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    Ausblick Tech-Werte, @Vonkara1/iStock

Ausblick 2022: Techwerte mit lauen Gewinnsteigerungen – Und dafür sollte es auch noch Kursgewinne geben. Aber nicht für alle.

2022-01-04T10:12:43+01:005. Januar 2022|

Apple, Ama­zon, Micro­soft und Alpha­bet haben 2021 Rekord­ge­win­ne ein­ge­fah­ren und All­zeit­hö­hen an der Bör­se erreicht. Glaubt man Expert:innen, soll­ten sich Aktienanleger:innen aber auf stei­gen­de Zin­sen und eine wei­ter hohe Infla­ti­on ein­stel­len. Was heißt das aber für die gewinn­ver­wöhn­te Tech-Bran­che und deren Akti­en­kur­se? 

Von Ant­je Erhard

Stell dir vor: Die fünf Unter­neh­men Face­book (jetzt Meta), Ama­zon, Apple, Micro­soft und Alpha­bet machen 23 Pro­zent der Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung des S&P 500 und 17 % sei­ner Gewin­ne aus. Seit Jah­ren – auch und gera­de in der Pan­de­mie – sind Anleger:innen gewöhnt, dass die­se Unter­neh­men immer höhe­re Umsät­ze und Gewin­ne erzie­len. Tun sie auch. Und sind des­halb ent­spre­chend bewer­tet. Mit­te Dezem­ber steht bei Apple ein Kurs­plus von 30 Pro­zent auf der Lis­te, bei Ama­zon von nur zwei Pro­zent (was zwi­schen­zeit­lich aber deut­lich mehr war), von 20 Pro­zent bei Meta (ehe­mals Face­book) und 47 Pro­zent bei Micro­soft. 

Doch nun steigt das Risi­ko – auch Big Tech: Big Tech hat 2021 Rekord­um­sät­ze und ‑gewin­ne erreicht. Die Unter­neh­men sind ein­deu­tig Pan­de­mie-Gewin­ner: Die Nach­fra­ge nach Lap­tops, Spie­len, Smart­pho­nes, Cloud Com­pu­ting und E‑Commerce ist enorm gestie­gen. Doch vie­le Ana­lys­ten erwar­ten, dass die Umsät­ze der größ­ten Tech-Unter­neh­men 2022 lang­sa­mer wach­sen wer­den – auch die Gewin­ne. Für Apple, Alpha­bet und Meta wird für 2022 ein lau­es ein­stel­li­ges EPS-Wachs­tum (EPS = Gewinn je Aktie= geschätzt) – ein Gezei­ten­wech­sel nach jah­re­lan­gen zwei­stel­li­gen Wachs­tums­ra­ten. Doch immer noch eine star­ke Per­for­mance: 

Goldman setzt auf Info-Tech, Gesundheit und Finanztitel 

„Wir gehen davon aus, dass der S&P 500-Index bis zum Jah­res­en­de 2022 um 9 Pro­zent auf 5.100 Punk­te stei­gen wird, was einer vor­aus­sicht­li­chen Gesamt­ren­di­te von 10 Pro­zent ein­schließ­lich Divi­den­den ent­spricht.“ Das ist die Jah­res­pro­gno­se von Gold­man Sachs. Ein lang­sa­me­res Wirt­schafts­wachs­tum, eine straf­fe­re Geld­po­li­tik der US-Noten­bank Fed und stei­gen­de Real­ren­di­ten wür­den mehr Ren­di­te nicht zulas­sen. Immer­hin — das wäre über­durch­schnitt­lich: Der S&P 500 hat in der Ver­gan­gen­heit in einem Umfeld posi­ti­ver, aber nach­las­sen­der wirt­schaft­li­cher Akti­vi­tät und stei­gen­der Real­zin­sen eine 12-Monats-Ren­di­te von 8 Pro­zent im Schnitt erwirt­schaf­tet. 26 Pro­zent waren es im letz­ten Jahr. Eher die Aus­nah­me. 

Die Con­clu­sio dar­aus: Anleger:innen soll­ten Info-Tech, Finanz­ti­tel und Gesund­heits­ak­ti­en über­ge­wich­ten. Finanz­ti­tel wegen der Aus­sicht stei­gen­der Zin­sen, Gesund­heit  wegen des Bewer­tungs­ab­schla­ges und Tech wegen hoher Mar­gen und star­ken Wachs­tums. Top Pick von Gold­man im Tech-Sek­tor ist Ama­zon für 2022, weil Ama­zon sei­ne Under­per­for­mance nun hin­ter sich las­sen soll­te. Das Kurs­ziel bei Gold­man für Ama­zon ist 4.100 US-Dol­lar.  

