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    Wohngeld, ©evgenyatamanenko/iStock

2022: Mehr Geld zum Wohnen – und zum Heizen

2022-05-17T16:11:36+02:0017. Februar 2022|

Mie­ter und Eigen­tü­mer, deren Ein­kom­men nicht (mehr) reicht, um Wohn­kos­ten zu decken, soll­ten jetzt ihren Anspruch prü­fen las­sen. Bezie­hen sie spä­tes­tens für den März Wohn­geld, erhal­ten sie zusätz­lich einen Zuschuss zu den Heizkosten – und bei Bedarf grund­sätz­lich wei­te­re Leistungen.

Von Gise­la Haberer

Wer die Mie­te nicht mehr zah­len kann, dem droht die Kün­di­gung. Eine sol­che Not­la­ge von Mieter:innen soll durch Wohn­geld, also einen Zuschuss zur Mie­te, ver­mie­den wer­den. Auch Eigen­tü­mer, die ihre Kre­dit­be­las­tung nicht mehr tra­gen kön­nen, sol­len vor der Zwangs­ver­stei­ge­rung bewahrt wer­den: durch einen Las­ten­zu­schuss. Die­se För­de­run­gen sind kei­ne Almo­sen des Staa­tes. Da Woh­nen als Grund­be­dürf­nis des Men­schen gesell­schaft­lich aner­kannt ist, besteht bei Bedarf ein Rechts­an­spruch dar­auf.  

Seit Januar: Höheres Wohngeld 

In die­sem Jahr greift erst­mals die Dyna­mi­sie­rung des Wohn­gelds: Es steigt ent­spre­chend den Mie­ten und Ein­kom­men. Damit erhält ein Haus­halt im bun­des­wei­ten Durch­schnitt rund 13 Euro mehr Wohn­geld oder Las­ten­zu­schuss im Monat. Die Leis­tung wur­de das drit­te Mal in Fol­ge erhöht: 2020 wur­de der Kreis der Anspruchs­be­rech­tig­ten aus­ge­wei­tet und das Leis­tungs­ni­veau erhöht. 2021 kam ein Zuschlag dazu, um die Abga­be für Koh­len­di­oxid-Emis­sio­nen aus­zu­glei­chen. In Zukunft wird Wohn­geld alle zwei Jah­re an die Ent­wick­lung von Mie­ten und Ein­kom­men ange­passt und dürf­te damit wei­ter stei­gen.  

Einmaliger Zuschuss zum Heizen 

Da sich Ener­gie­kos­ten seit Herbst rasant ver­teu­ern, beschloss die Ampel-Regie­rung ein­ma­lig einen Zuschuss zu Heiz­kos­ten zu zah­len. Und zwar an Emp­fän­ger und Emp­fän­ge­rin­nen von Bafög, Auf­stiegs-BaföG, Berufs­aus­bil­dungs­bei­hil­fe und Wohn­geld. Bei Wohn­geld gilt eine wei­te­re Vor­aus­set­zung: Es muss wäh­rend der Heiz­pha­se zwi­schen Okto­ber 2021 und März 2022 min­des­tens einen Monat lang bezo­gen wor­den sein. Die Höhe des Zuschus­ses rich­tet sich nach Lebens­si­tua­ti­on und Anzahl der Haus­halts­mit­glie­der: Stu­die­ren­de und Azu­bis sol­len 115 Euro erhal­ten, Allein­le­ben­de 135 Euro, ein Zwei-Per­so­nen-Haus­halt 175 Euro. Für jede zusätz­li­che Per­son im Haus­halt soll es wei­te­re 35 Euro geben. Wer bereits Wohn­geld bezieht, muss kei­nen Antrag auf den Zuschuss stel­len. Er wird auto­ma­tisch mit dem Wohn­geld über­wie­sen, alle ande­ren Berech­tig­ten müs­sen den Zuschuss spä­tes­tens bis Jah­res­en­de bean­tra­gen. Wo, legen die Bun­des­län­der noch fest. Stimmt der Bun­des­tag zu, kann das Gesetz dazu am 1. Juni in Kraft tre­ten. Dann könn­te das Geld auf man­chem Kon­to ein­tref­fen, bevor die Heiz­kos­ten­ab­rech­nung ins Haus flat­tert. 

