• Was sind ADRs?
    Was sind ADRs?, ©Nikada/iStock

ADRs: Das solltest du wissen

2022-04-21T15:56:24+02:0017. April 2022|

Ame­ri­can Depo­si­ta­ry Rece­i­pt (ADRs) sind kei­ne Aktie. Sie sind aber wie eine Aktie han­del­bar. Mit eini­gen Fall­stri­cken. 

Von Ant­je Erhard

ADRs wer­den in den USA aus­ge­ge­ben und welt­weit gehan­delt. Es sind Zer­ti­fi­ka­te, die die Ori­gi­nal-Akti­en sozu­sa­gen ver­tre­ten. Aus­ge­ge­ben wer­den sie von US-Ban­ken. Wie bei einer Aktie hast du auch bei einem Ame­ri­can Depo­si­ta­ry Rece­i­pt Anspruch auf eine Divi­den­de.  

Die Vorteile von ADRs

ADRs machen Invest­ments in aus­län­di­sche Akti­en leich­ter, weil sie ohne ein stren­ges Zulas­sungs­ver­fah­ren wie bei Akti­en auf den Markt gebracht wer­den. Mit ADRs kannst du als Anleger:in auch Antei­le an Unter­neh­men kau­fen, die dir sonst nicht zugäng­lich wären. Zum Bei­spiel gehö­ren dazu vie­le chi­ne­si­sche Akti­en. Es wäre uns als Aktionär:innen aus Deutsch­land nicht erlaubt, chi­ne­si­sche Akti­en zu erwer­ben.  

Chi­ne­si­sche Inter­net-Unter­neh­men dür­fen zum Bei­spiel per Gesetz nicht von aus­län­di­schen Invest­ments finan­ziert wer­den. Inter­net­fir­men gehö­ren zu den Indus­trien, die in Chi­na für Ausländer:innen ver­bo­ten sind. Die chi­ne­si­sche Regie­rung will so die Kon­trol­le über die Unter­neh­men bewah­ren. Aber auf der ande­ren Sei­te brau­chen auch die­se Unter­neh­men Kapi­tal für wei­te­res Wachs­tum. Des­halb set­zen vie­le chi­ne­si­sche Unter­neh­men auf ADRs. So kannst du Zer­ti­fi­ka­te, also ADRs auf Ali­b­a­ba, Bai­du oder auch Ten­cent in den USA han­deln. 

Du kannst ADRs in New York an der New York Stock Exchan­ge (NYSE) kau­fen. Sie sind wie ame­ri­ka­ni­sche Akti­en dort han­del­bar. Die­ser gro­ße Han­dels­platz hat meh­re­re Vor­tei­le: Die Liqui­di­tät an den US-Märk­ten ist hoch, die Auf­merk­sam­keit auch und der Han­del ist aktiv. 

Es gibt so genann­te „spon­so­red“ und „unspon­so­red ADRs“. Unspon­so­red bedeu­tet, dass die Initia­ti­ve, ein ADR auf­zu­le­gen, nicht vom Unter­neh­men, son­dern von einer Depot­bank oder einem Händ­ler in den USA aus­geht. Unspon­so­red ADRs sind an vie­le Bör­sen nicht zum Han­del zuge­las­sen. Bei spon­so­red ADRs bemüht sich das Unter­neh­men um die Aus­ga­be und trägt auch die Kos­ten für das ADR-Pro­gramm. Die Depot­bank ver­pflich­tet sich, Zer­ti­fi­ka­te aus­zu­ge­ben und zurück­zu­neh­men und den Anleger:innen Infor­ma­tio­nen über die ent­spre­chen­den ADRs wei­ter­zu­ge­ben: Etwa wenn das Unter­neh­men Divi­den­den zahlt. 

Du kannst leicht erken­nen, ob ein Wert­pa­pier ein ADR oder die ent­spre­chen­de Aktie ist: Hin­ter dem Unter­neh­mens­na­men steht der Zusatz ADR. Die­sen Zusatz müs­sen die ent­spre­chen­den Wert­pa­pie­re immer im Namen füh­ren. Und Aktie und ADR wer­den jeweils unter einer ande­ren ISIN gehan­delt. Trotz­dem ist vie­len Anleger:innen nicht bewusst, dass sie in Wirk­lich­keit gar kei­ne Aktie gekauft haben.  

Nachteile von ADRs

Zuge­ge­ben, ADRs haben einen ähn­li­chen Cha­rak­ter: Du erhältst Divi­den­den, sofern eine Divi­den­den-Zah­lung beschlos­sen ist, und du hast Stimm­rech­te. Auch wenn ADRs durch­aus akti­en­ähn­lich sind, auch so gehan­delt wer­den und über Stimm­rech­te ver­fü­gen oder einen Anspruch auf Divi­den­den­be­tei­li­gung, so sind es den­noch kei­ne Akti­en. ADRs sind an die Bank gebun­den, die sie aus­lie­fern. Wird die emit­tie­ren­de Bank insol­vent, trägst du das Risi­ko: Denn ADRs sind im Insol­venz­fall nicht als Son­der­ver­mö­gen geschützt. Außer­dem kann ein Ein­griff wie eine Zwangs­ver­staat­li­chung des Unter­neh­mens des­sen ADRs wert­los machen, wenn kei­ne Kom­pen­sa­ti­on ver­ein­bart ist. 

Außer­dem ist die Liqui­di­tät an der Hei­mat­bör­se eines Unter­neh­mens meist am höchs­ten. Gera­de ADRs weni­ger bekann­ter Unter­neh­men kön­nen dadurch höhe­re Spreads, das heißt höhe­re Span­nen zwi­schen Ankauf- und Ver­kaufs­kurs haben und wären damit teu­rer. 

Hin­ge­gen sind die Gebüh­ren beim ADR-Kauf unge­fähr gleich dem Akti­en-Kauf. Die aus­ge­ben­de Bank nimmt eine Ver­wahr­ge­bühr, die beträgt eini­ge Cent pro Stück und erhält einen Teil der Divi­den­de. Aus­ga­be­auf­schlä­ge wie bei Fonds gibt es aber bei ADRs immer­hin nicht.  

Alternativen zu ADRs

Wenn die Trans­ak­ti­ons­kos­ten nicht dage­gen­ste­hen, macht ein Invest­ment der Aktie an der Hei­mat­bör­se unter Umstän­den mehr Sinn. Aller­dings sind nicht alle Akti­en­märk­te leicht zugäng­lich. Viel­leicht sind dann aber ETFs eine Alter­na­ti­ve zu ADRs. Zwar sind exo­ti­sche ETFs auch teu­rer als Klas­si­ker wie MSCI-World-ETFs, aber ETFs sind grund­sätz­lich recht güns­tig. Und du diver­si­fi­zierst auch brei­ter. 

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