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    Depotleichen, ©coffeekai/iStock

Auf’s falsche Pferd gesetzt: Was tun mit Depotleichen?

2022-01-03T12:19:12+01:003. Januar 2022|

Kei­ner liegt an der Bör­se immer rich­tig, aber manch­mal hat man ein­fach auf das fal­sche Pferd gesetzt. Was dann tun? 

Von Ant­je Erhard

Bör­sen­kur­se schwan­ken, das ist nor­mal und Akti­en stei­gen, aber fal­len eben auch. Das ist Bör­se. Aber manch­mal setzt man ein­fach auf Titel, die tief fal­len und sich eben nicht wie­der erho­len: So genann­te Depot­lei­chen. 

Depot­lei­chen sind Akti­en, deren Kurs ein­ge­bro­chen ist und deren Chan­ce auf eine nach­hal­ti­ge Erho­lung wenig rea­lis­tisch ist. Aber Ach­tung: Es sind NICHT die Akti­en, die mit einem Crash oder einer schar­fen Markt-Kor­rek­tur fal­len, son­dern bei Depot­lei­chen sind die Kurs­ver­lus­te fun­da­men­tal bzw. haus­ge­macht.  

Achtung bei 50 Prozent Kursverlust oder mehr

Ein Richt­wert, ob eine Aktie eine Depot­lei­che ist oder nicht, sind Kurs­ver­lus­te von 50 Pro­zent und mehr. Ist das der Fall, müs­sen wir den Titel über­prü­fen: Ist der Akti­en­markt bzw. der Ver­gleichs­in­dex in der glei­chen Zeit eben­so stark ein­ge­bro­chen? Ist das Pro­blem bran­chen­spe­zi­fisch – reagier­ten die Wett­be­wer­ber-Akti­en aus der Bran­che genau­so stark?  

Ist das nicht der Fall, dann müs­sen wir im nächs­ten Schritt auf das Unter­neh­men selbst schau­en: Gibt es einen Gewinn­ein­bruch oder ande­re Hiobs­bot­schaf­ten, die die Kurs­ver­lus­te ver­ur­sa­chen? Was sind die Ursa­chen für die bad news? Ist das Geschäfts­mo­dell über­holt oder noch intakt? Was tut das Unter­neh­men, um künf­tig (wie­der) Gewin­ne zu erzie­len? Wie gene­riert das Unter­neh­men neue Kun­den, wie erschließt es neue Märk­te? Wie ist es in der Bran­che posi­tio­niert? Wie gut ist es kapi­ta­li­siert? 

Las­tet eine Kri­se wie aktu­ell Coro­na auf dem Geschäfts­mo­dell, das vor­her erfolg­reich war, sind die Chan­cen auf eine Kurs­er­ho­lung womög­lich gege­ben. Ver­schläft das Unter­neh­men aber neue Trends, sind sei­ne Pro­duk­te nicht (mehr) gefragt, ist die Kon­kur­renz bes­ser auf­ge­stellt, dann ist Ach­tung ange­sagt.   

Wer selbst die Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen nicht recher­chie­ren kann oder mag, kann bzw. muss schau­en:  Wie beur­tei­len Ana­lys­ten die Zukunft des Unter­neh­mens? Was sagen sie zur Geschäfts­la­ge, den Aus­sich­ten, den Pro­duk­ten, den Finanz­kenn­zah­len, der Bewer­tung? Sieht die Mehr­heit der Ana­lys­ten die Aktie skep­tisch und hat sie „verkaufen“/“sell“ gesetzt und / oder das Kurs­ziel scharf nach unten kor­ri­giert, ist das ein Anzei­chen, dass die Chan­cen für eine eher Kurs­er­ho­lung mar­gi­nal sind. 

50 Prozent Einbruch erfordert Kursverdopplung zurück zum Einstiegsniveau

Wenn wir die­se Fra­gen mehr­heit­lich nega­tiv beant­wor­ten, soll­ten wir uns ein­ge­ste­hen, dass wir auf’s fal­sche Pferd gesetzt haben. Das pas­siert jedem an der Bör­se frü­her oder spä­ter. Hal­ten wir uns vor Augen: Wenn eine Aktie, die uns 20 Euro gekos­tet hat, auf 10 Euro ein­ge­bro­chen ist, braucht es eine Kurs­ver­dopp­lung, um über­haupt wie­der am Anfang, sprich: beim Ein­stiegs­kurs zu sein – Gebüh­ren und Trans­ak­ti­ons­kos­ten nicht mal mit­ge­rech­net. Rech­nen wir Kos­ten und Infla­ti­on hin­zu, kos­tet uns die­se Aktie weit mehr.   

