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    4-Prozent-Regel, ©Murat Mizrak/iStock

4‑Prozent-Regel: Mit Plan zur finanziellen Freiheit, ohne dass das Geld ausgeht

2022-03-23T08:23:41+01:0027. März 2022|

Leben ohne Arbeit: Wie viel Geld brauchst du, um Arbeits­zeit gegen Voll­zeit für Fami­lie, Hob­bies, Freun­de und Frei­zeit ein­tau­schen zu kön­nen? Mit der 4‑Pro­zent-Regel kannst du es aus­rech­nen. Die­se Regel ist aber nicht nur inter­es­sant, wenn du frü­her mit arbei­ten auf­hö­ren möch­test. Sie zeigt auch, wie lan­ge unge­fähr dein Vermö­gen reicht. 

Von Ant­je Erhard

Mit der 4‑Pro­zent-Regel lässt sich berech­nen, wie viel Geld du aus dei­nen Wert­pa­pier-Invest­ments ent­neh­men kannst, ohne dass es dir aus­geht. Die Regel ist ein­fach, wis­sen­schaft­lich belegt, hat Vor­tei­le, aber auch ein paar Haken. 

Basis ist ein Kapi­tal, das groß genug ist, um davon leben zu kön­nen ohne zu arbei­ten. Als Richt­wert gilt das Kapi­tal: Das 25-fache dei­ner jähr­li­chen Aus­ga­ben als Spar­sum­me brauchst du laut Stu­di­en, wenn du nicht mehr arbei­ten möch­test. Pau­scha­len sind zwar immer schwie­rig, aber sie sind wenigs­tens ein Anhalts­punkt. Ein Bei­spiel: Wenn dei­ne monat­li­chen Aus­ga­ben 1.500 betra­gen, sind das pro Jahr 18.000 Euro. Mul­ti­pli­ziert mit 25 brauchst du in der Theo­rie eine Spar­sum­me von 450.000 Euro, um nicht mehr arbei­ten zu „müs­sen“. 

Das Geld zu ent­neh­men, funk­tio­niert nach der 4‑Pro­zent-Regel: Danach kannst du jedes Jahr vier Pro­zent dei­nes ange­spar­ten Kapi­tals aus dei­nem Wert­pa­pier-Depot ent­neh­men. Trotz­dem geht dir nicht das Geld aus. Denn das Depot steigt im Wert. Außer­dem erhältst du Divi­den­den bzw. Zin­sen.  

Vor­aus­set­zung ist aller­dings, dass dein Depot einen Akti­en­an­teil von min­des­tens 50 Pro­zent hat. Das bedeu­tet auch ein gewis­ses Risi­ko. Fakt ist aber auch, dass lang­fris­tig Akti­en alle 15 Jah­re immer posi­ti­ve Ren­di­ten erwirt­schaf­tet haben – egal wie rup­pig es zwi­schen­drin an den Bör­sen zuging. Und unab­hän­gig vom Ein­stiegs­zeit­punkt.  

Jetzt denkst du viel­leicht: „Mein Depot hat ja eine wesent­lich höhe­re Akti­en­quo­te, dann sind die Wert­stei­ge­run­gen grö­ßer und ich kann mehr als vier Pro­zent ent­neh­men“, aber du  

musst einer­seits die Infla­ti­on berück­sich­ti­gen. Also sind vier Pro­zent eine gute Richt­li­nie, wenn du noch 2–3 Pro­zent Infla­ti­on abziehst. Der nächs­te Haken ist die Besteue­rung: In Deutsch­land wer­den für Bör­sen-Invest­ments Abgel­tungs­steu­er von 25 Pro­zent plus Soli­da­ri­täts­zu­schlag plus ggf. Kir­chen­steu­er fäl­lig. 

Zu früh funktioniert die 4‑Prozent-Regel nicht

Zu früh funk­tio­niert die­se Regel aller­dings nicht: Die 4‑Pro­zent-Regel ist laut Stu­di­en auf 30 Jah­re aus­ge­legt. Wenn du mit 40 von dei­nem Ver­mö­gen leben möch­test, brauchst du eine höhe­re Absi­che­rung als die 4‑Pro­zent-Regel, denn vor­aus­sicht­lich lebst du deut­lich län­ger als bis 70. 

Die 4‑Pro­zent-Regel ist aber nicht nur für die­je­ni­gen inter­es­sant, die frü­her als mit 67 „in Ren­te“ gehen wol­len. Wich­tig zu wis­sen auch, wie viel Geld aus dei­nem Ver­mö­gen man im Ren­ten­al­ter abge­se­hen von der Ren­te ent­neh­men kann, ohne dass das Geld aus­geht. 

