf­mil­dernd aus­wir­ken dürf­te.

Doch das ist längst nicht alles. Die drei Frau­en müs­sen auch mit Scha­den­er­satz­for­de­run­gen in zwei­stel­li­ger Mil­lio­nen­hö­he rech­nen. Zwar ist der Zoo gegen sol­che Schä­den ver­si­chert. Doch des­sen Ver­si­che­rung wird ver­su­chen, sich das Geld von den drei Ver­ur­sa­che­rin­nen zurück­zu­ho­len.

Denn in Deutsch­land gilt der Grund­satz, dass der Ver­ur­sa­cher eines Scha­dens dafür auch ein­zu­ste­hen hat und den Scha­den – so weit mög­lich – erset­zen muss. Dafür haf­tet der Schä­di­ger mit sei­nem gesam­ten Ver­mö­gen. Da bleibt für die Frau­en nur zu hof­fen, dass sie Haft­pflicht­po­li­cen mit aus­rei­chend hoher Deckung haben.

Wann leistet die Haftpflicht?

Denn die drei haben wohl „nur“ die Gefahr der papier­nen Heiß­luft­bal­lons im Mini­for­mat unter­schätzt. Sie haben zwar ganz bewusst die Later­nen mit guten Wün­schen ver­se­hen gen Him­mel geschickt, woll­ten damit aber sicher kei­nen Brand ver­ur­sa­chen. Daher dürf­te ihr Ver­hal­ten im juris­ti­schen Sin­ne als „grob fahr­läs­sig“ ein­zu­schät­zen sein. Und damit wäre unstrit­tig, dass eine pri­va­te Haft­pflicht­ver­si­che­rung (PHV) für den Scha­den auf­kom­men muss.

Das bestä­tigt auch der Gesamt­ver­band der Deut­schen Ver­si­che­rungs­wirt­schaft (GDV): „Die Pri­va­te Haft­pflicht­ver­si­che­rung über­nimmt auch fahr­läs­sig ver­ur­sach­te Schä­den.“ Aus­ge­schlos­sen sind nach den GDV-Mus­ter­be­din­gun­gen ledig­lich vor­sätz­lich her­bei­ge­führ­te Schä­den.

Auch dass jeder, der in Deutsch­land eine Him­mels­la­ter­ne auf­stei­gen lässt, eine Ord­nungs­wid­rig­keit begeht, steht dem Schutz durch die Pri­vat­haft­pflicht nicht ent­ge­gen. Der Ver­si­che­rungs­schutz erlischt ledig­lich im Fal­le einer Straf­tat.

Welche Deckungssummen sind sinnvoll?

So weit, so gut. Doch ist frag­lich, ob die Frau­en aus­rei­chend geschützt sind. Denn selbst Ver­brau­cher­schüt­zer und die Stif­tung Waren­test raten zu Deckungs­sum­men von zehn Mil­lio­nen Euro. Das aber dürf­te im Fall Kre­feld nicht rei­chen. Dabei gibt es längst Haft­pflicht­po­li­cen mit Deckungs­sum­men je Scha­dens­fall von 50 Mil­lio­nen Euro und mehr.

Und die­ser Schutz kos­tet noch nicht mal son­der­lich viel: Selbst eine Fami­lie mit Kin­dern bekommt ihn schon für unter 100 Euro im Jahr. Und da sind dann auch Schä­den durch delikt­un­fä­hi­ge Kin­der, bei unbe­zahl­ter Hil­fe­leis­tung, bei all­täg­li­chen Sport­ar­ten wie Fuß­ball, Ten­nis oder Gol­fen, beim Sur­fen und beim Rei­ten frem­der Pfer­de mit abge­si­chert. Zudem ist eine For­de­rungs­aus­fall­de­ckung ent­hal­ten.

Wer jetzt nur Bahn­hof ver­steht, kei­ne Angst. Hier kom­men die Erläu­te­run­gen:

Was bedeutet Forderungsausfalldeckung?

