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Angst ist ein schlechter Ratgeber

2021-03-25T10:24:53+01:0022. März 2021|

Die Pan­de­mie stellt uns auf eine har­te Gedulds­pro­be. Wir sind zu Hau­se geblie­ben – Tage, Wochen und Mona­te. Vie­le Men­schen füh­len sich mitt­ler­wei­le erschöpft. Die Exis­tenz­angst, der Frust und die Unzu­frie­den­heit neh­men zu. 

Cou­ra­ge möch­te wis­sen, wie man die hof­fent­lich letz­te Pha­se der Pan­de­mie bes­ser über­steht. Die Psy­cho­lo­gin Ilo­na Bür­gel erklärt, war­um wir so unter den Ein­schrän­kun­gen lei­den und wie wir bes­ser damit umgehen.

Von Simo­ne Gröneweg

Vielen Menschen reicht es. Sie wollen zurück in die Normalität und wieder selbst über ihr Leben bestimmen. Durchaus verständlich, oder? 

Ilo­na Bür­gel: Natür­lich ist es das. Aber unse­re Groß­el­tern wuss­ten noch, dass wir Teil der Natur sind. Dass es dort ein Auf und Ab gibt – zum Bei­spiel gute und schlech­te Ernten.

Alles unter Kon­trol­le haben zu wol­len, ist ein neue­res Phä­no­men. Wir möch­ten steu­ern und regeln. Dabei ver­ges­sen wir, dass es sowohl Unvor­her­seh­ba­res als auch Ver­än­de­run­gen gibt.

Schon im nor­ma­len Unter­neh­mens­all­tag kön­nen wir nicht kom­plett vor­her­sa­gen, wie Kun­den ein neu­es Pro­dukt anneh­men oder ob Mit­ar­bei­ter blei­ben. Wir wis­sen nicht sicher, wie lang eine Freund­schaft hält oder ob zusätz­li­che Vit­ami­ne etwas brin­gen. 

Wir fürchten also Unsicherheiten…

Ja. Selbst mit Ver­än­de­run­gen, die wir uns wün­schen, kön­nen wir nicht immer gut umge­hen. Zum Bei­spiel klag­ten vie­le Men­schen vor den Lock­downs über Stress, zu vie­le Ter­mi­ne und über unnö­ti­ge Events. Sie wünsch­ten sich mehr Zeit für sich selbst und woll­ten etwas für die Umwelt tun. Als sie nicht mehr aus­ge­hen durf­ten, wuss­ten etli­che Men­schen mit ihrer Zeit nichts anzu­fan­gen und stell­ten fest, dass sie so redu­ziert nicht leben kön­nen. 

Anfangs haben viele die freie Zeit gezielt für bestimmte Projekte genutzt und zum Beispiel ihre Wohnung renoviert. Mittlerweile fehlt dazu die Lust. Woran liegt das? 

Zunächst ein­mal muss man sich bewusst wer­den, was wäh­rend einer Stress­si­tua­ti­on im eige­nen Kör­per geschieht. Der Kör­per mobi­li­siert sei­ne Res­sour­cen. Man fokus­siert sich auf die Gefahr oder das Pro­blem und nimmt kaum etwas ande­res wahr.

Das ist einer­seits nütz­lich, ande­rer­seits führt Stress zum soge­nann­ten Tun­nel­blick. Dau­ert der Stress­zu­stand län­ger, nutzt das Gehirn immer weni­ger sei­ne Kapa­zi­tä­ten. Wer stän­dig Angst hat, kann also gar nicht rich­tig han­deln. 

Die eigene Furcht hemmt uns also zusätzlich und verschlimmert alles?

Ja, das könn­te man so sagen. Wer aus­ge­gli­chen und gelas­sen ist, reagiert anders auf schlech­te Nach­rich­ten. Wer gut drauf ist, hat den bes­se­ren Über­blick, das bes­se­re Pro­blem­lö­se­ver­hal­ten und ist weni­ger schnell aus der Balan­ce zu brin­gen. Aus einem guten Zustand her­aus kön­nen wir uns viel eher für etwas enga­gie­ren, Ein­fluss neh­men, aktiv wer­den, damit sich Din­ge zu Hau­se, im Unter­neh­men oder der Gesell­schaft ändern.

Woher kommt die ständige Angst?

Unser Gehirn liebt es, in Schmer­zen zu baden. Des­we­gen kon­su­mie­ren vie­le Men­schen ger­ne schlech­te Nach­rich­ten und beschäf­ti­gen sich damit. Aber das tut uns nicht unbe­dingt gut. Wir müs­sen ana­ly­sie­ren: Was ist Fakt, was ist eine Spekulation?

