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Beate Sander zu Corona-Crash: „Ich habe bereits zugekauft“

2021-05-12T10:21:44+02:0030. März 2020|

Bea­te San­der ist die Gran­de Dame unter den Bör­sen­gu­rus. In Cou­ra­ge erklärt sie, wie Anle­ge­rin­nen die Kri­se meis­tern und bei wel­chen Bran­chen sie aktu­ell zukauft. Zudem for­dert sie die Poli­tik auf, Senio­ren und Bör­sen­neu­lin­gen die Abgel­tungs­steu­er zur För­de­rung der Alters­vor­sor­ge jetzt zu erlas­sen und ab zehn Jah­ren Anla­ge­ho­ri­zont ganz dar­auf zu verzichten.

Von Danie­la Meyer

Durch die Corona-Krise sind die Börsenkurse abgestürzt. Um wie viel ist Ihr Depot eingebrochen?

Bea­te San­der: Nach­dem ich erst kurz vor der Jahr­tau­send­wen­de mit 30.000 Euro an der Bör­se ein­ge­stie­gen bin und an mei­nem Geburts­tag Ende 2019, erst­mals die zwei Mil­lio­nen-Euro-Mar­ke knack­te, bin ich aktu­ell mit einem knap­pen Vier­tel von mei­nem Höchst­kurs abgestürzt.

Der Wert Ihres Depots hat also in wenigen Tagen Hunderttausende Euro verloren – hat Sie das schockiert?

Nein, bei mir kam weder Schock, noch Panik auf. Mitt­ler­wei­le lie­gen die Ver­lus­te bei nicht ein­mal mehr einem Zehn­tel – weil ich bevor­zugt bei tief ein­ge­bro­che­nen Qua­li­täts­ak­ti­en direkt zukauf­te und die­se sich größ­ten­teils bereits wie­der zwei­stel­lig auf­wärts bewegen.

Mein Depot hat sich nach dem impo­san­ten Kurs­feu­er­werk schon wie­der von 1,5 Mil­lio­nen Euro auf mehr als 1,9 Mil­lio­nen Euro erholt. Welch Irr­sinn, wenn ich da alles ver­kauft hät­te. Mei­ne zahl­rei­chen Zukäu­fe im März sind die Cash­kuh für die Zukunft.

Waren Sie dennoch überrascht von der Heftigkeit des Crashs?

Der Crash ist das Ergeb­nis von Ange­bot und Nach­fra­ge. Die Haupt­ur­sa­che ist natür­lich die Coro­na­vi­rus-Pan­de­mie mit ihren ver­hee­ren­den volks­wirt­schaft­li­chen Schä­den rund um den Glo­bus. Aber zum Crash kommt es nur, wenn mas­sen­wei­se kom­plet­te Akti­en­de­pots in den Markt geschleu­dert werden.

Also sind die Anleger selbst schuld?

Die Bör­se reagiert selbst oft sehr emo­tio­nal und die meis­ten Anle­ger ler­nen lei­der nichts aus ihren Feh­lern. Nur so konn­te es zu die­sem tie­fen Ein­bruch kom­men. Je mehr Abver­käu­fe im gro­ßen Stil, umso grö­ßer die Ket­ten­re­ak­ti­on. Ange­heizt wird der Crash dann noch durch die vie­len Stopp­kurs-Ver­käu­fe, die nun auto­ma­tisch durch die welt­wei­ten Com­pu­ter­sys­te­me aus­ge­löst werden.

Und wie kommt es dann so plötzlich wieder zu den schnellen Kursanstiegen?

Das pas­siert, wenn Pes­si­mis­mus und Angst plötz­lich in Eupho­rie und Gier umschla­gen. Da wird dann plötz­lich umge­kehrt weg­ge­wischt, dass sich das Coro­na­vi­rus wei­ter aus­brei­tet, die Ein­schrän­kun­gen zuneh­men und die Ein­brü­che in der Wirt­schaft gera­de­zu beängs­ti­gend sind.

Haben Sie irgendwas an Ihrem Depot im Nachgang angepasst?

Das mache ich, sofern es mei­ne Zeit zulässt und ich nicht unter­wegs bin. Ich kau­fe dann schritt­wei­se hart abge­straf­te Qua­li­täts­ak­ti­en zu. Dies finan­zie­re ich durch Teil­ver­käu­fe ein­zel­ner Akti­en nahe dem Jah­res­hoch mit einem drei- oder vier­stel­li­gen Plus, mit Divi­den­den und klei­nen zusätz­li­chen Ein­nah­men. Letzt­lich finan­ziert sich aber mein Depot selbst.

