Startseite/Beate Sander: “Das größte Risiko ist kein Risiko”
  • Beate Sander
    Börsenexpertin Beate Sander ist Autorin von über 50 Fachbüchern Foto: Mike Henning Photographie

Beate Sander: “Das größte Risiko ist kein Risiko”

2022-04-28T12:00:57+02:0018. November 2019|

Bea­te San­der ist eine der bekann­tes­ten Bör­sen­ex­per­tin­nen Deutsch­lands – und eine der ältes­ten. Mit der von ihr ent­wi­ckel­ten Hoch­/­Tief-Mut-Stra­te­gie wur­de sie im stol­zen Alter von 74 Jah­ren Mil­lio­nä­rin – gera­de mal 15 Jah­re, nach­dem sie ihre aller­ers­te Aktie gekauft hat. Zur Ruhe set­zen will sich die oft als “Bör­sen-Oma” beti­tel­te Ulme­rin aber längst noch nicht: Bea­te San­der schreibt Kolum­nen für Zei­tun­gen, gibt ehren­amt­lich Börsen­se­mi­na­re an der Volks­hoch­schu­le und ist Autorin von über 50 Fach­bü­chern. Der bekann­tes­te Best­sel­ler von Bea­te San­der ist der „Bör­sen­füh­rer­schein“.

Von Astrid Zehbe

Frau San­der, wor­auf soll­ten Men­schen, die mit dem Ver­mö­gens­auf­bau star­ten wol­len, achten?

Gera­de für den Anfang ist es wich­tig, breit am Markt zu inves­tie­ren. Das geht über aktiv gema­nag­te Akti­en­fonds und den Index abbil­den­de ETFs, die eine Viel­zahl von Akti­en brin­gen. Nicht nur für Bör­sen­neu­lin­ge sind die­se Pro­duk­te gut geeignet.

Inves­tiert man dann lie­ber über Spar­plä­ne, oder sind Ein­zel­in­vest­ments besser?

Wer dis­zi­pli­niert ist, also sein Gespar­tes nicht leicht­fer­tig wie­der aus­gibt, der kann Ein­zel­in­vest­ments täti­gen – am bes­ten immer dann, wenn es am Markt Rück­set­zer gab. Wer es beque­mer mag, dem rate ich zu Spar­plä­nen, am bes­ten auf the­sau­rie­ren­de ETFs, um den Zin­ses­zins­ef­fekt zu nut­zen. Aller­dings soll­te man Spar­plä­ne ein­fach ewig lau­fen las­sen und womög­lich vergessen.

War­um nicht?

Spar­plä­ne sind wie Leis­tungs­sport. Man muss immer trai­nie­ren, um am Ball zu blei­ben. Oder kon­kre­ter: Spar­plä­ne soll­ten regel­mä­ßig ange­passt wer­den, um zu ver­mei­den, dass eine ein­zel­ne Posi­ti­on zu viel Gewicht im Port­fo­lio bekommt und Klum­pen­ri­si­ken entstehen.

Sichern Sie Ihr Depot ab – zum Bei­spiel mit Zer­ti­fi­ka­ten oder Gold?

Nein, Opti­ons­schei­ne, Hebel­zer­ti­fi­ka­te oder ähn­li­ches waren für mich schon immer tabu. Auf etwas Gold hin­ge­gen set­ze ich schon. Ich bin zum Bei­spiel in einen Gold- und einen Edel­me­tall-ETC inves­tiert. Als bes­te Absi­che­rung sehe ich aller­dings eine brei­te Streu­ung (Diver­si­fi­ka­ti­on) in mei­nem Portfolio.

Haben Sie einen Tipp, um in tur­bu­len­ten Bör­sen­zei­ten ruhig zu blei­ben – auch wenn das Depot ein Minus ausweist?

Mein Mot­to ist: Mei­de die gefähr­li­chen Vier – Eupho­rie, Panik, Angst und Gier. Das hat mir immer gehol­fen, beson­nen zu reagie­ren und dis­zi­pli­niert abzubremsen.

Die Finanz­bran­che ist eher noch eine Män­ner­do­mä­ne. Haben Sie sich dort jemals unwohl gefühlt?

Nein, nie. Es gibt zwar vie­le Ver­an­stal­tun­gen, bei denen ich die ein­zi­ge Frau bin, aber das hat mich nicht gestört. Ich habe sowohl mit Män­nern als auch Frau­en immer einen tol­len Aus­tausch gehabt.

Unter­schei­den sich Frau­en und Män­ner aus Ihrer Sicht bezüg­lich der Geldanlage?

Die meis­ten Frau­en sind vor­sich­ti­ger und ängst­li­cher. Sie mei­den Risi­ken und wol­len ihr Geld lie­ber aufs Spar­buch legen, weil sie anneh­men, dort sei es siche­rer. Aber ihnen ist oft nicht klar, dass das Geld dort durch die Infla­ti­on ent­wer­tet wird. Und schlim­mer noch: Wenn man rich­tig viel Geld hat, zahlt man Minus­zin­sen. Das größ­te Risi­ko ist heut­zu­ta­ge, über­haupt kein Risi­ko einzugehen.

Was war – abseits der Bör­se – das bes­te Invest­ment, das Sie je getä­tigt haben?

Dies sind mei­ne Kin­der und Enkel mit viel Unter­stüt­zung bei der Bil­dung. Und mei­ne eige­nen Bücher zäh­len auch dazu. Ich betrach­te mich als Unter­neh­mer-Autorin mit dem Anspruch, unter­neh­me­ri­sches, krea­ti­ves Den­ken und Han­deln sowie die Akti­en­kul­tur zu fördern.

 Was bedeu­tet Ihnen Ihr Ver­mö­gen heute?

Ich war über­rascht und über­aus glück­lich, als ich durch mei­ne Bör­sen­ak­ti­vi­tä­ten Mil­lio­nä­rin wur­de. Der Grund dafür war aber in ers­ter Linie, dass ich merk­te, dass mei­ne Hoch­/­Tief-Mut-Stra­te­gie so gut funk­tio­niert. Ich konn­te die­se Idee wei­ter­ge­ben in mei­nen Publi­ka­tio­nen, mei­nen Börsen­se­mi­na­ren und Vor­trä­gen. Mein eige­nes Leben und der Umgang mit Geld haben sich aber nicht geän­dert. Ich genie­ße Erfol­ge, will immer das Best­mög­li­che errei­chen, etwas ver­än­dern und Posi­ti­ves hinterlassen.

Noch mehr Infos für dich

Buch des Monats

Dir hat der Artikel gefallen? Jetzt teilen...

Nach oben