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    Elvan Karatas, ©Robert Lehmann/Elvan Karatas

“Akquise ist wie Dating”

2021-10-25T12:24:51+02:0025. Oktober 2021|

Ein Stu­di­um der Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten, zwei Mas­ter und eine rasan­te Kar­rie­re im Finanz­we­sen, der Unter­neh­mens­be­ra­tung und dem Pri­va­te Equi­ty Bereich. Elvan Kara­tas ist mit nur 30 Jah­ren “Head of Stra­te­gic Deve­lo­p­ment” beim Cloud-Anbie­ter Skay­link. Wie sie Unternehmer:innen über­zeugt ihr Lebens­werk ihr anzu­ver­trau­en, war­um sie sich in einer leis­tungs­ori­en­tier­ten Umge­bung wohl fühlt und war­um sie ihr Geld nach dem jüdi­schen Tal­mud inves­tiert, erzählt sie im Interview. 

Von Clau­dia Vallentin

Elvan, Du verantwortest bei Skaylink den Bereich Merger & Acquisitions. Was genau ist Deine Aufgabe?

Ich habe die Auf­ga­be, neue Fir­men zu fin­den, die für uns span­nend sind und für eine Akqui­se, also im Grun­de eine Über­nah­me, in Fra­ge kom­men. Span­nend sind sie, wenn sie und ihr Pro­dukt oder ihr Ser­vice unser Ange­bot mit etwas ergän­zen, was uns fehlt oder sie uns in stark nach­ge­frag­ten Berei­chen verstärken.

Wie sieht denn so eine Akquise aus?

Das ist gar nicht so tri­vi­al, der Markt in unse­rem Bereich ist so über­hitzt, dass die Unter­neh­men ger­ne auch mal drei E‑Mails die Woche mit Über­nah­me­an­ge­bo­ten bekom­men. Wir ver­su­chen, erst mal im Kolleg:innenkreis ver­trau­lich eine Ein­schät­zung über die poten­ti­el­len Unter­neh­men auf unse­rer Lis­te zu bekom­men. Und wenn sich dann eine Fir­ma her­aus­kris­tal­li­siert, die zu uns pas­sen könn­te und die Erfah­rung der Kolleg:innen und Partner:innen mit ihnen posi­tiv sind, dann ver­su­che ich, ein Erst­ge­spräch zu ver­ein­ba­ren und sie von unse­rer Visi­on zu über­zeu­gen. Idea­ler­wei­se ent­schei­den sie sich am Ende, mit uns zusam­men wei­ter­zu­ge­hen und sind dann Teil der Familie.

Was braucht es aber für eine so eine Übernahme? Geht es nur um Geld?

Akqui­se ist wie Dating. Am Anfang gibt es erst mal eine Pha­se des Anban­delns. Da kommt man nicht gleich mit Kauf­prei­sen um die Ecke, son­dern man guckt erst mal, ob es über­haupt cha­rak­ter­lich passt. Wir wol­len ja auch lang­fris­tig zusam­men­ar­bei­ten. Natür­lich ist das Geld wich­tig, aber das allei­ne reicht nicht. Man braucht ein gemein­sa­mes Ziel, an das man glaubt.

Was macht für dich die Spannung in dieser Rolle aus?

Vor allem genau die­se Anfangs­pha­se der Akqui­se. Wir spre­chen ja Unter­neh­men an, die Jah­re oder Jahr­zehn­te etwas auf­ge­baut haben und möch­ten, dass sie uns ihr Lebens­werk anver­trau­en. Da braucht es fei­ne Anten­nen und ein gutes Bezie­hungs­ma­nage­ment. Das macht mir Spaß und ich den­ke, es ist sogar ein Bereich, in dem Frau­en eine beson­de­re Eig­nung haben, gera­de weil es dar­um geht eine Bezie­hung und Ver­trau­en auf­zu­bau­en und Per­sön­lich­kei­ten in den Vor­der­grund zu stellen.

Und trotzdem gibt es im Bereich Finance und Private Equity eher wenig Frauen.

Ja das stimmt und das ist sehr scha­de! Dabei ist Pri­va­te Equi­ty ein sehr leis­tungs­ori­en­tier­tes Umfeld. Leis­tung und Kön­nen zäh­len. Eigent­lich ein idea­ler Boden, um die soge­nann­te glä­ser­ne Decke zu durch­bre­chen. Bei­spie­le wie Dou­glas oder SUSE zei­gen auch was mög­lich ist. Das sind bei­des Fir­men mit Pri­va­te Equi­ty im Hin­ter­grund, die von weib­li­chen CEOs zu rie­si­gen Erfol­gen geführt wurden.

Du hast aber gerade daran Spaß?

Ich habe Spaß an ziel­ori­en­tier­tem Arbei­ten, ja. Und das kann dann auch ein leis­tungs­ori­en­tier­tes Umfeld sein.

Woher kommt das?