Dann ist es nur rich­tig zu fra­gen, ob das die Sache Wert ist. Wir müs­sen ehr­lich sein: Ver­lus­te gehö­ren zur Bör­se dazu wie Gewin­ne auch. Doch was tun mit den Depot­lei­chen? Ver­lus­te zu rea­li­sie­ren, ist schmerz­lich, kei­ne Fra­ge. Nie­mand gesteht sich ger­ne Fehl­ent­schei­dun­gen ein.  

Mein Rat: Verkauf setzt Kapital frei – aber nicht vergessen

Mein per­sön­li­cher Rat: Ver­kau­fen. Trotz allem. Denn das schafft Kapi­tal für neue, hof­fent­lich ren­di­te­stär­ke­re Invest­ments. Auch da fährt zwar das Risi­ko wie­der mit, aber es gibt nir­gend­wo eine Geld­an­la­ge ganz ohne Risi­ko. 

Was ich aber meis­tens mache, wenn ich eine Posi­ti­on mit Ver­lust ver­kau­fe (ich hat­te auch schon die eine oder ande­re Depot­lei­che, kei­ne Fra­ge): Ich behal­te eine oder eine Hand voll Akti­en im Depot: Das bin­det nicht viel Kapi­tal und erin­nert mich immer dar­an, beim nächs­ten Mal genau­er hin­zu­schau­en, in was ich inves­tie­re.   

Steu­er­lich sind Buch­ver­lus­te viel­leicht sogar ein Trost­pflas­ter: Wenn wir im glei­chen Jahr mit ande­ren Anla­gen Gewin­ne erzielt haben, müs­sen wir auf die­se Gewin­ne Abgel­tungs­steu­er bezah­len. Die umfasst ein Vier­tel des Gewinns. Das betrifft zumin­dest Anla­gen ab 2009. Die Ver­lus­te der Depot­lei­chen — Ver­lus­te aus Kapi­tal­an­la­gen — las­sen sich mit Gewin­nen aus ande­ren Akti­en-Anla­gen ver­rech­nen (aber nicht mit ande­ren Ein­künf­ten). Es gibt außer­dem einen Frei­be­trag auf Akti­en­ge­win­ne von 801 Euro pro Per­son und Jahr, der mit der neu­en Bun­des­re­gie­rung auf 1000 Euro stei­gen soll.   

Im Insolvenzfall…

Wenn ein Unter­neh­men insol­vent gewor­den ist, ist ein De-Lis­ting nicht genug, um Ver­lus­te zu rea­li­sie­ren. Das heißt, es reicht es nicht, wenn die Aktie vom Kurs­zet­tel ver­schwin­det und die Notie­rung an der Bör­se been­det wird, um die Ver­lus­te aus die­sem Geschäft steu­er­lich aner­ken­nen zu las­sen. Im Insol­venz­fall muss eine Akti­en­ge­sell­schaft auf­ge­löst, abge­wi­ckelt und im Regis­ter gelöscht sein. Dann kön­nen Aktio­nä­re steu­er­lich ver­wert­ba­re Ver­lus­te gel­tend machen. Einen Haken gibt es aber den­noch: Die­se Ver­lus­te aus Aus­bu­chun­gen wer­den vom Fis­kus nur bis zu 20.000 Euro Ver­lust akzep­tiert.  

Im Insol­venz­fall kön­nen geschä­dig­te Aktionär:innen aber womög­lich noch in Sam­mel­kla­gen juris­ti­sche Ansprü­che an das Unter­neh­men anmel­den. Die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer oder die Gerich­te am Fir­men­sitz sowie Anle­ger­schutz-Ver­ei­ni­gun­gen geben hier Aus­kunft. 

Fazit: Depot­lei­chen sind kei­ne Schan­de, son­dern kön­nen jeden tref­fen. Die Fra­ge ist nach gründ­li­cher Recher­che, ob die Aktie noch eine Chan­ce auf Erho­lung hat oder nicht. Im Zwei­fels­fall hilft nur der Ver­kauf. 

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