Morgan Stanley: Meta spannend 

Ande­re Exper­ten wie Mor­gan Stan­ley sind skep­tisch gegen­über den Tech-Wer­ten für das neue Jahr, ins­be­son­de­re Hard­ware-Titel. Top Pick der Ame­ri­ka­ner ist Apple. Begrün­dung: Apple habe treue Kund:innen und soll­te sich gut mit neu­en Pro­duk­ten im Bereich Vir­tu­al Rea­li­ty / Aug­men­ted Rea­li­ty posi­tio­nie­ren. 

Aber seit der Namens­än­de­rung von Face­book und dem neu­en Fokus auf das “Meta­ver­se” inter­es­sie­ren sich Anleger:innen viel mehr als bis­her für das Kon­zept einer vir­tu­el­len Welt, die das heu­ti­ge Inter­net erset­zen könn­te — und das bedeu­tet laut Mor­gan Stan­ley eine rie­si­ge neue Chan­ce für Investor:innen. 

Einer der Top Picks in der Bran­che ist denn auch Meta (ehe­mals Face­book), das sta­bil wei­ter wach­sen soll­te. Mor­gan Stan­ley setzt auch auf das Spie­le-Unter­neh­men Roblox, das 47 Mil­lio­nen Nut­zer täg­lich haben soll. Die Meta­ver­se-Idee soll­te aber auch ein gutes Kon­zept für die Goog­le-Mut­ter­ge­sell­schaft Alpha­bet und die Social-Media-Platt­form Snap sein. 

Abge­se­hen von weni­gen Titeln kann­ten 2021die US-Tech-Akti­en nur eine Rich­tung: nach oben. Daher suchen vie­le Anle­ger nun eine Alter­na­ti­ve zu den mitt­ler­wei­le teu­er bewer­te­ten US-Akti­en. Robert Hal­ver, Kapi­tal­markt­stra­te­ge der Baa­der Bank, sieht die Zeit für klei­ne­re Titel gekom­men: „Grund­sätz­lich blei­ben Tech­no­lo­gie­ak­ti­en abseits von Stay at Home-Titeln gefragt. Die Digi­ta­li­sie­rung samt Auto­ma­ti­sie­rung von Indus­trie­pro­zes­sen, künst­li­che Intel­li­genz, Quan­ten­kom­mu­ni­ka­ti­on und ‑infor­ma­tik sowie das von Mark Zucker­berg als digi­ta­le Par­al­lel­welt beschrie­be­ne Meta­ver­se blei­ben hoch aus­sichts­rei­che Mega­the­men. Nicht zuletzt die­nen sie Anle­gern wegen ihrer hohen Mar­gen auch als Infla­ti­ons­schutz und die gro­ße Zins­wen­de müs­sen sie ohne­hin nicht fürch­ten. Zukünf­tig wer­den ver­stärkt klei­ne­re Tech-Wer­te gefragt sein, die Nischen beset­zen und bei der Poli­tik weni­ger auf­fal­len. Ihre bis­her ein­deu­ti­ge Domi­nanz gegen­über Kon­junk­tur­ak­ti­en wer­den sie jedoch ein­bü­ßen.“ 

Seeking Alpha: Halbleiter sollten sich weiter besser schlagen als der Gesamtmarkt 

See­king Alpha setzt eben­falls auf die klei­ne­ren Play­er: „Da die Halb­lei­ter­bran­che trotz Lie­fer­eng­päs­sen den Gesamt­markt über­flü­gelt hat, gehen wir davon aus, dass sie sich auch wei­ter­hin bes­ser ent­wi­ckeln wird“, schreibt Ste­ven Cress von See­king Alpha. Folg­lich setzt er auf Titel wie Syn­ap­tics Incor­po­ra­ted, MaxLi­ne­ar, ON Semi­con­duc­tor Cor­po­ra­ti­on, HP Inc. und Calix. 