Geld zum Wohnen und mehr  

Wer Wohn­geld bezieht, hat Anspruch auf wei­te­re Hil­fen. Dar­un­ter zum Bei­spiel Sach- und Geld­leis­tun­gen, etwa für die Erst­aus­stat­tung einer Woh­nung, bei Schwan­ger­schaft, aber auch bei Mie­te oder Repa­ra­tur von the­ra­peu­ti­schen Gerä­ten. Außer­dem kön­nen Wohn­geld­be­zie­he­rin­nen und –bezie­her von Gebüh­ren befreit wer­den, zum Bei­spiel für Rund­funk oder KiTa. Ihre Kin­der haben Anspruch auf Leis­tun­gen aus dem Bil­dungs­pa­ket 

Wohngeld im Alter: Jetzt mehr Berechtigte  

Beim Wohn­geld und beim Las­ten­zu­schuss gilt ein spe­zi­el­ler Ren­ten­frei­be­trag: Die­ser beträgt 2022 bei Ren­ten über 515 Euro (brut­to) pro Monat 224,50 Euro. Die­ser Frei­be­trag ist beson­ders wich­tig für jene, die knapp über der Ein­kom­mens­gren­ze für Grund­si­che­rung im Alter lie­gen. Auf­grund des neu­en Frei­be­trags haben vor­aus­sicht­lich Hun­dert­tau­sen­de Rent­ner und Rent­ne­rin­nen erst­mals Anspruch auf Wohn­geld. Dafür müs­sen sie – wie bei der Grund­si­che­rung im Alter — min­des­tens 33 Jah­re Grund­ren­ten­zei­ten bele­gen. Die­sen Nach­weis erstellt die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung.  

Familien im Blick  

Bei Ein­füh­rung des Wohn­gelds hat­te der Gesetz­ge­ber vor allem Fami­li­en im Blick. Eltern soll­ten aus­rei­chend Wohn­raum für ihre Kin­der finan­zie­ren kön­nen. Nach dem jüngs­ten Wohn­geld- und Mie­ten­be­richt ist der Anteil von Fami­li­en mit zwei und mehr Kin­dern unter den Emp­fän­ge­rin­nen und Emp­fän­gern von Wohn­geld tat­säch­lich deut­lich höher als in der Gesamt­be­völ­ke­rung.  

Anspruch: berechnen lassen!  

Der Antrag auf Miet- oder Las­ten­zu­schuss wird bei der Wohn­geld­be­hör­de der Gemeinde‑, Stadt- oder Kreis­ver­wal­tung gestellt. Wegen des Rechts­an­spruchs auf Wohn­geld sind die Mitarbeiter:innen der Behör­de zur Bera­tung ver­pflich­tet. Sie errech­nen auch die tat­säch­li­che Höhe des Zuschus­ses.  

Orientierungswerte zur Bezahlbarkeit von Wohnraum  

Sub­jek­tiv beschleicht vie­le das Gefühl, einen zu gro­ßen Teil ihres Ein­kom­mens für Wohn­kos­ten aus­zu­ge­ben. Das Wohn­geld­ge­setz gibt objek­tiv zumut­ba­re Belas­tungs­gren­zen vor. Und die­se lie­gen teils erstaun­lich hoch, wie das Ber­li­ner Bera­tungs­un­ter­neh­men Empi­ri­ca anhand einer Bei­spiel­rech­nung ana­ly­sier­te. Dafür wur­de eine Net­to­kalt­mie­te von 600 Euro ange­nom­men. Bei die­ser Miet­hö­he erhält ein Ein­per­so­nen-Haus­halt erst dann Wohn­geld, wenn das Net­to­ein­kom­men unter 1.100 Euro liegt. 51 Pro­zent des Ein­kom­mens muss ein Sin­gle also für Wohn­kos­ten auf­wen­den. Je mehr Mit­glie­der ein Haus­halt hat, des­to nied­ri­ger ist die­se Gren­ze – schließ­lich sind vom Rest­ein­kom­men mehr Men­schen zu ver­sor­gen. Bei einem Drei-Per­so­nen-Haus­halt liegt sie noch bei 35 Pro­zent. Bei einem Sechs-Per­so­nen-Haus­halt bei 22 Pro­zent. Die sechs Per­so­nen dürf­ten ins­ge­samt auf Haus­halts­ein­künf­te bis fast 2.600 Euro net­to kom­men, um bei einer Kalt­mie­te von 600 Euro Anspruch auf Wohn­geld zu haben.  

