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    Aktienpreis, ©Freedomz/stock.adobe.com

Behind the scenes: So wird ein Aktienpreis ermittelt – Teil 3

2022-04-21T15:58:04+02:0020. April 2022|

Eine Sar­to­ri­us-Aktie kos­tet der­zeit rund 382 Euro, eine von E.On nur 10,28 Euro. Aber ist Sar­to­ri­us damit am teu­ers­ten im DAX? Und E.On am güns­tigs­ten? 

Von Ant­je Erhard

„Nein“, sagt Eva Hüb­ner, die an der Frank­fur­ter Bör­se Besucher:innen den Akti­en­han­del & Co erklärt. „Der Preis ist in der Theo­rie vom Wert eines Unter­neh­mens abhän­gig geteilt durch die Anzahl an aus­ge­ge­be­nen Akti­en.“ Allein an der Höhe des Prei­ses las­se sich nicht fest­stel­len, ob eine Aktie teu­er oder güns­tig ist. Der Preis hän­ge davon ab, was Anleger:innen für eine Aktie bezah­len bzw. bekom­men wol­len. 

Der Preis wird auf Basis der Preis­vor­stel­lun­gen der auf­ge­ge­be­nen Orders mit so genann­ten Limits berech­net. Das Han­dels­sys­tem errech­net den Preis und führt die Orders aus, die zusam­men­pas­sen. „Hin­ter jedem Kurs ste­hen das Ange­bot und die Nach­fra­ge; durch deren Ver­än­de­run­gen ver­än­dert sich der Kurs.“ Die Nach­fra­ge bedeu­tet, dass Interessent:innen bereit sind zu kau­fen. Das Ange­bot zeigt, wel­che Anzahl an Titeln zu einem Preis ver­füg­bar ist. 

Orderbuch: Angebot und Nachfrage stehen sich gegenüber

Im Order­buch wer­den Ange­bot und Nach­fra­ge gegen­über­ge­stellt. Links die Kauf­an­ge­bo­te mit den zuge­hö­ri­gen Preis­vor­stel­lun­gen, die man auch Limits nennt. Rechts ste­hen die Ver­kaufs­an­ge­bo­te. „Gibt es eine Über­ein­stim­mung, stim­men Kauf – und Ver­kaufs­li­mit über­ein, wer­den die bei­den gemat­ched und aus­ge­führt“, erklärt Eva Hüb­ner. Das geschieht per Com­pu­ter, frü­her war das Order­buch wirk­lich ein Buch. Was geblie­ben ist: Jedes Wert­pa­pier hat auch heu­te sein eige­nes Order­buch. Es ist im Xetra-Han­del für alle ein­seh­bar. Es gibt aber auch Orders ohne Limit. Wie ein Order­buch funk­tio­niert, erfährst du hier.  

Ein Akti­en­preis wird nach ver­schie­de­nen Regeln ermit­telt. „Es kom­men die Prei­se zustan­de, die den vor­he­ri­gen Prei­sen am nächs­ten kom­men Akti­en und bei denen die meis­ten Akti­en ihre Besit­zer wech­seln kön­nen.“ 

Nachfrage größer als Angebot: Kurs steigt

Ist die Nach­fra­ge grö­ßer als das Ange­bot, steigt der Preis der Aktie. Wer jetzt auf­merk­sam die Auf­trä­ge ver­folgt, kann sei­ne Limits, sei­ne Preis­vor­stel­lun­gen, nun anpas­sen. Das Order­buch wird lau­fend aktua­li­siert und gibt immer Aus­kunft über den neu­es­ten Stand. Dabei sind die Prei­se stän­dig in Bewe­gung – mal mehr, mal weni­ger, aber in vie­len klei­nen Schrit­ten. Die­se Bewe­gun­gen hei­ßen Vola­ti­li­tät. Damit dich die Vola­ti­li­tät nicht über­rascht, kannst du Limits set­zen. Eva Hüb­ner hilft dabei und erklärt: „Zunächst müs­sen wir zwi­schen Mar­ket Orders und Limit-Orders unter­schei­den.“  

Mar­ket-Orders wer­den zu jedem mög­li­chen Preis aus­ge­führt, sobald eine Order im Depot auf­ge­ge­ben wur­de. Mit dem Zusatz „bil­ligst“ wird ein Kauf­auf­trag zum nächs­ten mög­li­chen Preis aus­ge­führt. Bei der Opti­on „bes­tens“ ver­kaufst du zum nächst­mög­li­chen Kurs.  

Limit-Orders zum eigenen Schutz

Die Alter­na­ti­ve zur Mar­ket-Order sind Limit-Orders. Hier gibst du eine Preis­ober­gren­ze oder ‑unter­gren­ze ein. Die Order wird nicht dar­über und nicht dar­un­ter aus­ge­führt. „Das Limit schützt vor bösen Über­ra­schun­gen, des­halb raten wir bei Akti­en­ge­schäf­ten immer, ein Limit zu set­zen.“  

Dar­über hin­aus gäbe es wei­te­re Zusät­ze, um einen Han­dels­auf­trag aus­zu­füh­ren. So kön­ne eine Order tages­gül­tig (good for day), bis zu einem bestimm­ten Han­dels­tag (good till date) oder unbe­fris­tet (good till can­cel­led) auf­ge­ge­ben wer­den. „Kommt die Order nicht zur Aus­füh­rung, wird sie nach 360 Tage auto­ma­tisch gelöscht“, weiß Eva. Außer­dem kannst du Auf­trä­ge voll­stän­dig (fill or kill), sofort (immedia­te or can­cel) oder bei Errei­chen bestimm­ter Level (stop sell, stop buy) aus­füh­ren las­sen.  

Ist dei­ne Order auf­ge­ge­ben, gelangt sie ins Order­buch. Bei Über­ein­stim­mung von Kauf- und Ver­kaufs­in­ter­es­sen­ten wird die Order aus­ge­führt, geht dann an die Depot­bank zurück und du siehst sie als aus­ge­führ­te Order in dei­nem Depot. Das Sett­le­ment, die soge­nann­te Abwick­lung, sorgt für die Besitz­über­tra­gung nach dem Prin­zip Lie­fe­rung gegen Bezah­lung. „Im Kas­sa­han­del, dem Sofort­han­del, dür­fen zwi­schen Aus­füh­rung einer Order und ihrer Erfül­lung maxi­mal zwei Bör­sen­ta­ge ver­ge­hen“, erklärt Eva Hüb­ner. 

Did you know?

Was sich so kom­plex liest, geht in der Pra­xis meist sehr schnell, in Sekun­den. Wuss­test du etwa, dass pro Minu­te 3.000 Akti­en von adi­das auf Xetra gehan­delt wer­den?  

Die Geset­ze des Mark­tes sind auch nicht so ratio­nal, wie vie­le glau­ben. An der Bör­se wird die Zukunft gehan­delt, ist ein alter Kalau­er, aber er ist wahr. Und damit ver­bin­den sich vie­le Hoff­nun­gen: Anleger:innen kau­fen Wert­pa­pie­re in der Hoff­nung, dass sie stei­gen. Sobald ein Wert­pa­pier im Han­del ist, grei­fen die Geset­ze von Ange­bot und Nach­fra­ge. Die Bör­se hat damit eine Drei­fach-Funk­ti­on: Sie ist Han­dels­platz, Han­dels­sys­tem und Regel­werk zusammen.

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