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Anlage-Strategien 1: Buy & Hold – Ist das Nichtstun an der Börse heute noch eine gute Idee?

2021-12-06T09:14:30+01:005. Dezember 2021|

War­ren Buf­fett ist einer ihrer Ver­fech­ter. André Kos­to­la­ny war es auch: Die Buy & Hold-Stra­te­gie. Sie bedeu­tet, Wert­pa­pie­re zu kau­fen und über Jah­re im Depot zu belas­sen. Klingt ein­fach. Hat Tücken. Und ist der Auf­takt zu unse­rer Rei­he „Anla­ge-Stra­te­gien“, in der wir die wich­tigs­ten Bör­sen-Stra­te­gien vor­stel­len. 

Von Ant­je Erhard

Es ist wohl einer der meist­zi­tier­ten Bör­sen-Tipps aller Zei­ten. Akti­en zu kau­fen, Schlaf­ta­blet­ten zu neh­men und erst vie­le Jah­re spä­ter wie­der in das Depot zu schau­en. André Kos­to­la­ny hat Anleger:innen in den 90er Jah­ren die­sen Tipp gege­ben. Gemeint ist damit: Geduld zahlt sich an der Bör­se lang­fris­tig aus, lang­fris­tig kön­ne nichts schief­ge­hen. 

Wir kau­fen also Wert­pa­pie­re unab­hän­gig vom aktu­el­len Bör­sen­ge­sche­hen, wir ver­su­chen nicht, den güns­tigs­ten Ein­stiegs­zeit­punkt zu erwi­schen und tra­den nicht hin und her. Mit Nichts­tun zum Bör­sen­er­folg?  

Auch War­ren Buf­fett sag­te mal: „Mei­ne Lieb­lings­hal­te­dau­er ist für immer.“ Und hielt sich über Jah­re an die­se Regel. Gera­de hat der Chef der Betei­li­gungs­fir­ma Berkshire Hat­ha­way sein Port­fo­lio, das mehr als 300 Mil­li­ar­den US-Dol­lar Wert hat, per 30. Sep­tem­ber offen­ge­legt. Dazu ist er gesetz­lich ver­pflich­tet. Für vie­le Anleger:innen sind die Bör­sen-Geschäf­te von War­ren Buf­fett ein Qua­li­täts­sie­gel. Sie machen nach, was er vor­macht.  

Warren Buffett nimmt keine Schlaftabletten: Depot umgeschichtet

Und wir sehen: Auch War­ren Buf­fett nimmt kei­ne Schlaf­ta­blet­ten. Er hat zwar nicht mas­siv in sein Port­fo­lio ein­ge­grif­fen. Doch er hat eini­ges ver­än­dert: Zuletzt ist die Bör­sen-Legen­de, und die­sen Begriff darf man hier wirk­lich mal ver­wen­den, bei zwei klei­nen Unter­neh­men ein­ge­stie­gen: Royal­ty Phar­ma und Floor & Decor. Das neue Enga­ge­ment bei dem Medi­ka­men­ten-Finan­zie­rer und der Ein­rich­tungs­ket­te sowie eine Auf­sto­ckung von Che­fron-Akti­en ging zu Las­ten des Kabel­netz-Betrei­bers Char­ter Com­mu­ni­ca­ti­on, der Phar­ma-Kon­zer­ne Abb­Vie und Bris­tol-Myers Squibb sowie der Kre­dit­kar­ten-Anbie­tern Mas­ter­card und Visa. Alle die­se Posi­tio­nen hat er redu­ziert. Merck und Liber­ty Glo­bal wur­den kom­plett ver­kauft. Fast 43 Pro­zent sei­nes Port­fo­li­os macht eine ein­zi­ge Aktie aus: Die des iPho­ne-Her­stel­lers Apple. Auch die Aktie von Bank of Ame­ri­ca bleibt im Port­fo­lio als Num­mer 2. Ihr fol­gen Ame­ri­can Express, Coca-Cola und Kraft-Heinz auf den Plät­zen 3 bis 5.  

Von den Besten lernen: Auch Warren Buffett baut sein Depot um

War­ren Buf­fett baut also sein Depot um, wenn er von Titeln nicht mehr über­zeugt ist. Am bekann­tes­ten für die­se Stra­te­gie wur­de wohl sein Ver­kauf von Air­line-Akti­en zu Beginn der Coro­na-Kri­se. Also eine Art modi­fi­zier­te Buy & Hold-Stra­te­gie. Buy an hold heißt also nicht (mehr), Akti­en end­los zu hal­ten. 

Bis es aber so weit ist, stel­len sich fol­gen­de Fra­gen: Wel­che Akti­en soll man bzw. frau über­haupt kau­fen? Und wie lan­ge ist lan­ge? 

Und was, wenn die sprich­wört­li­chen Schlaf­ta­blet­ten nicht mehr wir­ken und man bzw. frau mit­ten in einem Crash auf­wacht?  