Die Brut­to-Ein­kom­men kön­nen jeweils deut­lich höher lie­gen. Aktu­ell liegt der Medi­an beim Brut­to­ge­halt im Monat bei 3.427 Euro. Das bedeu­tet: Die Hälf­te der Beschäf­tig­ten in Deutsch­land ver­dient mehr, die ande­re Hälf­te weni­ger. Ein mitt­le­res monat­li­ches Brut­to-Ein­kom­men von 3.427 Euro kann durch Frei­be­trä­ge und Abzü­ge unter die Net­to-Gren­zen sin­ken, unter der Anspruch auf Wohn­geld besteht. Es kann daher loh­nen, den eige­nen Anspruch prü­fen zu las­sen.  

Rechenformel mit unsicheren Faktoren  

Auf den ers­ten Blick scheint es eine kla­re Sache. Die For­mel für den Wohn­geld­an­spruch hat drei Fak­to­ren: Die Höhe des Ein­kom­mens, die Höhe der Mie­te bezie­hungs­wei­se der Kre­dit­be­las­tung und die Anzahl der Haus­halts­mit­glie­der. Doch über die genaue Höhe jedes die­ser Fak­to­ren ent­schei­den wie­der­um eine Rei­he von Details.  

Faktor Einkommen  

Die Ein­künf­te aller Haus­halts­mit­glie­der wer­den zusam­men­ge­rech­net. Doch dabei wird nicht jede Ein­kunfts­art ange­rech­net. So zäh­len zum Bei­spiel Erwerbs­ein­kom­men, Kin­des­un­ter­halt und Unter­halts­vor­schuss zum Haus­halts­ein­kom­men, nicht aber Kin­der­geld und Kin­der­zu­schlag. Schließ­lich wer­den vom Brut­to­ein­kom­men des Haus­hal­tes ver­schie­de­ne Frei­be­trä­ge und ande­re Pos­ten abge­zo­gen. Ent­schei­dend ist die Höhe des so ermit­tel­ten „wohn­geld­re­le­van­ten“ Haus­halts­net­to­ein­kom­mens.  

Faktor Miete/ Kreditbelastung 

Mie­te und Kre­dit­be­las­tung sind jeweils nur bis zu bestimm­ten Höchst­be­trä­gen zuschuss­fä­hig. Damit soll sicher­ge­stellt wer­den, dass ange­mes­se­ner Wohn­raum geför­dert wird – aber kein Luxus. Da in Bal­lungs­zen­tren Woh­nen mehr kos­tet als in Abwan­de­rungs­re­gio­nen, sind die Ober­gren­zen regio­nal gestaf­felt: Bun­des­weit gibt es sie­ben Stu­fen.  

Faktor Haushaltsmitglieder 

In der Regel zäh­len alle Bewoh­ner und Bewoh­ne­rin­nen eines Haus­halts zu den Haus­halts­mit­glie­dern. Doch jede Regel hat ihre Aus­nah­men. So kön­nen zum Bei­spiel Kin­der einen Anspruch auf Wohn­geld haben, ihre Eltern aber nicht. Dies wäre etwa der Fall, wenn Kin­der bereits eige­nes Ein­kom­men haben, ihre Eltern aber Hartz IV, Sozi­al­geld, Sozi­al­hil­fe oder Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt bezie­hen. Die genann­ten Trans­fer­leis­tun­gen decken bereits den­sel­ben Teil der Wohn­kos­ten ab wie das Wohn­geld. Daher gibt es Wohn­geld oder Las­ten­zu­schuss nur für die Haus­halts­mit­glie­der, die kei­ne Trans­fer­leis­tun­gen vom Staat nicht erhal­ten, aber zu wenig ver­die­nen, um ihre Wohn­kos­ten selbst zu tragen.

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