• Anlage-Strategie: Size
    Anlage-Strategie: Size, ©time99lek/iStock

Anlage-Strategien 5: Size-Strategie – Ist Größe wirklich alles?

2022-02-18T12:24:15+01:0018. Februar 2022|

Gro­ßes Unter­neh­men – gro­ße Wir­kung? Das ver­spricht sich die Size-Stra­te­gie. Aber wie immer hat auch an der Bör­se die Medail­le zwei Sei­ten. Schau­en wir auf die Pros und Cons die­ser Strategie.

Von Ant­je Erhard

Eine Anla­ge-Stra­te­gie ist dein per­sön­li­cher Inves­ti­ti­ons-Fahr­plan. Von sol­chen Stra­te­gien gibt es vie­le ver­schie­de­ne. Wel­che Anla­ge-Stra­te­gie zu dir passt, hängt von dei­nen Anla­ge­zie­len, dei­nen Ren­di­te-Erwar­tun­gen und dei­ner Risi­ko­be­reit­schaft ab. Es gibt Stra­te­gien, die sind für ein regel­mä­ßi­ges zusätz­li­ches Ein­kom­men gemacht, zum Bei­spiel eine Divi­den­den-Stra­te­gien. Ande­re set­zen auf Wachs­tum. 

Die Size-Stra­te­gie bedeu­tet, auf gro­ße, umsatz­star­ke Unter­neh­men mit hoher Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung zu set­zen. Der Gedan­ke dahin­ter: Je grö­ßer ein Unter­neh­men, umso grö­ßer ist auch der Umsatz und des­to ren­ta­bler ist es. Auch die­se Stra­te­gie hat damit ihre Vor- und Nach­tei­le. 

Gro­ße Unter­neh­men – sie wer­den auch Blue Chips genannt – bie­ten ein rela­ti­ves Maß an Sicher­heit durch hohe Umsät­ze und sta­bi­le Erträ­ge. Auch durch weni­ger Kurs­schwan­kun­gen. Garan­tiert sind die aber nicht, wie man in der Coro­na-Kri­se gese­hen hat. Was aber sehr für gro­ße Unter­neh­men spricht, ist ihr hoher Anteil an insti­tu­tio­nel­len Inves­to­ren: Das sind Ver­si­che­rer oder Pen­si­ons­fonds, die Kapi­tal lang­fris­tig und mög­lichst sicher anle­gen wol­len und daher als lang­fris­tig ver­läss­lich gel­ten. 

Ein wei­te­rer Vor­teil gro­ßer Unter­neh­men ist es, dass sie meist eher in der Lage sind, ihren Aktionär:innen Divi­den­den zu zah­len. Wer soli­de wirt­schaf­tet und wächst, kann das. Start ups und jun­ge Unter­neh­men kön­nen das meist nicht. Doch auch Divi­den­den sind nicht in Stein gemei­ßelt. Die Pan­de­mie hat gezeigt, dass auch gro­ße, soli­de Unter­neh­men ihre Divi­den­de kür­zen oder strei­chen kön­nen.  

Wenn Realwirtschaft auf Erwartung trifft 

Und die Coro­na-Pan­de­mie zeigt, dass auch gro­ße Unter­neh­men nicht von Kri­sen ver­schont wer­den – und nicht von den damit ein­her­ge­hen­den Kurs­rut­schen. Nicht alle Sek­to­ren, nicht alle gro­ßen Unter­neh­men, haben sich bis dato erholt. So schrumpf­te die deut­sche Wirt­schaft allein im vier­ten Quar­tal 2021 um 0,7 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­quar­tal. Und das betrifft vor allem den Ein­zel­han­del, das Hotel­ge­wer­be und die Gas­tro­no­mie. Der pri­va­te Kon­sum zum Bei­spiel lässt nach. Und da vie­le Vor­pro­duk­te und Roh­stof­fe in der Indus­trie feh­len, kön­nen die vol­len Auf­trags­bü­cher in vie­len Unter­neh­men nicht schnell genug bear­bei­tet wer­den.  

Kettenreaktionen in der Realwirtschaft 

Gera­de die aktu­el­le wirt­schaft­li­che Lage zeigt, wel­che Ket­ten­re­ak­tio­nen in der Real­wirt­schaft ent­ste­hen. Kon­kre­tes Bei­spiel: Durch Lie­fer­eng­päs­se feh­len der Auto­mo­bil-Indus­trie Halb­lei­ter. Das Pro­blem ver­schärf­te sich im zwei­ten Halb­jahr des letz­ten Jah­res so sehr, dass euro­pa­weit die Zahl der Neu­zu­las­sun­gen um 2,4 Pro­zent auf 9,7 Mil­lio­nen Autos gesun­ken ist. Die knap­pen Halb­lei­ter waren der Haupt­grund, dass vie­le Her­stel­ler ihre Pro­duk­ti­on dros­seln muss­ten. Das wie­der­um schlug auch auf die Zulie­fe­rer durch. Neben den feh­len­den Halb­lei­tern machen der Bran­che auch ande­re knap­pe Vor­pro­duk­te und Roh­stof­fe, aber auch die stei­gen­den Ener­gie­prei­se zu schaf­fen. 

