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    Im Xetra-Handel ist Orderbuch öffentlich einsehbar, ©whyframestudio/iStock

Behind the scenes: So funktioniert ein Orderbuch – Teil 2

2022-04-08T13:21:58+02:008. April 2022|

Wohin bewegt sich der Kurs einer Aktie? Span­nen­de Fra­ge. Und nicht unbe­dingt ein Buch mit sie­ben Sie­geln. Im Order­buch einer Aktie kannst du sehen, wie Ange­bot und Nach­fra­ge aus­se­hen und wohin sich eine Aktie kurz­fris­tig bewegt. 

Von Ant­je Erhard

Das Order­buch einer Aktie kannst du dir wie ein Buch vor­stel­len. Und das war es frü­her auch: „Als der Han­del noch mit Per­so­nen hier auf dem Par­kett statt­fand, haben die Kurs­mak­ler alle Kauf- und Ver­kaufs­auf­trä­ge in eine Klad­de ein­ge­tra­gen“, berich­tet Eva Hüb­ner, von der Deut­sche Bör­se AG, die Besucher:innen die Bör­se vor Ort in Frank­furt zeigt und erklärt.  

Die Auf­trä­ge kamen damals auf Zuruf oder per Tele­fon – heu­te ist es still auf dem Par­kett: Der Prä­senz­han­del fin­det seit 2011 offi­zi­ell nicht mehr statt. Aber auch im Com­pu­ter­han­del Xetra wird ein Order­buch ein­ge­setzt. 

Das steht im Orderbuch

Im Xetra-Han­del ist das Order­buch – anders als im Frank­fur­ter Han­del – für alle Marktteilnehmer:innen öffent­lich ein­seh­bar. Du kannst bis zu zehn Kauf- und Ver­kaufs­auf­trä­ge sehen. Die Orders mit einem Limit – also die Vor­ga­be für den Min­dest- oder Höchst­preis — wer­den nach dem Preis sor­tiert. „Links ste­hen die höchs­ten Kauf­auf­trä­ge, rechts die güns­tigs­ten Ver­kaufs­an­ge­bo­te“, erklärt Eva Hüb­ner. Auf­trä­ge, die kein Preis­li­mit haben, wer­den direkt aus­ge­führt, zum nächst­mög­li­chen Preis.  

Das Order­buch zeigt die zehn bes­ten Kauf- und Ver­kaufs­li­mits mit kumu­lier­ten Stück­zah­len und Anzahl der Auf­trä­ge bei die­sem Limit. „Die wich­tigs­ten Spal­ten im Order­buch sind „Bid’“ und „Ask“, erklärt Eva Hüb­ner den Auf­bau. Dort ste­hen die Limits der auf­ge­ge­be­nen Orders. „In der ‚Bid’-Spalte ste­hen die Kauf­an­ge­bo­te. Sie wer­den auch Geld genannt.“ Das sind also die zehn höchs­ten Prei­se, zu denen Marktteilnehmer:innen der­zeit bereit sind, eine bestimm­te Aktie zu kau­fen. „Für Ver­käu­fer ist dies die rele­van­te Sei­te des Order­buchs.“ 

Die Spal­te mit den ‚Asks’ – auch Brief genannt – zeigt die zehn nied­rigs­ten Ver­kaufs­an­ge­bo­te, zu denen Markt­teil­neh­mer bereit sind zu ver­kau­fen. „Der Abstand vom Bid zum Ask ergibt die Han­dels­span­ne eines Wert­pa­piers.“ Pas­sen zwei Auf­trä­ge zusam­men, stim­men also Kauf – und Ver­kaufs­li­mit über­ein, wer­den die bei­den gemat­ched und aus­ge­führt. Es gibt einen Preis. „Danach wird das Order­buch aktua­li­siert“, beschreibt Eva Hüb­ner den Ablauf. Das bedeu­tet, dass die Orders aus dem Buch ver­schwin­den und die nächst­bes­ten Bids und Asks nach­rü­cken. 

Wofür brauche ich als Privatanleger:in ein Orderbuch?

Für dich als pri­va­te Anleger:in ist das Order­buch durch­aus rele­vant: „Jede:r kann sich ein Bild machen, ob das Ange­bot oder Nach­fra­ge zu einem Wert­pa­pier höher ist.“ So lässt sich ablei­ten, ob eine Aktie kurz­fris­tig eher stei­gen oder fal­len wird, denn du siehst, ob die Nach­fra­ge oder das Ange­bot höher ist. So kannst du dei­ne eige­nen Kauf- oder Ver­kaufs­auf­trä­ge geschick­ter plat­zie­ren.  

Eva Hübner zeigt uns zwei Beispiele:

  • Ein Käu­fer möch­te 100 Akti­en mit einem Limit von 202,30 Euro kaufen.
  • Ein wei­te­rer Käu­fer möch­te 300 Akti­en zu 202,00 Euro kau­fen. 
  • Ein drit­ter Käu­fer möch­te 100 Akti­en zu 201,90 Euro erwer­ben.  

Ihnen ste­hen Ver­käu­fer gegen­über:  

  • Ein Ver­käu­fer möch­te 100 Akti­en zu 202,50 Euro ver­kau­fen 
  • Ein zwei­ter Ver­käu­fer möch­te 700 Akti­en zu 202,80 Euro ver­äu­ßern. 
  • Ein drit­ter Ver­käu­fer möch­te 80 Akti­en zu 203,10 Euro ver­kau­fen. 

Wir sehen: In die­sem Bei­spiel pas­sen Kauf- und Ver­kaufs­sei­te nicht zusam­men, daher wür­de kei­ne Aus­füh­rung erfol­gen. Gäbe es eine neue Kauf­or­der für bei­spiels­wei­se 100 Akti­en zu 202,50 Euro, wäre das zu die­sem Zeit­punkt das höchs­te Gebot für die­se Aktie, und der Kauf­auf­trag wür­de auf eine ent­spre­chen­de Ver­kaufs­or­der tref­fen. Es käme zu einer Aus­füh­rung der Order, die Akti­en wech­seln die Besitzer:innen. Mit jedem Match, jeder Über­ein­stim­mung, wird das Order­buch aktua­li­siert: Der aktu­el­le Akti­en­kurs beträgt nun 202,50 Euro. 

Ach­tung: Bei kos­ten­los ver­füg­ba­ren Xetra-Prei­sen gibt es eine Zeit­ver­zö­ge­rung von 15 Minu­ten. Man sieht also immer die Wert­ent­wick­lung 15 Minu­ten zuvor. Real­time-Kur­se gibt es bei Daten­ven­do­ren, die die Kurs­da­ten ver­trei­ben dür­fen. Eine Lis­te die­ser Ven­do­ren fin­dest du auf der Web­site der Deut­schen Bör­se. 

Fazit: Mit dem Order­buch kannst du dir für Xetra-Auf­trä­ge ein Bild machen, wel­che Geld- und Brief­an­ge­bo­te zum gewünsch­ten Wert­pa­pier ein­ge­tra­gen sind. Damit kannst du abschät­zen, ob der Kurs kurz­fris­tig eher nach unten oder nach oben geht. 

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