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10 Minuten für dein Geld: So gelingt der Börseneinstieg

2022-04-25T12:04:18+02:0024. April 2022|

Unan­ge­neh­me Auf­ga­ben schie­ben wir gern vor uns her. Und Finanz­the­men sind vie­len von uns unan­ge­nehm. Häu­fi­ges Ver­mei­dungs­ar­gu­ment: Kei­ne Zeit. Hast du grad 10 Minu­ten? Wir ver­spre­chen dir in 10 Minu­ten einen Über­blick über das Wich­tigs­te zur Bör­se. Stell die Uhr – los geht’s. 

Von Ant­je Erhard

Will­kom­men am moder­nen Markt­platz, der Bör­se. Käu­fer und Ver­käu­fer han­deln hier Wert­pa­pie­re statt Obst und Gemü­se wie auf dem Wochen­markt. In den Ein­kaufs­korb, sprich das Depot, kön­nen Akti­en, Anlei­hen, Fonds, ETFs, Wäh­run­gen, Roh­stof­fe etc. wan­dern. Markt­ge­schrei gibt es auch nicht: Ver­käu­fer und Käu­fer tref­fen sich elek­tro­nisch.  

Die Ver­käu­fer wol­len ihre Wert­pa­pie­re ver­kau­fen. Sie machen den Käu­fern ein Ange­bot. Die Käu­fer wol­len die Wert­pa­pie­re erwer­ben und haben ent­spre­chend Nach­fra­ge. Ein Order­buch, das frü­her wirk­lich ein Buch war und heu­te elek­tro­nisch funk­tio­niert, bringt bei­de Sei­ten zusam­men, wenn sie sich auf einen Preis eini­gen. Wie ein Order­buch funk­tio­niert, liest du hier.

Hast du eine Aktie gekauft, bist du Aktionär:in. Das heißt, ab jetzt bist du an einem Unter­neh­men betei­ligt. Du pro­fi­tierst von den Kurs­ge­win­nen der Aktie, aber auch von mög­li­chen Divi­den­den. Das sind Gewinn­be­tei­li­gun­gen, wenn die Geschäf­te gut lau­fen und das Unter­neh­men Gewin­ne macht. 

Geld­an­la­ge an der Bör­se ist ein auch Risi­ko. Bei Akti­en sind es unter­neh­mens­spe­zi­fi­sche und Markt­ri­si­ken. Letz­te­re hast du nicht in der Hand. Auch aktu­ell haben wir erheb­li­che Markt­ri­si­ken: Wir sehen gera­de, dass die Prei­se enorm schnell stei­gen, dass die wirt­schaft­li­che Dyna­mik in vie­len Tei­len der Welt nach­lässt, dass ein Krieg die Welt erschüt­tert. Und die Pan­de­mie mit ihren Fol­gen für uns Men­schen, Gesund­heits­sys­te­me, Lie­fer­ket­ten, Wirt­schaft etc. ist auch nicht vor­bei. In so einer Pha­se heißt es: Risi­ko raus­neh­men, defen­si­ver inves­tie­ren.  

Wie kannst du das Risiko an der Börse senken?

Grund­sätz­lich gilt: Breit streu­en. ETFs oder Fonds, die sehr breit in ver­schie­de­ne Regio­nen, Län­der Sek­to­ren etc. inves­tie­ren, sind eine gute Wahl. Gera­de in rup­pi­gen Zei­ten soll­ten Risi­ken ver­teilt wer­den. Oder defen­si­ve­re Akti­en wie etwa Kon­sum­gü­ter- oder Lebens­mit­tel­her­stel­ler. Aber auch wenn du einen hohen Anteil an ein­zel­nen Akti­en favo­ri­sierst: Inves­tie­re in ver­schie­de­ne Märk­te, Bran­chen, Regio­nen – dann ver­mei­dest du Klum­pen­ri­si­ken. 

Zu den unter­neh­me­ri­schen Risi­ken: Der Akti­en­kurs eines Unter­neh­mens hängt ent­schei­dend vom Erfolg eines Unter­neh­mens in der Zukunft ab. Schwa­che Geschäfts­zah­len, schlech­te Aus­sich­ten, aber auch Manage­ment-Feh­ler – es gibt vie­le Grün­de, war­um dir als Anteils­eig­ne­rin an einem Unter­neh­men, Kurs­ver­lus­te ent­ste­hen kön­nen.  

Warum soll ich Geld anlegen?

Es gibt aber auch vie­le Grün­de, um zu inves­tie­ren: Weil die Ren­te spä­ter nicht aus­reicht, du aber auf nichts ver­zich­ten möch­test; weil du gro­ße finan­zi­el­le Zie­le hast, etwa einen Immo­bi­li­en-Kauf; weil du dir eine län­ge­re Aus­zeit leis­ten könn­ten möch­test; weil du für die Aus­bil­dung oder das Stu­di­um dei­ner Kin­der vor­sor­gen möch­test. Aber auch: Weil nach wie vor die nega­ti­ven Zin­sen und inzwi­schen auch die Infla­ti­on am Gespar­ten knab­bern. Es gibt vie­le Grün­de. Bör­se ist schließ­lich dazu da, Kapi­tal zu ver­meh­ren. Das geht nicht über Nacht, lang­fris­tig aber schon.  