Sie kaufen also schon. Wäre es nicht besser, noch etwas abzuwarten und zu schauen, wie sich die Krise weiterentwickelt?

Es gibt kei­nen Grund, immer nur zöger­lich abzu­war­ten. Wer so han­delt, ver­passt die bes­ten Chan­cen. Ich nut­ze die Chan­cen, indem ich schritt­wei­se zugrei­fe und Teil­ver­käu­fe vor­neh­me. Es wäre aber falsch, sein gan­zes Pul­ver auf ein­mal zu ver­schie­ßen, denn nie­mand weiß, wie lan­ge und hef­tig die­ser Crash noch sein wird. Aber mein Grund­satz lau­tet auch beim Anle­gen: Der Tüch­ti­ge und der Muti­ge ver­die­nen das Glück.

Welche Titel haben Sie denn schon gekauft?

Da ich aktiv nach­ge­kauft habe, wür­de es hier viel zu weit füh­ren, alle Akti­en auf­zu­füh­ren. Ich nen­ne daher nur mei­ne aktu­ell bevor­zug­ten Bran­chen. Das wäre ein­mal das Gesund­heits­we­sen mit Phar­ma, Bio­tech, Med­tech – mit Blick auf Schutz­klei­dung, Des­in­fek­ti­ons­mit­tel, neue Wirk­stof­fe, kom­bi­nier­te The­ra­pien, Stär­kung der Immun­ab­wehr, Ent­wick­lung von Impf­stof­fen, Ver­fei­ne­rung der Test­me­tho­den, Kli­nik­aus­rüs­tun­gen, Ärz­te­soft­ware, Onlineapo­the­ken. Eben­so inter­es­sant sind divi­den­den­star­ke Akti­en aus dem Ver­si­che­rungs­be­reich, der Immo­bi­li­en­bran­che mit Bau­wirt­schaft und dem Roh­stoff­sek­tor, wozu auch rus­si­sche Spit­zen­ak­ti­en zählen.

Welche Titel haben Sie auf Ihrer Beobachtungsliste?

Ich beob­ach­te alle Märk­te, kann mehr als 1000 Akti­en spon­tan aus dem Kopf nen­nen und brau­che des­halb kei­ne beson­de­re Lis­te für künf­ti­ges Handeln.

Woran erkennt man denn jetzt eine gute Aktie und woher weiß man, dass sie sich auch wieder positiv entwickeln wird?

Auch ich kann nicht garan­tie­ren, dass sich alle guten Akti­en nach einem Crash erho­len. Um mög­lichst treff­si­cher zu ent­schei­den, schaue ich mir das Geschäfts­mo­dell des Unter­neh­mens sehr genau an.

Und worauf achten Sie da besonders?

Han­delt es sich um einen Zukunfts­markt? Wird nach­hal­tig inves­tiert? Sind defen­si­ve, kon­junk­tur­un­ab­hän­gi­ge Value-Akti­en nied­rig bewer­tet und divi­den­den­stark? Wie sieht das Ergeb­nis je Aktie im Mehr­jah­res­ver­gleich aus? Wie hoch ist die Eigen­ka­pi­tal­quo­te und umge­kehrt pro­zen­tu­al die Ver­schul­dung? Wächst das Unter­neh­men, wird pro­fi­ta­bel gewirt­schaf­tet? Wie hoch ist der Jahresüberschuss?

Bea­te San­der deckt mit die­sem Bestel­ler alle wich­ti­gen Berei­che ab und gibt vie­le ganz kon­kre­te Tipps für einen erfolg­rei­chen Start als Bör­sen­an­le­ger oder Trader.

Ist das für jede Branche gleich?

Bei den Growth-Akti­en aus dem Technologie‑, Software‑, Robotik‑, Bio­tech- und Med­tech­sek­tor kommt es auf inno­va­ti­ve Geschäfts­ideen und Allein­stel­lungs­merk­ma­le, vor allem aber auf Wachs­tum in Zukunfts­märk­ten an. Hier neh­me ich eine höhe­re Bewer­tung in Kauf, denn Qua­li­tät ver­dient einen Auf­schlag. Und dann erwar­te ich kei­ne üppi­ge Divi­den­de. Ein exzel­lent geführ­tes Fünf-Ster­ne-Hotel ist ja bezüg­lich der Kos­ten auch nicht mit einer her­un­ter­ge­kom­me­nen Mehr-Bett-Klit­sche vergleichbar.