So ist im Jah­res­ver­gleich der Ölpreis der Nord­see­sor­te Brent um 72 Pro­zent gestie­gen, Gas um 79 Pro­zent, Alu­mi­ni­um um 54 und Kup­fer um 24 Pro­zent. Die Infla­ti­on in der Euro­zo­ne von 5,1 Pro­zent im Jah­res­ver­gleich lag dann auch deut­lich über den Erwar­tun­gen von 4,4 Pro­zent. „Die Gefahr besteht dar­in, dass je län­ger die Roh­stoff­prei­se hoch blei­ben, des­to mehr Zweit­run­den­ef­fek­te auf­tre­ten“, kom­men­tiert Jim Reid von der Deut­schen Bank. 

Für die Size-Stra­te­gie spricht ande­rer­seits, dass sich gro­ße Akti­en von Kurs­rut­schen schnell erho­len. So gesche­hen nach dem Coro­na-Crash im Früh­jahr 2020. Aber ein Blick auf die Bör­sen­his­to­rie von fünf Jah­ren zeigt auch: Gera­de mit­tel­gro­ße Unter­neh­men machen die Pace. So gewinnt der DAX auf Sicht von fünf Jah­ren statt­li­che 32 Pro­zent, die mit­tel­gro­ßen Akti­en im MDAX aber sogar 51,2 Pro­zent, die klei­nen im SDAX 53 Pro­zent. Heißt also: Die gro­ßen kom­men (auch) schnell raus aus der Kri­se, aber auf län­ge­re Sicht sind sie gute, doch nicht sehr gute Per­for­mer. 

Size-Effekt: Kleines Unternehmen – große Wirkung?  

Dann gibt es noch den Size-Effekt: Danach sol­len Akti­en von klei­nen Unter­neh­men bes­se­re Ren­di­ten lie­fern, weil die so genann­ten Small Caps häu­fig recht stark wach­sen als gro­ße Tan­ker. Und gera­de klei­ne Unter­neh­men wer­den häu­fig Objek­te von Über­nah­men. Sol­che Phan­ta­sien sind ein Kurstrei­ber. 

Aber halt: Zu schnel­les Han­deln, sprich Ver­kau­fen, ist einer der gro­ßen Feh­ler, die vie­le Anleger:innen machen, wenn es mal nicht so ganz rund läuft. Lass dich nicht von dei­nen Emo­tio­nen len­ken, son­dern bleib dei­ner Stra­te­gie, wenn du an sie glaubst, treu. Gerin­ge Ver­lus­te gilt es aus­hal­ten zu kön­nen. Denn die Bör­se ist kei­ne Ein­bahn­stra­ße. Alter Kalau­er – aber wahr.  

Achtung, Gebührenfalle 

Außer­dem: Wenn du stän­dig kaufst und ver­kaufst, zahlst du eine Men­ge Gebüh­ren. Es kann zwar sein, dass dein Bro­ker dir wenig bis – unter bestimm­ten Bedin­gun­gen — gar nichts pro Trans­ak­ti­on berech­net. Aber eins ist gewiss: The­re is no free lunch. Meist legst du dann an hohen Spreads drauf: Das bedeu­tet dann, dass die Span­ne zwi­schen Kauf- und Ver­kauf­kurs  sehr hoch ist. Lang­fris­tig spielt das eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le. Aber kurz­fris­tig geht es ins Geld. 

Cou­ra­ge-Tipp: Zu den Gebüh­ren eines Wert­pa­pier­ge­schäfts haben wir gera­de einen Bei­trag geschrie­ben. Schau mal hier.

Zusam­men­fas­sung: Die Size-Stra­te­gie ist sim­pel – aber nicht ein­fach. Gro­ße Unter­neh­men sind auch für Anfänger:innen eva­lu­iert. Die Fra­ge ist, ob die­se Akti­en die Erwar­tun­gen erfül­len. Und wie du damit umgehst. Soli­de Blue Chips, die ihr Geschäfts­mo­dell schon län­ger unter Beweis stel­len, soli­de wach­sen, aber viel­leicht kei­ne Kurs­ra­ke­ten (mehr) sind, kön­nen durch aus Sinn in einem gut diver­si­fi­zier­ten Port­fo­lio machen. 

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Wann du (noch) nicht an der Börse investieren solltest

Die Kur­se stei­gen und du willst schnell auf den fah­ren­den Zug auf­sprin­gen? Oder sie fal­len und du willst den Moment zum Ein­stieg nut­zen? Super, wenn du inves­tie­ren willst. Aber ein paar Vor­aus­set­zun­gen braucht es, damit es auch funk­tio­niert. Hilft ja nichts, wenn du nach eupho­ri­schem Start auf­ge­ben musst, weil die Vor­aus­set­zun­gen ein­fach (noch) nicht passen. 

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