Vermögenslage für später checken

Ob du schon in jun­gen Jah­ren von dei­nem Ver­mö­gen leben kannst, kannst du an fol­gen­den Fra­gen selbst über­prü­fen: 

  • Was ist dein aktu­el­les Ein­kom­men? 
  • Wel­che Rück­la­gen hast du ins­ge­samt?  
  • Wel­che Ren­te bekommst du – bekommst du Ren­te? 
  • Wie viel Geld kannst du monat­lich zurück­le­gen, falls es zum Aus­stieg noch nicht reicht? 
  • Willst du frü­her aus dem Job aus­stei­gen, wenn ja wann? 
  • Wie viel Geld brauchst du dann monat­lich? Und wie viel ist Stand heu­te abge­deckt? 

Was zu beachten ist für später

Es ist eine gro­ße Her­aus­for­de­rung zu berech­nen, wel­che Kos­ten man „spä­ter“ hat. Einer­seits sind irgend­wann die Kin­der aus dem Haus und ste­hen auf eige­nen Bei­nen. Ande­rer­seits weiß man nicht, wie fit man spä­ter ist: Kos­ten für Gesund­heit und Pfle­ge in der Zukunft las­sen sich jetzt kaum rea­lis­tisch bezif­fern.  

Wir sehen schon heu­te, dass die Pfle­ge­ver­si­che­rung nicht aus­reicht, um alle Kos­ten zu decken. Der Gesetz­ge­ber hat des­halb schon jetzt Pri­vat­ver­si­cher­ten für das Jahr 2022 einen Coro­na-Zuschlag ver­ord­net, um Kos­ten von 480 Mil­lio­nen Euro für den Pfle­ge-Ret­tungs­schirm der Pfle­ge­ein­rich­tun­gen zu finan­zie­ren. Das sind je nach Tarif pro Monat 3,40 oder 7,30 Euro.  

Zinseszins beachten

Und noch ein Aspekt ist beach­tens­wert: Wenn du schon recht früh von sei­nen Invest­ments leben möch­test, ver­zich­test du auf einen Teil des Zin­ses­zin­ses. Der wirkt umso bes­ser, je län­ger er dau­ern kann. Wenn du nur kurz anlegst, muss du eine hohe Sum­me, um den glei­chen Effekt zu erzie­len wie mit einem lan­gen Spar- und Anla­ge­ho­ri­zont.  

Wenn du zum Bei­spiel monat­lich 100 Euro anlegst zu – sagen wir fünf Pro­zent – dann hast du nach 20 Jah­ren, ohne Ent­nah­men, vor Steu­ern 41.275 Euro Kapi­tal erreicht. In 40 Jah­ren erzielst du aber mit den glei­chen Para­me­tern eine Sum­me von 153.238 Euro (Quel­le: Finanz­fluss)  

Dar­über hin­aus wer­den die meis­ten von uns in ihren 50ern am bes­ten bezahlt, also eher in der zwei­ten Kar­rie­re-Hälf­te: Wer frü­her auf­hört, kann Teil der höhe­ren Ein­künf­te aus Beför­de­run­gen oder Gehalts­er­hö­hun­gen nicht mit­neh­men, die eben auch mehr Rück­la­gen und mehr Geld­an­la­ge ermög­li­chen. Das gerin­ge­re Ein­kom­men der frü­hen Arbeits­jah­re muss aber eben auch rei­chen, um den frü­hen Aus­stieg rea­li­sie­ren zu kön­nen. 

Fazit: Egal, ob du frü­her auf­hö­ren willst zu arbei­ten oder nicht: Die 4‑Pro­zent-Regel ist eine gute Richt­schnur, um immer mal schwarz auf weiß zu rea­li­sie­ren, was das Leben kos­tet, was man spa­ren bzw. inves­tie­ren kann und was die Geld­an­la­ge für spä­ter wirk­lich mal leis­ten kann. 

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Wann du (noch) nicht an der Börse investieren solltest

Die Kur­se stei­gen und du willst schnell auf den fah­ren­den Zug auf­sprin­gen? Oder sie fal­len und du willst den Moment zum Ein­stieg nut­zen? Super, wenn du inves­tie­ren willst. Aber ein paar Vor­aus­set­zun­gen braucht es, damit es auch funk­tio­niert. Hilft ja nichts, wenn du nach eupho­ri­schem Start auf­ge­ben musst, weil die Vor­aus­set­zun­gen ein­fach (noch) nicht passen. 

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