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  • Arlene Pieper Stine
    Arlene Pieper Stine, @Stan L. Payne/Stan Payne Photograph Collection, Courtesy of Pikes Peak Library District

Als Arlene loslief …

2022-02-07T10:44:38+01:0011. Februar 2022|

Reden wir über die Mara­thon-Legen­de Arle­ne Pie­per Sti­ne. Acht Jah­re bevor die US-Ame­ri­ka­ne­rin Kath­ri­ne Swit­zer 1967 die Lauf­welt über­rascht, indem sie den Bos­ton Mara­thon in der Frau­en­grup­pe gewinnt, wird Pie­per Sti­ne zur ers­ten, offi­zi­el­len weib­li­chen Finis­he­rin eines US-Mara­thons. Mit im Schlepp­tau: die damals 9‑jährige Toch­ter. Ein Rückblick.

Von Mat­thi­as Lauerer

Im August 2009 ste­hen die Mit­glie­der des Renn­ko­mi­tees Pikes Peak Mara­thons vor einem Dilem­ma. Sie fei­ern „Fünf­zig Jah­re Mara­thon­läu­fe­rin­nen“, aber wis­sen nicht, was aus Arle­ne, der ers­ten Mara­thon­läu­fe­rin, gewor­den ist. Dann macht sich der Prä­si­dent der Lauf­trup­pe Ron Ilgen die Mühe und schal­tet eine Anzei­ge in der loka­len US-Tages­zei­tung. Er sucht nach jener Läu­fe­rin, die als ers­te US-Ame­ri­ka­ne­rin einen Mara­thon in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten been­de­te. Doch die heim­li­che Legen­de weiß nichts davon. Erst Jahr­zehn­te spä­ter erfährt sie bei einem Tele­fon­an­ruf davon.

Linda findet Arlene

„In der Regel lese ich den Sport­teil der ´Colo­ra­do Springs Gazet­te´ nicht. Dann fiel mir der klei­ne Arti­kel ins Auge“ sagt die Ahnen­for­sche­rin Lin­da Mas­den Vixie dazu. Sie fin­det Arle­ne nach der inten­si­ven Recher­che: „Kaum eine Woche, nach­dem der Arti­kel in der Zei­tung erschien, sprach ich mit ihr. Sie war eine rei­zen­de Frau und für ihr Alter von damals gut acht­zig Jah­ren bei fei­ner Gesund­heit. Damals ging sie immer noch drei Tage in der Woche ins Fit­ness­stu­dio, hob Gewich­te und lief auf dem Laufband.“

Ein Tag im Sommer

Rück­blick: Am 7. August 1959 been­det Pie­per Sti­ne den „Pikes Peak Mara­thon“, was vor ihr noch kei­ner ande­ren Frau gelingt. Der Berg­lauf beginnt und endet in Mani­tou Springs, einem Ört­chen im US-Bun­des­staat Colo­ra­do. Jener Wei­ler liegt auf 2.000 Metern über dem Mee­res­spie­gel. An jenem Frei­tag rennt sie zum, je nach Quel­le, bis zu 4.302 Meter hohen Gip­fel hin­auf und flitzt den­sel­ben Weg in einer Gesamt­zeit von neun Stun­den und 16 Minu­ten wie­der hinunter.

2017 sagt die Mara­to­nis­ta über ihre Leis­tung: „Im Ziel fühl­te ich mich ziem­lich gut und bin mir sicher, dass ich ein biss­chen müde war, aber war nicht völ­lig erschöpft. Und ich erin­ne­re mich immer noch dar­an, als wäre es ges­tern gewe­sen und war sehr ver­wun­dert dar­über, dass ich Tage spä­ter alle Zehen­nä­gel ver­lor.“ Was ihr noch im Gedächt­nis bleibt: „Damals hat­ten wir kein Was­ser dabei und es gab kei­ne Ver­sor­gungs­sta­tio­nen.“ Toch­ter Kathy bestä­tigt heu­te, dass sie neun Jah­re ist, als ihr der Auf­stieg in einer Zeit von 5 Stun­den 44 Minu­ten und 52 Sekun­den mit ihrer Mut­ter gelang.

Wenn man etwas wirklich will …

Der eigent­li­che Plan: Die Mama nur ein Stück des Weges zu beglei­ten, aber als sie im „Barr Camp“ ankommt, fragt ihr Vater, wie es ihr geht. Ihre Ant­wort: „Ich füh­le mich ziem­lich gut.“ Dann fragt er noch: „Willst du auf den Gip­fel?“ Und Toch­ter Kathy sagt: „Da war ich noch nie. War­um nicht?“ Über die eige­ne Moti­va­ti­on, sich die­se irre Berg­stre­cke auf­zu­hal­sen sagt Pie­per Sti­ne spä­ter: „Man kann eine wun­der­ba­re Ehe­frau und Mut­ter sein, aber mein Lauf hat mir gezeigt, dass, wenn es etwas gibt, was man wirk­lich tun will, es tun sollte.“

Minimalistisch unterwegs

Was Arle­ne wei­ter­hin aus­zeich­net ist ihr Stil. Sie trägt wei­ße und schwar­ze Klei­dung, Shorts und ihre Ten­nis­schu­he aus dem „Wool­worths“. Gebo­ren wird die Läu­fe­rin am 18. März 1930 in Stu­dio City, Kali­for­ni­en. Die „New York Times“ schreibt in einem Nach­ruf: „Ihr Vater Armin besitzt eine Möbel­fir­ma und ihre Mut­ter arbei­tet als Tele­fo­nis­tin. Arle­ne lernt Wal­len R. Pie­per, einen Body­buil­der und Foot­ball­spie­ler in der High School ken­nen. Er bringt Gewich­te ins Haus und sie trai­nie­ren in der Küche und sind noch Teen­ager, als sie hei­ra­ten. Dann zieht man nach Colo­ra­do Springs und eröff­net ´Arlene’s Modern Life and Health Stu­dio.´“ Spä­ter kommt Pie­per ein Ein­fall. Er schlägt sei­ner Frau vor, ihr unbe­kann­tes Geschäft bekann­ter zu machen, indem sie am ´Pikes-Peak´-Lauf teil­nimmt. 1958 star­tet Arle­nes ers­ter Anlauf. Doch sie hört auf, nach­dem sie den Gip­fel erreicht – und wird dis­qua­li­fi­ziert. Ein Jahr spä­ter gelingt es ihr dann.

Kampf gegen das Corona-Virus verloren

Die Legen­de stirbt am 11. Febru­ar 2021, einen Monat vor ihrem 91. Geburts­tag. Wie so oft in die­sen Tagen ist das Coro­na-Virus für den Tod ver­ant­wort­lich. Und so endet die Geschich­te von der legen­dä­ren Läu­fe­rin, die nichts von ihrem Glück wusste.

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Vom Ehrenamt in die Festanstellung

Ria Kor­t­um ist stu­dier­te Heil­päd­ago­gin und seit 2017 bei der Deut­schen Kin­der­krebs­stif­tung für „Pro­jekt­ma­nage­ment und psy­cho­so­zia­le The­men“ zustän­dig. Zuvor enga­gier­te sich die Mut­ter von Zwil­lin­gen, die selbst sehr jung an Krebs erkrank­te, ehren­amt­lich für die Stif­tung. “Ein Ehren­amt kann dabei hel­fen, aus­zu­lo­ten, wo die eige­ne beruf­li­che Rei­se hin­ge­hen soll”, ermu­tigt Rita Kor­t­um. Ein bewe­gen­des Plä­doy­er für Mut und Beharrlichkeit. 

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