Belegt: In der Vergangenheit, langfristig, vor allem mit Indizes und etablierten Aktien hat Buy & Hold funktioniert

Da zei­gen sich dann doch ganz schnell die Gren­zen die­ser Stra­te­gie. Doch schau­en wir uns zunächst die Vor­tei­le an: 

In vie­len Stu­di­en ist belegt, dass die Stra­te­gie in der Ver­gan­gen­heit (!), lang­fris­tig (!) und mit eta­blier­ten (!) Akti­en und Indi­zes funk­tio­niert hat. Sie ist nicht belegt für vie­le neue Sek­to­ren und Tech­no­lo­gien, für Kryp­tos etc. 

Man inves­tiert mit über­schau­ba­rem Zeit­auf­wand. 

Man hat weni­ger Kos­ten, weil das stän­di­ge Rein und Raus ent­fällt. 

Wer sich an den Märk­ten gut aus­kennt, hat hier eine ein­fa­che Stra­te­gie zur Hand. 

Aber: Wir selbst sind das größte Problem…

Nach­tei­le hat die­se Stra­te­gie aller­dings auch: 

Die Schwie­rig­keit bei Buy & Hold ist, bei Kurs­ver­lus­ten nicht die Ner­ven zu ver­lie­ren, son­dern sei­ner Stra­te­gie treu und im Markt zu blei­ben. Das größ­te Risi­ko sind dabei aber wir selbst: Die wenigs­ten Anleger:innen schaf­fen es, einen Crash aus­zu­sit­zen. Vie­le sind men­tal ein­fach nicht in der Lage, ihre Stra­te­gie gegen alle Kri­sen durch­zu­zie­hen.  

Außer­dem soll­te ein Buy & Hold-Port­fo­lio über 20 Jah­re gehal­ten wer­den kön­nen. Die­ses Geld soll­te also nicht gebraucht wer­den – und das geht nur, wenn man ein gutes finan­zi­el­les Pols­ter hat. 

Ein ungüns­ti­ger Ein- bzw. Aus­stiegs­zeit­punkt kann Ver­lus­te bedeu­ten, aber auch dass man Akti­en gewählt hat, die sich qua­li­ta­tiv als falsch erwei­sen. Dann heißt es: ehr­lich mit sich selbst sein und im Rah­men der eige­nen Stra­te­gie fein­jus­tie­ren sprich: das Depot unter Umstän­den neu auf­zu­stel­len. Wer von sei­ner Stra­te­gie trotz eines ungüns­ti­gen Ein­stiegs über­zeugt ist (KGV, KBV), kann bei gefal­le­nen Kur­sen noch­mals nach­kau­fen. 

Häu­fig ist zu lesen, dass Buy & Hold eine so ein­fa­che Stra­te­gie sei, dass sie vor allem für Anfänger:innen geeig­net ist. Das sehe ich nicht so: Ein Port­fo­lio aus Ein­zel­ak­ti­en zusam­men­zu­stel­len, über­for­dert die meis­ten Bör­sen-Neu­lin­ge: Erfah­re­ne Investor:innen bau­en ihr Port­fo­lio nach fest­ge­leg­ten Stra­te­gien und Kri­te­ri­en auf. Zu den Kri­te­ri­en gehö­ren bei­spiels­wei­se fun­da­men­ta­le Kenn­zif­fern wie Gewinn­wachs­tum, Ver­schul­dung, Inves­ti­ti­ons­quo­te etc.  

Einfach heißt nicht zugleich erfolgreich

Buy & Hold ist nach mei­ner Ein­schät­zung rea­lis­ti­scher gera­de für Einsteiger:innen mit ETFs umsetz­bar: Aus­ge­wo­gen, breit diver­si­fi­ziert in den Gesamt­markt zu inves­tie­ren mit viel­leicht drei ETFs, das ist sinn­voll und da hat die­se Stra­te­gie durch­aus ihre Berech­ti­gung. Wer schon Bör­sen-Erfah­rung hat, kann sein Port­fo­lio um eta­blier­te Qua­li­täts­ak­ti­en ergän­zen. Nur bit­te nicht auf irgend­ei­nen Trend auf­sprin­gen ohne Plan und Stra­te­gie. Nicht jeder Hype wird lang­fris­tig Bestand haben. Und Buy & Hold heißt nun­mal: lang­fris­tig. 

Fazit: Buy & Hold ist eine ein­fa­che Stra­te­gie ohne viel Zeit­auf­wand. Han­dels­ge­büh­ren und Trans­ak­ti­ons­kos­ten sind gering. Über den Erfolg sagt aber die Ein­fach­heit nichts aus. War­ren Buf­fett ist zwar einer ihrer Ver­fech­ter, aber auch er vari­iert durch­aus in sei­nen Port­fo­li­os. 

War­ren Buf­fett sagt vor allem auch: Inves­tie­re nie­mals in ein Unter­neh­men, des­sen Geschäft du nicht ver­stehst.“ Dem ist nichts hin­zu­zu­fü­gen. 

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