Wer sich schon jetzt über­legt, dass er wegen Coro­na ins Kran­ken­haus kom­men könn­te, blo­ckiert sich selbst. Pro­ble­me, die es noch nicht gibt, soll­ten wir nicht wäl­zen. Spe­ku­la­tio­nen hel­fen nicht wei­ter, sie belas­ten nur. 

Wie kommen wir aus dieser Spirale heraus? 

Posi­ti­ves Den­ken hilft. Das beginnt beim Mas­ken­tra­gen. Davon soll­te man sich nicht ner­ven las­sen, son­dern ver­su­chen, das Gan­ze posi­tiv zu sehen. Die Mas­ke schützt uns, und das ist gut.

Jeder hat Ver­än­de­run­gen aller Art hin­ter sich gebracht. Wir haben schon viel hin­be­kom­men, sind aus Kri­sen gestärkt her­vor­ge­gan­gen und haben gelernt, was nötig war. Wir sind viel resi­li­en­ter, also wider­stands­fä­hi­ger, als wir manch­mal glauben.

Erin­nern Sie sich zum Bei­spiel mit Ihren Teams oder Fami­li­en an kon­kre­te Situa­tio­nen, die Sie bewäl­tigt haben. Das stärkt das Ver­trau­en in sich und die Zukunft. Suchen Sie nach guten Bei­spie­len, wie Sie das damals hin­be­kom­men haben.

Grund­sätz­lich soll­ten wir uns nicht nur mit den Din­gen beschäf­ti­gen, die wir der­zeit nicht machen kön­nen, son­dern uns an den Klei­nig­kei­ten des täg­li­chen Lebens erfreu­en. Wir leben zu sel­ten im Augen­blick. 

Wie ändern wir das? 

Ein simp­les Bei­spiel: Wer eine Tas­se Kaf­fee trinkt, soll­te das genie­ßen und den Moment bewusst erle­ben. Und ich als Per­son kann immer noch ent­schei­den, zu wel­cher Tages­zeit oder Uhr­zeit ich zum Ein­kau­fen gehe. Wer so denkt, kommt bestimmt leich­ter durch die­se Zeit. 

Was ist mit denen, die finanzielle Probleme haben, weil sie nicht arbeiten können? 

Das betrifft mich auch, denn nor­ma­ler­wei­se hal­te ich Vor­trä­ge und mache Ver­an­stal­tun­gen. Die sind weg­ge­fal­len. Das bringt natür­lich Angst, Sor­ge und Hilf­lo­sig­keit. Aber wir müs­sen dran den­ken: Es wird extrem viel getan, damit wir wirt­schaft­lich auf­ge­fan­gen wer­den. Es gibt Wege und Lösungen.

Wir reden zu viel über die schlech­ten Sachen. Mit­un­ter reden beson­ders die, die gar nicht betrof­fen sind. Anstatt zu reden, soll­ten die Men­schen bes­ser kon­struk­tiv wer­den und Hil­fe anbie­ten. Viel­leicht kann die der­zeit arbeits­lo­se Nach­ba­rin gegen Geld Essen kochen. Man soll­te aktiv wer­den, statt zu jammern.

Zehn konkrete Tipps, damit Sie besser durch die Krise kommen

Medienkonsum reduzieren 

Set­zen sie sich ein Zeit­fens­ter für Nach­rich­ten! Kli­cken Sie nicht stän­dig durch die schlech­ten News. Das ver­un­si­chert nur und macht Angst. Die Fas­zi­na­ti­on des Schreck­li­chen – der erlie­gen wir täg­lich. Das ist nicht gut.

Eine Stun­de Nach­rich­ten reicht, meint die Psy­cho­lo­gin Ilo­na Bür­gel. Nie­mals mor­gens, nie­mals abends. Sonst schla­fen wir nicht rich­tig und füh­len uns erschöpft. Denn wir müs­sen das alles verarbeiten.

Den Tag allein mit sich beginnen

Schen­ken Sie sich fünf Minu­ten, indem Sie ein­fach nichts machen. Den­ken Sie an nichts. Dabei erholt man sich. 

Rituale pflegen

Die geben Halt in einem All­tag, den man nicht beein­flus­sen kann. Das kann sein: Die Tea-Time um 16 Uhr. Eine Vier­tel­stun­de, um zur Ruhe zu kom­men. Dar­auf freut man sich. Davon zehrt man. 