Auch 2021 kämpf­te die Wirt­schaft mit den Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Kri­se. Immer deut­li­cher wird dabei, wie die Pan­de­mie die Digi­ta­li­sie­rung vor­an­bringt. Oder soll­te man sagen: vor­an­zwingt?! Aber was sind die Trends 2022? Hier wird unser Aus­blick für die Tech-Bran­che ein biss­chen sehr tech­nisch – span­nend aber (hof­fent­lich) auch: 

Gartner: 12 Neue alte Technologie-Trends 2022: Cyber Security, KI, Hyperautomation 

Das Markt­for­schungs­in­sti­tut Gart­ner lis­tet nicht weni­ger als 12 Tech­no­lo­gie-Trends für das neue Jahr auf. Dazu gehört zum Bei­spiel Cyber Secu­ri­ty. Nach­dem sich – nicht zuletzt durch das Home Office – , aber auch durch mehr Cloud-Nut­zun­gen und durch die stär­ke­re Ver­net­zung unse­rer tech­ni­schen Gerä­ten die Anfäl­lig­keit von IT-Sys­te­men für Hacker-Angrif­fe erhöht hat, bleibt IT-Sicher­heit, Cyber Secu­ri­ty, einer der Top-Trends. Für Unter­neh­men sei so etwas wie eine Fire­wall längst nicht mehr zeit­ge­mäß, so das Gart­ner Insti­tut. Heu­te müs­se man die Iden­ti­tä­ten jedes Ein­zel­nen – egal ob mensch­lich oder digi­tal – ste­tig über­prü­fen kön­nen. Gart­ner spricht von einem Cyber­si­cher­heits­netz: Bis 2024 wür­den Unter­neh­men, die eine ver­netz­te Cyber­si­cher­heits­ar­chi­tek­tur ein­füh­ren, die finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen von Angrif­fen um durch­schnitt­lich 90 Pro­zent redu­zie­ren kön­nen. 

KI: Gut 20 Prozent mehr Umsatz 2022 

Ein wei­te­rer Trend sei Künst­li­che Intel­li­genz: Laut Gart­ner wird der welt­wei­te Umsatz mit Soft­ware für künst­li­che Intel­li­genz (KI) im Jahr 2022 vor­aus­sicht­lich 62,5 Mil­li­ar­den US-Dol­lar betra­gen. Das bedeu­tet einen Anstieg von 21,3 Pro­zent gegen­über dem Jahr 2021. Wenn Künst­li­che Intel­li­genz in den Rechen­zen­tren von Unter­neh­men rich­tig ein­ge­setzt wer­de, kön­ne das die Effi­zi­enz um 30 Pro­zent ver­bes­sern. 

Auch ein Trend: Hyper­au­to­ma­ti­on: Geschäfts­pro­zes­se wer­den kom­ple­xer, Daten immer mehr – damit wird die Auto­ma­ti­sie­rung immer wich­ti­ger. Hilf­reich könn­ten da bei­spiels­wei­se Chat­bots oder Ent­schei­dungs­sys­te­me sein. Die Pan­de­mie habe vor allem im öffent­li­chen Sek­tor gro­ßen Nach­hol­be­darf gezeigt, weil hier vie­le Pro­zes­se immer noch per Hand und ent­spre­chend zeit­in­ten­siv und lang­sam abge­wi­ckelt wür­den. Die Nach­ver­fol­gung von Infek­tio­nen und der not­wen­di­ge Daten­aus­tausch könn­ten bei­spiels­wei­se durch Hyper­au­to­ma­ti­on in Zukunft beschleu­nigt wer­den. 

Arbei­ten von über­all – Work Any­whe­re — hat durch Coro­na ordent­lich Schub bekom­men. Unter­neh­men muss­ten schnell vie­len Mitarbeiter:innen im Lock­down eine ver­nünf­ti­ge Remo­te-Infra­struk­tur zur Ver­fü­gung stel­len.  Noch ist nicht klar wie wir Nutzer:innen uns nach dem Ende der Pan­de­mie ver­hal­ten Viel­leicht Büro plus Home Office? Work Any­whe­re und die ent­spre­chen­de Infra­struk­tur wird 2022 ein Trend blei­ben, pro­gnos­ti­ziert Gart­ner 

Fazit: Big Tech ist nicht die ein­zi­ge Invest­ment-Alter­na­ti­ve. Ein­zel­ne Titel blei­ben auch 2022 span­nend und lukra­tiv, glaubt man den Expert:innen. Doch die Wachs­tums­ra­ten der Ver­gan­gen­heit mit eben­so hohen Kurs­ge­win­nen dürf­ten nicht mehr alle Unter­neh­men errei­chen. Viel­leicht kommt die Zeit von Nischen­play­ern. Oder von neu­en Playern?

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