Wie kann ich Geld anlegen?

Es gibt meh­re­re Mög­lich­kei­ten, Geld anzu­le­gen, etwa Spar­buch, Tages­geld, Fest­geld: Das Spar­buch wirft – anders als frü­her – fast kei­ne Zin­sen ab. Es eig­net sich nicht zur lang­fris­ti­gen Geld­an­la­ge. Tages­geld­kon­ten sind eine Art Giro­kon­to mit Spar­funk­ti­on. Doch auch hier sind die Zin­sen zu nied­rig, als dass sich so ein Kon­to lohnt. Selbst auf Fest­geld­kon­ten wer­den inzwi­schen Zin­sen ange­bo­ten, die die Infla­ti­on nicht aus­glei­chen: Legst du hier aktu­ell 10.000 Euro für fünf Jah­re an, erhältst du euro­pa­weit bei Insti­tu­ten mit min­des­tens guter Boni­tät maxi­mal 0,65 Pro­zent Zin­sen pro Jahr (Quel­le: Check 24, April 2022).  

Bei­spiel Akti­en: Selbst Akti­en sind nicht vor der Infla­ti­on gefeit, weil vie­le Sek­to­ren dar­auf sen­si­bel reagie­ren. Ande­re Unter­neh­men kön­nen Preis­stei­ge­run­gen wie­der­um an ihre Kund:innen wei­ter­ge­ben. Doch Akti­en, also Unter­neh­mens­an­tei­le, sind für den lang­fris­ti­gen Kapi­tal­auf­bau durch­aus geeig­net. Du pro­fi­tierst idea­ler­wei­se von Kurs­ge­win­nen und Divi­den­den. Ande­rer­seits gehst du Ver­lust­ri­si­ken ein.  

Bei­spiel ETFs, Fonds: Das Risi­ko von Ein­zel­in­vest­ments in Akti­en kannst du mit ETFs und Fonds umge­hen. Es gibt zu jeder Anla­ge­klas­se, zu jeder Markt­la­ge, zu jeder Regi­on ent­spre­chen­de Pro­duk­te: Ein Fonds oder ETF ent­hält vie­le ver­schie­de­ne die­ser Pro­duk­te, etwa Anlei­hen, Akti­en, Roh­stof­fe etc. Fonds wer­den aktiv von Mana­gern betreut, das kos­tet Gebüh­ren. Aber er kann auf Markt­schwan­kun­gen reagie­ren und das Port­fo­lio umschich­ten. ETFs sind pas­si­ve Struk­tu­ren ohne Mana­ger. Das ist güns­ti­ger, aber weni­ger fle­xi­bel.  

Bei­spiel Anlei­hen: Hier wirst du Gläu­bi­ger eines Unter­neh­mens oder Staa­tes. Die geben Anlei­hen aus, um Geld ein­zu­neh­men. Mit dem Kauf ihrer Anlei­hen bekommst du Geld in Form von jähr­li­chen Zin­sen. Das Risi­ko hängt stark von der Boni­tät des Schuld­ners ab. 

Bei­spiel Immo­bi­li­en: Die eige­ne Woh­nung, das eige­ne Haus oder Immo­bi­li­en als Kapi­tal­an­la­ge. Du kannst Mie­ten ein­neh­men und hast im Ide­al­fall eine Wert­stei­ge­rung. Aller­dings sind in den meis­ten Regio­nen Deutsch­lands die Prei­se stark gestie­gen, und jetzt zie­hen auch die Zin­sen an. Alter­na­ti­ven kön­nen Immo­bi­li­en-Fonds sein, die in Wohn- oder Gewer­be-Immo­bi­li­en inves­tie­ren oder Immo­bi­li­en-Akti­en. 

Bei­spiel Edel­me­tal­le: Gold ist in Deutsch­land als Invest­ment viel belieb­ter als in vie­len ande­ren Län­dern. Du kannst Gold, aber auch Sil­ber oder ande­re Edel­me­tal­le phy­sisch kau­fen als Mün­zen oder gro­ße und klei­ne Bar­ren und dann in einem Tre­sor ver­wah­ren. Edel­me­tal­le sind aber auch über Wert­pa­pie­re han­del­bar. 

Bei­spiel Roh­stof­fe: Roh­stoff-Invest­ments gel­ten als die Kür unter den Invest­ments. Sie sind sehr anspruchs­voll, weil sie von vie­len Fak­to­ren abhän­gen: Von der wirt­schaft­li­chen Lage, von Wäh­rungs­ent­wick­lun­gen, Infla­ti­on, von Ange­bot und Nach­fra­ge sowie­so und, und, und. Die meis­ten Pro­duk­te auf Roh­stof­fe sind kom­plex und vie­le ber­gen ein Aus­fall­ri­si­ko. Für Einsteiger:innnen sind sie daher nicht geeig­net. Aber für spä­ter einen Blick wert, um das Port­fo­lio wei­ter zu diver­si­fi­zie­ren, also noch brei­ter auf­zu­stel­len. 