Laut Daten des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts haben rund 83 Pro­zent der Haus­hal­te in Deutsch­land eine pri­va­te Haft­pflicht­ver­si­che­rung. Doch was, wenn jemand einen Scha­den ver­ur­sacht, der kei­ne sol­che Poli­ce hat und auch kein Ver­mö­gen, um den Scha­den zu erset­zen.

Dann greift – sofern abge­schlos­sen – die soge­nann­te For­de­rungs­aus­fall­de­ckung der Haft­pflicht­po­li­ce des Opfers. In die­sen Fäl­len zahlt die eige­ne Haft­pflicht­ver­si­che­rung für den Scha­den. Aller­dings nur, wenn zuvor alles ver­sucht wur­de, den Scha­den vom Schä­di­ger beglei­chen zu las­sen und dies erfolg­los geblie­ben ist.

Was ist unter „deliktunfähigen Kindern“ zu verstehen?

Wich­tig für Eltern: Bei Kin­dern unter sie­ben Jah­ren geht der Gesetz­ge­ber davon aus, dass die­se man­gels ent­spre­chen­der Ein­sichts­fä­hig­keit für ange­rich­te­te Schä­den noch nicht haft­bar gemacht wer­den kön­nen. Allen­falls kön­nen die Eltern belangt wer­den, sofern sie ihre Auf­sichts­pflicht ver­letzt haben.

Wer nun aber nicht möch­te, dass das gute Ver­hält­nis zu Nach­barn lei­det, nur weil der eige­ne Fili­us das Auto des Nach­barn zer­kratzt hat, der soll­te eine Poli­ce wäh­len, die auch bei Schä­den durch klei­ne Kin­der – im Fach­jar­gon „delikt­un­fä­hi­ge Kin­der“ – zahlt.

Eini­ge Poli­cen zah­len sogar bei Schä­den durch „delikt­un­fä­hi­ge Per­so­nen“. Dies ist wich­tig für alle, die ihre demenz­kran­ke Mut­ter oder ihren geis­tig ver­wirr­ten Vater betreu­en.

Welche Einschränkungen gelten?

Ach­tung: Eine Pri­va­te Haft­pflicht­po­li­ce deckt nur „nor­ma­le“ Haf­tungs­ri­si­ken ab. Für alles, was dar­über hin­aus geht, sind spe­zi­el­le Poli­cen not­wen­dig. Dies gilt schon für Hun­de­be­sit­zer: Je nach Ras­se des Vier­bei­ners müs­sen sie eine spe­zi­el­le Hun­de­haft­pflicht-Poli­ce abschlie­ßen.

Und Besit­zer von Pfer­den eine ent­spre­chen­de Pfer­de­haft­pflicht. Dass Auto- und Motor­rad­be­sit­zer eben­falls eine eige­ne Haft­pflicht­po­li­ce benö­ti­gen, ist sogar gesetz­lich vor­ge­schrie­ben.

Noch ein Tipp: Neue­re Poli­cen decken inzwi­schen sogar Schä­den ab, die durch (unwis­sent­lich) über­mit­tel­te Com­pu­ter­vi­ren und ande­re Schad­soft­ware ver­ur­sacht wur­den.

Welche Anbieter sind zu empfehlen?

Gute und durch­aus preis­wer­te Poli­cen haben etwa Die Haft­pflicht­kas­se, VHV, Bas­ler, WGV, Jani­tos, HUK24 und Adam Rie­se.

Tipp: Haft­pflicht­po­li­cen soll­ten auch im abso­lu­ten „Worst Case“ den gesam­ten Scha­den über­neh­men. Daher bringt es nichts, mög­lichst preis­wer­te Poli­cen mit nied­ri­ger Deckungs­sum­me und gerin­gem Leis­tungs­um­fang zu wäh­len. Bes­ser eine Deckungs­sum­me von 50 Mil­lio­nen und einen mög­lichst gro­ßen Leis­tungs­um­fang wäh­len.