Positive Selbstgespräche führen

Reden Sie mit sich selbst! Das baut Stress ab. Wenn Sie Ihren Schlüs­sel ver­mis­sen und sich fra­gen: „Wo ist der Schlüs­sel?“, dann fängt das Gehirn an, nach Lösun­gen zu suchen. Oder sagen Sie zu sich selbst: Das schaffst du! Du hast schon ande­re Din­ge hingekriegt.

Natur erleben

Gehen Sie ins Grü­ne – das baut Stress ab. Es hel­fen schon zehn bis 15 Minu­ten pro Tag drau­ßen in der Natur. Falls das jemand nicht schafft: Schau­en Sie zwi­schen­durch auf ein Bild mit Natur­mo­ti­ven. Oder auf Pflan­zen inner­halb oder außer­halb der Wohnung.

Positive Tandems bilden

Suchen Sie sich jeman­den, dem Sie regel­mä­ßig etwas Posi­ti­ves schi­cken oder schrei­ben. Ver­pflich­ten Sie sich bei­de dazu. Eine gute Nach­richt pro Tag, und zwar eine per­sön­li­che. Gegen­sei­tig. Das bringt Nähe.

Das kann so aus­se­hen: Heu­te habe ich mei­nen Lieb­lings­pull­over an. Das Essen war super­le­cker. Klingt gut, oder? 

Körperliche Nähe herstellen

Umar­men Sie die Men­schen, mit denen Sie zusam­men­le­ben. Oder strei­cheln Sie Ihr Haus­tier. Klingt lus­tig, aber hilft in die­ser Pha­se. Sogar wenn es ein Kuschel­tier ist. Wenn wir etwas berüh­ren, schüt­tet unser Kör­per Oxy­to­cin aus. Ein Gegen­spie­ler zum Stress. 

Lächeln und Blicke wechseln

Auch wer mehr­mals täg­lich lächelt, baut Stress ab. Schau­en Sie ande­ren auch bewusst in die Augen – und wenn es beim Ein­kau­fen ist. Bli­cke schaf­fen Ver­bin­dung. Das brau­chen wir in der Zeit der sozia­len Distanz. Rufen Sie Fami­li­en­mit­glie­der und Freun­de an. Pfle­gen Sie Ihre Kontakte!

Eine Liste machen

Schrei­ben Sie zehn Din­ge auf, die Ihnen rich­tig gut­tun. Zum Bei­spiel: Wenn Sie ger­ne sin­gen, schrei­ben Sie das auf. Oder Yoga machen, Tee trin­ken oder ein Buch lesen. Wenn Sie mer­ken, dass es Ihnen schlecht geht, neh­men Sie die Lis­te und machen Sie etwas davon. 

Nach dem Yin-und-Yang-Prinzip leben

Yin und Yang ste­hen für ent­ge­gen­ge­setz­te, aber auf­ein­an­der bezo­ge­ne Kräf­te. Alles geht schnell, funk­tio­niert, ist struk­tu­riert, ordent­lich, ver­nünf­tig, laut und hek­tisch. Das ist Yin. Und das haben wir ständig.

Was uns fehlt, ist dage­gen Yang – das Nach-innen-gehen. Das brau­chen wir als Aus­gleich: lang­sam sein, ruhig, nicht ziel­ori­en­tiert, son­dern ein­fach so da sein. Schau­en Sie raus aus dem Fens­ter, beob­ach­ten Sie den Baum oder einen Vogel – nichts wei­ter. 

Noch mehr Infos für dich

Was sind eigentlich Fonds?

Kalbs­fonds, Hüh­ner­fonds, Fisch­fonds – gute Grund­la­gen für eine lecke­re Sup­pe oder Soße. Ähn­lich ver­hält es sich mit den Namens­vet­tern: den Fonds zur Geld­an­la­ge. Wie bei Fonds zum Kochen ent­schei­den auch bei Fonds zur Kapi­tal­an­la­ge, den soge­nann­ten Invest­ment­fonds, die Zuta­ten über die jewei­li­ge Aus­rich­tung: Kund:innen kön­nen den pas­sen­den Fonds ganz nach eige­nem „Geschmack“ wählen.

Wie du Gehaltsverhandlungen erfolgreich meisterst

Bei Gehalts- und Hono­rar­ver­hand­lun­gen sind Frau­en oft unsi­cher und ver­kau­fen sich unter Wert. Was kön­nen sie tun, um selbst­be­wuss­ter zu wer­den und ihre Erfolgs­chan­cen zu stei­gern? Wir geben Tipps für Fest­an­ge­stell­te und Selbstständige.

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