Bei welchen Unternehmen sehen Sie auch die Gefahr, dass sich deren Aktien gar nicht oder über lange Zeit nicht wieder erholen?

Wenn die genann­ten Vor­aus­set­zun­gen und Merk­ma­le bei den defen­si­ven Value- und den offen­si­ven Growth-Akti­en größ­ten­teils nicht zutref­fen, blei­be ich außen vor. Ich kann ja unter Tau­sen­den von Titeln auswählen.

Was lernen Sie gerade aus der aktuellen Krise?

Ich opti­mie­re und ver­fei­ne­re mei­ne Hoch-/Tief-Mutstra­te­gie und betrach­te auch die­sen hef­ti­gen Crash als wei­te­ren wich­ti­gen Bestä­ti­gungs­test, dass sie genau die rich­ti­ge Lang­zeit­stra­te­gie ist. Ich den­ke gar nicht dar­an, mein Depot abzu­si­chern. Nach jedem gro­ßen Crash ist Erho­lung angezeigt.

Was raten Sie Ihren Finanzschülern und allen Kleinanlegern grundsätzlich?

Die Bör­se ist kein Kin­der­ge­burts­tag. Ohne gute Bücher geht es nicht: Vom Buch zum Inter­net, vom Inter­net zum eigen­stän­di­gen Online­han­del. Ob Tanz, ob Sport oder Musik. Ohne Übung, ohne Fleiß auch kein Erfolg und auch kein Preis!

Was sagen Sie Anlegerinnen, die aktuell Verluste im Depot verzeichnen und sich um ihre Altersvorsorge Sorgen machen?

Ich ver­su­che zu über­zeu­gen, dass der größ­te Feh­ler der Kom­plett­ver­kauf aller Akti­en im Crash ist und dass selbst das Aus­sit­zen und Füße still hal­ten für Lang­zeit­an­le­ger die bes­se­re Stra­te­gie dar­stellt. Am bes­ten ist ein schritt­wei­ser Zukauf an schwan­kungs­star­ken Tagen im Crash-Sze­na­rio – finan­ziert mit Teil­ver­käu­fen bes­ter Akti­en, die kei­ne oder nur beschei­de­ne Kurs­ver­lus­te erleiden.

Hin­zu kom­men wie­der anzu­le­gen­de Divi­den­den. Und viel­leicht schlum­mern ja doch noch Geld­schät­ze unter der Matrat­ze, auf dem Spar­buch, Tages- oder Fest­geld­kon­to. Umge­kehrt sage ich immer: Akti­en­zu­kauf auf Kre­dit − alles and­re als ein Hit!

Sind Sie beunruhigt, wie es mit der Corona-Krise und der Wirtschaft weitergeht?

Das Wirt­schafts­wachs­tum kommt zum Still­stand bis hin zur Rezes­si­on. Vor allem Arbeit­neh­mern mit gerin­gem Ver­dienst, klei­nen Unter­neh­men, frei­schaf­fen­den Künst­lern, Selbst­stän­di­gen und Frei­be­ruf­lern drü­cken finan­zi­el­le Sor­gen bis hin zum Zusam­men­bruch, zur Plei­te. Es ist gut, dass die Poli­tik nun ein schnel­les, unbü­ro­kra­ti­sches Hilfs­pa­ket auf die Bei­ne stellt. Dazu gehört aber auch, die geplan­te Akti­en­trans­ak­ti­ons­steu­er nicht ein­zu­füh­ren und Bör­sen­neu­lin­gen und Senio­ren zur För­de­rung der Alters­vor­sor­ge am bes­ten für fünf Jah­re die Abgel­tungs­steu­er zu erlas­sen und bei einer Akti­en­an­la­ge ab zehn Jah­ren ganz auf die­se Steu­er zu verzichten.

Damals, nach der Finanzkrise haben Sie auf Weihnachtsgeschenke für Ihre Familie verzichtet, um günstig Aktien zu kaufen. Wie werden Sie es in der aktuellen Krise halten?

Zwi­schen­zeit­lich habe ich genug Geld mit Akti­en und neu­er­dings auch mit mei­nen Büchern ver­dient, um mei­ne Ange­hö­ri­gen reich­lich beschen­ken und alle Enkel bei Stu­di­um und Schul­aus­bil­dung unter­stüt­zen zu können.

Mehr über Bea­ter San­der gibt es hier.

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