Je nach der eige­nen Situa­ti­on kann die­ser durch­aus vari­ie­ren. Wer etwa in einem gro­ßen Wohn­block mit zen­tra­ler Schließ­an­la­ge wohnt, für den kann es sinn­voll sein, wenn der Haft­pflicht­ver­si­che­rer auch beim Ver­lust von Schlüs­seln zahlt.

Auch der Ein­schluss von Schä­den bei unbe­zahl­ter Hil­fe­leis­tung, etwa bei Nach­bar­schafts- und Freund­schafts­diens­ten, ist durch­aus sinn­voll.

Alle bis­he­ri­gen Absi­che­rungs­tei­le auf einem Blick:

Gegen die finan­zi­el­len Fol­gen vie­ler Risi­ken gibt es Ver­si­che­run­gen. Doch nicht jede Poli­ce ist sinn­voll. Und längst nicht alle exis­ten­zi­el­len Risi­ken sind auch allen bewusst. Mehr im Teil 1 der Cou­ra­ge- Absi­che­rungs­se­rie: Ver­si­chert? – Aber rich­tig!

Gut, wenn Du dann eine Berufs­un­fä­hig­keits-Ver­si­che­rung hast. Wann die­se leis­tet, klärt der drit­te Teil der Absi­che­rungs­se­rie: Das größ­te Ver­mö­gen? Die eige­ne Arbeits­kraft!


Wie man sich gegen finan­zi­el­le Krank­heits­fol­gen – ein­schließ­lich Ver­dienst­aus­fall – absi­chern kann, klärt der vier­te Teil der Absi­che­rungs­se­rie.

Die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Pfle­ge­ver­si­che­run­gen sind kei­ne Voll­kas­ko-Poli­cen. Wel­che Mög­lich­kei­ten gibt es, sich trotz­dem gut abzu­si­chern zeigt Teil 5 der Absi­che­rungs­se­rie.

Das Tabu­the­ma Tod. Wie man sei­ne Ange­hö­ri­gen vor finan­zi­el­len Fol­gen schüt­zen kann zeigt Teil 6 der Absi­che­rungs­se­rie: Der Tod – ein Risi­ko für Ange­hö­ri­ge.

Noch mehr Infos für dich

Versicherungen für Kinder: Worauf Eltern achten sollten

Wenn Kin­der kom­men, ändert sich fast alles im Leben. Auch der Ver­si­che­rungs­schutz 
muss ange­passt wer­den. Haft­pflicht, Kran­ken­ver­si­che­rung, Kin­der­inva­li­di­tät: 
Auf die­se Poli­cen soll­ten (wer­den­de) Eltern unbe­dingt ach­ten.

Versichert? – Aber richtig!

Das Leben ist vol­ler Risi­ken. Gegen die finan­zi­el­len Fol­gen vie­ler Risi­ken gibt es Ver­si­che­run­gen. Doch nicht jede Poli­ce ist sinn­voll. Und längst nicht alle exis­ten­zi­el­len Risi­ken sind auch allen bewusst. In die­ser Serie klärt Cou­ra­ge über die wirk­lich gro­ßen Risi­ken auf – und wie man sich gegen deren Fol­gen absi­chert.



Teil 5: Die Pflegelücke schließen

Durch die stei­gen­de Lebens­er­war­tung wer­den die Deut­schen immer älter. Aber auch immer mehr Men­schen wer­den pfle­ge­be­dürf­tig. Die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Pfle­ge­ver­si­che­run­gen sind kei­ne Voll­kas­ko-Poli­cen. Damit hohe Pfle­ge­kos­ten nicht das gesam­te Ver­mö­gen auf­fres­sen, zeigt die Absi­che­rungs­se­rie wel­che Mög­lich­kei­ten es gibt, sich dage­gen abzu­si­chern.

Buch des Monats

Hinterlasse einen Kommentar

Nach oben