Was muss eine Geldanlage leisten und an Renditen bringen?

Wir haben schon gese­hen, dass Spar­buch, Fest­geld und Tages­geld wenig ein­brin­gen bezie­hungs­wei­se durch die hohe Infla­ti­on sogar noch Ver­lus­te ent­ste­hen. Auch an der Bör­se kön­nen Ver­lus­te ent­ste­hen. Das muss dir klar sein. Doch für den deut­schen wie den US-Akti­en­markt ist belegt: Nach 15 Jah­ren war jedes Invest­ment seit dem Zwei­ten Welt­krieg posi­tiv – egal wann man ein­ge­stie­gen ist und egal, ob es zwi­schen­drin Ein­brü­che gab. 

Neh­men wir ein belieb­tes Bei­spiel: Den MSCI World. 7,5 Pro­zent hat er in den letz­ten 20 Jah­ren im Schnitt an Per­for­mance erzielt. Neh­men wir eine Infla­ti­on von 2,5 Pro­zent an (sie war in den letz­ten 20 Jah­ren von 2002 bis 2021 mit 1,5 Pro­zent deut­lich nied­ri­ger, aber künf­tig wird sie wohl erst ein­mal höher aus­fal­len – also 2,5 Pro­zent als Annah­me), dann ergibt sich vor Kos­ten eine Ren­di­te von fünf Pro­zent. 

Was bringen fünf Prozent Rendite langfristig?

Fünf Pro­zent Ren­di­te in einem breit gestreu­ten Index sind abso­lut mach­bar – ganz ohne Ein­zel­ak­ti­en. Wenn du monat­lich 150 Euro zu fünf Pro­zent inves­tierst, über 20 Jah­re, dann zahlst du ins­ge­samt 36.000 Euro ein. Du erhältst 25.912 Euro Zin­sen und hast am Ende der Lauf­zeit 61.912 Euro vor Steu­ern.  

Sparplan oder Einmalanlage?

Die 150 Euro kannst du über einen Spar­plan anle­gen, dann läuft das Gan­ze auto­ma­tisch. Du kannst aber auch einen grö­ße­ren Betrag auf ein­mal inves­tie­ren: 

Wenn du einen Ein­mal­be­trag von 10.000 Euro über 20 Jah­re anlegst, dann sieht es wie folgt aus: Bei fünf Pro­zent Ren­di­te erzielst du in 20 Jah­ren 27.126 Euro. Legst du 20.000 Euro an, sind es 54.253 Euro am Ende der Lauf­zeit. (Quel­le: Finanz­fluss). 

Letzt­lich hast du mit dem Spar­plan am Ende mehr Geld, du hast aber auch ins­ge­samt mehr inves­tiert. Stu­di­en bele­gen, dass Ein­mal­be­trä­ge lang­fris­tig meist eine höhe­re Ren­di­te abwer­fen. Um viel auf ein­mal zu inves­tie­ren, soll­test du dich an der Bör­se schon etwas aus­ken­nen. 

Wie gehe ich mit Kursverlusten um?

Kurs­ver­lus­te wirst du erle­ben, wenn du lang­fris­tig inves­tierst. Das ist ein­fach so. Wenn du trotz Kurs­ver­lus­ten von der Qua­li­tät dei­ner Akti­en über­zeugt bist (Bewer­tun­gen wie das Kurs-Gewinn-Ver­hält­nis, das den Akti­en­kurs ins Ver­hält­nis zum Unter­neh­mens­ge­winn setzt oder Ein­schät­zun­gen von Ana­lys­ten geben hier­zu Hin­wei­se bzw. Infor­ma­tio­nen), dann halt durch. Wenn du ein­räu­men musst, dass du auf ein völ­lig fal­sches Pferd gesetzt hast oder ein Unter­neh­men sogar plei­te ist – sie­he Wire­card, wo vie­le von uns Geld ver­lo­ren haben – dann kannst du nur die Reiß­lei­ne zie­hen. Immer­hin: Die Ver­lus­te kannst du mit Kurs­ge­win­nen ver­rech­nen und steu­er­lich gel­tend machen. Aber dar­auf musst du es ja nicht ankom­men las­sen.  

Warum investieren so viele von uns nicht an der Börse?

Kei­ne Ahnung, kein Geld, kei­ne Zeit – das sind die gän­gigs­ten Argu­men­te bzw. Vor­ur­tei­le. Dass du wenig Zeit brauchst, bewei­sen wir gera­de. Wenig Geld ist auch kein The­ma: Ab 25 Euro monat­li­cher Spar­ra­te ist Bör­se mach­bar. Das Wis­sen schau­felst du dir in die­sem Moment drauf. 

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