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  • Bärbel Bas, © Fabrizio Bensch/Reuters

Bärbel Bas: Erstmals seit 1998 wieder eine Frau an der Bundestagsspitze

2021-10-27T13:43:39+02:0026. Oktober 2021|
Zum drit­ten Mal in der Geschich­te der Bun­des­re­pu­blik ist mit Bär­bel Bas eine Frau zur Bun­des­tags­prä­si­den­tin gewählt wor­den. Die 53 Jah­re alte SPD-Poli­ti­ke­rin erhielt bei der kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung des neu­en Bun­des­tags am Diens­tag in Ber­lin 576 von 724 abge­ge­be­nen Stim­men. Mit Nein stimm­ten 90 Abge­ord­ne­te, 58 ent­hiel­ten sich. Vor Bas waren Anne­ma­rie Ren­ger (SPD) von 1972 bis 1976 und Rita Süss­muth (CDU) von 1988 bis 1998 Par­la­ments­prä­si­den­tin­nen. Es ist pro­to­kol­la­risch das zweit­höchs­te Staats­amt nach dem Bundespräsidenten.

Das Amt an der Spit­ze des Bun­des­tags steht tra­di­tio­nell der stärks­ten Frak­ti­on zu, nach der Bun­des­tags­wahl am 26. Sep­tem­ber also der SPD.

Bär­bel Bas kün­dig­te an, sie wer­de sich für eine neue Nähe zu den Bürger:innen ein­set­zen. “Las­sen Sie uns vie­le Men­schen anspre­chen, auf die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in unse­rem Land zuge­hen, vor allem auf jene, die sich von der Poli­tik seit lan­gem nicht mehr ange­spro­chen füh­len. Men­schen, denen “die Poli­tik” fremd gewor­den ist”, sag­te sie. Ein viel­fäl­ti­ges, jun­ges, frisch gewähl­tes Par­la­ment kön­ne leich­ter Brü­cken bau­en und hel­fen, Vor­ur­tei­le, Abwehr­re­ak­tio­nen und Miss­trau­en zu über­win­den. Bas beton­te zugleich aber auch: “Hass und Het­ze sind kei­ne Mei­nung. Als Prä­si­den­tin wer­de ich die­ses Par­la­ment vor Angrif­fen schüt­zen. Und die Demo­kra­tie gegen ihre Fein­de verteidigen.”

1968 in Walsum — heu­te Duis­burg — gebo­ren, ver­tritt die gelern­te Per­so­nal­ma­na­ge­rin ihre nord­rhein-west­fä­li­sche Hei­mat­stadt seit 2009 im Bun­des­tag. Seit 2019 ist die frü­he­re Betriebs­rä­tin, die dem lin­ken Par­tei­flü­gel ange­hört, eine von sie­ben Stell­ver­tre­te­rin­nen des SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Rolf Müt­zenich. Als Exper­tin für Bil­dung, For­schung und Gesund­heit folg­te Bas auf den Gesund­heits­po­li­ti­ker Karl Lauterbach.

“Alles das, was wir jetzt tun wol­len, muss auf die Genera­ti­on von mor­gen aus­ge­rich­tet sein”, erklär­te die 53-Jäh­ri­ge kürz­lich eine der Leit­li­ni­en ihrer Poli­tik. “Chan­cen­ge­rech­tig­keit und Sozia­le Sicher­heit sind wich­ti­ge Bestand­tei­le für ein fried­li­ches Zusam­men­le­ben in einer Gesell­schaft”, schreibt die “poli­ti­sche All­roun­de­rin” auf der Web­sei­te der Frak­ti­on. Neben der Gesund­heits­po­li­tik lägen ihr die The­men Ren­te, Arbeits­markt und Sozia­les daher beson­ders am Herzen.

Bas, die 1985 als Büro­ge­hil­fin bei den Duis­bur­ger Ver­kehrs­be­trie­ben ange­fan­gen hat­te, trat 1988 in die Par­tei ein. Im Rat der Stadt Duis­burg enga­gier­te sie sich vor allem in der Jugend- und Gesund­heits­po­li­tik. Von 2013 bis 2019 war Bas Par­la­men­ta­ri­sche Geschäfts­füh­re­rin der SPD-Bundestagsfraktion.

Stellvertreter:innen von Bärbel Bas

Zu Stellvertreter:innen von Bas wähl­ten die Abge­ord­ne­ten am Diens­tag wie erwar­tet neu die CDU-Par­la­men­ta­rie­rin Yvonne Mag­was (600 von 727 abge­ge­be­nen Stim­men) und die frü­he­re Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Aydan Özo­guz (SPD, 544 Stim­men). Wie­der­ge­wählt wur­den Clau­dia Roth von den Grü­nen (565 Stim­men), Wolf­gang Kubicki von der FDP (564 Stim­men) und Petra Pau von der Lin­ken (484 Stimmen).

Der Kan­di­dat der Rechts­po­pu­lis­ten von der AfD, Micha­el Kauf­mann, schei­ter­te mit 118 Stim­men. AfD-Frak­ti­ons­chefin Ali­ce Wei­del zeig­te sich nach Bera­tun­gen ihrer Frak­ti­on ver­är­gert. Mit dem Ergeb­nis wer­de nicht nur die AfD-Frak­ti­on aus­ge­grenzt, son­dern auch Mil­lio­nen von Wäh­lern, die die Par­tei gewählt hät­ten. Kauf­mann erklär­te, der Bun­des­tag sei beim “ers­ten Demo­kra­tie­test” der neu­en Legis­la­tur­pe­ri­ode kra­chend durch­ge­fal­len. Auf einen wei­te­ren Wahl­gang ver­zich­te­te die Frak­ti­on zunächst.

Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er bat Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU), die Regie­rungs­ge­schäf­te noch so lan­ge wei­ter­zu­füh­ren, bis ein neu­er Kanz­ler gewählt wird. Der Schritt ist üblich, wenn beim Zusam­men­tre­ten eines neu­en Bun­des­tags noch kein neu­er Regie­rungs­chef gewählt wird. Offi­zi­ell endet mit der kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung des Par­la­ments die Amts­zeit der Kanz­le­rin und der Bundesminister:innen.

dpa-AFX/fh

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