In der Grund­schu­le haben mir die Leh­rer nahe­ge­legt, es wäre doch bes­ser, ich wür­de auf die Haupt­schu­le gehen. Retro­per­spek­tiv wür­de ich sagen, vor allem wegen mei­nes Nach­na­mens und mei­nes Aus­se­hens. Da stand mei­ne Leis­tung über­haupt nicht im Vor­der­grund, son­dern die Ste­reo­ty­pen im Kopf der Leh­rer. Ich bin dann aber auf die Real­schu­le gegan­gen und war bes­ser als alle ande­ren. Dann aufs Gym­na­si­um und Stu­di­um – immer unter den Bes­ten. Viel­leicht habe ich auf­grund die­ser Geschich­te — und eini­ge ande­rer die­ser Art — auch eine Bran­che gewählt, in der vor allem Leis­tung hono­riert wird.

Spielte das Thema Leistung in Deinem Elternhaus eine große Rolle?

Mei­ne Eltern woll­ten zumin­dest, dass wir das Bes­te aus uns her­aus holen. Sie haben sich selbst eine Exis­tenz von Null auf­ge­baut. Mein Vater war 26, als er mit zehn Mark in der Tasche mit dem Flug­zeug nach Deutsch­land kam. Er hat sich nicht mal getraut, im Flie­ger etwas zu trin­ken zu holen, weil er nicht wuss­te, ob er genug Geld dafür hat­te. Dabei war das ver­mut­lich damals noch inklu­si­ve! Spä­ter hat er ein sehr erfolg­rei­ches Auto­haus aufgebaut.

Wurde das Thema Geld und Investieren bei Euch zuhause besprochen?

Im posi­ti­ven Sin­ne, ja! Geld war ein Mit­tel zum Inves­tie­ren oder zum Kon­su­mie­ren, aber nicht zum Hor­ten. Mei­ne Mut­ter hat übri­gens das Geld ver­wal­tet und ange­legt, ich nen­ne sie immer den Chief Invest­ment Offi­cer. Und sie hat es so gut gemacht, dass mei­ne Eltern rela­tiv früh in Ren­te gehen konnten.

Was hast Du von ihr gelernt?

Zwei Din­ge: Schnell sein, bezie­hungs­wei­se ent­schei­dungs­freu­dig, und das Risi­ko nicht zu scheu­en. Gute Oppor­tu­ni­tä­ten war­ten nicht lan­ge. Alter­na­tiv hat auch ein­fach gehol­fen, auf sie zu hören (lacht). Sie hat mich dahin gebracht, schon recht früh mein Immo­bi­li­en­port­fo­lio auf­zu­bau­en. Den ers­ten Kauf habe ich mit 23 unterschrieben.

Was ist Dir beim Geld anlegen wichtig?

Ich muss Din­ge ver­ste­hen und durch­drin­gen, sonst glaub ich da nicht dar­an. Ich muss mich damit beschäf­ti­gen kön­nen. Ein­fach einen Dau­er­auf­trag ein­rich­ten oder über Jah­re einen ETF beob­ach­ten, das ist nichts für mich. Für ein­zel­ne Akti­en oder für Immo­bi­li­en, muss man auch Zeit inves­tie­ren. Das mache ich ger­ne und dann blei­be ich auch dran. Des­halb glau­be ich auch, der Grund war­um Leu­te nicht inves­tie­ren ist nicht per se Unwis­sen­heit, son­dern dass sie sich mit vie­len Anla­gen nicht beschäf­ti­gen oder beschäf­ti­gen können.

Du investierst nach einer jahrhundertealten Anlage-Regel des Talmud, dem Hauptwerk der jüdischen Schriftauswertung. Was bedeutet das?

Der Tal­mud schreibt ja, dass man sein Ver­mö­gen in drei Tei­le tei­len soll. Das bedeu­tet heu­te, dass man drei Anla­ge­klas­sen hat. Zum einen den Bar­be­stand, ich den­ke drei bis sechs Monats­ge­häl­ter soll­te man schon als Sicher­heit zurück­le­gen. Fünf Pro­zent davon lege ich aber auch in Kryp­to­wäh­rung an. Das ist so liqui­de, fast wie Bar­geld. Zwei­tens inves­tie­re ich in Immo­bi­li­en, das wür­de ich auch jedem emp­feh­len. Am bes­ten direkt in eine ech­te Immo­bi­li­en, Immo­bi­li­en-ETFs nur wenn sonst nichts mög­lich ist. In der drit­ten Klas­se sind bei mir Akti­en. Klas­si­scher­wei­se sind das ja ETFs. Mein Tipp ist auch das Invest­ment in Pri­va­te Equi­ty Fir­men, die an der Bör­se gelis­tet sind. Wenn man sich da eini­ge Akti­en­kur­se anguckt, ent­wi­ckeln sie sich rasant und als Pri­vat­per­son kann man im Bereich Pri­va­te Equi­ty direkt kaum ein­stei­gen. Aber durch die Bör­sen­no­tie­rung die­ser Pri­va­te Equi­ty Fir­men, kann man am Erfolg par­ti­zi­pie­ren. Ich per­sön­lich fin­de es gut, auch mal zehn bis 20 Titel direkt zu inves­tie­ren und zu beobachten.

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